the nudelholzchen

Mistgeruch, und Salmiak. Im Dorf gab es früher noch vor fast jedem Haus eine Miste. Warme feuchte Wiesen und Heu. Und das kalte Weiss (geruchlich) in der dörflichen Molkerei, der ‚Molke‘, wohin ich jeden zweiten Abend geschickt wurde, um eine Kanne offene Milch zu holen. Und natürlich der Geruch von Apfelmus an Nudeln mit Zucker und Zimt. Das war als Kind mein Lieblingsessen. Und sowieso der Hund, der Geruch der Haut vom geliebten Hund.

Meine Lieblingsfarbe – gerne kompliziert abgemischt – ist alles, außer: Grün.

Wobei: im letzten Herbst habe ich mir bei Karstadt am Hermannplatz einen dunkelgrünen Mohere-Pullover gekauft und finde, er steht mir wirklich gut. Vielleicht brauchte ich ein gewisses Alter und Reife fürs Grün.

Fast die intimste aller Fragen. Natürlich, ich glaube an das Gute, die Liebe und eine Freundlichkeit, eine generelle Zugewandtheit (gerne auch v.a. jene Αγάπη) und an höhere Wesenheiten, wenn ich manchmal Zusammenhänge meine zu spüren in den Tiefen des Möglichen. Eher sind es aber Höhen. An ein übergeordnetes durchaus dienendes Prinzip, welches von sich aus sicherlich keinen Wert jemals auf Anbetung seitens der Menschen legte im Hinwurf, an eine größere Ordnung, die irgendwer ja gewollt und entworfen haben muss. Das alles muss man ja auch erstmal machen und hinkriegen, so ein Universum. Jenseits menschlich subjektiven Empfindens, wie etwa persönlichem Schmerz. Wahrscheinlich bin ich durch und durch ein evangelisch geprägter Christ, auch wenn ich manchmal Probleme mit dem Liturgischem habe (Tagesform). Das Moment der Vergebung empfinde ich als sehr weise und zudem tröstend. Zunehmend nervt mich auch ein wenig das übliche Kirchenbashing, wie es gerade ja wieder modern ist. Überhaupt scheint die Auseinandersetzung mit den Dingen jenseits eines lebendigen, kapitalorientierten und körperlich gesunden Alltags aus der Mode. Jedenfalls so lange, bis dann irgendein Schicksal auftaucht und winkt und haucht. Was ich niemandem wünsche. / Ach übrigens: von diesen Schildern gibt’s noch welche, wenn sie ggf. wollen würden wollten.

Eine sonderbare Frage, wie zuletzt im Kalten Krieg während der KDV. „Stellen Sie sich vor, Sie gehen mit Ihrer Freundin verliebt durch den warmen Frühlingswald und plötzlich kommt ein baumlanger Neger bis unter die Zähne mit Dolchen und Maschinengewehren bewaffnet auf Sie zu und will Ihre Freundin zunächst brutal vergewaltigen und dann qualvoll umbringen, bevor er Sie mit einem rostigen Draht zu erwürgen trachtet. Sie aber, Herr Schneck, haben ganz zufällig eine geladene Pistole in Ihrer Jackentasche – WAS würden Sie tun?“ – /Die grünen Tische, immer. Im Affekt, also wenn es denn brennt, würde ich ganz sicherlich für das Gute zu sterben bereit sein. Wobei ich ja nicht ahnen kann, was Sterben bedeutet. Ganz aktuell sehe ich da Bilder aus Ukraine, die mich sehr bewegen und diese Fragen hochladen und herumzündeln. Scharfschützen auf den Dächern. Oder für einen anderen Menschen. Oder für Kinder, nicht nur das Eigene. Überlegt und mit Zeit zur Reflektion würde ich das (wahrscheinlich) nur machen, wenn ich Palliativkrebs hätte. Dann wäre ich vielleicht der erste christliche Selbstmordattentäter, der bspw. eine Bausünde wegsprengt. Wobei ich natürlich darauf achten würde, dass niemand anderes kollateral zu Schaden käme. Für diesen Fall würde ich mir aber wenigstens posthum einen kleinen Wikipediaeintrag wünschen, ohne diesen jedoch allzu sehr zu insistieren, denn das wäre ja schon wieder peinlich.

Nein. Die Kirschkern ist Vegetarierin. Und ich mag allzusehr angebratene Schinkenwürfel unter dem Spiegelei auf Käsebrot. Wenn mich Veganische besuchen sollten, dann müssten sie eben in Gottes Namen selber kochen. In Jordanien würde mir auch keiner ein Schweineschnitzel zubereiten, nur weil ich Gast bin. Überhaupt stehe ich allem allzu Dogmatischem eher schräg gegenüber. Der Sohn eines Freundes musste zu seinem rebellierenden Vegansein Ergänzungspillen schlucken, damit er nicht umkippt. Ich möchte das hier aber nicht vertiefen, soll doch jeder essen, was richtig zu sein scheint. Und vor allem auch bestenfalls schmeckt.

