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Nicht unglücklich über diese neuen Bildfelder und im Ranzen noch lässige 20.000 weitere Bildideen. Jetzt kanns Winter werden, ich warte bübisch auf den ersten Schnee. / Abb.: „Angles Morts“, „Schiff wie ich #2“, „Streuobst im Winter“, „Alles Mögliche“, „Blaue Mauer“ und „Waldrand“, alle jew. 70x100cm, Öl/Lackspray/Siccativ auf Karton, 2023
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o.T. (Stand with Israel!)
große bilder, noch größere transportkisten, schwer und monumental, maltechnikverständnisarm bisweilen, oder etwas materialunbesonnen während der kunstbeschienenen herstellung im atelier, zudem auch gravitationsunkenntnisse gelegentlich beim bildhauerischen schaffensprozess bezüglich selbsttragender statik. vielleicht ist es ja gut, wenn man beim machen nicht zuvorderst an solcherlei denkt. als lehrender würde ich solche dinge gegenüber studierenden allerdings immer auch zur kenntnis stellen wollen. wenigstens als (im jugendlichen drang ungeliebtes) beifach, die maltechnik, das material, oder das schnöde, aber wichtige drumherum. denn vielleicht ist es auch nicht nur gut, jenes zu vernachlässigen. weil schön wäre es ja, auch für eine interressierte und bewundernde nachwelt, ein werk hätte bestand, so oder so.
/ich muss über mich lachen, denn mein bisheriges künstlerisches lebens- und gesamtwerk hätte platz in gefühlten ein oder zwei mehr als raumgreifenden transportkisten dieses oder jener künstler/in, deren ausstellungsab- und -aufbauten ich in den vergangenen wochen zur hand gehen durfte.***
(schön und sehr spannend dabei war auch, einmal hochwerke der klassischen moderne in den weiß behandschuhten händen zu halten. und diese bilder und skulpturen sodann an der wand zu befestigen, in vitrinen zu stellen oder auf dem boden hin- und herzurücken.)
natürlich auch eine frage der vita und des kunstmarktes, natürlich v.a. auch des geldwerten. im gewissen alter, noch jung und im richtigen zeitfenster, sollte alles auf eine karte. ich erinnere ich mich sehr gut an dieses fenster. gelingt es dann innerhalb dessen, die anker zu verhaken, dann ergeben sich bestenfalls die dinge von selbst. es würden gewiss auch mir museal monumentale gedanken kommen, selbstverständlich, oder sie WÄREN mir gekommen. einiges hat sich ja auch bereits verhakt und zwar nicht schlecht. ohne diese hingegen braucht man fürs großformatige monument einen vierseithof in brandenburg mit drei mäusefreien doppelgeschoßigen großscheunen als nebengebäude, das dach dicht, zum lagern schon allein. und geduldiges geld in vorkasse fürs jahrelange material, ob aus erbschaft oder erjobbt.
es bleibt dann ja offen später (oder bis man ins gras beißt), ob man selbst möglicherweise nicht gut genug war, oder ob man vielleicht nicht zur richtigen zeit die richtigen leute getroffen hat, oder die unrichtigen oder zu unrichtigen zeiten. auch, ob man an den richtigen orten war? nuancen oft, aus meiner erfahrung. oder ob man „kunst-märtyrer/in“ werden mag oder mochte oder eben nicht. ob anbiederung, zufall, auf allen hochzeiten getanzt und sich angedient zu haben, oder ob man auch mal sagte zu sich selbst, vorabendlich: nein, da tu ich jetzt nicht mehr hineinkriechen. und diener machen oder knicks. auch STOLZ könnte ja interessant machen, nicht? und das werk bleibt unbestochen, ganz wichtig. fürs werk und für einen selber.
vielleicht wollte man ja auch kinder. oder kirschkerne. kein preis ist für den anderen preis zu hoch. oder zu niedrig. das leben jedenfalls (frauen, autos, kinder, geld, etc.) ist mindestens genauso wichtig, wie die kunst. ohne jenes keine diese.
das weiterreiten nach westen ist jedenfalls nie die schlechteste aller lösungen. und oft genug muss man ja auch erst verstorben sein, damit das oeuvre irgendwann „entdeckt“ werden kann. insofern hat man als künstler ein leben lang die chance, nicht zu „scheitern“, was auch immer das meint. ein toller beruf eigentlich!
lebensgespiegelt bin ich jedenfalls sehr froh, dass mein zeug in zwei großen und schweren solcher o.g. großkisten platz finden würde. es passt zu mir, meinem kopf, meinen händen, meiner erkenntnis und meinem gesamtsein, meiner selbstwahrnehmung und vor allem zu den abbildideen meiner schöpfungsforschung im bildnerischen. dies eher kleine format ermöglichte mir stets auch die teilhabe an anderen interessanten lebensdingen und wirklichkeiten und schuf freiraum für weitere realitäten, ohne mir meine abbildwelten und künstlerisch aufs blatt gebrachten gedankenräume aufgrund von möglicherweise zwangsäußerlichkeiten zu verbauen. das wichtigste wäre mir also, diese zwei erdachten und teuren kisten mit meinem lebenswerk darin würden nicht irgendwann einmal einfach auf dem mischmüll landen. das wäre dann nochmal eine ganz andere geschichte (deren einige ich schon leidvoll hie und dort beobachtet habe).
