Hafenmeister Haverkamp, Geist in den Wassern

Hafenmeister Haverkamp1
(Abb.: Wir)

1.: geist in den wassern also. wasser fehlt, also auch geist. nunmehr die zweite großhitze mit seit gestern tropischen nächten. fenster auf, warm kommt rein, selbst um 22.30 uhr. was schön ist, die isolierung des alten hauses hat sich gelohnt, nicht nur winters, sondern eben auch im sommer. und auffällig bei dieser trockenheit und hitze hier auf dem lande: es gibt unmengen von hüpfenden grillen, anders als in sonstigen jahren. oft im atelier, auch wenn nur ein fenster geklappt. brav setze ich sie dann wieder hinaus in die landschaft. ausserdem sind sie ausnahmslos braun, anstatt grün, so wie sonst. zudem: eine unzahl von stubenfliegen, also die ganz normalen. ich weiss nicht, wo sie alle herkommen, denn auch sie brauchen ja mulch normalerweise. die flora überrascht mit millionenfacher wilder möhre. die streuobstwiesen hier sind voll und übersät damit. offenbar kommt sie gut mit allem klar, dazu ja halbe heilpflanze und insektenliebling. wer fehlt: die stechmücken. das ist mir recht, aber ist es auch den meisen und landspatzen und amseln und den sonstigen kleinvögeln recht? ich habe 6 vogeltränken auf dem gelände installiert, welche ich täglich mehrfach mit frischem wasser bediene. sie sind heftigst frequentiert, es ist eine freude. und die spatzen baden ja auch gerne im DRECK, es gibt ein paar unbewachsene erdene stellen hier, und es ist wunderschön anzuschauen, diese bäder von ihnen im dreck. gelernt: daher heisst es umgangssprachlich auch DRECKSPATZ. schön und zugewandt. ein paar fledermäuse, weniger als sonst. dafür irgendwelche klein-eulen, die nach dunkelheit völlig lautlos um die hecke fliegen, faszinierend, man denk, ein kleiner geist huscht lautlos. in der nähe der gelblichen laterne des angrenzenden öffentlichen fußweges, wo sich noch insekten aufhalten. natürlich auch insekten-tränken, flache schalen mit einem flachen stein darin, vor allem gesucht von feldwespen, die am hause mindestens ein kleines kugelnest gebaut haben, was natürlich gerne toleriert wird. die haben ja VÖLKER mit nur wenigen volksgenossinnen und gehen auch nicht ans mittagessen, sondern lassen menschen gänzlich und unaggressiv in ruhe und fressen andere insekten. und sie haben immer so schön baumelnde beine, das mag ich sehr an denen, sehr elegant und schön. seit jahren sind sie hier unterwegs. an der terrasse wohnt, wie schon immer, ein kleines mäuschen, welches sich immer zutraulicher, wenn die direkte sonne weg ist, auf seine wege begibt. hin zum kompost-gebinde natürlich mit täglich wechselnden gemüseresten. und dann aber auch weiter hin zu den tomatenkübeln. offenbar mögen mäuse auch cocktailtomaten. oder schlicht die saftigen blattränder der in diesem jahr erstmals gepflanzten salatköpfe. alles täglich gegossen. ich kann das nachvollziehen, noch nie hatte ich EIGENEN SALAT, und nun haben wir ihn, ganz köstlich. demnächst wird es auch zwei fenchelköpfe geben, selbstgezogen, angemacht in kleinen schnipseln, ungekocht, kalt, mit olivenöl und essig angemacht und mit parmesan beschneit. auch igel oder igelin ist wieder hier und schnauft sich abends durchs gelände. wie es den feuersalamandern geht möchte ich mir nicht vorstellen. auch die weinbergschnecken verharren zugestöpselt in schattigen und steinig restfeuchten winkeln, von denen es gottlob noch genug hier gibt. allerdings: die 3 apfelbäume lassen seit ein paar tagen im minutentakt ihre halbgroßen früchte fallen. es ist einfach zu trocken. zuletzt geregnet hat es am montag gegen sechs uhr früh, ein schauerchen, eine halbe stunde, kein starkerregen oder ein gewitter. zwei wassertonnen wurden gefüllt, sie sind aber mittlerweile schon wieder fast leer. interessant ist es schon auch, was beschattungen durch hecken oder gewächs-inseln für das mikroklima bewirken, immerhin gibt es fast noch FEUCHTE ecken, allein durch kondensfeuchte aufgrund von kleinflächigen temperaturunterschieden. wer weiss, welches kleinformatige leben sich allein daran noch über wasser halten kann in dieser zeit. sehr wichtig, das alles, auch im kleinen.

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Die Neugier treibt die Spinne in den Keller. / Halbwelt-Flanke. / Loch im Leben, Loch im Auspuff. / An Orten vergebens vergehen: Maloja, Waldrand, B., Agde / Eis am Stihl. (Akku-Rasentrimmer, hätte ich gern irgendwann, kommt gewiss noch!)

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2.: ein schöner spätfrühling und sommer bislang. schön warm. es gab vor 2 wochen eine baustelle in einer fußgängerzone, eine bemalte fassade von um 1890, restauriert und auch malerisch schon damals rekonstruiert letztmals von einem meiner späteren ausbildungs-CAPOS, um 1972. da war ich in der vierten klasse und interessierte mich für römer und piraten und streifte mit meinem lieben boxer ANDOR über die streuobstwiesen, bevor diese fürs neubaugebiet erschlossen wurden. elf jahre später war er, der wolfgang, dann mein ausbildungsleiter für wandmalerei, von dem viel zu lernen war, wenn auch manchmal recht hart – er. da war dann ein anderer ton im gespräch und gebälk, für mich neu und schroff, ich hatte ja bis dahin nur humanistisches gymnasium erlebt mitsamt dementsprechendem HOCHSPRECH und verunklärter klarheit. (typisch und beispielhaft: „ES IST NICHT UNSCHÖN“ für „ES IST NICHT SCHLECHT“). und zu hause gabs damals noch nicht mal eine bohrmaschine. / und nun musste diese fassade erneut bearbeitet werden, auf dem aussengerüst bei 39 grad. von unten düfte von v.a. sonnencremes, schweiss und pheromonen aller art, vanilleeis, einem sprachteppich international und von oben konnte man leichtbekleidungen erkunden, wenn man das wollte, auch dekolltees oder TIEFE dekolltees oder überhaupt oder sommerliche schuhmoden sowie flanierendes gebahren international, dazu von jung und alt. es war eine schöne baustelle an einem schönen ort, immer draußen und gegen 10.15 uhr verschwand die DIREKTE sonne hinter den hohen dächern der altstadthäuser, sonst wäre ein arbeiten dort gar nicht mehr möglich gewesen. man muss sich ja konzentrieren und im streiflicht retuschieren, das bedeutet, im schlagschattenlicht die richtigen farbtöne finden, so etwas geht gar nicht. zudem trocknen die kalkbasierten materialien in direkter hitze zu schnell, dann rächen jene sich (die kalkbasierten materialien), indem sie alsbald risse bilden.

zuvor, noch in der kälte, ein paar tage im engadin. höchsttemperaturen von manchesmal tagsüber 13 grad. immerhin liegt ja dort alles auf 1800 metern. ausgerechnet eine kaltwoche hatten wir erwischt. und dennoch, dort im segantiniland könnte ich mir vorstellen, endlos weiter zu leben. wenn es mir denn überhaupt gebührt, noch solcherlei vorstellungen zu entwickeln. diese alte villa, in der die unterkunft für mich und uns möglich ist, ist mir sehr ans herz gewachsen. pausenlos könnte ich da hinfahren. ich könnte aber auch pausenlos nach B. fahren. nur, um dann zu bemerken, dass B. für mich nicht mehr B. ist. dieses B., welches ich doch so mochte und welches so jäh und unschön quasi endete von nunmehr siebzehn jahren, es ist nicht mehr jenes gemochte, noch nicht mal das von vor siebzehn jahren. wie auch. und, so wie es aussieht, werde ich meine kleine schöne NKN-ofenheizungsdatsche, die ich mir seit jahren ebenda psychologisch gönne, dort aufgeben müssen. vorbei ist vorbei. es bricht mir eines meiner herzen. / ab wann hört man auf, pläne zu gießen? / wo doch die neugier die spinne in den keller treibt und die amsel abends zum bodenbecken.

