„rock’n roll- abend

ein rocknroll-abend ist ein abend am tresen, WO viele leute in muffigen alten lederjacken mit existentialistischen spielbeinen rumstehen, mit whisky in der hand, und von ihren gesammelten enttäuschungen berichten, während harte rockmusica läuft mit hartem bass und alle nicht müde werden, zu betonen, dass sie es geschafft haben, die gesammelten täuschungen wegzustecken, oder noch mehr: umzuwandeln natürlich am besten in erfolg, der letztlich auch noch geld bringt, und dann sind da aber noch die paar emotionen, die die backenknochen haben so sehr wachsen lassen und irgendwann tritt man dann hinaus in die (natürlich) kalte luft, natürlich allein, um sich ein taxi zu winken mit (natürlich) hochgeschlagenem kragen und mit knirschenden zähnen, die dem jungen halbmigrationshintergrundstaxifahrer bedeuten, das man ein harter hund ist, zwar allein, aber hart, und er, der taxifahrer, wird irgendwann auch noch feststellen (werden), dass er irgendwann auch an dem selben tresen stehen wird mit muffiger lederjacke und entweder rasierter goafreak-glatze (früher drums, jetzt techno) oder zopf oder wenigstens kotteletten mit bildungsvordergrund und er wird sich dann ebenso fragen, ob es einen immer noch hinter dem ofen hervorlockt, dass die kirschen in jedem frühjahr wieder so schön blühen und es in jedem weiteren herbst so schöne farbige äpfel gibt und die sonne jeden tag erneut aufgeht, während die reifen weiblichen bedienungen hinter dem tresen die getränke nachschenken und von ihren geplatzten kinderträumen berichten oder fehlenden prinzen, dabei gutaussehend natürlich und aufrecht alle, ob vor oder hinter dem tresen der welten, und dann kehrt der harte blick ein, der kleine harte blick, der sich nach nichts mehr sehnt, als nach – natürlich – birnen und äpfeln und tagen mit sonne und warm und dann ist selbst das letzte bier nicht mehr das, was es einmal war, aber schön war es doch, immer und allemal hat es sich gelohnt, anders gehts ja nicht und ins kino geht man ja schon lange lieber nicht mehr und dann will man irgendwie relativ schnell nach hause, mit aufrechtem haupt und vorm einschlafen schaut man kurz auf die agenda und macht noch ein häkchen mit schwarzem kuli im lampenlicht und schläft kontrolliert ein, was will man denn anderes machen, man hat ja nicht schuld (an was eigentlich?) und wenigstens denken kann man noch, aber nur, wenn mans will und die muffige alte lederjacke behält man an im bett, weil niemand mehr einen daran hindern kann, auch nicht, wenn man sich selbst noch einmal hart anlächelt im spiegel vor einer guten nacht, die man sich selbstverständlich jeden tag gönnt, ebenso wie das beschreiben eines (zB.) rock’n roll- abends.

das in etwa ist ein rock’n roll- abend. man kanns ja, wenn man denn will.“

5 Gedanken zu „„rock’n roll- abend“

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