Das kann es doch jetzt nicht gewesen sein.

Teppich

(Abb.: Teppich)

„Das kann es doch jetzt nicht gewesen sein“ denkt sich gewiss die Made im Baum, angesichts des Klopfen des Spechtes ganz nah im Wald am Ast die Tage. Das kann es doch jetzt nicht gewesen sein, denk ich, angesichts der derzeitig postalischen Anwürfe von Sterbeversicherungsanbietern. Frau Mullah rät mir augenzwinkernd zu, nicht ohne mich sogleich zu umarmen. Das kann es doch jetzt nicht gewesen sein, denke ich weiter, wenn sie sich empathiert mit den Frischwitwen von 71-jährig soeben viel zu früh verstorbener Gatten. Und das ganze Leben lang hatte er Sport gemacht. „Wieso schaust Du mich da so mitleidig an?“ frage ich, keck empört, und „Was ist, wenn’s Dich vor mir erwischt?“ Nein, so sei es natürlich nicht gemeint gewesen. Abermals sogleich umarmen wir uns sachgerecht. Das kann es doch jetzt nicht gewesen sein, dachte ich, als ich das gelblich verblichene Echt-Foto von 1977 gefunden habe. Da war ich junger Mann, eher noch ein Männchen, an der schönen Schwelle zum Erwachsenwerden. Noch alles vor mir, eigentlich fast wie gestern im Innern, so zügig anheim. Damals Werbung für Lebensversicherungen, die mir so absurd vorkamen mit Laufzeiten von 30 und mehr Jahren, unvorstellbar. Und nun die Sterbeversicherungen. Ebenso absurd, jedoch auch irgendwie halbrealistisch vorstellbar, ein wenig bitter im Abgang. Das kann es doch jetzt nicht gewesen sein, denke ich, wenn ich an S. denke, der die Idee hatte vor einem dreiviertel Jahr, einen freistehenden dörflichen Geldautomaten nachts um zwei mit einem Gabelstapler aus der Verankerung zu reissen, nicht etwa aus grundkriminellen Daseinsvorhaben, sondern aus Neugier und Leichtsinn und weil einfach etwas Geld fehlte für seine dringenden Geschäftsideen. Eher ein Akt der Einforderung an die Gesellschaft. „Das kann es doch jetzt nicht gewesen sein“ denkt sich sicherlich die kleine Maus, sie wohnt im Trockenmäuerchen am Atelier, als sie meinen ihr genehm gelegten kleinen Käserand fand. Weshalb ich ihr heute eine ganze halbe Scheibe Gouda vor’s Nest legte, welchen sie gleich barg noch am frühen Abend, in Richtung ihres Schlupfs. Das kann es doch jetzt nicht gewesen sein, dachte sich sicherlich auch einer oder eine der zwei sterbenden Toten in Polen, als eine ausländische Rakete (böse), wahlweise Raketen-Abwehrrakete (gut), ihn oder sie zerriss. Und „das kann es doch jetzt nicht gewesen sein“ denk‘ ich, nebenbei und profan, angesichts der allumfassenden Kommunikationsverweigerung der Verantwortlichen der Heizungs- und Sanitärfirma, ohne deren dringende Weiterarbeit alles nun stillsteht bei der Hausrenovierung. Zudem, da gibt es eine neue Heizung, aber keiner kommt, um sie anzustellen. Stattdessen läuft im Atelier über Stunden das Elektroöfchen. Aber was ist schon eine Hausrenovierung angesichts von ausländischen Raketenabwehrraketen oder Käseecken für Mäuschen. Am eigentlichsten ist mir jedoch gerade der Verlauf meines Selbst mitsamt subjektiven Teilhistorien, memoriert und durchgenudelt im eher sehr dankbaren Gesamten. Trotzdem: Das kann es doch jetzt nicht gewesen sein. Das alles. Aber vielleicht eben ja doch. Man muss sich gewöhnen, wie an einen immerwährenden Teppich.

Normalerweise mag ich den Spätherbst sehr. Dann ist Atelierzeit, die Zeit der persönlichen Igel und der Einkehr. Üblicherweise Momente kreativster Melancholie, oft herbeigespielt, in reflektierender Vorfreude. Oft sinnlich. Nicht so in diesem Jahr, das bislang einfach kein vorrausschaubar vereinbart schönes Ende nehmen mag im Verfall, so wie sonst immer. Noch nicht jedenfalls. Ich hoffe, das kommt noch, diese geschenkten göttlichen Kurven. Das Jahr bräuchte vielleicht spätestens jetzt eine gescheite Sterbeversicherung, und zwar ohne vorherige Gesundheitsprüfung.

nachbarschaft

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„Bett, Tisch, Waschbecken in H.s Zimmer“, 2022, 19x31cm, Öl auf Buchkarton, ©

