palermo

haben seinerzeit immer im nietzsche haus zu sils-maria gewohnt, noch bevor das so gehypt war wie heute. zwölf franken die nacht, „unterkunft für geistig und künstlerisch tätige“ (hrhr…). im untergeschoss alljährlich freies wohnen für eine meist hübsche skilehrerin, oben irgendwelche soziologen-profs aus dem ruhrpott mitsamt überschleimender jünger. mit denen mussten wir dann gegen abend notgedrungen kochen und schlaue gespräche führen. haben wir nicht mitgemacht und sie liebten uns deshalb umso mehr, weil sie unsere NORMALITAET so schätzten, feldversuch im wintercamp. je schlauer sie waren, desto doofer waren wir. mittlerweile geht von dort aus gerhard richter wandern und die preise haben sich verhaspelt. die letzte abfahrt von furtschellas immer direkt vors haus und dann erst mal mary-long rauchen. mary-long auch am piz nair auf der 007-strecke oder beim verschnaufen am gletscher morteratsch. und mary-long am piz corvatsch im sessellift neben vermutlich stefanie von monaco, vielleicht. mein bescheidener dunkelblauer lada-combi ohne dachreling in st. moritz im parkverbot fügte sich hervorragend in diesen kalten krieg, nicht minder obige musik, die ich nach jahrzehntelanger suche nun wiederfand, nachdem die originale music-cassette verloren, da mitsamt lada-combi bereits vor jahren nach der ukraine rückverkauft (incl. schneeketten).

24 Gedanken zu „palermo“

  1. was für ein schönes lied.
    „je schlauer sie waren, desto doofer waren wir“. mich juckt das auch immer, ganz deppert zu tun, wenn einige so gaaanz gscheit sind. ich mach das manchmal auf vernissagen.

  2. Lieber Herr Schneck,
    ganz toller Text. Ich erinnere mich sogar an die Zeit, war schließlich auch da! Wohnte gleichfalls unten (von wegen hübsche Skilehrerinnen) während oben sich die haute-wolaute pastamäßig die Zeit vertrieb und in großer Schärfe die Welt analysierte. Und es stimmt: Arnulf Baring, der dort zusammen mit einem jungen Adepten urlaubte, fand unsere NORMALITÄT richtig nett und unterhielt sich ganz entspannt; aber der Schwerpunkt war das Skifahren und trotz unzureichender Ausrüstung, einfachsten Wohnverhältnissen und ohne Restaurantgeld hat es so viel Spaß gemacht, dass man sich nach Jahrzehnten immer wieder gerne erinnntert. Keine tausend Sachen, die man bedenken musste, kein Familienorganisiere,keine beruflichen Dauergedanken, keine Vorsorgeplanung und, und, und. Alles schien so einfach!

  3. REPLY:
    liebe/r silsmaria81, das freut mich jetzt aber sakrisch hier! und ich ahne mithin sogar, wer sie sein könnten! im schweizerhof trank ich diesen sommer übrigens einen kaffee mit dem kirschkern (kakao), und trotz dem ganzen dingens hat mir jene bergewelt den ’schein‘ genommen und ein ’sein‘ plaisiert, ein ganz einfaches. in diesem sinne, porta nigra, porta bianca (oder so…). herzlich, ihr schneck

  4. …Je schlauer sie waren, desto doofer waren wir.‘ – Klasse! Noch schlimmer warn bei mir die Psychofuzzis – Mann, Mann, Mann!
    P.S. Sie erinnern mich daran, dass ich Tango tanzen können will.

  5. REPLY:
    soziologen und schneeketten, eine wiege der unvereinbarkeit. beim tango erinnere ich mich an den „rück-seit-schluss“, eine minimalversion hab ich im kleinhirn immer dabei, ähnlich wie aspirin oder kondome, für alle fälle.

  6. REPLY:
    ‚Mir ist so komisch zumute, ich ahne und vermute, es liegt was in der Luft…‘ / summ summ … Lieber Schneck, der Mann wohnt doch vieeel zu weit weg und kann schon Tango tanzen, glaub ich, aus seinen Worten zu entnehmen… ansonsten – was soll ich mich groß zieren, nur damit niemand beleidigt umfällt – ansonsten wäre das eine klasse Idee Ihrerseits.

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