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3.: eine sehr schöne und wunderbare nachricht: BAGHRAM hat seine ausbildung zum sinngemäß „Kaufmann für Digitalisierungsmanagement“ erfolgreich abgeschlossen. seit gestern vor vier wochen, mit einer mündlichen prüfung vor der regionalen IHK. das freut ihn – und uns – sehr. mündlich sogar anerkennend besser, als die berufsschulischen noten. das wiederum freut IHN v.a. sehr. / muss man sich vorstellen: 2015 angekommen in rosenheim, 16 jahre alt, mit 5 jahren grundkoranschule in afghanistan. 2016 zunächst sprachenschule für UMFs. und schreiben lernen. danach vorbereitungsklasse für hauptschule. dann hauptschul-abschluss. dann ausbildung zum industriekaufmann, abgebrochen. dann realschulabschluss. dann fortführend 1 jahr zur FH-reife, sodann ausbildung bei einem örtlichen orthopädieunternehmen. und nun abgeschlossene ausbildung im bereich IT, mitsamt fortlaufendem arbeitsvertag. herzlichen glückwunsch, Nasim! das muss man alles erstmal hinkriegen.

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4.: neulich, vor vierfünf wochen (oder jetzt schon vor drei monaten): „Hafenmeister Haverkamp“, allzu äußerst subjektiv, aber notiert ist notiert. das hier ist ja immerhin ein weblog:

„/mahler No.5 besorgen. 7to pellets bestellen. bürstenaufsätze festool ebenso, die teuerung unerhört. mähfreier mai, hier sowieso seit min16 jahren. es blinzelt in der luft gegen die frühabendsonne, dieses ganze gekräuch derer mit 6 beinen, bislang noch KEINE hornisse aus asien. jetzt hanta in Berlin, borna in bayern. der sigeko war heute auf der baustelle, in der mittagspause, wenn keiner da. grüßt freundlich beim gehen und sagt nichts. sicher fotografierte er die elektrogeräte mitsamt vorhandener oder fehlender prüfplaketten, um vor feierabend seine rügenden befunde und protokolle in den verteiler zu senden aus dem homeoffice vor flexiblem feierabend. / aber WER soll denn künftig noch alte böden ausbauen, wenn die sämtliche bürokratie darum – mit helm selbstverständlich – herumsteht und fragen stellt bis mittag, um danach berichte zu schreiben am tisch und (sic) aus dem homeoffice. alle wollen nur noch projektieren. aber machen mag keiner mehr. dabei ist es doch so spannend, wenn man es geschafft hat zu guter letzt. natürlich auch staubig, anstrengend und schmutzig. aber irgendwer muss es doch MACHEN. wo sind sie, die ggf. begeisterten JUNGEN (so wie wir es waren seinerzeit – diejenigen, die nach uns kommen und dieses wissen über herangehensweisen und v.a. auch die FREUDE an dieser arbeit teilen), die daran noch berufliche erfüllung verinnerlichen, am MACHEN und nicht allein am projektieren oder argumentieren und reden und endlosen terminen und schwadronieren über abgefragtes theoriewissen?

/ich weiss, klingt wie merz, nur ohne flugzeug.

/es ist aber tatsächlich so: WER soll und v.a. WILL das alles denn noch machen. und hat auch spaß daran, trotz allem dreck und kalt und STAUB und nass und ggf. schnee und regen auf baustellen zur erhaltung alter bauwerke oder relikte oder wandmalereien? es ist deprimierend. wir waren heute zu guter letzt zu zweit erfolgreich im ausbau und damit der bewahrung von 2,5qm historischem bodenbelag im 2.OG einer sehr alten erhaltenen alten süddeutschen häuserzeile. eine vielzahl von handwerklichen kniffen und entscheidungen während dieser bergung führte dazu. zu guter letzt waren wir überglücklich, dies bewerkstelligt zu haben, auch natürlich mit bewegung, verrenkungen, anstrengung, dem heben und damit sehr körperlichem einsatz, dies ggf. jedoch kieserersparend, da muskel- und sehnenaufbauend.

/zwischenrein eine alte villa von 1906. vermögende neubesitzer, das dixi, also die toilette für diejenigen, die dort gewerklich arbeiten (dito auch uns), unterirdisch und selten so gesehen und erlebt ekelhaft. weder geschlechtergetrennt noch minimalhygienisch noch abschließbar. offenbar haben auch die jungen planer/Innen (oftmals in modischen turnschuhen auf der baustelle, anstatt sicherheitsschuhen) keinerlei gespür oder eine verbindung mehr zu den grundlagen praktischer baustellenarbeit. das kommt möglicherweise von sehr praxisfernen gewöhnungen an hierarchien und dem hang zum PROJEKTIEREN aus dem allumfänglich angestrebten homeoffice vor feierabend.

/auch hier jedoch, bei notdurft: die eigentliche arbeit, die machen dann ja kosovaren, bulgaren oder rumänen, und die scheissen ja sowieso in die HECKE (die kommen schon klar mit notdurft) und sind vertraut damit ja seit geburt, die sind das gewöhnt. daneben eine wunderschöne villa, an deren erhaltung alle arbeiten, die bulgaren, die rumänen, die mazedonier. und positiv aufgestellte neubesitzer, die nichts für all das können, denn es sind dann schon die verantwortlichen ingenieure und bauleitenden, die jenes zu steuern hätten. es sind wohl immer kürzere praxis-anforderungen innerhalb diverser studiengänge, die dann „leitende“ funktionen ausüben. es ist fatal, jedoch dann aber belaufen sich die praktisch noch unbedarften ersten gehaltsforderungen seitens der fach-ausführenden/innen, gänzlich ohne erfahrung oder eigenfinanzierte mindestausrüstung auf höhen von selbstbewussten 85EUR ingenieursgehalt pro stunde. und all dies, noch ohne dass eigenes werkzeug mitgebeacht würde. beispielsweise eine normale hochwertige kabeltrommel, die auch fünfundachzig EUR kostet, also den lohn für eine stunde projektion. anstattdessen kommen fragen an kollegen, ob die gerätschaften ebenjener ggf. auszuleihen seien. unfassbar.

/und wenn dann die A*D mit ihrem schrägen C-Malermeister, ausgerechnet, auch noch remigrieren will, dann geht sowieso gar nichts mehr. ich bin gespannt auf sachsenanhalt im nächsten dezember ff., die einzigen, die dann überhaupt noch praktisch arbeiten könnten, also diejenigen dinge umsetzen, die die (dann strammnationalen) homeofficeprojektierer für 85EUR/h an steuergeld entschieden haben, sind dann remigiert worden. gute nacht.

/da lachen dann vielerlei hühner in vielerlei hinsicht. ich bin ein huhn dann. werde eins sein. gerne bin ich huhn, gott schütze und bewahre sachen-anhalt.

