Die alte Dame hat mir heute verraten, dass ich niemals gegen Masern geimpft wurde. Wovon ich bislang eigentlich stets ausgegangen war. Sie war froh, so erinnert sie sich nach ein paar Minuten voller Grübel auf die Frage nach einer etwaigen Masernkrankseinsdatierung meinerseits, „dass das für Dich und Deinen Bruder A. schon ausgestanden war, bevor wir ins neue Haus gezogen sind und A. hier auf die dörfliche Grundschule ging. Das muss also dannunddann gewesen sein.“
Daher habe ich natürlich auch in meinem bereits antiquarisch anmutenden Impfpass nichts gefunden. Und Wikipedia verrät und bestätigt, dass demnach seinerzeit eine Impfung noch gar nicht möglich war, da es keinen Impfstoff gab bzw. dieser sich damals gerade erst in seiner Erprobung befand. Offenbar hatte ich die Masern also bereits im Alter von etwa zwei Jahren „natürlich“ (und vor allem unbeschadet) hinter mich gebracht, verfüge also seither über eine „lebenslange Immunität“. So heisst es. Und habe damit, das ist mir nicht unwichtig, auch meinen Beitrag zur Herdenimmunität geleistet.
Was bedeutet, dass ich keine bis zum 12 Lebensmonat ungeimpften Kleinkinder jemals anstecken werde, ebensowenig alle weiteren gegen Masern ungeimpften Mitmenschen, selbst wenn eine Masernepidemie grassieren sollte.
Die Herdenimmunität, die wird ja oft vergessen im hedonistischen Zeitalter.
Ich denke mal, man kann und soll im Dreck spielen und im Stroh und auf den Wiesen und im Wald und sich dabei alle Gefahren der Welt direkt ins Maul schmieren. Gut so. Man kann Rudolf Steiner verehren und fleischlos vegetieren. Und muss trotzdem deshalb nicht Impfgegner sein.
Zwangsläufig und zwanghaft.
Hatte Heuschnupfen vom Alter ab 9 bis zum Alter von 21. Allergisch allerdings bis heute auf Horch-Fahrer. Und vor allem aber auf Dogmatismen jenseits Vernunft und Güte.
Teilautistisch vielleicht wegen meiner Berufswahl, aber gewiss nicht wegen meiner Impfungen gegen Pocken. Oder derjenigen gegen Gelbfieber, Cholera, Hepatitis A+B, Polio, Tetanus, Tuberkolose, Typhus, Menningokokken und Zeckenzeugs.
Vielleicht habe ich auch einfach nur Glück gehabt bisher. Aber Glück sollte man ja immer versuchen zu teilen, so gut es eben geht. Man kann sogar versuchen, dem teilenden Glück mit Bedacht ein wenig nachzuhelfen. Das verstehe ich unter Verantwortung, auch vor allem der elterlichen.