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Heute wäre die alte Dame, geboren 1926 in Berlin-Tempelhof, aufgewachsen in Kiel und Pillau/Opr., ausgebombt in Berlin-Lankwitz, geflüchtet aus Ostpreussen, alles verloren einquartiert in Eisleben und dann in Cuxhaven das Kriegsende miterlebend, 96 Jahre alt geworden. Sie hat mir viel erzählt von damals, immer, mein ganzes Leben lang. Und mich stets ermahnt, dass sich alles ändern könne von heute auf morgen. Und ob ich wisse, wie man zur Not zu Fuß von hier in die Schweiz käme. Oder ein Feuerchen anmache, zum wärmen, irgendwie und irgendwo. Wo auch immer. Ich war an ihrem Grab heute auf dem Friedhof am Waldrand, vor schon dreieinhalb Jahren ist sie gestorben. Sie hat mich vieles gelehrt, über das ich einst oft meinen Kopf schüttelte. Heute tu ich das nicht mehr. Heute habe ich ihr die aktuelle Weltlage geplaudert, unter der Birke am Grab, welches sich immer tiefer von selbst einebnet mit dieser schwarzen Graberde, mit Blick auf die Schwäbische Alb. Sie konnte kaum glauben, sie habe aber auch schon darüber gelesen in der Totenzeitung. Und berichtete abermals, dass, als ich kaum ein Jahr alt war, alle dachten, nun gibt es schon den nächsten großen Krieg, diesmal eben Atom und Cuba. Und wie sie gefroren hatte seinerzeit im heutigen Oblast Kaliningrad unter zwei dicken Daunendecken, der Magen zu leer für Teenies, bei den Großeltern an der Ostsee beim frischen Haff. Ihre geliebte Oma Mika, es gibt noch eine alte jugendstilgewebte Decke im Hause, die ist von Mika, mit allerlei Randfraß. Und daß es gut sei, immer viel Zucker im Hause zu haben, der wäre viel wert auf dem Schwarzmarkt. Und dass man stets einen Holzofen planen solle in Räumlichkeiten. Und einen Rucksack dabeihaben mit Landkarte. Ihr Abitur bekam sie 1944 in Königsberg zuerkannt, nach dem Minenputzen und vor dem Flüchten und Allesverlieren mit 17. Über das derzeitig allseitige Beklagen von Versorgungsengpässen oder das Verweigern von luxuriösem Autobahntempo würde sie nur den Kopf schütteln können. Diese ewige Beklagerei, angesichts von Kleinigkeiten und andererseits Tod. Viel wichtiger wäre es, genügend schwarzen Stoff in der Wohnung für die Verdunklung zu haben, notfalls auch für die Nachbarschaft. /Das ist wohl der Unterschied, sage ich heute: die Nachbarschaft.

Übergangshelfer

Hallelujah

Es ergeht folgende Einladung:

Sebastian Rogler – Übergangshelfer
Malerei, Collage, Text

1.10. 2022 bis 12.11.2022

Galerie Schacher 2, Katrin und Marko Schacher, Marktplatz 24, 71032 Böblingen / geöffnet: nonstop durch’s Schaufenster und nach telefonischer Vereinbarung unter: 0152-090 208 92 / http://www.galerie-schacher.de/?Schacher_2

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Eröffnung am Samstag, den 1.10.2022 von 15.00 bis 18.00 Uhr / Einführung von Katrin Schacher um 15.00 Uhr / ab 16.00 Uhr: Lesung durch Sebastian Rogler, eigene Texte, Eintritt frei, Anmeldung unnötig.

Finissage zur Langen Nacht der Museen Böblingen & Sindelfingenam am Samstag, den 12.11.22 von 18.00 bis 24.00 Uhr, Künstlergespräch und Lesung um 19.00 und 21.00 Uhr, Eintritt frei, Anmeldung unnötig.

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Herzliche Grüße!

Kuh wie Sau

Genehm wie gefühlt, gedrückt wie gehoben, gebückt wie verworfen, (geworfen wie gelegt), gegeben wie geschmissen, gekringelt wie gelacht, geküsst wie geliebt. Geschlachtet wie gegessen, gelegen wie gestanden, Frau wie Mann, Kind wie Hund, gebissen wie geschleckt, Katze wie Sack, gesoffen wie getrunken, Asche wie Kohle, Acker wie Scholle, Heu wie Geld, geköpft wie gekleckert, Masche wie Flasche, Schnee wie Gestern, getrunken wie befunden, berochen wie geschmeckt. Gemocht wie gehasst, Gemächt wie geerbt, gemacht wie gekniet, Geschichte wie gebückt, Gefecht wie Geflecht, Mut wie genehmigt. Gestreift wie berührt, benommen: genommen, beleckt wie bekleckert, belebt wie belacht, gescheckt, betroffen wie bewegt, besoffen wie betrunken, gekostet wie verdrückt, gelebt wie verlebt, bedrückt wie behoben, belegt, bekriegt wie beliebt, bekniet wie geflohen, belebt wie befriedet, verdaut wie bedauert, beliebt wie verliebt. Bekriegt wie besiegt, bekniet wie gemocht, Sonne wie Wonne, vereint wie verneint, Wanne wie Kanne, Milch wie Hafer, Kuh wie Sau, gemolken (wie Wolken), gegeben wie: Leben, Himmel wie Gott.