Ja, im Fernsehen. Und einmal im Zoo am Bahnhof Zoo. Der lag auf dem Rücken, schlief auf Pfefferminz und sah glückselig aus mit erhobenem Gemächt. Wobei mich der Hype um die Panda-Bären fast schon geärgert hatte seinerzeit. Ich hingegen finde Beuteltiere (sog. „Kloakentiere“, eine Vorstufe evolutionär zum astreinen Säugetier) interessant, z.B. den Beutelwolf, der von den europäisch eingeschleppten Hunden, die dann zu „Dingos“ ausverwilderten, verdrängt wurde. Das letzte Exemplar eines Beutelwolfes wurde angeblich 1961 in Tasmanien erlegt. Sollte mir jemals eine Expedition finanziert werden, ich würde nach überlebenden Beutelwölfen ausforschen. Oder Beuteligel. Und Luchse will ich endlich mal beim Rennen durch den tiefen Wald sehen. Oder Waldwisente während der Brunftzeit, diese allerdings besser vom Hochsitz aus.

Ich habe drei Nicknamen: schneck06, schneck08 und schneck. Den letzten schon vor meinem Netzzugang. Die Anonymität habe ich längst aufgegeben. Manchmal ist das nicht ganz leicht, aber oft ist es auch genau das, was ich will. Da muss man dann zu allem auch stehen, was man raustippt. Und feilen, und hadern. Man ist haftbar, andererseits mit offenem Visier. Dafür gibt es dann auch Dinge, die man nicht mehr schreiben kann, jedenfalls nicht so, wie man das vielleicht zunächst wollte. das fordert, man muss mehr überdenken, und das ist gut so.

Meine Haare sagen mir: „Schneck, lass’ das besser bleiben mit dem Haarefärben.“ Ist ja auch eher unüblich bei Männern. Ich jedenfalls würde meine Haare, beispielsweise aus irgendeinem nebensächlichen Protest ins mittlere Grau färben. Graue Schläfen habe ich schon, aber leider keinen Jaguar dazu oder eine Villa am Lago, Schweizer Seite. Dafür u.a. einen Polke, eine Kerkovius, einen Beuys, einen Kippenberger, ein Multiple von Tomi Ungerer und neuerdings Haare, die aus den Ohren zum Himmel über Berlin wachsen.

Backe gerne ab und an etwas aufwändigere Kuchen. Aber immer noch viel zu selten. Süßes am liebsten mit der Kirschkern, wenn sie da ist, und mit der Köchin. Am besten gefällt mir eine modifiziert ausgeklügelte New York Schneck-Cheese-Cake. Die ist dann aber immer ganz schnell weg und auch die alte Dame freut sich dann sehr, weil sie ganz eine Süsse ist. Seit heute übrigens mit zu Recht bewilligter Pflegestufe.

Frau akrabke führt einen der schönsten der mir bekannten Weblogs. In Sprache, Empfinden und beschreibender Feinheit von Erlebtem. Und sie hat es mir nun zugeworfen, das Nudelholzchen – ich fühle mich sehr geehrt -vielen Dank! Hier kann man auch erfahren, wonach denn eigentlich so gefragt war. Das hatte ich erst ein Mal, glaube ich, vor langer Zeit. Mir fallen auch immer ganz viel andere Sachen ein zum Auf- und Niederschreiben, bevor ich überhaupt ein Stöckchen überlegen oder beantworten und weitergeben könnte. Gleichwohl hier die gewünschten 11 forschen Überlegungen meinerseits zu möglichen Fragen an weitere Dritte:

mein erster Toter / mein zweites Mal Flugzeug / der Name meiner dritten großen Liebe / meine vierte eigene Wohnung / mein fünftes motorisiertes Fahrzeug / mein sechster Sonnenbrand / meine sieben Todsünden / meine achte Begegnung mit einem irgendwie Prominenten / mein neuntes Mal Ausland / mein zehntes Mal saumäßiges-Glück-gehabt / meine elf rein geldbasierten inkorrekten Arschlochkonsumwünsche.

Ich frage ja auch analog im Gespräch eher vorsichtig und zunächst ungern nach allzu Persönlichem, daher werfe ich das Holz niemandem zu, sondern soll sich also einfach derdie das nehmen, derdie das ggf. mag. /So, das wars, genug der trialogischen Sozialnetzwerke im Hudeln, nun wieder Malerei in mischverwandten Tönen! – Mit immer wahrhaft großer Freude an Weblogs, in denen Menschen sind.

4 Gedanken zu „the nudelholzchen“

  1. Die Silberkugel im Spiel zu halten und irgendwann auch mal gezielt was zu treffen ist eine schöne Art des Synapsenkitzels. Vielleicht ist es auch besser, sowas nicht zu besitzen, sonst wäre man schon wieder am Reparieren und Teilehorten und würde sich nicht trauen, seitllich ordentlich dagegenzuschlagen: Bloß sind in freier Wildbahn keine mehr zu finden, den letzten mir bekannten haben sie graad rausgeräumt.

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