/g.mahler No.5 besorgen. 7to pellets bestellen. luxmaxing – das probiere ich jetzt auch. mit schonhammer auf die wangenknochen, damit ich wie putin aussehe, wenn die knochen zusammenwachsen. nur reiten mit rasiertem oberkörper, das kann ich nicht, seit ich mal mit 7 jahren beim voltigieren einen startsprung über den pferdearsch gemacht hatte (das pferd hieß MOGLI und war mein liebling) – 2 wochen nach einem schwimmkurs in wilhelmshaven über versenkten nazi-Ubooten während der sommerferien 1969 mit abschluß FREISCHWIMMER – und in der streu gelandet war, mit kopf vorraus. weil ich nicht trennen konnte inhaltlich, logisch-analytisch und motorisch und 1 minute keine luft bekam, was seltsam war. aber das ist eine andere geschichte. seither nicht mehr reiten. aber wangenknochen mit dem schonhammer weichklopfen, das ginge jetzt schon noch. der hafenmeister hieß HAVERKAMP und der war sehr freundlich damals. erinnere die scharfen miesmuscheln an der seebrücke, als ich danach erschöpft hochkletterte als KLEINER MANN und wusste, ich bin eine viertelstunde oder 20min ohne anhalten in der nordsee geschwommen, obwohl mein papa erst 3 jahre tot war. stolz wie bolle war ich und 7, haverkamp (alter mann, ausgemergelt, wangenknochen, kriegsteilnehmer) lobte mich sehr! nebenbei: ohne mich jemals unsittlich angefasst zu haben.

/g.mahler No.5 besorgen, dem igel/in ALLES als OK vorspielen (versuchen jedenfalls). die rotschwänzchen an der nordseite brüten schon das zweite mal. haverkamp war eher U-Boot-fahrer, als irgendwie nazi. so glaube ich es aus der erinnerung ziemlich gewiss beurteilen zu können.

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5.: eigentlich möcht ich nur malen im sommer. geht nicht, wegen geld. eigentlich möcht ich nur malen im herbst und winter. geht nicht, wegen geld. war für frankreich, beim SPIEL gegen spanien. war nix. war für england gegen argentinien, war nix. läuft alles nach FIFA, die besseren mögen gewinnen. immer dasselbe, seit 60 jahren. seit 80, seit 100. seit jahrhunderten. seitdem gibts hier schmetterlinge in bäuchen, nur deswegen. seither heissen hier im dorf immer alle gleich mit nachnamen, manchmal überkreuz. schön, wenn mal einer in die schweiz heiratet, oder eine. das sind dann neue geschichten in 50 jahren, immerhin. schön, wenn mal einer/eine quadrate malt anstatt schnörkel. schon schön, wenn alle dann elektrische fahrräder fahren, aber den rasen blank mähen. die reicheren blankmäher kaufen gerne schöngeistige kunstquadrate in farbe. reiche schönfärberinnen hingegen schmeissen fetzen in die nordsee, schlagen die stoffe mit altöl oder eigenblut und hängen diese in galerien, getrocknet, auf. dazu lapislazuli gestisch und ggf. mit eigener blabla-geschichte. sinnbildlich, sinnbilder. dann werden sie harte neue frauen. künstlerische männer hingegen passen sich an und sammeln bösen feinstaub an hotspots, fügen bindemittel hinzu und lassen dann trocknen. oder trinken DIESEL. hauptsache toxisch. dann werden sie weiche neue männer. /alle und alles stets zugewandt. in plastiksäckchen oder ähnlich, perfekt zugeschnitten. sodann rahmung eiche natur.

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6.: die königskerzen tun sich schwer dies jahr. nachts geh ich raus und wässere sie freundschaftlich an, damit nur ja nichts verloren geht. die pelletspreise sinken nicht mehr, die produzenten hängen sich grundlos dran an die anderen hohen energiepreise. wie ich das verabscheue, solche kapitalistischen spielchen. weblogs sollten nie nur reine realitäts- oder erlebensbeschreibungen sein, das finde ich jedenfalls. wobei: heute habe ich erst abgewaschen die pfannen, die siebe, den brotkasten, die zitronenpresse und die eisernen handgeschmiedeten messer aus mallorca, die zwar rosten, aber immer scharf sind, dank der leiblingsschwägerin. dann habe ich mich hingelegt, weil das E-auto von frau mullah sowieso schon fast vollgeladen war, obwohl das erst um 15 uhr so sein sollte, zuvor löwenmäulchen und tomaten gegossen. und gekündigt, mit kollegen telefoniert und eine nachricht nach baden-baden verschickt, wegen der übernachtungen ab herbst. und mühsam mit spaten und spitzhacke alte komische staudenwurzeln entfernt aus dem trockenen boden, um dort den pinien-setzling aus grau d´agde bald einzupflnzen. / das alles ist manchmal schwierig. manchmal unschwierig, rauch und schall. seit monaten bin ich dabei, diesen schneck hier, all diese texte, zu archivieren. ich bin immer noch fast ganz am anfang. ich tue mich schwer. das hier geht nun schon bald zwanzig jahre. ich möchte durchhalten im archivieren und festhalten, auch wenn der GRUND fürs festhalten von texten und damit auch erlebtem sich mir immer weniger erschließt mit zunehmendem alter. ein seltsames wettrennen. oder aber gerade jetzt, ich weiss es nicht. natürlich will auch ich festhalten, jeder und jede will das doch. aber wer bin ich denn. ein dickes schönes buch mit allen meinen bildern (40.000) aus vierzig jahren und allen texten aus demnächst zwanzig jahren – das wäre mir schön. mit einem prominenten vorwort natürlich. dann könnte ich mich endlich einmal zurücklehnen in den geistern irgendeines wassers.

wobei, man verschwimmt dann ja gerne, so ganz ohne Eiswürfel.


Hafenmeister Haverkamp2
(Abb.: Selbst beim Verschwimmen)

Niemand unten

niemandunten2

Tigris und Breg bringen den Euphrat zuweg. Euphrat und Breg bringen die Donau zuweg. Donau und Breg bringen den Tigris zuweg. / Eier werden bei uns im Dorf nicht knapp. Bei uns gibts genug Eier. Bei uns gibts auch Diesel aus der Strasse von Hormuz und aus Gibraltar. Und Schweine. Bei uns gibts auch Arbeit. / Als vom Insektensterben betroffene Stechmücke würde ich mich vor allem darüber beschweren, dass alle Menschen uns Mücken v.a. immer als Nahrung für Singvögel wertschätzen. Das sei angeblich der alleinige Zweck unserer Existenz und gottgewollt. Vor allem, wenn wir in der Sonne tanzen und feiern und dann natürlich leichte Beute sind. Daher verehren wir seit jeher verwöhnte Gartenkatzen, für die die mückenfressenden Singvögel am Futterplatz ja ebenfalls leichte Beute sind. Und wir behaupten sogar, auch dies sei schließlich gottgewollt und der alleinige Zweck von Singvögeln. / Der spezielle Schokohase, ein Geschenk von Frau Mullah zu Ostern, fällt immer um, ganz von alleine. Mit dem Blutspende-Kugelschreiber vom DRK unterstütze ich ihn dann am Gefälle der südöstlichen Schreibtischecke. Der Tisch, ein leicht zerlegbarer Zeichentisch für Architekten, ist aus Lindenholz gefertigt und war schon im Kriegsgepäck auf der Krim 1943 oder 1944, als mein Großvater dort in geheimer Mission zu geheimen Einsätzen weilte. Keiner weiss bis heute, warum. Er sprach ja noch Russisch. In jener Zeit, auch, dort auf der Krim, hätten sich mein Großvater und mein Vater „mitten im Krieg“ getroffen und sich „versöhnt“. Keiner weiss bis heute, warum. Demzufolge ist die Krim für mich bis heute eine große „Warum?-Gegend“. / Frau Mullah überlegt, einen R5 zu kaufen. Ich fände das schon auch irgendwie sehr spannend, auch wenn ich vom Diesel überzeugt bin. Warum? / Beim Abendessen am Waldrand zu Dritt mit Bahram stellen wir uns oft vor, wie es wäre, wenn jetzt die N dabeiwäre. Dann machen wir herzliche Pläne bezüglich Kochen, ggf. künftiger Kinderbetreuung und Lottogewinnen, die endlich dies und das ermöglichen könnten. Bahram stellt dann oft sein Mobiles auf Video-Call, filmt das Essen, pimpt spaßeshalber mit KI und erklärt Rezepte und die Weltlage nach Mittelost. Und dann ist das alles noch herzlicher. Einfach so ist die N live zugeschaltet, aus ausgerechnet Kabul. Als wäre das völlig normal. Was es ja auch ist. Schade, dass das die alte Dame um ein Haar nicht mehr miterleben konnte. Ich stelle mir vor, sie würde übers Video der N in Kabul vom Krieg und von Königsberg in Ostpreussen erzählen und dabei den von Bahram zubereiteten persischen Spezialreis kosten. Das würde ihr bestimmt gefallen, das HÄTTE ihr bestimmt gefallen, diese Brücke an Weltgeschehen über einhundert Jahre. Und natürlich von Frau zu Frau. / Eine Fassade in Stuttgart-West, Nordseite. Beim Retuschieren heute begann es zu regnen und die wässrig aufgebrachte Farbe begann, nach unten hin sich zu verlaufen. Zeit für Feierabend also, dachten wir gegen Mittag und fuhren Diesel Tempo 100 retour. / Die derzeitige Mondmission geht mir am Arsch vorbei. Nicht wegen Mond oder Arsch, sondern wegen dem: Warum. Weil: Ich hatte bereits mein Monderlebnis, Apollo 11, nächtlich im Schlafanzug und Bademantel auf einem der Vintage-Gemla-Schaukelstühle im Obergeschoß, die nun keiner mehr haben will trotz Mid-Century-Superpreis, tiefnachts in 1969 vor einem Telefunken SW-Fernsehgerät. Die alte Dame hatte es erlaubt, eine große Ausnahme, denn am nächsten Tag war ja Grund-Schule mit Mengenlehre und dergleichen. Und Andor, der geliebte junge Boxerrüde, lag auch dabei oben auf dem Teppich vor dem Fernseher und pupste wie immer im Schlaf. / Brigach und Breg bringen den Missisippi zuweg. Brigach und Breg bringen den Ganges zuweg. Brigach und Breg bringen den Amazonas zuweg. Und zuletzt: Brigach und Breg bringen die Wolga zuweg. / Und ja, es hat tatsächlich wieder einmal funktioniert. Keiner, kaum mehr, redet noch über die Epstein-Akten oder dreißigtausend Tote im Januar in Iran oder ähnlichviele in Ukraine zweimonatlich seit 2022. Stattdessen Mond, Diesel-Preis und Triumphbögenpläne. Immerhin, Eier werden bei uns im Dorf nicht knapp. Bei uns gibts noch genug Eier, regional. Bei uns gibts auch Diesel aus Gibraltar. Und sowieso Schweine oder Lämmer. Bei uns gibts sogar auch Arbeit. Es ist hier niemand unten.