ich danke also gott, dass er/sie mir immer noch ideen gibt und mich ins atelier schiebt. dass es mich drängt, nach jahren, IMMER noch, so wie ganz am anfang. dafür bin ich wirklich sehr froh. und ebenso um die kirschkernerin und frau mullah, dazu meine treuen sammler und sowieso mein leben, so wie es eben ist. ich bin ja vielleicht auch eher der typ fürs alterswerk, auf welches ich mich jetzt schon diebisch freue.
*** Kunsthalle Tübingen, „Innenwelten – Sigmund Freud und die Kunst“, 28.10.2023 – 3.3.2024
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alles andere in der welt ist ja gerade abgrundtief schrecklich, hässlich, fürchterlich, mörderisch, zynisch und an menschenverachtung nicht zu überbieten. und ich bin erstaunt über ein manchmal kaum zu überhörendes fastschweigen, hie und da und auch in kulturell produzierenden ecken. gestern abend habe ich ein kleines bauchwerk angefertigt, mit echtem lapislazuli und ölfarbe auf buchkarton, 15x22cm, wenig hintergründig und ohne viele zwischentöne, dafür umso klarer gemeint, dazu emotional und für mich ohne wenn – und v.a. dem oft so unsäglich überhirnten – „aber“.
Stand with Israel!
17. Okt. 2023, Atelier:
letzte Schiff wie ich.
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einen auftrag zu ende verbracht, es ist schön geworden. bald wird aufgrund der weiteren arbeiten dort anderer gewerke alles abermals verstaubt sein. so dass sicherlich in ein paar monaten alles wieder wenigstens gereinigt werden muss. der lauf der welt: verschmutzung. ganz normal. alles wird stets wieder und wieder aufgewirbelt und in den lüften neu sortiert, um sich dann an anderen orten langsam herniederzulassen. getragen aus fenstern, über berge und ozeane, ganz weit oben oder bodennah. alles im universum ist sediment oder wird irgendwann solches, mehr nicht. das ist auch beruhigend, finde ich, auch wenn ich nicht weiß warum. zeug fliegt halt ewig herum bis ans ende der zeit.
im atelier das bildthema „Schiff wie ich.“ und das „letzte“ bearbeitet. ich muss noch eine zweite version vom „Schiff wie ich“ hestellen, mit hinten einem segel auf dem heck, das ist realistischer und freundlicher. ich bin ja kein reines u-boot mit kanone! eine zettel-skizze habe ich schon angefertigt. dieses seit jahren einmal wieder größere format (70x100cm) macht mir viel freude und es muss einmal wieder sein jetzt. wenigstens herbstlich zwischenrein, nach jahren der beschäftigung mit den immer kleiner werdenden bildnerischen untersuchungen des urknalls. mir ist derzeit eher nach menschlich ausladend expressiver breitpinselgeste und weniger nach makro-/mikrokosmischen nachforschungen im feinstrich. den urknall werde ich nicht (so bald) lösen können. /ebenso bei das „letzte“. wobei ich hier nicht umhin konnte, ein schönes gedecktes mittleres hellblau dann doch zu verwenden, anstatt der zunächst rein grafisch selbstverordneten schwarzen und grauen mischverwandten töne. zwei weitere pappen sind bereits beim rahmenbauer, eiche-natur.
auf eine ausstellungsbeteiligung in stuttgart in mitte november freue ich mich ebenso sehr, wie auf eine beteiligung in berlin am ende vom oktober.
die blätter fallen hier seit: heute. nicht gestern schon, nein, heute. als hätten sich die bäume abgesprochen. /„Du, wie machst Du es denn dies Jahr, wartest Du noch zwei Tage oder legen wir besser jetzt gemeinsam los?“ „Warte, ich frag mal kurz in die Gruppe…“, „Ne, alle anderen meinen auch, ab heute Blattabwurf, also machen wir das so, ok? LG“
mittags auf dem feldberg zwischen einjährigen gut gelaunten kälbern in der warmen schrägsonne einen café getrunken. dann durch wirbelnde goldene blätter gefahren, auch später auf der autobahn zwischen heimkehrenden frührentnercampern und den immer so schön altmodisch schlingernden wohnanhängergespannen. /jetzt pastis, morgen neuer job.