der weg nach unten über zürich zufikon, ein geburtstag am pool, sodann darauftäglich lausanne und die üblichen wege südwärts. zwischendurch über schon niedrigere berge, passhöhen von sechshundert metern, schön diese peage-stationen mit kärtchen einschieben und restgeldern entnehmen, welches dann herunterfällt und unter die automobile, elektrisch wie verbrennend, rollt, um von nachfolgenden prekärfahrern aufgelesen zu werden. geehrte pfennige. die ersten feigen, die ersten palmen, die ersten hitzen, die ersten füße aus fenstern, lackiert oder bloß, die ersten der scorpione, der möwen und wieder einmal eiswürfel in die weissweingläser plumsen lassen. überall segelboote und motorjachten mitsamt anderen weltweiten vitae. die asterix-sprache mit ihren nuschelden lauten, ins o oder ä bzw. ae verzogen nach hinten gurrend hinaus. eine eleganz im äußerungsduktus von alltäglichkeiten, ich kann nur davon träumen. hatte doch ich damals altgriechisch gewählt, weil ich dachte, das französische lernte ich bestimmt nochmal im langen leben. und nun ist ein gutes stück des langen lebens schon vergangen, ohne dass ich das damalige vorhaben vertiefend realisiert hätte. ich hätte mich anders entscheiden sollen, aber nun ist es auch egal. allein die aussprache des wortes „EUROPE“, welch singsang. immerhin, die kirschkern führt nun offenbar mein manko zum guten gegenteil hin fort: sollte ich blödsinnige texte ins französische zu übertragen haben, so würde ich sie fragen, ob sie das übernähme.

auf einer überdachten terrasse nach osten hin stehen, sitzen, liegen, tags, abends, morgens, nachts. kaffee, einfach schauen, vielleicht hinüber zum parkplatz von allerlei größeren privatbooten, diese hoch aufgebockt, teils bewohnt. das verhalten von möven und elstern beobachten, und die ersten stare sammeln sich zum formationsflug nach süden. ihnen ist es egal, dieser krieg oder gasmangel. wieso sollte es einen letzten sommer geben? oder zweibeinige unruhen im herbst oder winter? ich bin nicht so sehr der strand-typ, aber dreimal war ich auch dort. mich hätten diese fische sehr interessiert, die den badenden in die unterschenkel zwicken. aber auch das war wohl nur sommerloch, ich jedenfalls habe keinen wadenbeißer bemerkt. das städtchen agde ist ein schönes. man sollte sich jetzt dort alte schmale hohe steinhäuser in der altstadt kaufen, die einem quasi hinterher geworfen werden. angenehme 28 grad, durchgehend. ich kann sowas gut haben. man muss sich nicht um vorrausschauende kleidung kümmern gedanklich, so wie bei uns das ganze jahr. diese kapazitäten sind dann für anderes frei, das kann ich sehr genießen. was für ein langer sommer es doch war in diesem jahr. ich erinnere das ewiglich nicht. ich werde nicht meckern oder mich beklagen.

auf der retourfahrt bemerkte ich nahe lausanne erstmals das mont blanc massiv in abendsonne aus dem rechten beifahrerfenster heraus in der leicht rückliegenden ferne. wie sehr schön solche dinge in diesem jahr doch sind.

das dach ist noch nicht neu eingedeckt, immer noch nicht. die vorbereitete, weithin grün leuchtende, membran ist zwar wasserdicht, aber es ist nicht gut, dass diese arbeit noch nicht getan ist. zu viele kleine, zunächst lediglich paartägliche verzögerungen, die dann insgesamt nach hinten hinaus zu wochen der verlangsamung führen. wochen voller trockener sonne sind tatenlos diesbezüglich verstrichen und nun beginnt der regen und die feuchte bewitterung der oberfläche eines zwischenraumes, der einst mit zellulose ausgeblasen sein wird. was für detailsorgen man doch entwickelt. meist ohnehin grundlos.

und immer, wenn dann krieg ist, fange ich an, mich noch mehr fürs leben der tiere zu interessieren. die beobachtung des kreatürlichen daseins um uns herum ist dazu gewiss auch eine alterserscheinung und kompensation von sprachdefiziten. am waldrand zum beispiel gibt es diese kulturfolgende „nosferatu-spinne“ schon seit jahren, da bin ich mir FAST sicher. meist nachts, wenn man dort irgendwo unvermittelt das licht im tiefparterre anschaltet, rennen sie entweder schnell weg ins dunkle. oder aber, sie verharren noch kurz vor ihrem sodann stets zwiefach tödlichen biss. am nächsten morgen dann finden einen die entsetzen angehörigen leblos verdreht vor der latrine, mit weit aufgerissenen augen.

„Der Satz, dass die gutgemalte Rübe besser sei, als die schlechtgemalte Madonna, gehört bereits zum eisernen Bestand der modernen Ästhetik. Aber der Satz ist falsch; er müsste lauten: Die gutgemalte Rübe ist ebenso gut wie die gutgemalte Madonna.“ (Max Liebermann, 1916)

