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Schilderwald

Schilderwald

Herzliche Einladung zur Besichtigung der Ausstellung „Klaus Staeck – Wiedervorlage“ mitsamt meiner Intervention „Schilderwald“ in der Galerie Abtart in Stuttgart. Noch bis zum 12.6.2020.

Mehr: hier.

„SCHILDERWALD“, Intervention in der Ausstellung „KLAUS STAECK – WIEDERVORLAGE“ / 12.5. – 12.6.2020 / Galerie ABTART, Rembrandtstr. 18, 70567 Stuttgart / Telefon: 0711-633430 – 0 / www.abtart.com / Öffnungszeiten: Di – Fr 14 – 19 Uhr, u.n.V., Sonn- und Feiertags geschlossen.

(*Abb. rechts: Klaus Staeck, Plakat (Ausschnitt) „Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen“, 1972 / Abb. links: Sebastian Rogler, „ROLEX“ (aus Serie „Übergangshelfer“), Collage/Lapislazuli auf Buchrücken, 2020 / Ausstellungsansicht Galerie Abtart, Stuttgart, Mai 2020 / Foto: S. Rogler)

Volker und Monika

Vor lauter Absurditäten fehlen mir Worte, Zeilen, Radiergummi und der Mundwinkelstrohhalm. Angesichts dieser aufstampfenden Kinder, die sich zu Tausenden auf dem Cannstatter Wasen, beispielsweise, versammeln, weil der Freibadbesuch gestrichen ist. Und Mutti ist natürlich schuld, nicht etwa das Gewitter. Heute ist Muttertag. Derartige Realitäten lassen sich nicht toppen. Alle drehen jetzt durch. Eine Zeit der totalen Entgrenzung und Auflösung, ich mag sowas ja, es dient der Reifung des Universums und dem Fortkommen des Weltgedächtnisses. Also, alle drehen jetzt durch, außer mir: Ich habe einen Verdacht, angesichts dieser neuartigen Grippeerkrankung, die den einen zwei Tage lang zum Räuspern reizt, den anderen aber ins Grab bringt. Ohne, dass man da Prognosen machen könnte, wer denn nun zu welcher Gruppe gehört. Ich habe also den Verdacht, dass sich diese Grippe, die sich nicht festlegen will (wie sich die meisten von uns ja auch auf nichts mehr festlegen wollen), ihre Opfer ggf. nach Buchstabenvorkommen in den Vornamen aussucht. Zum Beispiel verstirbt der- oder diejenige, der/die ein K im Vornamen hat. Hüsteln allein muss hingegen der- oder diejenige, der/die beispielsweise ein O im Vornamen hat. Kevin und Annika also müssen sterben, Ottilie und Guido hingegen dürfen hüsteln und weiterleben. Man müsste das natürlich noch genauer untersuchen, ich finde aber, das ist ein neuer und sehr spannender empirischer Ansatz. Man muss ja in alle Richtungen forschen. Auch v.a., was dann das Schicksal von Monika und Volker beträfe. Ich bin darüber erst ganz am Anfang. Und es gibt so viele Buchstaben. /Ach, Mutter!

19.4.2020

allegoria

19.4. gestern, Atelier / Entwürfchen einer graphisch vulgärfotodramatischen Skizze irgendeiner Trivial-Allegorie über Natur, Zweifel, Zeit, Angst, Dauer und das Schaukeln (nach wunderbarem Flanieren im Wald). Später endlich Spargelpipi! / Es ist und bleibt trotzalledem: Frühling.

Edition „no Virus“

no Virus

Schilder-Edition Nr.13
Titel: „no Virus“
Jahr: 04/2020
Maße: 21 x 14,2 cm
Technik: Stempelfarbe / Stempel auf auratisch historischer Pappe (Dicke 2 mm), handgefertigt, sehr unikatärer Charakter
Auflage: 25
nummeriert, datiert, signiert
mehr ggf.: >>> hier.

