30.9.

„Es KÖNNTE also sein: Hinter der Tür im Auto nebenan, an einer Einfallstraßen-Ampel im nächtlichen (ausgerechnet) Dingolfing-Landau ein Wien-Heimkehrer mit Löse- oder Schutzgeldkoffer der risikofreundlich subadriatischen Erntehelfer-Mafia beispielsweise. / und nur, weil diesen Koffer zuvor ein junger madrilenischer Doktorant – seit Jahren übrigens ohne Chancen auf heimische Jobs und daher migriert wer weiß wohin mit Europabart – den seine neue biodeutsche Freundin, ein junges Ding aus Hamm mit Einser-Abi, die den 18. Geburtstag eines ihrer Halbbrüder vor 10 Tagen für 1,5h besucht hatte, in ein Gebüsch nahe Celle geworfen hatte, ohne sich die Hände gewaschen zu haben oder den Griff des Behältnisses desinfiziert, welche (die, ihre Hand) sie zuvor in einem Anfall von Sorglosigkeit zur Begrüßung dem stellvertretenden Leiter des ebenso anwesenden Gesundheitsamtes von Celle gereicht hatte (Bezug?), der ebenjene (Hand) ebenso sorglos annahm, da er in seiner Rechten ein halbes Glas badischen Likörweines hielt (und ohnehin schon immer einen Dreh zu jüngeren Frauen hin hatte), welches ihm von der gestandenen französischen Servicekraft gereicht worden war, dieser ein Mann im besten Alter, oben Haare, untenherum keine, gebürtig Haute-Alpes-Provence, der gerade vom Besuch der goldenen Hochzeit seiner Ex-Schwiegereltern zurückgekehrt, mit denen es nach wie vor verbindende Nuancen gab, gottlob, auch wenn alles nicht so einfach war, da es über die Besuchsregeln für die gemeinsamen Zwillinge noch rechtlich europäische Unstimmigkeiten auzuhebeln bedurfte. (…) / A. begann plötzlich zu husten, B. reichte liebevoll ein Taschentuch und ließ den Koffer diskret hinter der Verandatüre verschwinden, um sich danach an die Nase zu fassen und ihre Brille, im Übersprung wie immer, zurechtzurücken. Ein kurzer Blick auf die APP meldete keinerlei Risikobegegnungen, also gab sie Gas. (Wer jetzt eigentlich?) Mit Koffer. Nach Westen, wie immer. ER immer nach Osten. Und SIE immer nach Westen. Typisch. Heute mit einem Aluminium voll von politisch entzweigtem Geld, dessen Verwendung noch zukünftig unklar, ggf. Heizpilze en gros? / Ggf. Autobahnen in Ungarn, Struktur Kalabrien, Ausbau Polarkreis. / Auch der Motor hustete. Wie alle, stets sinngemäß, wenn es um irgendwas ging. Und niemand wusste, ob er den anderen je wiedersehen würde oder nur die App notfalls küssen oder eine Hand halten würde können, wenigstens eine kontaminierte. Oder einen Sarg, ich könnte heulen.“

11.9. key west anstatt zeichnen porto

Wenn ich mich selbst pflege, dann nicht etwa so, wie mir verordnet. Ich ziehe keine Schuhe an, die mir verordnet von mir oder dem Schuster, auch kein geziemliches Oberteil geschweige Polo. Ich schreibe nicht das, was mir verordnet, noch schaue ich Dinge, die mir verordnet, oder esse solches noch lese ich ebendies. Ich gehe auf verbotene Hochzeiten, esse geächtetes Obst, schreibe schlecht formulierte Briefe, die ich abschicke mit absichtlich 5 Cent Porto zu wenig. Ich packe verbotene Päckchen, fasse an leidlich verbotene Stellen, an verbotenen Orten in größeren auch international verschrienen Verbotsbereichen. Ich soff einst Diesel und kaute Feinstaub. Ich ging in den Forst, dorthin, wo die üblen Dinge sind. In den wuchernden Wald der Unwahrheiten, die mir lebenlängs in meine von mir erfundenen Arme fielen. Ich holte Milch am Arsch der Welt, kaufte Eier in der Bronx, legte Blumen ans Grab von Verbrechern und verpfiff junge Igel und Salamander vorm jüngsten Gericht. Mein bester Freund heißt sich „Mohr“, ich lese Rot für Blut, Braun für Gallert, Gelb für Dung. Mein Grün ist bestechlich, mein Blau braucht immer Geld. Meine Liebe war nie Hafen, mein Sex war stets in Beige. Meine Kornfelder sind erlogen und meine Gewitter erstunken. In Key-West zeugte ich sechs Kinder, in Tanger Zwillinge dazu. Was blieb mir übrig. Meine Liebe so unehrlich wie mein Humor, der immer fehlte. Ich bin unbestechlich, das ist meine Rache. Heute ist das anders, man könnte vielleicht wieder ausreichend frankieren und in’s Altpapier spucken.