Kannten, bis ich was sagte

Rechtenstein

Tageb. 30.7.2022/ mir fällt es schwer derzeit, zu schreiben. etwas zu ende zu schreiben. geschliffen auf meine art zu formulieren, und damit zu denken zu ende. etwas niederzulegen, ab zu legen, zu bannen in dies oder das. ähnlich verhält es sich mit dem bildnerischen. mein atelier wird fremdbelegt von vorrübergehend ausgeräumten dingen, mit materialien für die renovierung oder mit temporären verlagerungen des archivs in die arbeitszone oder sozialpausen. ich habe in diesem jahr keine gedankenplätze und privaten höhlen, die ich doch so brauche. lediglich der samstag abend ist etwas reserviert hier, also heute. aber wer kann schon von 0 auf 100 bildnern oder formulieren, geschweige ordnen. ich hätte das so nicht gedacht. wie es ist ohne die schöne private sphäre, in der ich tun und lassen kann, normalerweise. im atelier trinken handwerker nun derzeit ihren kaffee, das ist ja auch vollkommen in ordnung so, der umbau geht voran, was schön ist. selbst am samstag kann es jedoch sein, dass jemand plötzlich im hause ankommt, um etwas zu tun. was ja prinzipiell gut ist. aber ich habe keine schöpferische schutzzone mehr, wie schwer das ist, auch mit dem wissen, es geht vorbei, das hatte ich nicht bedacht. der kopf ist voll, aber nichts kann derzeit hinaus, so, wie ich es sollte und wollte. stattdessen fragmente, in bild und worten, oder zerstreute aufschreibsel, ungeendet, roh, nicht wirklich gut geschliffen oder gemalt oder eingefangen. das nahezu einzige, was möglich ist, sind andeutungszettel, am besten fotografisch. oder schnoddrig, ggf. obszön. ich wollte eigentlich, so dachte ich im februar, im garten große rotzige dinge malen im lauf der renovierungsarbeiten. und wenns draufregnet, dann ist es auch egal. jetzt wo ich das schreibe, denke ich, ich sollte genau das nochmals probieren, sommerlich. ich habe textlich forsche und grundlegend emanzipatorische entwürfe über das sog. „gemächt“ abgelegt, über meinen mittlerweiligen fast-hass auf SUVs und daimlers politiken oder audis elektropanzer, natürlich aber auch bauseitige schöne beobachtungen mannigfach sowie anmerkungen zum allgemeinzustand des sozialen zusammenseins, regional wie gesamtweltlich. all diese planvollen dinge mitsamt kleinen abstrakten malereien sind jedoch in diesem jahr aufs gedimmte eis angelegt. alle energie fließt gerade in den umbau mit allen seinen details, derer es immer mehr werden, je mehr alles voranschreitet. und es ist ja SCHÖN, dass es das tut, es ist spannend, aufregend, alles das erste mal! dazu dann aber noch dieser neofaschistische krieg, dazu immer noch dieses latentcorona mit infizierten kollegen, dazu das wissen, dass man häuser eher mit 40 als mit 59 umbauen sollte. aber dennoch zu wissen, immer und zuversichtlich, wie schön das hier werden wird, wenn es einst fertig ist. ich meine, andere legen mit 59 die beine hoch. ich will aber nicht die beine hoch legen, um es mal so zu sagen. ich kann mir gar nicht vorstellen, irgendwann mal nur noch die beine hoch zu legen. denn worauf sollte ich meine füße hochlegen, auf was denn bitteschön diesweltlich? ausser vielleicht, ab und an mal, in ligurien, maloja oder in grau d’agde oder an der ostsee. in privaten räumen wie schöpferischen ecken – die es aber eben ja nicht gibt gerade, wenn die mir wildfremden heizungsbauer meinen heiligen (!) maltisch-stuhl mit cola und döner fürs mittagessen belegten und meine privatesten ladekabel benutzten. die jungen kennen da nix. das war früher anders. /Kannten, bis ich was sagte!

(Bild zeigt malerische Miniatur vom Juni des letzten Jahres 2021 / Maße: klein, Öl auf Pappe, Titel: „Rechtenstein a.d.Donau“, im Hintergrund das Kloster Obermarchtal, rechts davon der höchste Berg Oberschwabens, der Bussen. Ich kenne kaum schönere Orte und Gegenden, allerhöchstens wollte ich das Bild demzufolge an Ausgewählte verschenken, oder für 5.000,00 EUR oder mind. eher mehr verkaufen.)

