unzucht

der mesner erzählt leise, dass er am sonntag vor dem gottesdienst ein pärchen bei unzüchtigen handlungen erwischt habe hinter dem dicken roten vorhang beim nordportal, die hosen waren heruntergelassen und er habe die beiden gefragt, was das denn werden solle (und) aber kein großes aufhebens darum gemacht, denn (so erklärt er plausibel) erst dann hätten ja ALLE besucher ALLES mitbekommen! /bereits in einer quelle des 16. Jhs wird die zunahme der unzucht, vor allem „in den dunklen abgängen zu den grüften…“, sehr beklagt, ebenso die allzu ausgelassenen feiern im kirchenraum mitsamt tanz und völlerei.

habe die Roche’schen schossgebete ANgelesen zwanzig lange seiten lang. da kommt nichts herüber. ich glaube, das muss ich nicht zu ende lesen. das ist so bloggy-style geschrieben (wie bei einer lesung, wenn dann immer alle lachen über die trockenheit vom sinn), „ich habe dann… ich mache das immer so… wir machen das immer so, dass wir dann… ich bin dann immer… ich glaube, meistens…“, „wir haben ja…“ usw., eine fast schon unheimliche ich-sicht im schwänzle, wenig sympathisch, nuancen und META konnte ich nicht erkennen. ich hab‘ ja nichts gegen nüchterne beschreibungen aufregenden inhaltes, aber über 280 seiten? blätterte dann nach hinten („ich mache das dann ja immer so, dass ich nach hinten blättere…“), aber selbst die beschreibung eines gemeinehelichen besuch bei einer prostituierten (ich überflog…) gleicht dem kleingedruckten eines telefontarifdesigns. ich werde das buch zusammen mit einer gewitterkerze im wald vergraben.

viel aufregender war die erstmalige entdeckung der reste zweier ehemals in Öl aufgemalter apostel von ca. 1350 (?), die um 1514 im zuge der neugestaltung des kircheninnern gründlich abgeschrubbt worden waren. nur die gerade noch sichtbaren kleinen reste der in den stein eingehauenen strahlen der nimben gaben den entscheidenden hinweis. erst danach fanden sich dann noch weitere erhaltene (und den fund bestätigende) minimale malereireste. es ist ja oft so: wenn man weiss, wonach man sucht, dann findet man es auch.

mal wieder mit bleiweiss gearbeitet. man bekommt das nicht mehr im handel, ausser, man hat eine sondergenehmigung, vom denkmalamt unterschrieben. immer GUT hände waschen! auf der rückfahrt fährt hinter mir ein leichenwagen (VOLVO) aus freudenstadt auf der linken spur bei böblingen und jagt mich.

18 Gedanken zu „unzucht“

  1. @tschick: ..und die Stelle, an der sie ihre schmutzigen Kleider ins Unterholz wirft und quasi splitterfaserbarfußnass auf die Jungs zuläuft? Glauben Sie nicht, die wollten sich am liebsten im Sand wälzen, ihre jugendlich erhitzten Körper aneinander …Hach!

  2. aber nur ‚vielleicht‘. er wollte mich wegdrängen und sah aus wie der leibhaftige: hohle wangenknochen, im anzug und aus dem fenster rauchend, grinsend. ich liess ihn dann schnell überholen.

  3. eine gewitterkerze zündet man an, wenn’s gewittert, damit nichts passiert mit haus und hof (meines wissens). ich hab mal eine schwarze in andechs gekauft und damals der alten dame geschenkt.

  4. Hm, sehe grade vor mir, wie die Gewitterkerze im Gewittersturme kippt und ein kleines Feuer entfacht. (Lesen Sie doch mal „Tschick“, da kommt praktisch eher gar nichts Unzüchtiges vor – und es ist ein tolles Buch!)

  5. „tschick“ kenne ich nicht bisher, dank für den tipp! gibts da nicht auch einen film? /die liebesszene mit julie christie und donald sutherland in „dont look now“ fällt mir grad wieder ein, keine ahnung, warum. +im sand wälzen kenne ich von baustellen, das schmirgelt!

  6. Absatz mit Leichenwagen besonders toll. Entkam ähnlicher Verfolgung dieser Tage durch Umstieg in lippenstiftroten LKW. Arschknappe Sache, Riesengelächter!
    Herzlich Ihr
    Books

    (Werde Ihnen bei Gelegenheit mal Dr. Schmidt vorstellen!)

  7. @rosmarin, frau faust: habe heute mal ein wenig ausführlicher in der vita der autorin gestöbert. ich muss sagen, vieles ist mir da nicht unsympathisch. und es gibt eine menge tragisches, was man niemandem wünscht. vielleicht versuch ich’s doch noch mal über seite 20 hinaus, wer weiß…

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