PS: Diesmal kein Emaille, geschuldet Corona. Dafür umso mehr alles handgemacht mit vielen guten Gedanken (Voodoo, Schnickschnack etc.), die in jedes Einzelstück hinein gedruckt sind. Und auch wenn ich dieses „Bleiben Sie gesund“ fast schon nicht mehr hören kann, so sag‘ ich’s einfach trotzdem: Bleiben Sie gesund!

Risikopuppe

Risikopuppe

Das Lachen wird spätestens dann vergehen, wenn die ersten Bekannten sterben.

Überbevölkerungen und deren Eigenreduzierung haben ja stets zu Erneuerungen und Fortkommen des Kollektivs beigetragen. Welches Kollektiv? Denke an Rattenvölker, die sich angesichts Rattenüberbevölkerung freiwillig von den Klippen ins Meer stürzen. Oder an alte weise Elefanten, die sich in den Dschungel zum Sterben verabschieden, um der Sippe nicht weiter zur Last zu fallen. Oder alte ebensoweise Eskimos, die ins Eis gehen, wenn sie spüren, dass die Zeit gekommen ist. So will ich das eigentlich auch mal machen, wenn mir die Stunde schlägt. Mir eine Flasche Schnaps greifen im Winter, dann in den Wald gehen und Lebewohl. Erfrieren, vornehmend hilfreich betrunken. Schon Jack London schrieb, erfrieren sei eigentlich ganz schön. Frau Mullah sagt mir dann immer „Sagste halt, wo im Wald Du dann bisch, gell? Damit wir Dich dann auch rechtzeitig finden.“

Das freut mich natürlich insgeheim irgendwie.

Mortalitätsmodelle, Kriegsmedizin, Darwinismusanlehnungen, Kurvendiskussionen und Evolution, dazu moderne Welten. Man stelle sich vor, dieses Virus würde v.a. die Jungen dahinraffen und die Alten blieben verschont. Das wäre dann ja noch furchtbarer.

Auf der Baustelle keine Masken. Es ist dort ohnehin nicht voll. In der Kirche (übrigens Rokkoko) arbeiten vier Menschen. Die Kirche ist groß. Und mit der M., die mich bat, ihr etwas auszuhelfen bei den anstehenden Arbeiten, saß ich sowieso schon vor einer Woche im Auto. Also was soll’s. /Da kann ich ihr dann auch die Hand geben zur Begrüßung oder wir essen ein Süppchen zu Mittag vis-a-vis, das sie mitgebracht hat. Ich habe noch nie eine Gulaschsuppe in einer Kirche gegessen. Es ist ohnehin seltsam, an der Bewahrung barocken Kulturgutes zu arbeiten, derzeit. Man möchte fragen: Welche Überlieferung soll hier stattfinden? Angesichts der jetzigen Gesamtsituation. Man könnte also eher zur inneren Ablenkung neigen. Aber trotzdem ist es gerade jetzt schön und wichtig, dass es etwas zu tun gibt. Arbeit. Die gespielte Wahrnehmung von Normalität ist ja immerhin auch evolutionär.

Alles Freiberufler, Solo-Selbstständige. Da darf nichts dazwischenkommen. Bloß keine Quarantäne. Und dann alle Anderen gleich mit in den Strudel vom Verdienstausfall. Frage mich die Tage auch jetzt öfters, wer wohl in einem Jahr noch die Wiederherstellung alter Kirchen und Gebäude finanzieren mag, wenn dann das ganze viele schöne Geld ausgegeben ist. Geschweige, wer dann noch Bilder kaufen kann und will. Da sind wir doch mal mächtig gespannt, sagt mir mein vorsichtshalber dreifach gespiegeltes Über-Ich vom Küchentisch her.

Derweil ich die Fahrten über die Schwäbische Alb in Eiseskälte durchaus genieße. Es ist wunderschön hier, dazu nochmal ein wirkliches Winterlicht. Es fallen mir dann die alten Eskimos wieder ein und mein Ärger über die langsam und ewig unüberholbar vor einem herfahrenden Kieslaster hält sich sogleich in Grenzen. Alles verlängerte Lebenszeit, ich darf einem Kieslaster hinterherkriechen. Da lass ich doch gerne den üblichen Arsch-Audi vor irgendeiner unübersichtlichen Kurve an uns vorbeijagen.