Für eine gerechte Grundsteuer in Baden-Württemberg / Modellwechsel jetzt!


Das in Baden-Württemberg verwendete Bodenwertmodell ist bei weitem das ungerechteste Modell, das die größten Unterschiede bei der neuen Grundsteuer erzeugt.

Deshalb fordern wir, dass das Bodenwertmodell in Baden-Württemberg durch ein anderes Modell abgelöst wird, bei dem die Grundsteuer ausgewogen und gerecht verteilt wird.

Link zur Petition bei openPetition:

Für eine gerechte Grundsteuer in Baden-Württemberg

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Begründung:

Es ist kein Zufall, dass von den 2,8 Millionen Einsprüchen gegen die neue Grundsteuer die Hälfte aus Baden-Württemberg kommen. Es ist das einzige Bundesland, das bei der Berechnung der Grundsteuer das „Bodenwertmodell“ verwendet, das nur auf der Grundstücksfläche und dem Bodenrichtwert basiert. Es erzeugt extreme Unterschiede bei der Höhe der neuen Grundsteuer und führt bei 1-3 Familienhäusern mit relativ großen Grundstücken und hohen Bodenrichtwerten zu regelrechten Grundsteuer-Exzessen. Beispiele dazu werden weiter unten aufgeführt.

Wir erkennen an, dass eine Grundsteuer sozial ausgewogen sein muss und es dabei auch zu unterschiedlichen Belastungen kommen kann. Da die Grundsteuer ein Beitrag aller Bürgerinnen und Bürger zur Finanzierung der kommunalen Infrastruktur darstellt, sind aber diese extremen Unterschiede nicht gerechtfertigt.

Bei anderen Modellen, wie z.B. beim bayerischen Modell, ist das nicht der Fall. In diesem Modell fließt neben der Grundstücksfläche nur noch die Wohnfläche ein. Man kann also bei dem bayerischen Modell nicht von einem „Bürokratiemonster“ sprechen. Es ist einfach, gut zu durchschauen und von keinem Gutachterausschuss für die Bodenrichtwerte abhängig. Veränderungen ergeben sich ausschließlich über den Hebesatz der Kommune. Das Modell erzeugt keine so eklatanten Unterschiede zwischen den einzelnen Bescheiden und ist wesentlich ausgewogener.

Auch das niedersächsische Grundsteuermodell basiert auf dem bayerischen Modell, beinhaltet aber noch einen „Lagefaktor“, bei dem der Bodenrichtwert des Grundstücks ins Verhältnis zum durchschnittlichen Bodenwert der Kommune gesetzt wird.

Beispiel 1:
1 Fam.-Haus (Grundstück 1602m², Wohnfläche 175m²)
5.130 € Grundsteuer BW (Tübingen mit Hebesatz 350%)
1.033 € Grundsteuer Bayern (München, Hebesatz 824%)
1.549 € Grundsteuer Niedersachsen
(Bei einem Hebesatz von 824%, „gute Lage“)

Beispiel 2:
3-Zi ETW (Grundstücksanteil 25m², Wohnfläche 86m²)
67 € Grundsteuer BW (Freiburg mit Hebesatz 235%)
256 € Grundsteuer Bayern (München Hebesatz 824%)
385 € Grundsteuer Niedersachsen
(Bei einem Hebesatz von 824%, „gute Lage“)

Wir sind eine Gruppe, die von der neuen Grundsteuer extrem belastet ist und bitten Sie, unsere Petition zu unterstützen und zu verbreiten.

Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung,
BI Gerechte Grundsteuer BW, Tübingen

ludrig

23.04 uhr, wieder abermals höchste zeit zum bette./ dies ist gelaufen, jenes lief, weiteres wird. wie ja immer alles läuft, laufen wird, gelaufen sein wird oder lief. was wollte man schon mehr, immerhin ists bereits mitte märz. wobei, der märz wird ja zum april seit ein paar jahren. märz klang immer ein wenig besser früher. nun eben: april. WOBEI, eigentlich müsste ja aus dem märz der februar werden, klimatisch, aber nicht alles ist ja klimatisch. vieles ist ja auch politisch, oder wenigstens wirtschaftlich, manchmal privat.

es hätte ja andererseits bitte schon auch nochmal schneien können, wenigstens EINMAL noch 6 tage so richtig kalt und schnee, fürs gefühl, irgendein gefühl. eiszapfen von der dachrinne mit dem außenbesen abschlagen, dachlawinen, schneeschippen um 6 uhr morgens und der diesel springt nicht an. alles einerseits DAHIN, aber dennoch andererseits sind es noch viele wochen bis zum frühstück im schlafanzug und barfuß oder wahlweise dem feierabendschnaps oben-ohne auf der – zugegeben – ludrigen sonnenterrasse.