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Abb.1.: „letzte“, 30.9.2023, 71,5x100cm, Öl auf Karton / Abb.2.: „Schiff wie ich.“, 22.9.2023, 71,5x100cm, Öl auf Karton / Abb.3.: Skizze zu „Schiff wie ich 2.“, 28.9.2023, Kugelschreiber auf Zettel
Weltgedächtnis
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JA, die wärme zieht sich zurück, aber noch nicht ganz, nur es ist eben nun in der luft und deren feuchtigkeit und dem licht, der herbst abends, und die tage werden unmerklich kürzer, nicht ganz, aber eben doch eine prise, erstaunlich, dass das immer noch so funktioniert, bei all der veränderung in den irdenen lufträumen und der seit jahrmillionen im nichts herumeiernden kugel, damit also der erdNEIGUNG schuldig, und wieviel kleinigkeiten ein zehntelsgrad bewirkt, wie stabil aber im grunde das alles doch immer noch ist, die bauernregeln funktionieren meist noch, die pflanzen spüren genau, wann schicht ist und die viecher ebenso mitsamt den menschen und was jetzt ansteht und alle zu tun haben vor dem rauhreif, dann später. viele libellen jetzt, sie fliegen auch ins atelier mit getöse und dann irgendwann finden sie aber gottlob wieder hinaus, manchmal zeig ich ihnen den weg, ich bin ein libellenflüsterer.
diese erdkugel: als habe sie jemand beim elfmeter ganz geschickt mit außenrist angeschlenzt, damit sie unhaltbar ins obere eck flattert. nur eben ohne schwerkraft. sowas kann wohl nur gott im luftleeren raum vollbracht haben. wo man doch kugeln auch ganz normal drehen kann, ohne eiern. so kam’s dann zu winter und sommer, nur die auf dem äquator haben das nachsehen, das ganze jahr fast alles gleich und um sechs geht die sonne unter binnen zehn minuten.
zwei todesfälle, hochaltrig, gleichwohl stets traurig, in jüngster zeit. anlässlich derer: was passiert eigentlich mit den verstorbenen dementen im reich gottes? sind diese dann dort auch immer noch dement oder tun sie so, wie sie vorher einmal waren? wie muss ich mir das vorstellen, sollte ich nun, noch undement, versterben? mit wem könnte ich mich unterhalten? wahrscheinlich würde ich altenpfleger im RG, in den kaffeepausen würde ich dann konversation machen mit jüngeren verstorbenen. kann man sich im RG eigentlich verlieben? ich weiss, das sind alles irdische dinge, wahrscheinlich schaut man den ganzen tag hinab auf die erde oder hinein ins gleißende licht, während die dimension zeit nichtig und unfühlbar werden wird. das wäre ja schon mal nicht ganz untoll.
in südfrankreich gewesen. dort am strand, tags, nachts, barfuß. endlich einmal NICHTS getan. außer aufwachen, bummeln, baden im mittelmeer, in dünen herumliegen und lesen und schauen, nichtstun, zu mittag schlafen und abends am marktplatz des kleinen fleckens einen PICHÉE weissweins mit eiswürfeln getrunken im LA PLANCHA, vorher pastis. ebendort mit vielen anderen der sardinale beigewohnt, der ganze platz ist bestuhlt und alle essen frisch gegrillte sardinen (außer mir, wegen der gräten) und danach tanzen alle auf dem platz, ein wirbelndes schönes allerlei, mittenmang WIR, das war wunderschön. die alternden franzosen haben sich fast alle ihren lebensabschnittsmäßigen stolz bewahrt, auch in der bekleiderung, das ist anders als bei uns. bei uns verschwinden die älteren oder die jungen oft an gemeinsamen orten, nicht so dort. es ist viel mehr solidarität zu spüren, auch zwischen den lebensaltern, ob maghreb oder schwarz und weiss, ob reich oder arm. auch die preise. selbst am premiumort kostet der cafe eins-fünfzig. und der halbe liter weisswein sechs. das machen die gastronomen bei uns falsch. jeder MUSS sich an sozialen orten ein verweilen leisten können. alles andere spaltet und verwirft nachhaltiger, als es einem lieb sein kann.
und spätabends dann mit frau mullah auf der kleinen terrasse der BLEIBE im hafenmischgebiet sitzend die nachtwölkchen und die sterne anschauen. alte große pinien ums haus, abgestellte boote, hütten und container, wohnwägen und ruhe. und sich überlegen, ob denn alles so richtig ist zuhause. es ist.
morgens dann wecken einen die lachmöwen dort. die gibt es in süddeutschland nicht. DORT aber gibt es kein käuzchen. was soll man machen.
BLUTBUCH und SCHOSSGEBETE gelesen, endlich zeit dafür. eigene welten, andere welten, sinnlich und ehrlich, wie es mir ja sehr gefällt, teils voller abgrund und immer aber auch dem lebendigen zugewandt. gerade auch wegen des steten abgrundes. und angesichts des sinnlichen. da ist sehr viel licht in diesen büchern, auch wenn es anders scheint, wie viel meinen und meinten. das mag ich sehr. so gerne würde ich auch dinge und sachen aufschreiben, die sind, wie sie sind und waren: voller offenheit, abgrundtiefer ehrlichkeit und zuletzt liebe und zugewandtheit.