Die eigene Spontansterblichkeit trotz allseits geregelter Bahnen. Vom fast noch „Best-Ager“ zur Risikogruppe in zwo Wochen, kaum zu glauben. Angesicht zu Angesicht. Mal wieder ein bisschen Angst haben, jenseits von Tumoren oder Autobahnen. Diese Entschleunigung, die gerade stattfindet, ich finde sie gut. Ich könnte weiter so machen, wenn mich denn der Schnitter lässt. Ich könnte mir dann sogar auch überlegen, irgendetwas an irgendeiner Biegung irgendeines Flusses zu begraben. Zum Beispiel vielleicht Zigaretten und aber auch allerlei Geschichten.

Ich kenne einige wunderbare Menschen über die 80 und ebenso viele mir sehr liebe Menschen im altersübergreifenden Risiko. Was für eine Zeit. Den spriessenden und witternden Wirtschaftsdarwinisten hingegen mögen doch bitte die Haare dort ausfallen, wo sie ohnehin nie erwartet oder allzu schüttern waren und ihre hedonistischen Gemächte, ob Weib ob Mann, sollen jucken, schleimen, tropfen und kratzen bis zum jüngsten Tag, sollte immer noch keine Läuterung kraft Erkenntnis über angefüllte Hohlwelten und über Menschsein etc. eintreten.

Etwas anderes fällt mir grad nicht ein. (Wie auch.)

Passierschein

Passierschein

Ich habe es ja kommen sehen, schon vor ein paar Tagen. Und bin vorbereitet. Daher sichern Sie sich jetzt schon einen Passierschein, und zwar bei mir!

„Passierschein“, 3/2020, ca. 10×20,5cm, Rötel auf Papier, Auflage 50 / sehr unikatärer Charakter

Da ich selbst bislang noch einigermaßen verschont bin, möchte ich den Blick auf Andere richten. Zum Preis von EUR 10,00 können Sie einen „Passierschein“ bei mir bestellen. Es gibt insgesamt 50 Stück. Solange der Vorrat reicht. Bitte via Email, zu finden auf meiner Webseite. Darin dann bitte Adresse angeben, wohin ich das wertvolle Stück senden soll, die Rechnung liegt sodann bei.

Der ERLÖS soll denjenigen zugute kommen, die noch nicht einmal mehr zu Hause bleiben können: den Obdachlosen. Der DORNAHOF-Tübingen engagiert sich in der Wohnungslosenhilfe (hier), er ist eine Einrichtung des DORNAHOF (hier), Mitglied im Diakonischen Werk Württemberg und der BAG Wohnungslosenhilfe e.V. Zur aktuellen Lage im Land sei hierauf verwiesen.

Beste Grüße!

no Virus

novirus

Hat man mal gemacht, ist von 2005, anders gemeint seinerzeit, natürlich immer voller lebensabschnittsrelevanter Doppeldreideutigkeiten. Höhö. Es gibt auch noch ein motivähnliches angefangenes Ölgemälde, das ich eben wiedergefunden habe und dessen Fertigstellung unter neuer Sicht, 15 Jahre später, gerade demuts- und lustvoll naheliegen könnte. Heute aber erstmal Gartenarbeit, die Sonne besticht und die Grabpflege sowie Gelände- und Wasserwirtschaft verlangen einigermaßen berechtigt nach ihrem Wiederhochgefahrenwerden. Übrigens: Im Garten unterhalten sich die in den letzten Jahren von der Mortalitätsrate des Usutu-Virus schlimm gebeutelten Amseln nicht ohne Mitleid darüber, dass heuer die Menschen-Bestände doch arg bedroht wären. (PS: Was mir heute nicht mehr durchrutschen würde, ist die etwas schludrige und nicht wirklich abschließend gelöste bildnerische Bearbeitung des Ausschnittes der Dame rechts, die nur amateurhaft andeutet, ohne formal und perspektivisch gekonnt auszuformulieren. Bitte, mir das meiner damals jugendlichen Forschheit nachzusehen.)