„terrasse“ schreibt man ja, ähnlich wie „cassette“ oder „kassette“, mit zweimal „r“ und zweimal „s“. WIE OFT habe ich das nachschlagen müssen in meinem langen lotterleben. ähnlich wie „reparatur“ oder „reperatur“. oder „knöchelverzeichnis“. es ist peinlich, ja sehr. aber je öfter sich diese dinge einhaken, desto mehr setzen sie sich fest in der hirnrinde der spontan umfassenden verunsicherung oder den ganglien des sprachlichen kontrollverlustes. ein diesbezüglicher binnenstress macht irgendwann dann fast alles an ratio unmöglich. ähnlich bei namen, die man immer kannte, aber die einem spontan nicht mehr einfallen, just in dem moment, in dem man unvermittelt und ohne vorbereitung auf die entsprechenden personen trifft. und nicht weiss, schwitzend, wie man nun ansprechen soll.

es sei, ACH, jedoch allen diesen dingen und gegebenheiten mitsamt verhältnismäßigkeien auch einmal gegönnt, dass sie sich hie und da auch mal über einen erheben können. diese sachen und verhältnismäßigkeiten kichern dann gewiss oder halten sich den bauch vor lachen, und das dürfen sie ja auch. wenn sie einen einmal in den superkeller schicken. immerhin haben wir sie ja selbst erschaffen und zu komplizen gemacht, ohne sie vorher detailliert dazu zu befragen. und man muss ja nicht immer das letzte wort haben.

GW2672m

es ist absurd. /jetzt wollen sie ein junges wolfsmännchen höchstrichterlich abschießen, welches noch gar nichts getan hat, noch nicht einmal geknurrt geschweige irgendjemanden angegriffen. er, der junge wolf, ist nur nicht weggelaufen, wie das von ihm erwartet wird. hat sich genähert auf 30m, neugierig, vor allem, wenn weibliche hündinnen den gaffenden menschen begleiteten. sie sagen, er suche eine freundin und verhalte sich deshalb so. das sei auffällig und gefährlich. man müsse ihn „entnehmen“. „entnehmen“ erinnert mich über die maßen an das vokabular aus dunkler deutscher zeit. gemeint ist totschießen, oder auch abknallen.

das alles in einer gegend, die eigentlich eigens genau für tiere wie diesen jungwolf geschaffen worden ist. nun ist er da und die menschen bekommen angst, vor dem geist, den sie riefen. die gegend nennt sich „naturpark nordschwarzwald“. der wolfsrüde wurde „hornisgrindenwolf“ getauft, von anderen wird er „GW2672m“ genannt. es ist also geplant, GW2672m zu entnehmen. halali.

damit sich auch weiterhin sensationssüchtige sonntagsspaziergänger zusammen mit ihren nicht angeleinten läufigen hündchen und ihren nicht gehorchenden blagen zur hornisgrinde begeben können, um einen urahnen des dem menschen liebsten vierbeiner zu sehen. und um dann zu sagen, er „habe sich genähert“. und man habe dann „angst“ bekommen.

wie wäre das denn alles aus wölfischer sicht? man könnte sich vorstellen, dass der ältestenrat der wölfe nunmehr nach gewissentlichen beratungen beschlossen hat, menschen zum riss freizugeben, da sich jene menschen in unnatürlich verhaltensauffälliger weise und sogar mit haustieren oder jungmenschen den wölfen genähert haben. man habe sich diese entscheidung gewiss nicht leicht gemacht.

oder wie wäre es denn, sich (als mensch) einfach einmal ein paar monate lang eine andere gegend auszusuchen für den spaziergang mit hund, oder ohne hund. wenn man denn schon angst hat. ANGST: dieses große gefühl mit gänsehaut! oder ohne freilaufende stadtkleinkinder. man könnte einfach 6km weiterfahren auf der schönen bundesstrasse 500 und die hornisgrinde zunächst für ein paar monate meiden. und dann den – angeleinten – kindern erklären, worauf man in der natur zu achten hat. und wie man sich dort verhält. und, ganz wichtig, zur not auch einmal umkehrt. oder dinge nicht tut, die man eigentlich gerne getan hätte.

man könnte dort fürs leben lernen, wenn man diese erfahrungen verinnerlicht und überträgt auf existenz. wald ist ja nichts anderes, als welt. auch die berufliche oder was weiss ich. die welt eben. aber nein, die natur – also alles um uns herum, was irgendwie lebt und aussieht – hat uns zu dienen. und gefälligst zu liefern für den freizeitwert. das schöne erlebnis. dieses muss garantiert sein, daher klettern auch menschen in weissen turnschuhen und kurzen hosen im winter auf hohe berge, wo sie dann vom wetter oder der nacht überrascht werden und die welt nicht mehr verstehen, wenn sie erfroren sind oder abgestürzt.

diese „entnahme“ nun ist angeordnet ausgerechnet von einer GRÜNEN umweltministerin. es ist kaum zu glauben. es wird nicht wenige stimmen kosten, jetzt so kurz vor der wahl eines neuen landtages. wie gerne würde ich mit der ministerin einmal einen waldspaziergang unternehmen, so richtig im unterholz und mit zecken und schleimpilzen und tollwütigen füchsen oder wildschweinmamas.

bleibt zu hoffen, dass GW2672m schlau ist, seine neugier bremst und sich für die nächsten wochen gut im unterholz verkriecht. immerhin kann er ja offenbar 9,7km entfernt lauernde jäger hören. und sogar verzogene stadtkinder schon riechen, wenn sie in 2,5km entfernung mit stöcken in einem waldameisenhaufen herumstochern und ihre leeren red-bull-dosen in den bach werfen, weil es gerade kein NETZ gibt. (spoiler).

ich habe gelesen, dass sich nun spontan leute zusammenfinden, die jetzt laut klatschend dort durch den wald laufen, um den jungen wolf zu schützen. damit er sich verstecke. vielleicht gibt es ja im „entnahme-team“ auch jäger, die absichtlich daneben schießen? so was kommt ja immer wieder vor und dient oft jahre später als vorlage für großes menschenkino, wo dann geheult wird wie bolle.

expressGrün/ ordentlich Pfund.

Ebner Epitaph Relief um 1431, Nürnberg St. Sebald
expressGrün 1
expressGrün 2
expressGrün 3
expressGrün 4
expressGrün 5
expressGrün 6
Verlängerung Hubsteiger

gesprochenwort:

die kirschkern meinte „tja, augen auf bei der berufswahl!“, als ich mich über die lausigen +2 grad in derjenigen kirche beschwere, deren decke es galt, in jener januarwoche zu bearbeiten. eigentlich war das doch mal ein alter boomer-spruch (?), denke ich so vor mich hin, während sich das alte quecksilberthermometer mit dem anzeigen der realen raumtemperatur unter der alten stuckdecke reichlich zeit lässt, weil es nämlich zuvor im warmen auto gelegen hatte. „das hat uns früher auch nicht geschadet!“ war das geflügelte wort über die weihnachtsfeiertage, ein wenig alt gegen jung und jung gegen alt. im umkehr-zitat, aber mit einem durchaus zugewandtem humor der gnädigen entlarvung. und das „WIRKLICH? – NA SCHAU DICH DOCH AN!“ seitens der jugend ließ dann auch nicht lange warten auf sich, natürlich. hätte ich genauso gemacht. die kirche ursprünglich gotisch, dann aber in den 1960er-jahren gnadenlos nach westen erweitert in beton und glasbausteinen. damals hat man sowas noch ohne denkmalscheu gemacht. irgendwie auch cool und frech und jugendlich. das passt schon alles. hauptsache, es gibt noch JUNGE, die an bessere und gerechtere zukünftige welten glauben und nicht nur ans geld und NFTs. so zum beispiel war die ganze familie schneck zwei tage vor dem heiligen abend beim kollektiven blutspenden, wie immer auf anregung der kirschkern. immerhin, wir haben da 2 liter blut für gute zwecke hinterlassen, man nehme zur anschauung zwei tetrapack milch in eine hand – das sind ordentlich pfund, wie ich finde. / ich wäre wahrscheinlich ein guter stadionsprecher geworden. ein mediziner nicht, denn ich könnte nie blut abnehmen. ein guter zimmermann auch nicht, oder schreiner, denn dazu sind mir finale exaktmaße und -winkel zu egal. leider. als rechtsaussen habe ich ein paar schöne assists gelegt, aber das war in der c-jugend gegen vorderstetten oder hinterstetten. noch dazu: dokumentationen und berichte über geleistete arbeiten waren mir auch immer eher lästig und nebensächlich. dabei ist das doch so wichtig, nicht erst heutzutage: die dokumentation, angeblich. leider auch von halbherzigen arbeiten, die dann groß herauskommen, wenn und sobald sie den atem berauschend dargestellt. ich wollte vor allem immer meine sachen machen. und nicht (hernach) zwangs- und oft lästigerweise diese dann auch noch dokumentieren. aber das kann man sich heute eigentlich nicht mehr leisten. schon gar nicht im künstlerischen bereich. die dinge kommen und werden gemacht und dann wachsen sie gelegentlich und dann verschwimmen sie wieder oder verschwinden. wie wölkchen, ohne anfang und ohne ende. die wichtigsten momente von wolken sind diejenigen ihrer reflektierten ENTDECKUNG. wenn genügend zeit darüber vergangen ist. wirkliche relevanz wird ja erst dann sichtbar, wenn alles ein paar jahre her. „das hätte dir früher auch nicht geschadet!“ hör ich den lieben gott einst zu mir sagen. angesprochen auf fehlende dokumentation. mich entgegnen höre ich dann sinngemäß, „gnä Frau, Sie und nicht ich haben doch die Zeit, deren Krümmung sowie die ewige Wiederkehr erfunden, wenn ich mich nicht irre?“ Immer freundlich bleiben, v.a. gegenüber göttInnen. ich werfe sogar frech in den himmlischen raum: schöne resultate und gute arbeit sind oftmals natürliche gegner der dokumentation, jedenfalls der eigenen. und andersherum. so behaupte ich. im nächsten leben werde ich ggf. jurist. ich wäre außerdem ein toller stadionsprecher. wie wird man eigentlich stadionsprecher? / später in jener kleinen kirche war aber erst mal retuschieren bei mittlerweile +7 grad, überkopf an einer alten stuckierten decke, jene voll mit vom weihrauch lange vergangener zeiten verschwärzten spinnweben aus ebensolange vergangenen spinnendynastien.