im gästehaus fernab im mittelfränkischen vorgestern, die abende allein in der ferne sind so lang, habe ich mir übers TV einmal wieder aktenzeichen XY angesehen. wie früher mit eduard zimmermann in SW, ich schon im schlafanzug auf dem schaukelstuhl mit salzstangen, auf dem sofa liegend die alte dame, die damals noch jünger als ich jetzt. nachgestellte szenen. spannend, mordfälle, 40 jahre her, bei greifswald DDR. oder einem hessischen angler ist aufgefallen, dass im diesjetzigen frühjahr seltsamerweise ein paar rote haare am köder zum vorschein kamen, mithin von einer vermissten prekären toten aus 2022, um weihnachten herum bereits vermisst, wohl wurde sie ermordet und im fluss versenkt, eine mittdreißigerin. warum weiß keiner. stelle mir sogleich vor düstere dinge am heimischen waldrand, aber es gelingt mir nicht. darüber bin ich froh, daß es mir nicht gelingt, dort ist die welt noch einigermaßen in ordnung, aber wer weiß das schon.
als in feinen beobachtungen geschult und erfahrener bildender künstler und restaurator indes könnte ich ggf. SENIORmäßig zu allen möglichen aufklärungen schlimmer geschehener dinge beitragen. empathie, penible beobachtungsgabe, moral und scharfsinn mitsamt leidlichen lebenserfahrungen (incl. psycho) führten über nunmehr dreißig jahre zur entschlüsselung mannigfach höchstkomplizierter baugeschichten, allumfassend sezessierende klärungen gehören ja seit langem zu meinem tagesgeschäft. vormachen kann man mir nichts mehr! vielleicht sollte ich mich mal ehrenamtlich zur verfügung stellen für diese dinge. verbrecher jagen, die meinen, sie seien schlau, das wollte ich schon immer.
greif mir noch schnell mal zwischen die beine, weltgedächtnis. wie schön war das. es ist. Schiff wie ich. und ich weiß nichts, was es ist nichts.
End of Sommer
Saigon Pickup
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John Zorn hört ja auch schon lange keiner mehr. mir war das eigentlich auch immer einen kick zu cool und nordamerikanisch weiss. zu kontrolliert herzlos, mit kalkülabsicht. nun aber, nach jahren, habe ich mal wieder post-post-postmodern hineingehört. es geht mittlerweile. danach aber dann lieber wieder allumfassend melodischereres. die zitat-manie jener jahre hatte mich natürlich auch erwischt bildnerisch künstlerisch. man musste das ja mögen. heute male ich lieber nachtkerzen, eine wundersame pflanze, die eben irgendwann eine nische entdeckt hat. oder wolkengebilde oder drei brüste nebeneinander. tags denkt man, sie sei vergangen, ihre blüte hängt zerknittert. aber abends dann erwacht sie sich und pumpt leben ihr ihre blüten, gleich ewigverjüngenden versprechen, wie wir sie als menschen ja auch kennen. hie scharlatane, dort funktioniert es tatsächlich. und immer sind noch weitere blüten in vorbereitung. ihre präsenz dauert sicherlich schon mindestens vier wochen lang. zwischen den im garten zwischengelagerten wertstoffen oder müllbergen für die sonderabfuhren hat sich in diesem jahr ein exemplar herausgewagt. da habe ich mit taschenlampe vor ein paar tagen ein foto beleuchtet und ein pflanzliches konterfei in voller nachtblüte eingefangen. ein bisschen so wie bei mir, wenn der tag geht, dann kommt die ruhe zur eigentlichen arbeit. gerne BIN ich nachts, auch tiefnachts, wenn es denn möglich ist mit anderer tagarbeit, im atelier und am schöpfen von allem möglichen wesentlichen und oft unwesentlichen. diese ruhe ist mir immer schon blut und genesung.
„saigon pickup“ als eigene kleine malerei (ca. 28x40cm, Öl auf beschichteter Mischholzplatte, 2001 im Atelier Nr. 2051 Paris Cité Internationale des Arts entstanden) ist mir selber ans herz gewachsen. im paris des jahres 2001 durfte ich ein halbes jahr lang sein und arbeiten, über ein stipendium großzügig finanziert, zusammen mit frau und kind. mit der kischkern – damals war sie ein wenig über ein jahr alt – in ihrer „karre“ streunten wir tags abenteuerlich durchs marais und sonstwo und ich sammelte bildgründe ein, die ich später am abend dann, wenn alles auch DORT schlief, malerisch bearbeitete. so auch dieses reststück, welches zum entsorgen einfach so in irgendeiner gasse zur abfuhr in den müll stand. „Saigon Pickup“ erinnerte mich in kindlich gespeicherten bildern an das ende des vietnam-krieges. es sind bis heute tagesschau-bilder von zerberstenden hubschraubern in SW während panischer evakuierungen der letzten amerikanischen soldaten von schiffen aus in meinem kopf. SAIGON, als irgendein klang, ist mir verbunden, ähnlich wie mondlandungen, bonanza oder die leute von der shilo-ranch. bei den nachbarn auf dem sofa sitzen und sonntag nachmittags filme oder komische nachrichten schauen, in SW. die oma, die dies ermöglichte, sie hieß „oma rieffert“. sie war aus erfurt gewesen, aus der damals sowjetisch besetzten zone, tief im westen gelandet in den 1950ern, ausgerechnet am waldrand. daher war auch meine erste nachbarschaftliche fremdsprache das thüringische, erst kurz danach das schwäbische. bei oma rieffert auf dem sofa gab es jedenfalls fernsehen, schokolade für die jugend und abstürzende amerikanische hubschrauber, die man nicht verstand. weshalb sie abstürzten. wo doch kurz vorher noch cowoys mit rauchenden colts durch prairien geritten waren.
das war aber auch irgendwie egal.
