Omi

Omi

(Nachtrag, 5.8.21) / Abb. zeigt meine Omi, Gertrud Kober, geb. Nitsch (*1907, Pillau, Opr.), mit Andor von Lampertsrück (1969-1981), meinem geliebten Freund und Kumpan in süddeutschen Kindertagen, jener seinerzeit in vollem Saft, dazu Omi zu Besuch und ich an der KODAK-Instamatic. / Die Gewissheit, recht früh, überall würde ich schlimmstenfalls Verhalten und Geschichten finden und vorfinden, die grausam sein könnten. Jene seinerzeit vage und noch kindliche Befürchtung vor Verlust, Schmach und dem ganzen Zeug und damit uneigener Geschichte, Vertreibung, Zerstörung und Tod. Diese Furcht begleitet mich bis heute, ich kann mich winden, wie ich will. Etwas lässt mich nicht los. Mein Interesse daran, an altvorderen Schicksalen, ist aber keinesfalls erloschen darüber, ebensowenig meine kleinen Ängste vor’m überlieferten Selbst und vor übergeordneten Verantwortlichkeiten. Die nichts – aber auch gar nichts – mit irgendetwas Jetztzeitlichem zu tun haben. Am allerwenigsten mit mir. Oder eben doch? / Sie habe in jungen Jahren leidenschaftlich Charleston getanzt, mit meinem Opa, dem späteren Kaptän oder Admiral zur See auf der Bismarck und Haudegen Waldemar. In den wilden 1920ern in Berlin. Und sie gebahr fünf Kinder mit ihm. / Ich hab‘ sie immer sehr gemocht, meine Omi, und dem süddeutschen Landei Andor ging es genauso. Er küsste gerne, ebenso, wie ich es tue, das hab ich von ihm. / Gestorben ist sie 1984 in Ahrensburg und wurde wenig später zusammen mit ihrem – aus seiner leider bereits 1956 geschaffenen Grabstätte auf dem Friedhof in Hamburg/Ohlsdorf – exhumierten Kapitän auf der Kieler Förde seebestattet. Wenn ich heute in der Ostsee schwimme, dann weiß ich, Omi und Waldemar sind auch da.

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