24. Juli

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MO., 18.7.2022 /die holzbauer sind mittendrin mit dem dach. ich kam vor 10 tagen ans haus und die eine seite war im nu abgedeckt von ihnen, Rolf berichtete, sie seien zu sechst in paar stunden fertig gewesen, alle alten dachziegel schon im container unten auf der strasse. es war seltsam, auf dem gerüst von oben in die räume zu sehen. wie in ein lebensgroßes modell hinein, auch ins modell meiner jugend und herkunft. mein herze lachte und freute sich. mittlerweile ist schon die neueindeckung vorbereitet, in den nächsten tagen wird das wohl passieren. der dachüberstand ist nun größer als bisher, da ja noch die aussenverschalung erneuert werden wird, mit 7cm mehr an dämmung. dann gibt es tiefere fenstereinschnitte, die neuen fensterbretter für außen sind auch schon eingemessen und bestellt. der sehr nette und kalk- und lehmaffine solostukkateur, Rolf sein name, im innenbereich macht tolle arbeit. die oberflächen werden wunderschön, geglättet mit hand, bürste oder rolle, schöne grade wände, ohne tapeten oder dispersion, stattdessen mit weisskalkhydrat und weißem lehm. die lokalitäten der zugesetzten ehemaligen türdurchgänge sind nicht mehr zu erkennen, das ist witzig, manifestierte veränderung, sowie die alten steinernen fenstersolbänke innen wurden von einem kompetenten steinmetz aus der umgegend neu zugesägt und angefast und es freut mich, diese wiederverwendung. in der künftigen küche hat rolf eine dieser werkstücke bereits neu eingebettet, unter das neue fenster. die fenster sind der maserati unter den fenstern: holz/aluminium. alles energetisch tip-top. ich bin jeden tag am waldrandhaus. es ist jetzt hochzeit der abstimmung der verschiedenen gewerke, wir sind sehr froh, das WAS GEHT in diesen zeiten. der elektriker taucht immer wieder auf, um weiter seine kabel zu verlegen und immer wieder gibt es detailfragen, welche steckdose wo, hier ein schalter oder dort, wie soll die neue decke der küche hergestellt werden – gipskarton im trockenbau oder schilfrohrmatten nass kalkverputzt, welche deckenhöhe, wie der schallschutz zwischen OG und EG in künftigem gästezimmer und bad oder küche. wer bricht wann das neue fenster im bad durch, wer mauert das halbe fenster der bibliothek zu, möglichst bald, wann können die heizkörper final angebracht werden, zunächst muss dort ja schon die wand gestrichen werden, und so weiter. es ist mords was los. morgen, so die holzbauer, werden die neuen dachfenster eingebaut, sie liegen schon im garten herum. morgen kommt auch der vertreter der dachziegelfirma und schaut sich dach und lokalität an, wegen der menge der ziegel und der abladung. Rolf besorgt morgen diverses material, um die mauervorblendung im großen „wohnzimmer“ unter dem panoramafenster für den dort zu installierenden heizkörper zu schaffen. „damit alles atmen kann“ ist seine – richtige – devise. gipskarton sei ein quasi halbtotes material und da hat er irgendwo auch sehr recht. die bauzeitliche haustüre (1964) ist mittlerweile schon ertüchtigt, auch das freut uns, dass das ging – dichtungen, schlurfschutz, verglasung und sicherheit. ein neuer bauschuttcontainer steht schon wieder an der straße, ich bin ständig am befüllen, bahram hat sehr viel geholfen beim weiteren abbruch des kleinen aussenkamines aus den 1980er jahren. nun sind es nur noch ca. 1,5m nach unten, die restlos entfernt werden müssen. auch zum zwecke der schuttentsorgung habe ich mir eine neue schubkarre gekauft, ausgeschildert als „profi-garten-schubkarre“. ich habe sie 29 euro billiger bekommen, weil falsch ausgeschildert bepreist. als ich sie dann glücklich zum KFZ schob auf dem baumarktparkplatz, fand ich noch hingewehte zehn euro. die ich sofort einsteckte. ich denke ja immer, wer so blöd ist, sein geld zu verlieren in scheinen, der hat es nicht besser oder anders verdient, dass es den besitzer wechselt. /nun ist es spät, frau mullah meldete sich aus W, wo sie an einer schulung teilnimmt. wie gerne würde ich sie begleitet haben dorthin. aber ich muss arbeiten in einer kirche, deren turm seit jahrhunderten absackte. bis zum vergangenen jahr, als viele tonnen an beton in den gipskeuper und v.a. darunter, in den fels, gepresst wurden, um diese dauernden senkungen – endlich – zu beenden. die schäden im kircheninnern müssen nun behoben und hunderte risse, die wie wunden die wände überziehen, mehrfach geschlossen und unkenntlich gemacht werden, nachdem sie zunächst geöffnet und gesäubert werden mussten. wie eine große dramatische verarztung. bin teil davon.

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FR., 22.7.2022 /und immer wieder diese bewundernswerte deutsche Sprache: „Du reistest nach Wien“, so begann es. Es drängt sich auf das Doppelwörtchen in die Sinne, zunächst lapidar: „Du reistest nach Wien zum Reistest“. /Sodann als Frage: „Du reistest zum Reistest?“ / Vorwurfsvoll: „Während ich hier auf die Kinder aufpassen musste, reistest Du – natürlich – zum Reistest!“