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geschrieben adhoc: die tage rutschen so durch. im fränkischen abermals schwarze alte spinnennester von gotischen pfeilern entfernt. diesmal von einer scherenarbeitsbühne aus, lumpige 10m arbeitshöhe. mit joystick und akku durch die lieblingskirche heizen. und cruisen und kreuzen und einparken üben. macht nebenbei – auch – spaß. clevere verlängerungen am saugapparat, um die ungeliebte patina zu erreichen, machen mir laune. (und günstig dazu). /aber viel wichtiger noch sind zwanzig neu entstandene schwarzgrafische malereien auf quietschgrünem grund, in 70x100cm, eigens hergestellt für eine ausstellung in ebensolchen quietschgrünen räumen, die in zwei wochen beginnt. herzliche einladung schon mal, zur eröffnung von EXPRESSGRÜN am 28.2.2026 und einer später datierten lesung. (…)

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geschrieben sic: auf arbeitsbühnen kommt man den dingen manchmal näher, als WIE vom boden aus oder von tatsachen. beispielsweise einem in holz geschnitztem relief, dem sog. Ebner-Epitaph? über einem südlichen portal der sebalduskirche in nürnberg. gestiftet einst von der familie zu ehren von Christina Ebner (1277-1356), geschaffen um 1431, also vor sechshundert jahren. es war mir all die jahre nie aufgefallen, sehr seltsam. damals gab es noch keinen fiat cinquecento, weder benzin noch elektro noch retro, bei aller kurzfristigen zeitlosigkeit heutiger momente. allen überheblichen gedanken aus dem schwimmbecken spätergeborener überheblichkeiten sei hiermit also erhebliche absage. auch staubsauger gab es ja damals noch nicht. die tage rutschen mir so durch wie vor 600 jahren. und aber „augen auf bei der berufswahl“ gab es wahrscheinlich auch damals schon, jedenfalls für männliche Wesen und sowieso im sehr kleinen bereich der eher wenig grenzenlosen möglichkeiten. und sowieso, man wurde ja da max. achtunddreißig, behaupten sie immer.

(hoppla heut jetzt freitag der dreizehnte. na gut, mir wurscht, sollen sie.)

we all have loved you real

B1
B2

ATELIER, nachts. und alles nichts neues. warum nur lassen mich diese motive nicht los. / heute ist mein geburtstag. also gestern mittlerweile. ich wurde aus dem himmel und meiner mutter und meinem vater nach 8 monaten in einen vintage brutkasten geworfen. es war dann so, wie es eben war, gottlob irgendwann nahrung aus brüsten, konservativ heimlich seinerzeit, da der neueste trend künstliche babynahrung war, die ich nicht mochte. warum nur lässt mich dieses motiv nicht los? ich wuchs auf im wald, bald ohne vater und halbem bruder. dennoch glücklich, was sollte ich auch sonst tun, außer glücklich zu sein. nun bin ich sixty-four geworden. niemals hätte ich mir das jemals vorstellen können. früher, als ich sieben jahre alt war, da starben die menschen noch mit sechzig plus, hochverdient, allseits krank und dick mit katastrophalen werten. das war völlig ok so und normal. keiner hat sich beklagt. meine alle sind sie zu früh gestorben, mein vater, meine opas, mein bruder. ich schäme mich fast, sie nun alle überlebt zu haben. heute, nicht nur am 5. dez., fühle ich große verbundenheit mit ihnen. es ist ja beinahe eine verantwortung, die mir im herz liegt und brennt. ich sollte das rauchen endlich aufhören. denn alle haben geraucht. jedoch ich wuchs in frieden auf, was für ein hohes glück. sie allesamt hatten dieses glück nicht. ich denke, sie alle starben auch am unfrieden. / mit einem miamiblauen VW-derby fuhr ich vor langer zeit, im dezember, nachts und im schneetreiben alleine über die autobahn vom allgäu nach hause ins unterland, über albabstieg, die musik von GENESIS aus einem batteriebetriebenen IBM-cassettenrecorder auf dem beifahrersitz, das leben vor mir. und unbekannt zukünftig rettende brüste. mir war so glücklich und geborgen. bis heute. warum ich diese fahrt als nun alter TYP so sehr erinnere, ich weiss es nicht. (warum nur lässt mich dieses motiv nicht los?) 64 klingt einfach nach so ganz und gar nichts mehr. nach NICHTS klingt es. weder tot noch frisch. und manchmal nach scham, überhaupt noch da zu sein. ich will mich aber nicht beirren lassen und weiterhin vor allem glücklich sein. wie damals als kind und später im blauen VW-derby auf der verschneiten autobahn. irgendwer hat mir das große glück, immer wieder glücklich zu sein, wohl sehr wohlwollend zugedacht. / (…) / *we all have loved you real. AHA*, 5.12.2025, 16,5x25cm, Öl/Aquarell/Collage auf Karton / musik: https://youtu.be/38TgsscG2Nc

tutta la vita

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die winterreifen sind seit 7 wochen schon aufgezogen, sprachlos. das kostet jetzt 35 anstatt 25. andere leistungen und deren menschen kosten 85 anstatt 45. die pneus für die schweiz, genauer graubünden, vor zwei monaten für drei tage und nächte. der einigungstag, damals tagesschau, zusammen mit der aufgeregten alten dame auf einem der beiden schaukelstühle, die nun bei den kleinanzeigen keiner will seit einem mehr als halben jahr. obwohl mid century nordisches design von gemla 1959. keine hirsche also in CH, kein schnee, leider und sprachlos die ganze zeit, dennoch. dort möchte ich eigentlich endgültig gerne wohnen, auf eintausendachthundert metern und den lärchen sprachlos beim vergilben zusehen im herbst und im frühjahr dann dem schnee beim schmelzen. und nochmal skifahren, ein mal wenigstens, unbedingt.