„SAIGON“ also, als immerwährender bildtitel, dazu so beinahe exotisch klingend. der politisches, dramatisches und wohl auch vermutlich schönes schwitzend vereint. die tochter einer frau mullah’schen freundin ist jetzt dort irgendwo. multiweltmäßig, konzern, arbeit, selbstredend global. mein langarm-shirt ist offenbar ebenda produziert worden, so lese ich im zuhinterst kleingedruckten. schön, so denke ich, dass da keine SW-hubschrauber mehr abstürzen heutzutage und ins meer fallen. einfach ZU VIEL, wenn ich klamottenzettel lese und doch zu wenig zeit zum durchnudeln der jetztzeitverhältnisse ist.
damals in paris habe ich – neben einem supermarktkäse „brain de paille“ zusammen mit der kirschkern, (den es aber nicht mehr gibt, den supermarktkäse, leider) – aber auch SCHRIFT – abermals – neuentdeckt, bestätigt und fortgeführt für mich, künstlerisch. und vielleicht auch das auf- und niederschreiben, die traute dafür, dies endlich irgendwann auch wirklich tun zu wollen (BLOG). tags war ich mit der tochter unterwegs und sammelte gefundene bildgründe ein nebenbei, abends friemelte ich vielfarbige ölfarbe in zuvor konstruierte, teis wirre, vorzeichnungen. dann kam der 11.9. in NY, der wagen ging kaputt auf einer fahrt nach stuttgart zu einer ausstellungseröffnung, wir mussten einen neuen besorgen binnen 7 tagen, die weltordnung war eine neue. zurück später in berlin begann sogleich langsam die zersetzung einer ehe, die wenige jahre später dann fulminant zerbarst.
geblieben ist für mich das wort „saigon“, ganz warm, fast zärtlich. und das wort „pickup“, ein ja generell sehr positives. ich muss mich bald an eine noch kleinere neue version alldessen machen. gerne altmodisch und zeitlos. vielleicht mit kringeln und dickem firnis, sicherlich mehrfach mit überlagerungen. „saigon pickup“, als eine art rettungsversuch aller sämtlicher lebenslagen des BISHERIGEN oder noch gar nicht so alter weltordnungen, so fühle ich das oft. eine beschreibung guter welt, wenigstens noch nach vorne hin gerichtet. so wäre das gemeint jedenfalls. vielleicht ja auch ein Emailleschild könnte daraus werden. alles jedoch ist nun anders, schon fast lange.
und während wir nun noch die anbringung der neuen stülpschalung durch die holzbauer erwarten, stürzen zufällig flugzeuge mit bösen mörderbuben an bord, jene ihrerseits menschenverachtende schlächter ihr dreiviertel leben lang, ab.
die welt wird v.a. immer pointenloser. das stört mich dann schon ein bisschen.
hast du, hast du alles
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(Abb.: Segelyacht bei Fehmarn)
10 wochen auswärts vorbei. wie ich mich freue! nun 4 wochen was anderes, ortgang streichen, bädchen im OG lackieren, anstatt fliesen. die holzbauer fahren jetzt in urlaub. der elektriker kann also noch sachen machen von außen, für innen. internet, irgendeine alte erdung und wegelicht. und die notbeleuchtung außen in den garten und in die wildnis hinein, an allen 4 ecken, wenn russe kommt oder mafia oder wölfe. fledermäuse, libellen, igel, schwarze groß-solobienen und so weiter. grüne versicherungskarte und südfrankreich. nach köln fahren zwischenrein, heckenschnitte überall, der von-kahlbutzens-beschnitt an der nordseite, dort, wo früher die streuobstwiesen waren, ist schon erledigt. bei KIK gewesen, langarm shirts kaufen. die gibts sonst nirgendwo, ich habe wertige gesucht monatelang, ehrlich. asche über mich, asche über alles.
eine schöne staude, hochgewächs, blüht jetzt in wunderschönem warmgelb. rasenmähen auch mal wieder, nach wochenlangem regen. demnächst zwei buchse massakrieren, die alte dame möge verzeihen. und dringend die quitte freischneiden: der grusel-knöterich überwächst alles (30cm am tag) und macht tot die anderen. von wegen friedlich, die pflanzen.
