at the wannsee

At the Wannsee
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nun sind diese saftigen wochen vorbei, fast jedenfalls. mit dabei die wundersame rettung eines jungen lebens, eine wunderschöne dorfhochzeit, eine ferienwoche nächst kaiserburg, eine reise nach K.u.K./adria und eine aufbauwoche including EÖ in der großen stadt. und als zugabe sogar noch ein törn at the wannsee. ich würde nie behaupten, dass mein leben ereignislos wäre. das gefällt mir und ich bin sehr dankbar. /Abt. Langweiliges Dankbarkeitsbloggen.


*auf der MUTABOR mit Skipper Klaus Mellenthin

NOVELLE

und falls Sie am kommenden freitag abend noch nichts anderes vorhaben und ohnehin in der nähe sein sollten:

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herzliche einladung zur ausstellung /
you are cordially invited_

N O V E L L E
Eine Ausstellung mit 8 erzählerischen Positionen
19.8.2016 – 24.9.2016
Eröffnung am Freitag, den 19.8.2016 ab 19.00 Uhr
Martina Altschäfer, Matthias Beckmann, Phyllis Kiehl, Klaus Mellenthin, Sebastian Rogler, Uwe Schäfer, Caro Suerkemper, Majla Zeneli
Kunstverein Tiergarten / Galerie Nord
Turmstraße 75
D-10551 Berlin
geöffnet Dienstag bis Samstag 13 – 19 Uhr
Tel. 0049+(0)30+901833453

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Mirabilis-Verlag sowie eine Edition / ISBN 978-3-9816674-6-2

Mittwoch, 14. September 2016, 19.30 Uhr:
„Erzähl mir nichts.“ – Ein Abend mit Pilz, Text und Ton, moderiert von Alban Nikolai Herbst

mehr hier: >>> http://www.kunstverein-tiergarten.de/?cat=ausstellung

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ich würde mich sehr freuen!
herzliche grüße
schneck

7.8. volvic

Beinahe schon ein Cruisen durch diese Kleinstadt in Richtung Filiale Großbank am Bahnhof, als würden sämtliche Energien durch andere Energien gebunden werden. So leer, so entspannt. Selbst Kleinstädte sind ja in unserer Zeit oft unentspannt, weil normalerweise keine Energien mehr durch andere Energien gebunden werden. Dagegen gestern: Alles still und frei, kaum Leute unterwegs. Als würden alle Bewohner derzeit durch die Energien anderer Bewohner gebunden werden, daher sind sie, keiner, nicht zu bemerken oder bleiben gleich ganz zu Hause und halten mir und meinen Schlitten endlich die Wege frei. Dagegen werden meine Energien derzeit nicht durch die Energien anderer Leute gebunden, daher war auch ich lediglich physisch und nicht küchenpsychologisch unterwegs, abgesehen vom beschrankten Bahnübergang, einer sehr altmodischen und würdevollen Erscheinung nahe dem ehemaligen Mädchengymnasium. Wie gut das tut, diese samtigen Erkenntnislöcher zwischenrein in Purpur, fast schon Wellness oder SPA, wie in einem Nachtzug ab München.

ich bin eben so:

Emaille-Schild-Edition No. 11, "ich bin eben so_"

Email-Schild-Edition Nr.11
Titel: „ich bin eben so_“
Jahr: 7/2016
Maße: 5 x 20 cm
Technik: Email-Schild handgefertigt, unikatärer Charakter, grundemailliert, allseitig gewölbt, mit 2 Befestigungslöchern, Vorderseite Grund weiß, Schrift schwarz (leicht erhaben)
Auflage: 20 Stück
Rückseite: Nummeriert, datiert, signiert

mehr >>> hier

Wrzbrg. GHL

„…spätestens seit gestern weiss man dann ja, was oder wer UMFs sind. der B ist aufgebracht den ganzen tag lang, über einen ähnlich gleichaltrigen, der nun sein ganzes heimatland in verruf gebracht hat, der N ist eher traurig darüber, so wie es ihm und seiner emotion entspricht und er kann sich nicht mal richtig freuen über seinen im fast bravour bestandenen A1-sprachtest, beide haben angst und sind unsicher, ob sie und alle afghanischen jugendlichen nun deshalb – weil ein UMF mit der axt auf andere losgegangen ist – umgehend ins sichere herkunftsland zurückgeschickt werden. erst mal beruhigen tut die köchin analog mütterlich, ich versuche fernmündlich und denke mal wieder über das alles nach, die weltlage, und lege für beide meine hand ins heftige feuer. ja, das tu ich. /wie perfide doch diese strategie der daeshdeppen, aber das wussten wir ja alles schon. belustigend allerhöchstens, dass etwas, also ein angriff, „reklamiert“ wird seitens jenen. wo doch gewiss kaum einer im nahen osten und kaum einer der konvertierten fusselbärtigen urdeutschen schulabbrecher weiss, wo überhaupt: würzburg liegt. /der B und der N hingegen wissen das schon, denn sie sind intelligent und wollen etwas aus ihrem leben machen. trotz aller widrigkeiten, welche seit vorgestern nicht weniger geworden sind. das ist der unterschied.

glaube, hoffnung, liebe.

