paule gerhardt

hospitalisierend summ ich den ganzen tag, die ganzen tage schon, irgendein paul-gerhardt-lied so vor mich hin. eins von der hochzeit am letzten samstag. industriestaubsauger dazu, der titel mir entfallen, der text auch. in meinen kehlkopf hinein und über die backen hin zu kottelette und läppchen vom innenohr, dann entlang der seitenstränge, die hinten den kopf zwiefach halten, von unten nach oben und dort rüber wieder retour in richtung mittigem großhirnklangraum. wenn man die ohren nach vorne drückt, ähnlich beim gähnen. dann hört man für einen augenblick nichts vom externen, ein selbstmoment, wie handentspannung (die entspannung der hände). /männchen haben keine sekundären teile, die sie sich gentechnisch empfohlen entfernen lassen könnten. oder doch? ich hab keine ahnung. ich finde diesen vorgang mutig und konsequent, aber er hat auch einen klecks. /E. meinte gestern auf dem Gerüst: „Die Orgel ist der natürliche Feind des Menschen.“

pike

10.5.13-„seh ich durchs fenster, dass ein fahrschulauto durch den garten fährt, unverschämt und respektlos. gesellen sich mehrere andere autos dazu, plötzlich wildfremde menschen auf dem rasen, ich bin empört – frage erfolglos die zuständigen stellen, was das soll. die fahrlehrerin schippischt mich an, „ich solle mich nicht so haben“, immer mehr lebewesen, welche dort nicht hingehören, das hier ist meins, ich frage mich irgendwann logischerweise, ob das zombies sind, werde sehr zornig und bewege mich schließlich drohend auf ein blödes pärchen mit weissen gesichtern hin, die schauen ebenso böse zurück und fletschen, je näher ich mich nähere, ihre zähne und dann werfe ich mich mächtig auf sie und beisse meinerseits ungeahnt überraschend erfolgreich bestienhaft auf sie ein und selbst überrascht, wie ich das kann. und dann ist der maimittagsschlaf zu ende, traumdeutung ist überflüssig, mich erfreut mein angriff auf unverschämtheiten ungemein und überdeckt diverse ohnmachtsgefühle gegenüber dem rasenmäherkonzert in den nachbaranwesen links und rechts. ja, auch ich kann auch beissen. /und abends der beschluß, wieder mal plein-air zu zeichnen. nebenher. zurück zu von der pike auf.“

9.mai

Der Taubenvergrämer hat gute Arbeit geleistet und ein Netz gegen Tauben vor dem steinernen Relief an der Westseite angebracht. Eine Amsel hat sich nun auf dem Kopf der Heiligen Helena (um 1320) ein Nest gebaut und brütet in aller Ruhe, gut geschützt vor Tauben.

Im Nachbargebäude wurden Sondierungen mit Bohrhammern durchgeführt. Auf der spannenden Suche nach verborgenen Räumen und Kellern wurde ein kleiner uralter Latrinenraum aufgedeckt, welcher offenbar vor 50 Jahren endgültig zugemauert worden war. Dort befanden sich noch eine schöne Limonadenflasche, Knochenreste und eine sorgsam gefaltete Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25.4.1962. Da war ich gerade 5 Monate alt.

Wir sprachen über eine Fortbildung zum Thema „Wie überbringe ich eine Todesnachricht“, veranstaltet von der hierörtlich organisierten Notfallseelsorge. Ich bewundere zutiefst diejenigen, die sich für diese Dienste mit Leib und Seele zur Verfügung stellen. Gerne würde auch ich irgendetwas solcherart Sinnvolles tun.

Gestern Befreiung und heute Vatertag. Wie schön! 🙂

schoko

taxi nach mai

(„taxi nach mai“, 2005, ca. 24x30cm, Öl/Lack auf MDF, ©VG Bild-Kunst Bonn)

Dabei bekomme ich immer so ein seltsames Heimweh, von dem ich gar nicht weiss, ob ich es überhaupt noch Heimweh nennen darf. Schließlich war ich in Schöneberg und nun in Neukölln. Und hier jetzt, am Waldrand, werden Gartentore ausgehängt oder es wird vorsichtig Sprühsahne auf die gepflegten Kfz appliziert. Ab und an Klopapier auf den wenigen Rechts-vor-Links-Kreuzungen. Es gibt ja nicht einmal eine Ampel im Dorf. Aber immerhin eine Kundgebung mit Bärlauchwurst, Bier und Gewerkschaft. Alte Arbeiterbauerntradition. Das gefällt mir, manchmal sogar sehr.

„wo deine füße stehn, ist der mittelpunkt der welt.“ eine große patchworkbehutsamkeit allerseits hat das fest der taufe und der unmittelbar folgenden konfirmierung zu einem schönen werden lassen. wenn auch anstrengend. und nasskalt in der tortursiedlung. hab ein nüsschen in meinem täschchen und alle sagen, ich soll das wegwerfen, aber ich tu das nicht, denn wenn ichs immer in der tasche habe, dann weiss ich, ich kanns ja > jederzeit zertreten und diese möglichkeit ist mir sv heiliger, als es wegzuwerfen. das teufelchen ist ein eichhörnchen. der kuchen war lecker.

Das Bild wurde 2007 verkauft an eine große Kanzlei in Querstrasse zu Unter den Linden. Und der Kirschkern ist ab sofort eine „Schoko“, eine Schon-Konfirmierte.