ausverkauf war bei drogeriekettenfiliale, vor mir ein halbjunges paar, marke „du bist jungmann und hübsch, migrantisch und brauchst aufenthalt“, ich bin „nicht mehr ganz jung und weder hübsch noch nicht übergewichtig, aber dafür eben biodeutsch, biete also aufenthalt“. deal: du hast mich, ich hab dich. so einfach. sie kippen aus großen einkaufstaschen kosmetika bis zum wert von 500 aufs band, verkäuferin-kasse soll dann STOP sagen bei 500. verkäuferin-kasse sagt irgendwann „Stop, jetzt 500“, junger mann trägt ebensoviel zeug in tasche zurück irgendwohin, wahrscheinlich stellt er die in irgendeine unbeobachtete ecke, irgend ein anderer geringverdiener wirds dann schon verräumen. welche geschichte sich dahinter verbirgt, ich werde es nie erfahren. will das auch gar nicht. momente des GANZ-UNTEN, dazu tatsächlich klischeehaft häßlich, tief gesunken oder zum armutssinken einst oder durch geburt genötigt, im prekärsumpf und lebenskampf, von stolz schon lange keine spur mehr, und dann streiten die anzugträger, also entscheidungsträger, um mindestlohncents und setzen zeitgleich 250 mautmillionen in den steuerlichen sand wegen alphamännchengehabe.
spezielle erlebnisse, die ich nicht unbedingt mehr haben muss. immer weniger. werde dünnhäutig, ich muss mich schützen. das erstaunt mich, hieß es doch mein leben lang, die haut würde mit den jahren dicker.
die faxen zudem DICKE vor künstlerischen plagiatoren, neidern, klauern, hedonisten, abgreifern, deppen, heulern und stets-klagenden, afd-trotteln und matschmenschen. matschmenschen pinkeln mit fleiß neben die becken, die andere freizeithedonisten dann ggf. saubermachen müssen. katzen, die sich in eigene schwänze beissen. na wenigstens! deren problem.
und heute auf einer schönen feier gewesen, ein mehrfachjubiläum, an einem sehr schönen ort. einer orangerie in einem schlösschenpark. vor 40 jahren war ich dort im rahmen meiner erstausbildung beschäftigt gewesen über einige wochen, nämlich in der schlösscheneigenen kapelle, bauzeit um 1480. ZWEI verknüpfende erinnerungen habe ich an diesen flecken, die erste wie aus einem schönen französischen schuschu-film, ich war ziemlich jung und musste aus irgendeinem grunde von der kapelle aus hinüber ins herrenhaus gehen, vielleicht, um etwas zu holen an material oder einfach deshalb, um auf die dortige toilette im erdgeschoß zu gehen. die ortseigene lokaladelige vergleichsweise junge gräfin, vielleicht um die mitte dreißig, wenn überhaupt, verheiratet mit einem aus meiner damaligen sicht komplett vergreisten übersechzigjährigem adelsmann, dem sie immerhin gerade noch so zwei tronfolger geboren hatte, die damals noch kleinkinder waren, schritt mit einem sehr schönen luftigen sommerkleid die herrenhaustreppe ins entrée hinab, sah mich, drehte sich um und meinte mir gegenüber, ob ich ihr vielleicht den rückseitigen reißverschluss ihres kleides nach oben hin schließen könne. sie sei gerade allein im hause und bräuchte diesbezüglich hilfe.
tatsächlich habe ich das getan. den reißverschluss. um dann ganz schnell wieder zurück zu meinesgleichen zu laufen, hinüber in die kapelle. errötend bis zur übernächsten errötenden morgenröte. monatelang noch zehrte ich von diesem erlebnis, in kühnsten träumen und wonniglichen ausmalungen dessen, was hätte geschehen können. auf den verlassendsten baustellen, in schwülen nächten allein auf mauritius, in havanna, rio oder san francisco oder bad saulgau und zwiefalten.
in inneren bildern und möglichkeiten von geschichten war ich ein leben lang gut. das freut, beruhigt, ergötzt, rettet mich bis heute. oft muss ich auch lachen, im gänzlich warmen und positiven und behüteten. und ebenso oft will ich dann immer noch die welt umarmen, so wie als kind oder mit 21, damals im treppenhaus mit sommerkleid von hinten.
die zweite erinnerung an ebendiese baustelle in der kapelle ist eine körperliche verletzung, die ich mir dort einfing. ich habe gottlob wenig an körperlichen verletzungen bislang erleiden müssen. blinddarm mit vierzehn, beinahe deshalb verstorben, aber danach war wenig. wir legten die mit kalkanstrichen übertünchten wände der gesamten kapelle frei, darunter kam als erste fassung eine schöne sandsteinimitierende fugenmalerei zum vorschein. als ich mich mit hilfe eines styroporblockes an die unzugänglichen bereiche der gerüstplattform hin bewegte, um dort zu abzukratzen mit kleinen messern und skalpellen, da kippte dieser block irgendwann um und ich verlor mein gleichgewicht. kein problem wars, geringe höhe, also ein lediglich und einkalkulierter kleiner sprung auf den boden. allerdings hatte ich in meiner brusttasche neues scharfes und spitzes werkzeug mit der klinge nach oben eingesteckt, so dass sich eine der fabrikneuen klingen unterhalb meiner unterlippe in den rachenraum bohrte. jedenfalls kurz. es blutete ziemlich, das neue loch ebenda. ein ausbildungskollege machte noch witze, ob denn jetzt, wenn ich den mund spülen würde mit wasser, das wasser da aus dem loch herausspritzen würde. ich fand das zunächst wenig witzig, später aber doch auch. er fuhr mich in die klinik, wo 3- oder 4-fach genäht wurde, ohne betäubung. das war und ist so eine katastrophenklinik, höchste qualität, aber hart im nehmen. zurück am firmensitz empfing mich die bereits von irgendwoher informierte frau des chefs mit den worten „Herr Schneck! Na, da haben sie sich ja was geleistet!“. auch das war mir eine große lehre seinerzeit. ich war empört, enttäuscht und 3 tage krankgeschrieben. ich hätte mir, wenn es schlimm gelaufen wäre, ja auch durchaus ein auge unglücklich ausgestochen haben können.