wir waren noch einen jahresmoment zu früh dran, vieles noch lichtgrün, wahlweise rötlich. immerhin frost war da schon und reif am morgen, aber vielleicht im nächsten jahr dann. die vignette vom 1. januar für 45 hat sich wenigstens in diesem jahr wirklich sehr gelohnt, zwei mal beim grenzwertigen übertritt bereits diese ohnehin schon an der scheibe gehabt, wie schön. eigentlich ein grund, um im dezember vielleicht nochmals schnell nach zürich oder winterthur zu fahren, um rolex, bircher, gold oder RAGUSA einzukaufen. die halbe rückfahrt wär dann schon finanziert. oder nach südfrankreich über geneve fürs weihnachten oder kurz danach.

an den beiden AFGHANEN im auto jedenfalls störten sich keinerlei grenzbeamte, was sehr schön war und gutes hoffen und lieben und glauben lässt in diesen zeiten. ich war sprachlos. immerhin besitzen beide mittlerweile eine kompletteuropäische reiseerlaubnis. und die CH-geforderten schneeketten hatten wir sogar auch dabei. insofern war der gänzlich unbeachtete grenzübertritt, sowohl hin wie retour, fast schon eine enttäuschung.

ich wünsche mir zu weihnachten eine weitere insektenlebendfalle. damit kann man am waldrand im schönen hause allerlei spinnen, nachtfalter, grashüpfer oder raupen einfangen und dann in den garten, den wir seit diesem jahr nur noch als DAS GELÄNDE bezeichnen, befördern. sowie nichteinschnürende arbeitssocken aus fernost. oder 2 karten für den VfB, die rückrunde.weiterhin ein set von kleinen sieben aus edelstahl und nach millimeter-stärken geordnet, durch die man sandige zuschlagstoffe für die mörtelbeigabe rieseln lassen kann. und ein wertiges und funktionierendes klammergerät fürs büro, mit dem sich ohne ärger papiere zusammentackern lassen. bin boomer, ich drucke noch aus.

in meiner derzeit künstlerischen arbeit herrschen vor ein quantum rückbesinnung, hie und da aufkommende wertschätzung des vermeintlich unwertigen oder lange verworfenem (gleichwohl seinerzeit gottlob NICHT weggeworfenem) eigenen einst HINgeworfenem (ideen und blätter), sezierungen allzu geschmäcklerisch getupftem und damit immer wieder eine schöne große und selbsterfrischende dekonstruktion. die mir stets vermochte, mir meine seele einzuhauchen, auch wenn verloren geglaubt, all die nun ja schon langen und etlichen jahre im atelier. trocken und ehrlich und manchmal auch ROTZ. das gefällt mir. vielleicht nun endlich eine art final befreiendes alterswerk mit großen kreisen und allerlei binsenweisheiten.

bis es aber soweit ist, muss ich auf KUREN und REHAs verzichten. anders, als viele andere. wie ich es so höre und mitbekomme aus dem gleichaltrigenumkreis. über erschöpfung mag ich nicht urteilen, und über die kräfte und abgründe der psyche mag ich sowieso weder richten noch rechtsprechen. im gegenteil: ich mag ja das sprachlose.

MEINE kur hingegen scheint arbeit, meine reha auch. so haben es liebe götter wohl beschlossen. ich arbeite eben, damit werde ich offenbar geheilt. ich will mich nicht beklagen, im gegenteil, zuletzt bin ich sogar dankbar und voller demut darüber. aber in manchen mir zu ohr gekommenen fällen denke ich schon auch hie und da: he! vier wochen reha wegen einer tempoär beruflich schwierigen situation. und das bei voller lohnfortzahlung. wahrscheinlich jedoch bin ich nur neidisch auf festanstellungen und jene netze. weil, ich DARF ja gar nicht krank werden. weder oben noch unten. weil ich dann nichts verdiene. so einfach (und sprachlos) ist das.

der herbst hieß mir viel hubsteiger in einer mit wandmalereien ausgestatteten 1950er-jahre-kirche. es ist immer wieder schön, das gondeln in 12 oder mehr metern höhe. es musste viel retuschiert werden dort oben. und der herbst bedeutete auch, eine wunderbare ausstellung mit ebensolchen werken von joseph beuys aufzubauen. was bereits geschehen ist. eine für mich berührende reise zurück in die zeit vor bald vierzig jahren, als alle sich abarbeiteten an jenem mythenkünstler. so auch ich auf diese oder jene weise. und nun, beim aufhängen und berühren der werke und beim betrachten fallen mir mannigfache meiner gedanken von damals ein. oft postpostmodern, dann ironisch brechend, vielleicht noch ohne den wahren gehalt seiner arbeit verstanden zu haben. vielleicht habe ich das bis heute nicht vollständig. es ist vieles wie aus einer anderen welt. einer meiner bezüge aber ist die tatsache, dass beuys der jahrgang meines vaters war. das interesse daran, wie jene, die die katastrophe am eigenen leib miterlebten, hernach damit umgingen und verarbeiteten. bis sie selbst zuletzt den preis dafür am eigenen leib tragen mussten.

die kirschkern hat ihren ersten job. nach dem master im sommer. frau mullah beginnt in einer für sie neuen leitungsposition. bahram hat noch ein halbes jahr ausbildung vor sich, danach wird er ITler sein. seine familie ist nun in vorläufiger sicherheit – auch dank IHRER spenden im sommer. alles ziemlich schön. ich bin ohne sprache.

kommende interessante brotarbeit kündigt sich an, aber ich bin noch vorsichtig. nun kommt erst einmal der dezember mit alljährlicher zahnarztdurchsicht (bonus-checkheft), kfz- und elementarschädenversicherung, dem heranschaffen von streugut (splitt), der meldung des vorraussichtlichen jahreseinkommens in 2026 mitsamt zuordnung zu den kunstbereichen, die BI-grundsteuer wird sich treffen, die berufshaftpflicht, frau mullah wird feierlich eingesetzt werden, ein paar ausstellungseröffnungen, ein dörfliches gansessen, ein MRT an der schulter und dann ist es weihnachten. vorher aber noch das zeug zusammenräumen auf den baustellen und deshalb lange entschleunigte fahrten mit einem wunderbaren kollegen und seinem riesigen anhänger mit tempo 80 oder einhundert in der weite winterlicher süddeutscher autobahnen.

währenddessen sprachlose gespräche über den zustand der welt.

gib mir honig1
gib mir honig2

Ende of Sommerzw.

EndeofSommerZwille

selbst im halbdunklen waren die kleinen emsigen ameisen zu hören, jedenfalls gefühlt und fast, bei dieser spätsommernachtsstille hier am waldrand vor ein paar wochen.

wie sie den sehr komplizierten weg zu den küchenabfällen im kleinen weißen eimerchen, einem einstigen LEERgebinde aus dem malereifachhandel zum mischen von allerlei farben, welchen wir gehängt hatten an die hohen metallenen terrassenstreben, immer wieder FINDEN, obgleich dieser topf in (für ameisen) luftiger höhe und ausschließlich über schmale meterlange stangen und zuletzt einen einst starkhändisch gebogenen dicken draht, der früher zum befestigen von obstkörben an hölzernen leitern bei der apfel- oder birnenernte angefertigt worden war, aufgehängt ist.

diese ameisen sind wahrscheinlich NICHT diejenigen der art, die im badischen bereits manche kommunen und das internet lahmlegen durch ihre vernetzten superkolonien, so hoffe ich jedenfalls. klein und schwarz seien sie, kleine schwarze also. ich kenne eigentlich fast nur kleine schwarze ameisen. in der warnenden lokalpresse stand, wenn man sie zerdrücke, dann würden sie einen RANZIGEN geruch verströmen.

selten ist mir ein anthropo-arroganteres bestimmungsmerkmal untergekommen. lebende wesen zu deren wissenschaftlichen einordnung zerdrücken – und dann daran riechen. man stelle sich nur vor – einen tip an einigermaßen intelligente EXTRATERRESTRISCHE in jurazeitübergröße: menschen zerdrücken, und wenn sie dann – röchelnd – einen ranzigen geruch verströmen, dann sind es wohl wahrscheinlich: menschen.

danke. stete kontrolle und baedeker. zeitlos biodivers und bildungsbürgerlich.

gottlob: wir haben ja als menschen derzeit, anders als viele andere mitbewohner, wenigstens EIN problem NICHT: nämlich, dass jederzeit jemand (dazu ggf. noch aus versehen) auf uns drauftreten könnte. jedenfalls seit dem großen meteoriteneinschlag damals im golf von MEXICO.

das sollte man immer bedenken, wenn man rumläuft. man muss sich das einfach mal vorstellen. zum beispiel als dinosaurier einerseits oder als salamander oder weinbergschnecke. lurche können ja auch nicht schreien. und rehe sind ziemlich sicher atheistisch geprägt, nach heutig empirischer sicht. aber wer weiß das schon. feldhasen können m.W. nicht autofahren, schon gar nicht nachts.