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SA., 23.7.2022 /inzwischen sind die neuen dachlatten über einer grünen bahn montiert. es hatte am dienstag heftig geregnet, aber alles ist gottlob dicht. die neuen dachfenster sind eingebaut, im „neuen“ zimmer im OG unter der dachschräge herrscht ab jetzt ein wunderbares licht, dort, wo bisher nur ein kleiner abseitiger dachboden als stauraum genutzt wurde. den sturz für das dortige talseits neu geplante fenster zum dorf hin und der schwäbischen alb haben die hervorragenden zimmermänner als echte allrounder kurzerhand selbst gegossen, nachdem vorgefertigte stürze aus beton nicht lieferbar sind. im bad haben ebenfalls sie mit dem ausbruch der fensterversetzung begonnen, hier ergeben sich probleme ebenfalls mit dem sturz, der ja auch dachtragend ist. ein neuer längerer sturz aus holz muss dort eingepflegt werden. zudem tauchten in der massiven wand alte entlüftungsrohre fürs bad im UG auf, die – laut heizungs- und sanitärbauer – bleiben müssen und damit den standort des neuen badfensters mitbestimmen. /Rolf hat inzwischen auch die vormauerung unterhalb des panoramafensters gemauert. ytong, kalk und lehmputz, mich freut die schaffung von oberflächen, die diffusionsdurchlässig sind und ein gesundes raumklima pflegen. alles muss ja raus und reinkönnen. und bei allem den 1960er charme räumlich und raumästhetisch beibehalten. bei LEHM denkt man ja immer an jahrhunderte alte bauernbutzen mit krummen wänden. ist nicht so, völliger quatsch. das neue „halbe“ bibliotheksfenster sitzt, heute habe ich noch die inzwischen flink (durch ebenfalls die zimmermänner!) getätigte zumauerung der anderen hälfte am unteren rand ausgespitzt, damit die auch hier aus altbestand neu bemaßt herausgesägte solbank von Rolf gesetzt werden kann. so geht es auch in der bibliothek weiter. für die dort nach unten vergrößerten fenster zum garten hin müssen wir nun dringend die einbauregalplanung anschieben. ebenso, wie die küchenplanung, aber hier gibt es nun den plan für die elektriker, so dass die ihre schlitze ziehen können, bevor Rolf die letztendlichen oberflächen herstellt. am vergangenen dienstag kam auch ein weiterer netter photovoltaik-bauer vorbei, offenbar sehr erfahren. lieferschwierigkeiten, wie überall derzeit ja beklagt und als grund für massive preiserhöhungen angeführt, gebe es eigentlich keine, „nur die preise für speicher und schaltungsmedien“ seien momentan „schwankend“. das angebot sei in einigen wenigen tagen dann fertig. das dronenfoto, was er „gleich noch machen würde vom dach“, täte er uns gerne noch als zuckerle (selbstverständlich) zusenden. wir sind gespannt, sowieso auf alles. /morgen, sonntags, gilt es, einmal wieder einen kassensturz zu tätigen. angebote und geleistete abschlagszahlungen einmal nebeneinander legen und listen und spalten anlegen, auch für das, was noch kommt und rein und rausgeht. eine ungeahnte erbschaft wäre schön, aber alles ist bislang im rahmen. /da fällt mir ein: die elektriker müssen noch leer-rohre unters dach legen für die photovoltaik und die zimmermänner noch öffnungen im dach schaffen für den rauchabzug eines geplanten zimmerholzofens im „wohnzimmer“. mit so einem garten hat man immer holz zum verheizen, es wäre schändlich und fahrlässig, auch angesichts DES putins (des „russen“ also) und der weltlage, so etwas zu vergessen. /die zimmermänner haben sogar auch schon die hölzerne schwelle von „wohnzimmer“ zur neuen küche (übrigens das bauzeitlich elterliche schlafzimmer und in der folge das ewige schlafzimmer der alten dame, bis zuletzt) herausgeschnitten. der neue boden in der neuen küche wird linoleum sein, dieser dann über den durchbruch und damit die ehemalige schwelle in balkenbreite verlegt werden und mit einer metallleiste zum kunststeinboden der 1960er-jahre des „wohnzimmers“ abgedeckt und vermittelt werden. /schon vorbereitet seitens der elektriker ist die anbringung eines irgendwie passenden und fulminanten decken-hänge-leuchters im „wohnzimmer“ ab 4m über bodenniveau. manche bezeichnen als „candelaber“. man findet die aberwitzigsten leuchtskulpturen, auch aus den 1960er-jahren im internet. stolze preise. der raum eignet sich jedoch tatsächlich für so etwas. wie geschaffen. für irgendeinen schrägen WURF. unangeberisch gegenüber dem üppigen voluminösen luftraum, jedoch diesen nutzend, was sonst. ein vorschlag meinerseits lagert seit einem halben jahr in der garage. ein ehem. kirchenleuchter, entworfen vor erst zwanzig jahren, lichtmodernisierend für eine alte hochkirche, einer von vielen seinesgleichen in gotischer umgebung und veräußert seitens der kirchengemeinde für einen guten zweck.

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DO., 21.7.2022 /Rolf, der competente solostuccateur, bringt fast jedesmal seine kleine süße hündin HEDDA mit auf die baustelle. ich hab sie gleich ins herz geschlossen. sie ist irgendwie wie ihr herrchen. mittlerweile verteidigt sie das grundstück und bellt, wenn es an der gartentür geräusche herannahender handwerker oder bauherren gibt. sie ist knapp ein jahr erst alt und nagt an allem, was herumliegt, gerne auch plastik. ich glaube, selbst die zimmermänner haben sie mittlerweile – immer irgendwo herumliegend oder einen jeden freudig begrüßend – akzeptiert. auch bei terminen mit dem architekten und allen sonstigen adhoc-besprechungen ist sie stets aufmerksam dabei. egal, ob im UG, OG oder EG. oder im garten. Rolf erzählt beim Rauchen, sie würde nichts mehr essen. dann beichtet er mir, der tierarzt habe gemeint, sie dürfe nicht so verwöhnt werden, v.a. von ihm: mit leckerli vom tisch zu hause, wann immer und wo immer. frauchen (also frau von Rolf) habe jetzt daraufhin strikte änderungen zuhaus’ eingeführt: futter für Hedda jetzt nur noch an einem essplatz, dort stünde dieses 15min, danach würde es abgeräumt. damit sich HEDDA regelkonform gewöhnt. ich finde auch, das wäre ganz einfach. sie ist eine wirklich zuckersüße, ich bin hundeseits sehr bestechlich, wenn ich sympathie bemerke, hunde- oder hündinnenseits. die umliegenden singvogelfressenden katzen hingegen kacken immer noch, trotz belebter großbaustelle, an ihre gewohnten notdurftplätze im unteren garten (sogar die zimmermänner haben kleine plastikfolienstücke auf diese häufchen gelegt, um nicht jedesmal beim materialholen ebenda hineinzutreten).