käuzchen ruft jetzt heute wieder. in diesem jahr noch nicht oft, wenn überhaupt. es schüttet und dann wieder sonne, jetzt käuzchen.
der onkel, der mir damals, als ich ihn mit tante und cousins/inen in kenia besuchte, riet „Mach doch einfach erstmal was Praktisches, Studieren kannste immer noch“, ist gestorben. diesen rat werd’ ich ihm nie vergessen. das klang so einfach, viel zu einfach und war doch so schwierig, zu kapieren. dann jedoch klar, wahr und wirkungsvoll. ich muss ganz bald mal meine kenia-dias (PENTAX MX) wieder raussuchen, mittlerweile sehr vintage.
3.8./
.dorf
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Was es festzuhalten gäbe, festzuhalten wäre und was sonst noch so gewesen wäre, wenn. dauert eine zigarette. da war die eigentlich angestrebte erwerbsarbeit im frühjahr, die sich leider zerschlug terminlich wegen asbest. einem asbest, der schon bekannt, aber dessen professionelle entfernung nicht passend zu anderen erhaltenden arbeiten seitens der planenden eingerechnet worden war. was aber wiederum auch gut war, jedenfalls einerseits, denn so war zeit und platz für eigenleistungen bezüglich der renovierungen am waldrand angessichts des bevorstehenden einzuges ebenda. so konnte geld gespart werden, welches sich jedoch nur theoretisch und gesamtrechnerisch anhäufte. nicht jedoch als reales DING auf dem konto. und so laufe ich nun hinterher, arbeitenderweise immer noch, in fernen gegenden einer alten reichsstadt von vielen. eine durchaus interessaante arbeit, sogar sehr schön. aber weit weg von daheim, wie ganz damals. allzusehr hatte ich mich schon ans abendliche heimkommen gewöhnt in den vergangenen jahren. und nun seit acht wochen im hotel, im hotel-hotel, in gästehäusern oder monteursunterkünften, die sinngemäß „alter landsknecht“ oder „haus monika“ heißen.
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monika ist selbstauskünftig über siebzig, kam vor dreißig jahren „wegen der liebe“ aus der ostzone hierher und hat im frühstückszimmer ihr damaliges DM-begrüßungsgeld in einem kleinen rähmchen aus tropenholz aufgehängt. schräg unter einem den gesamten raum beherrschenden malerischen großportrait des reichskanzlers bismarck. und wie sie das wort „judengasse“ betont, wo sich meine derzeitige brotbaustelle befindet, in der ich gerne arbeite, das ist schon speziell. „ach, und heute gehen sie wieder ins JUDENHAUS?“ fragt sie mich hundert mal in delikater unterbetonung. „ja!“, sage ich nüchtern, langsam und laut, ahnend, und kotzend. hundert mal. nebenan schnarcht am morgen noch ihr armer alter mann im pflegebett, könnte gewesen sein ein schlaganfall, so wie er sich bewegt. bevor der pflegedienst kommt und scheu guten morgen wünscht. wahrscheinlich ist sie stolze reichsbürgerin, wählt afd und mag keine ausländer.
im „alten landsknecht“ gibt es abends – mit prozenten für hausgäste – gammelfleisch mit pusztasoße und matschkartoffeln balkan-style für eur13,90. (dafür das glas weißwein für wenige eur3,90). das betreiberpaar ist nett und mittelalterlich, ungarischstämmig und auch sehr bemüht. im souterrain gibt es ein durchorganisiertes frühstück, die farbigen kalteier sind vom discounter über die straße, ebenso die brötchen, die ausschließlich mit der jeweiligen am vorgesehenen tisch liegenden greifzange aufgenommen werden sollen, nicht etwa mit den fingern. die brötchen ok, die marmelade aus kleingebinden vom großfachhandel. die betreibersfrau beklagt deutsche vorschriften, wonach im keller warme küche, also frisch gekochte eier, aus brandschutzgründen verboten seien. nein, alle geben sich sicherlich mühe. jeder tut in diesen zeiten, was er kann.
ich gebe mir auch mühe und tu in diesen zeiten, was ich kann.