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auf den zetteln: kürbiskerne, leinsamen, prittstifte, milch, übergangsware, bier/wein, kaffee, radiergummis, zitronen, gesalzene butter, schwarzkümmelöl, deodorant, klopapier, kippen, edelstahlschrauben, terpentinöl, lange unterhosen, motorsense, alblinsen, weißblechpalette, finnpappe, öltankstillegungsgutachter (unabhängig), massageöl, schleifmittel, dinkelmehl, holzwurmex, weck-gummis und zucker. zucker kann man auf dem schwarzmarkt immer gut tauschen, so die alte dame mein leben lang. kippen auch.

alles aus der putin-kiste (2022) ist längst abgelaufen. die corona-kiste (2020) schon lange aufgelöst. die gute nachricht: eine belarussische drone iranischer bauart würde ich hier am waldrand, von der uneinsehbaren sonnenterrasse aus, LOCKER mit einer selbstgeschnitzten billigzwille abschießen, sogar mit links.

agde août

citroen2025

die sonne scheint. gestern wieder 38 grad. ich mag die hitze. alles fliesst irgendwo. man kann nicht schreiben, zu heiss. wozu auch. wenn schon schreiben, dann einen bestseller, der ordentlich kohle bringt für die letzten jahre. irgendwas mit jugend, alter, gender, empörung oder sex oder eben komisch. oder über eine alte kleine hündin, die jeden tag einmal – immer an der selben stelle – in den HERAULT steigt, um kurz zu baden. sie kennt den einstieg, der ihr dort möglich ist. seit jahren, sagt herrchen. sie sei 14 jahre alt, das nette herrchen über 80.

oder, wenn bei GEWITTERWARNUNG – wie heute – der französiche DLRG mit einem bootchen mit aussenborder den strand abfährt, um die verbotenerweise badenden mit einer trillerpfeife zurück an den strand zu scheuchen. wenn das bootchen dann woanders, dann rennen alle wieder ins wasser. vor allem die kinder und pubertierenden, aber auch gestandene erwachsene mit und ohne busen und bauch. wenn das bootchen dann abermals wieder kommt, dann rennen alle wieder raus. das finde ich nicht nur lustig, sondern auch schön. ein riesenspaß!

überhaupt bäuche. es scheint ein STATUS zu sein, als sowohl junger, mittelalter oder alter mann den oftmals sogar blanken und entkleideten kugelrunden bauch zu zeigen. voller stolz. oft das t-shirt sogar eigens hochgeschlagen und oft blankrasiert, die bäuche. oder gegenteilig. verstehe das, wer wolle. aber auch das macht mir nichts aus. ich habe hier einen zustand völliger gelassenheit gegenüber meinen ansonsten ja oft viel zu zimperlichen detailmeinungen erreicht, schon allein aufgrund der hitze. denke ich mir. mir ist das alles egal, auch völlig übergewichtige oder abgemagerte junge frauen und kinder. tätowiert sind ohnehin alle. auch die, bei denen man es nie erwartet hätte. ich finde hier jedes jahr meine menschenliebe wieder. so sind wir eben. hauptsache, irgendwelche bügelfalten sind erkennbar. und das sommerparfum riechbar. da ist es dann auch egal, ob 3-jährige am strand halbstundenlang am smartphone hängen mit kopfhörern.

es ist aber nicht allein die hitze. bilde ich mir ein. wobei die hitze – besser WÄRME – mich grundberuhigt. das ist wohl bei germanen so, die ja sonst stets einen pullover dabeihaben müssen und feste schuhe, falls es regnet oder schneit. und schon sommers zusehen müssen, woher das feuerholz für den zu erwartenden winter kommt. nicht so hier. ich beginne zu gleiten. ich MUSS nichts mehr machen, gar nichts. weder zeichnen, noch holz besorgen für den nächsten winter, noch schreiben. geschweige irgendwem berichten. ich kann hier einfach nur auf dem balkon sitzen und den möwen und den tauben und den elstern zuhören, die fledermäuse beobachten oder die menschen am strand. oder alte autos fotografieren, die mir vorführen und zeigen, wie alt ich jetzt bin.

später dann zum kleinen marktplatz gehen und mit frau mullah eine PRESSION oder einen hausweisswein mit eiswürfeln trinken oder zwei, und den staren zuhören wie in DIE VÖGEL, die auf den beiden mächtigen platanen dort immer übernachten und sich vor dem schlafengehen noch lauthals kreischend gutenachtgeschichten erzählen.

das schöne hier, es ist ein völlig normaler ort mit völlig normalen einwohnern und völlig normalen feriengästen. keine superjachten, keine übertriebenen intellektualitäten oder verkünstlichungen verkünstlichter künstler. keine überbordenden und zur schau gestellten besonderheiten. keine wie auch immer gearteten sexuellen eskapaden, wie am naturistenstrand ein paar dünne kilometer weiter. stattdessen schwimmringe, im sand spielende kinder, hunde, menschen aller couleur und bescheidener aussendarstellung, die sich einfach abkühlen wollen im meer. das alljährliche harley-davidson-treffen, sehr pittoresk und immer wieder mal eine SARDINADE, bei der der ganze kleine marktplatz vollgestellt ist mit langen plastenen tischreihen und frisch gefangene und am platz gegrillte sardinen zum verzehr angeboten werden. danach ist meistens tanz, begleitet von einem DJ-animateur, da läuft dann jaques brel und daft-punk und charles trenet und alle, jung und alt, ob maghreb oder alter französischer adel tanzen querbeet und singen mit, dazwischen wackeln quiekende kleinkinder fröhlich mit ihren ersten schritten und werfen ihre ärmchen in die höhe, genauso, wie ihre jungen großväter und großmütter. und mütter und väter in ihrer kinderphase.

das ist wirklich schön. so möchte ich leben. eigentlich immer. danke, liebe V., dass das so geht hier und möglich ist, dank deiner. und vielleicht könnte es mir genau HIER irgendwann einmal gelingen, ein schriftliches manuskript mit viel ruhe und zeit ggf. in form zu bringen. wenigstens ein mal im alten leben. um mir dann das holzbeschaffen für vielleicht 2 winter sparen zu können. und um wenigstens EIN mal im leben jenen naturistenstrand besucht zu haben, wo man die butter und das baguette nackt einkauft beim nahversorger und danach anderen beim kopulieren zusehen kann am strand. wenn man das will. während man eine kleine quiche verzehrt oder döst oder raucht oder in den himmel starrt. aber vielleicht brauche ich das auch gar nicht mehr als große und wilde erfahrung. vielleicht hatte ich diese sicht ja auch schon, in einem früheren leben. wer weiss. ich habe alles vergessen.

es sind immer ja immer die dichtung, die wahrheit und die legenden. die größte HAUPTSACHE mir, es ist grundwarm. dann und danach kommt alles andere schon ganz von alleine. heute nacht nur 26 grad. wind, balkon, in der ferne lautlose angeberblitze. und PASTIS ebenda, nicht alleine. reden, flüstern, zupfen und sich freuen über dies und das.