saures blut

„ich hab’s jetzt!“ grinst kirschkern beim zähneputzen. „mich stechen die mücken, weil ich hab‘ süßes blut, und dich beißen die zecken, weil du hast saures blut!“. in der tat habe ich mir heute morgen die erste zecke meines lebens nahe der kniekehle herausgepult. dachte, da wäre ein nächtlich aufgekratzter weiblicher mückenstich mit schorf in der mitte, aber nein, die mitte lebte bei näherem hinsehen und war um sechs uhr fünfzehn bereits heftig bei der arbeit. um sechs uhr dreißig war sie in den zeckenjagdgründen, abgefackelt mit einem gasbrenner, um sicher zu gehen. seither warte ich auf rote ringe an der haut des unterschenkels, die sich langsam in die körpermitte verschieben und einen dann circa drei jahre lang lahmlegen. immerhin befinde ich mich hier in einer seit gedenken dunkelrot markierten zone der höchsten todes-alarmstufe. oder es kommt noch schlimmer und die andere möglichkeit schiebt sich mir fiebernd durch’s rückenmark hin zum großkleinhirn, um ebendort achzig prozent aller möglichen gedanklichen bzw. vegetativen vorgänge für das weitere leben zu stoppen. diese zwei möglichkeiten gibt es nun, obwohl ich alles andere als hypochondrisch veranlagt bin und mich immerhin noch an eine impfung vor zwei jahren erinnere, auf deren zweiten teil mein leib jedoch allergisch reagierte: „herr schneck, eine grundimmunisierung dürften sie dann schon so ein wenig haben“ hieß es seinerzeit. landleben ist eben einfach scheiße: im winter glatteis, im sommer viecher. und füchse und rehe und wildsäue, den ganzen warmblütigen kram eben, den kann man ja jetzt auch kulturfolgend in der stadt genießen.

16 Gedanken zu „saures blut“

  1. Herr Schneck der Zecken-Sammler, geben Sie’s zu: Sie brauchten frisches Material für Ihre Vitrine!

    Landleben ist mitnichten scheiße, in der Stadt sind es die großen SUVs, die einem das Hirn lahm legen. Auch irgendwie so ein Art Zecke.

    Bleiben Sie mir gesund! Bitte!

  2. REPLY:
    liebe frau creezy, die SUVs beeindrucken mich vor allem durch ihre seit jahren beständige sinnunrelevanz. hätte ich drei KFZ-wünsche frei, so wäre die nummer zwei ein angerosteter NISSAN-PATROL, baujahr 1991. die nummer drei ein schild mit dem aufdruck „forst im einsatz“ in einem PKW ihrer wahl. und sonst: (wider erwarten) keine roten ringe, bisher. ich fuhr vier lange jahre einen gesunden lada-combi, daher weiß ich, wovon die rede ist ;)

  3. REPLY:
    noch nie, bester erdge, „gefangene“! früher PARAL (incl. FCKW) mit speed ins dachpfannenwespennest. ist ja jetzt verboten, daher nun flammenwerfer (baumarkt) für alles bis vier zentimeter.

  4. Ich will auch keine Panik v-e-r-b-r-e-i-t-e-n, aber:
    täte trotzdem beim Landarzt vorbeimarschieren. So lange Sie noch können, Herr Schneck!
    Man weiß ja nie, wo so eine Zecke ihren letzten Sommerurlaub verbracht hat.

  5. REPLY:
    die meine war auf ibiza, das hat sie mir kurz vor’m wegschmelzen noch geflüstert. morgen geh‘ ich zum nachbarn, der ist tierarzt und der muss es dann ja schließlich kennen, das treiben der zecken. besten dank für die panik, herzlich schneck ;)

  6. REPLY:
    PKW meiner Wahl? Sie sind herzengut, lieber Herr Schneck. Und der Lada beweist nur Stil und außerordentlichen Überlebenswillen. Führen Sie mir mir den auch in einer Zitrone?

  7. REPLY:
    Ja der Herr Schneck hat völlig recht!
    Man muss sie töten, so lange sie noch klein sind ;)!
    Das weiss der geneigte B-Gruselfilmseher doch seit unvergessenen Klassikern wie „Formicula“ und ähnlichen Atom-Insekten-Horrorschinken ;)…
    Sonst hilft irgendwann nur noch der finale Atomschlag ;)…
    Viele Grüße
    aurisa

  8. REPLY:
    danke für den überlebenswillen, frau creezy! mit dem damaligen wagen habe ich – ich glaube, es war im jänner vierundneunzig – meinen ersten echten SCHNELLSTRASSENSTAU (circa achtzig meter lang) verursacht! bevor die polizei kam ist der motor jedoch wie von russenhand einfach wieder angesprungen und weg war ich. aufgrund jener erfahrung würde ich es durchaus wagen, einen wagen mit ihnen zu führen, und sei es eine zitrone. übrigens habe ich aufgrund von – nennen wir es: ‚vertippungen‘ ihrerseits (entschuldigt durch fußball) doch recht lange über ihren letzten satz grübeln müssen. vielleicht beginnen aber jetzt auch die mitbringsel des zeck zu wirken…

  9. REPLY:
    auch sie leben ja quasi im insekten-vietcong, frau aurisa, stimmt’s? beim waldlauf die gifthaare von blödsinnigen raupen einatmen, die irgendwann zu hässlichen faltern mutieren. gleichzeitig sich die pferdebremsen durch wildes fuchteln vom leibe halten, irgendwann erschöpft darob pause machen müssen, sich daher in’s gras setzen und schon knabbern die monsterzecken an einem! fast zu hause dann (rein zufällig) weniger als vier meter an einem hornissennest vorbeirennen, und das war’s dann endgültig. als finale im krankenhaus dann nachts die stechmücken, die demnächst auch hier wieder malaria übertragen. so kann’s nicht weitergehn!

  10. REPLY:
    Ja Herr Schneck, die Natur die Wilde hat es auf uns abgesehen ;)!
    Da hilft wohl nur noch auf den Mars auswandern ;)…
    Aber wahrscheinlich lauern da auch schon die kleinen grünen Bakterien-Männchen auf uns ;)…

  11. REPLY:
    Mein Verschreibsler war natürlich ein interner Zecken-Test, lieber Herr Schneck, den Sie mit Bravour bestanden haben! Als Verkehrshindernis indes kann ich Sie mir so gar nicht vorstellen, obwohl wenn, selbst sicher nur als sehr charmantes, nunmehr aber überlege ich, ob es nicht immer klug wäre mit einem Russen zu reisen, wenn dessen Hände so Wunder vollführen? Ach nee, ich führe die Zitrone lieber nur mit Ihnen, das dürfte lustig genug werden.

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