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mit frau mullah über die streuobstwiesen gelaufen, schon oft jetzt dies jahr, sommer, flimmern über korn. hasen, rehe, sonstwas, blicke auf die blaue mauer in der ferne. es ist so schön hier, wunderschön. und dann hängt da einfach so ein BH am apfelbaum, streuobstparadies. zurückgelassen warum auch immer, wahrscheinlich eher ein positiv lebensbejahender anlaß. in dieser jahreszeit fand ich auch schon öfters in den letzten zehn jahren beim rennen mitten im wald irgendwie sich entledigte unterhosen, meist weiblich und oft ein wenig schwarze spitze. solch frischverliebte sachen in der luft und der begleitend unterstützenden vegetation, die ja eher etwas mit üppigem leben, denn als tod zu tun haben. unbändig, so kommts mir vor, ich freue mich jedesmal und altersweise über solch viel saft und hoffnung am rand der wege.
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die holzbauer am waldrand sind am installieren der unterkonstruktion für die neue außenverschalung. der elektriker muss noch kabel ebenda außen verlegen. ebenso sollten die haustechniker endlich den frostsicheren außenwasserhahn zur gartenseite vorbereiten. sobald dann das gerüst abgebaut ist, können die weiteren bodenisolierungsarbeiten in den angriff gehen. bislang kann man wegen des gerüstes dort nicht mit spitzhacke und spaten tätig sein. und jetzt kommt ja auch die urlaubszeit, die sog. „bauferien“. der flaschner muss dann auch rechtzeitig noch die fallrohre installieren. und ich den ortgang streichen, solange noch das gerüst steht. das wetter ja derzeit seltsam, starkregen und gewitter, und vergleichsweise kühl seit 5 tagen, für sommer. eine bauinschrift muss noch angebracht werden, solange noch das haus unbedeckt. vielleicht ölkreide und „Renov. 2021-2024“, ggf. initialen oder ganze namen. wie kindisch aus heutiger sicht. aber den restaurator freut`s in 300 jahren. ich weiß, wovon ich rede.
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langsam neigt sich minus. arzttermine und kfz-inspektion. haut und augen sollten auch mal wieder. zwei beteiligungen an ausstellungen im herbst, über die ich mich sehr freue. öfters wieder im atelier nun. endlich! die eine ausstellung heißt „Grenzen der Aufklärung“. das gefällt mir sehr. die andere heißt „Interessante Zeiten“. auch das mag ich. zudem ggf. ein neues betätigungsfeld innerhalb dessen, was mein leben, meine leidenschaften mitsamt herzblut sowie meine diesbezgl. fachkenntnisse übergreifend universal ausmacht. das wäre schon schön, sollte man da zusammenkommen. bald weiß ich mehr. brombeeren hat es einige, aber die reichen nicht für marmelade derzeit. quitten sehe ich am baum, aber auch da muss man erst einmal abwarten. zu viel regen, schimmel macht sich breit auf den früchten. wie gerne hätte ich jetzt schon zeit für das anlegen von beeten. oder das mauern von hochbeeten. steine und mörtel sind reichlich vorhanden, nicht aber die zeit. das kommt dann alles im nächsten jahr. heute die hecke fußwegseitig öffentlich beschnitten, damit keiner meckert. den beschnitt der hecke von der rückseite her gartenseitig wieder der hecke zugeführt. das sind schöne dickichte, die igel freuts und andere lebenswelten auch. eine stets sich verändernde gestaltung unmittelbarer umweltlicher forderungen, denen ich mich gerne und flexibel unterordne. ab und an aber auch meinerseits ein statement, mit kettensäge, dialogisch: JETZT IST aber SCHLUSS, mit wuchern!
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als ich gerade geboren war nach acht, nicht neun, monaten im bauch, so erzählte es mir die alte dame oft, da wurde ich immer dünner im klinischen brutkasten und mit künstlicher babynahrung, die ich nicht wollte. irgendwann dann meinte wohl eine ältere hebamme zu meiner mutter, sie würde das nach dienstschluss, wenn keine ärzte mehr anwesend wären, einmal heimlich probieren mit dem altmodischen stillen am tatsächlichen mütterlichen busen. das hatte dann tatsächlich funktioniert und ich habe fortan getrunken, was das zeug hielt und so konnte ich freudig ins künftige leben überleben. wahrscheinlich deshalb mag ich BHs an irgendwelchen bäumen.
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irgendwo tief im wald muss ein rave oder eine heimlichparty sein?, bässe und schlagzeug über baumspitzen. oder ein kleines „festival“ im ammertal. ich trete hinaus aus dem atelier ins GRÜN, es fängt grad wieder an zu regnen jetzt, sage dem kleinen mäuschen gutenacht, welches so unbedacht und leichtfertig gestern über die staudenreste holperte vorm atelier am hellichten tag, kugelrund und ohne angst vor fressfeinden oder mir. trete also vielfach salutierend vor den sterbenden buchs, die glocke mitternacht, morgen ist sonntag.