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es IST viele baustellen, gleicher zeit. fühle mich einen deut, einen tick, nochmehr im leben als bspw. 1985, 1988, 1997, 2003, 2010, 2014 und dergleichen. wie gießt man eine tomatenpflanze im tomatenproduziermodus? von unten, von hinten, von oben oder von vorne?

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ein bild verkauft, jedenfalls zusage. manche würden sagen, es sei ein hässliches bild. ist es aber nicht, meinerseits im gegenteil. steht getippt drauf, oben am rand, neben nacktem weiblichem körper von schräghinten voyeurhaft am strand mit brustwarze, haupthaar und schamhaar: „red head hairy european feminist MILF on beach“. dahinter ewig ausgetüftelt und veränderter malerisch schnoddriger, wie zufällig, horizont mit ebensolchem breitpinselstrand. wie mich diese gewoketen lebensbildwelten traurig machen, bestürzen oft wegen der weglassungen, mitsamt sämtlichen bild- und damit inhaltsunterlassungen, wenigstens drohender an- und abmahungen, vor allem den verboten von menschweisheit und erkenntnis in mannigfach nuancierter durchgenudelter empirie.

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man muss, als alter ego mindestens, immer den unbedingten verweigerungen auf der spur bleiben lebenslang, damit kann man sich oft die ein oder andere cola mitsamt schuss verdienen und zuletzt wenigstens aufrecht in die grube fahren.

beendet.

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die mitarbeit im rahmen der reinigung und restaurierung von erstaunlichen wandmalereien aus den 1980er jahren in einer russischen kirche ist beendet. ein paar tage mitarbeit im rahmen der restaurierung des ehem. eingangspavillons eines tierpark ist nun ebenfalls vorläufig beendet. die ausbesserung von wasserschäden durch starkregen des letzten jahres gotischer wandmalereien in einer weiteren kirche sowie die neumarmorierung von vier barocken holzsäulen in einer kirche in der fränkischen schweiz sowie die erstaunliche untersuchung eines barocken anwesens in mittelfranken sind ebenso beendet, wie kleinere retuschierarbeiten an einem ehemaligen steinernen fenstergewände nahe coburg und an ebensolch steinernen fenstergewänden nahe einer südwestdeutschen keltenschanze. nahe einer anderen keltenschanze ferner ist ein älterer gutshof untersucht sowie nun die arbeiten begonnen, seit vorgestern, an den rissen und schäden in einem gotischen chor, die entstanden aufgrund des vorjährig sichernden hochpumpens eines kirchturmes, den nun wieder einigermaßen gerade steht, nachdem er jahrhundertelang aufgrund des gipshaltig weichen untergrundes sich ewig und abermals gefährlich neigte. im dachboden leben jedes jahr 500.000 fledermäuse, die alsbald ihre kinder kriegen. ein schönes gefühl.

beendet sind nunmehr auch die einbauten der neuen fenster. sowie ein teil des abbruches des zweiten schornsteins, der leider weichen musste, da er sich nicht mit der künftig stärkeren außendämmung verträgt. es ist weiterhin fast alles beendet im rahmen der vorbereitungen für den beginn der arbeiten an einem neuen dach. ebenso nahezu vollständig beendet sind die vorbereitenden schritte diverser detailarbeiten bezüglich verputzungen und ausbesserungen im innern sowie dem erhalt von bauzeitlichen details der 1960er jahre. beendet ist auch das ziehen von 300.000 nägeln, die die baldige unterspann behindern würden, genauso, wie das ausblasen einer neuen zelluloseverpackung.

„effizienzhaus 85“. oder 100, das ist noch nicht ganz klar. die spuren der marder unterm dach, also unter der ehemaligen innenbretterung aus nut- und feder, ich habe sie gefunden. auch sie hatten, wie die mäuse, ausgesuchte orte für ihre WCs, aber das WC der marder war andernorts, und ebenso natürlich ihre hinterlassenschaften, nämlich größer.

ein leckerer rückbau mit maske. immerhin konnten sich geräuscherinnerungen der kirschkern von möglicherweise wild herumtollenden jungmardern erklären und verorten lassen.

vorläufig beendet sind auch die dringend bewahrenden schritte in bezug auf diverse ausraster junger menschen. ein beschwichtigender auszug ist beendet, eine anwaltssuche ebenso, die verwaltung von ehemaligem hausrat und müll wurde ebenfalls tatkräftig beendet in der organisation, vorgestern. unbeendet sind die sorgen, welche kaum geringer werden werden, selbst wenn sie es dürften. von sollten keine rede mehr.