gestern beim bezahlen der vegetarischen pasta (mini) nicht weit von Wrzbrg. sagte die einigermaßen freundliche und jungnordisch anmutende bedienung mit dem munch’sch verformten kopf zu mir: „Sie sehen übrigens aus wie mein Psychologieprofessor.“ nichts konnte ich damit anfangen, während ich etwas verunsichert über diese aussage übersprunglich wenige spinatreste mit der gabel am tellerrand sortierte, die tomaten zurückgehen ließ und mich, als ich meine coole urform wieder gefunden hatte, einfach mal ganz blanko bedankte, ohne weitere fragen zu stellen.“

# schrieb ich vorgestern und verwarf, aber warum eigentlich. und gestern nun badeunfall von N, er liegt auf der intensivstation im künstlichen koma, stabil und ausser lebensgefahr, sagen sie. er hat als nichtschwimmer die fahrt in einem völlig überladenen schlauchboot von TUR nach GRC überlebt und nun wäre er fast ertrunken in einem süddeutschen spaßfreibad. bitte einfach bisschen mitbeten oder vergleichbares, dass alles gut geht, Glaube Liebe Hoffnung.

Amsel und Muschi

Der N sagt immer „Muschi“, es gibt da wohl eine e- und i- und o- und u-Verschiebung im Farsi. „Ich jetz gehe zu Muschi…“, und ich nehm ihn beiseite und erkläre unter Männern, große Augen wir beide und …uiuiui. Dann kommt Bus und er fährt zur Moschee zum Fastenbrechen ab Halbzehn.

„Ich liebe“ und „ich lebe“. Auch so ein Ding öfters.

Die Köchin ist nun ja die „Frau Mullah“. Überhaupt auch vieleviele Sprechen über Politik und Religion und Sitten und Gebräuche. Der N sagt, vor 40 Jahren Afghanistan war eine normale Land, verstehst Du? So wie… hier, fast, Europa. /Man könnte ja noch vieleviele mehr kleine Geschichten erzählen und eigentlich immer ein bisschen auch mal rumheulen, als Synonym fürs Bewegtsein, (dann später alleine), die Frau Mullah und ich, über so viel subjektiviertes Schicksal im Hause und objektivierte Weltpolitik außerhaus, aber das mit dem mal bisschen Mitweinen muss man sich schleunigst abgewöhnen, schon geschehen.

(…)

„ich kann dir immer so schön von rechts schräg hinter dir durch deinen armausschnitt (im sommer) in dein dekolltee von schräghinten reinschauen, dann wirds ganz warm so überall und mein verliebter klitzekleiner wettbewerb ist es dann, vielleicht einen moment lang etwas mehr zu erhaschen, oder auch nicht, man weiss es nicht, das ist immer aufs neue ein so schönes kleines schwanzorientiertes alltagsgeschehnis.“

oder Mundart: „Ach, Deine Moschee, die ist so schee.“

Beim Brechen denk ich immer ans Brechen, aber was will man schon brechen, wenn man den ganzen Tag nüscht gegessen? Sie sind so jung und sie müssen so viel Geduld haben gerade bei gleichzeitig so viel Ungewissheit, wie alles Sein weitergeht, in eigentlich einem Lebensalter einer unverflochtenen Ungestühmtheit. Und so viele Pläne und Vorstellungen und Träume für besseres Leben und daheim die verbliebenen oder aktiv verstorbenen Lieben. Wie sie es schaffen, eine Nervosität über so viele Ungewissheiten wegzustecken und dennoch den Alltag mit allem Neuen zu meistern. Das bewundere ich, sehr. Neue Sprache, neue Schrift, neue Sitten, neue Regeln, alles ist neu, jeden Tag, seit Monaten. Was zählt, das ist allein der Glaube an so etwas wie milde fragende und tragende Zukunft.

Der N kokettiert nach wie vor mit „Zahnarzt“, B lacht etwas verschämt und gesamtreflektiert (sowie selbstreflektiert) über seine Zukunft als „Baggerfahrer“. Alles ein einziger großer Resilienzcontest. Und wir, wir werden nicht müde zu beschwören: Jungs, alles wird gut.

Wird es auch.

(…)

Draussen pfiepen die Amseln trunken vom Sex nachts um halbvier, ich mich freue über meine neuen Weisswandreifen an der knallroten Vespa und falle sinkend gleicherzeit ins Bett fremdhändisch reflektiert neben ebenso knallrot lackierten Fingerspitzen, es gibt eine Vorfreude auf eine Reise und James Joyce, auf eine Mullahhochzeit in Muschi (kufar) am Waldrand und so weiter und Nachtzüge im Mondschein mit seufzenden Amseln.

/und zuletzt nebenbei mehr als sehr schön, als zeichen einer derzeit fast schon altmodisch anmutenden völkerfreundschaft, dass der italienische chef des nicht ganz unedlen restaurants des geburtstagsmenues der frau mullah am heutigen abend, als er völlig eigenverantwortlich realisierte, ohne dass dies vorher thema gewesen wäre, dass die beiden Buben aus afghanistan geflohen seien, der gesamtrechnung einfach mal so zehn euro weltsolidarisch nachgelassen hat, und dies, ohne dass darüber größeres werbliches aufhebens oder erwähnung gemacht worden wäre. einfach so mit augenzwinkern.

da und das sind sie, die kleinen großen kleinen dinge.