beendet ist freudigerweise auch die neueinrichtung eines neuen klapprechners, der alte war von 2009. wie schnell nun alles geht. ohne, dass sich fenster vorwarnungslos schließen.

niemals beendet wird jemals sein meine liebe, einfach so abends in den garten hinauszutreten, um zu pinkeln. im stehen natürlich. und dabei jedesmal kurz nachzudenken über alles, jeden und jede und das universum. in den himmel zu schauen und den amseln bei ihrem schönen dämmergesang zuzuhören. der jasmin blüht nun, drei eigentlich viel zu große hochbüsche gibt es auf dem grundstück, einst gepflanzt sicherlich vor jahren als vornehmlich kleine kontrollierte staude. dem ehemals „rasen“ ist auch in diesem jahr bislang fast alles gegönnt, ein paar für die renovierenden schritte nötige rasuren sind getan. die stechmückenlarven tummeln sich in allerlei wasserwannen, die so herumstehen, und blicke in eine gelegentlich derzeit gegenlichtige abendsonne zeigen jede menge tanzende insektenhaufen. nach zwei tagen eines größeren gefüllten behältnisses kann man dann schon mindestens zwei wasserläufer beobachten. als kind war das für mich eines der sieben kinderwunder. wie man denn, um gottes willen, auf wasser laufen kann.

ist es auch heute noch.

andere gehen jetzt nach südfrankreich. oder toskana. verkaufen all’ ihr zeug, alles im besten fall erbe. haben zeit. wenn man glück hatte. andere arbeiten weiter, manche viele davon müssen. manchmal groß und teuer, manchmal klein und billig. manche ehrlich, manche (meist die teuren) oft ohne wenigstens ehrlich. und manche haben eigentlich nie irgendetwas gearbeitet, geschweige gemacht, geschweige kante, wenigstens irgendeine.

was für ein leben.

viel lieber bin ich da doch wasserläufer vom übernächsten garten her und solange spitz, bis ich dankbar beendet jäh umfalle. als eidechse vielleicht. mit einem bild im gedächtnis, von einem eidechsenhäscher im hawaiihemd, mittel- bis endalt, mit bäuchelchen, goldkettchen und v.a. cunnilingusbärtchen in spitzem silbergrau.

oft bildet man sich viel ein, bspw. übermorgen, unendlich und schön, sowieso.

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(Abb.: eigene Malerei)

the größtmögliche Wiederholung

irgendwo inmitten des unbekannten überalls stolzierte eine mittelgroß stattliche größtmögliche wiederholung, ohne schlussfolgerung allerdings. ich hakte mich bei der ein, andere sagen „unter“, dann kann mir nichts passieren. die ist größer als ich, von der körperhöhe und massivität her und vergleichsweise stark gebaut. die ist weiblich und trägt manchmal rouge, aber ich bin ja sehr gerne bereits vergeben. konnten wir also abhaken, worüber ich froh war. wir gingen also im arm durch den wald auf schotter und ich versuchte dort, plaudernd alles mögliche des meinen zu erklären, von dem ich allerdings bald vergaß, was es war. es war jedenfalls wichtig gewesen. wichtig nicht im zeitgegebenen sinne, sondern eher univers. da aber das universum vergesslichkeiten verzeiht, konnte ich im reinen sein, das wichtige vergessen zu haben. das ist mein wissensvorteil. wir beobachteten ein reh, dazu ein kitz daneben, ein wildschwein, einen sehr großen nachtfalter und salamanderlarven am bach, wenn man die steine umdreht neben den alten autoreifen, die dort seit fünfzig jahren liegen und vom wasser umspült schutz für generationen unrasierter amphibien boten. die größtmögliche wiederholung wollte im überschwang über die alten baumstämme balancieren, auf stöckelschuhen, die da bemoost seit jahren brücken zu bauen vorgeben und einladen. ich riet ab, in diesem fall. in anderen fällen hatte ich schon zugeraten. noch immer habe ich keine ahnung über das bedauern der lurche. oder der weiblichen molche oder der pilze. allerdings kann ich den trost der tannen und lärchen und buchen mir gegenüber bezüglich größtmöglicher wiederholungen spüren, empfinden und sogar seit langem weitergeben. größtmögliche wiederholungen sind auch nur wesen, denen ab und an, und seien sie auch größer und schwerer in jeder beziehung ausgestattet, ein kleiner und bescheiden vorgebrachter wohlwollender rat, sehr gerne auch kritisch, gutes tut. zuletzt, beim pinkeln in der hocke im gebüsch am rand vom wald (sie hatte mir bereits am schweinehag von ihrer konfirmandinnenblase berichtet), lächelte sie mich erleichternd an, bevor ich mich oldscool wegdrehte mit einer diskreten buchegger im winkel vom mund. und wir vereinbarten auf ihren wunsch hin weitere spaziergänge, wenn es mir denn terminlich reinpasst, was aber wahrscheinlich kaum möglich sein wird, worüber ich froh bin. ich kann einfach unrasierte größtmögliche wiederholungen ohne schlussforderungen nicht leiden, so dachte ich zuletzt, als ich mein pferdchen bestieg, in den grind spuckte und in richtung westen dem orangenen sonnenuntergang entgegen davonritt, ohne mich auch nur noch einmal umzudrehen.