geregt

blog_2006
*

angeregt ein bisschen auch durch dies hier. Auch mal was sexuelles. na endlich. Etwas übers geschlecht. Wir sind ja alle fleisch und blut, da können wir uns auf den kopf stellen. Nein, ich kann das nicht, etwas erotisches schreiben. Jedenfalls nicht öffentlich. Allerhöchstens kann ich erotisches tun, darüber reden und vielleicht noch am ehesten zeichnen oder bildnern. Aber wie immer ist dann natürlich alles frei erfunden.

./.

hatte sie also vom flughafen abgeholt. und wir waren essen gegangen ein paar häuser weiter, wo sie sich kurz zuvor noch „der blaue engel“ genannt hatten. danach in die bar gegenüber. nach einigen gläsern mit whisky dort und weiteren mit wein in meiner neuen alten kleinen bleibe zog sie sich irgendwann einfach aus und legte sich in mein bett, wandte mir ihren unverschämten hintern zu, nicht ohne es zu versäumen, ihre schwarzen strümpfe ausgezogen zu haben. Da ich Primärreize (irgendwie) mag, lösten diese strümpfe unmittelbar die mir für das geschlechtliche wichtigen blutbewegungen aus und wir trieben es über die ganze lange nacht, auch im schlaf und halbschlaf und viertelschlaf und generell sehr verschränkt, auch im saft. Es folgten noch weitere anderthalb tage ausschließlich dieser lebensbejahenden beschäftigung, bevor ich sie mit zitternden knien wieder zum flughafen brachte. Natürlich war ich verliebt, weil ohne verliebt geht bei mir gar nichts. Auf meiner rückfahrt von tegel nach hause war es spiegelglatt, aber gott hatte ein auge auf mich geworfen. Sie hatte mich, ja, errettet!

Übrigens zuvor, ein halbes jahr zuvor – das kind befand sich gerade unter meiner obhut – war ich aus ebendieser bar gegenüber einmal nachts alleine nach hause gekommen mit dem babyphon in der hand von einem bier zur nacht am tresen, da vernahm ich schon im hausflur die lustschreie meiner frau und ihres neuen liebhabers aus der wohnung vis-a-vis, die auch noch die meine war zu dieser zeit, obgleich ich ja bereits nach über den flur ausgezogen war. im nachhinein bin ich mir fast sicher, dass sie die türe vom schlafzimmer absichtlich hatten offen stehen lassen, denn neue lieben schaffen sich ja gerne gehör, und das ist ja auch gut so.

Ich hatte also einen wohnungsschlüssel zum liebesnest am bunde und überlegte, ob ich mich nicht, nach den ganzen demütigungen der vergangenen zwei monate, nun endlich einmal ganz anders verhalten sollte! ich könnte doch ohne weiteres schnaubend inflagranti hineinstürmen in ihr neues verliebtes leben und das ganze miets- und hinterhaus mitsamt seitenflügel und nachbarhof wachbrüllen im rasenden zorn eines gehörnten ehemannes, ich könnte tobend regale umwerfen, die geschirrschränke ausräumen und mich zuletzt sogar mit dem buhler blutig anlegen, dies alles in der gewissheit, gewiss mildernde umstände angedient zu bekommen, sämtlich.

Und da plötzlich musste ich lachen. Besser: ich hatte mühe, nicht laut loszulachen. Wie ich da vor der wohnungstür stand und dem sexuellen stöhnen lauschte, welches ich hälftig noch wage erinnerte aus den anfangszeiten der bekanntschaft, den ring am finger, den schlüssel in der hand, wenige zentimeter vor dem schloss, minutenlang. in diesem moment spürte ich plötzlich eine überwältigende macht. die macht, diesem stöhnen lauschen zu können, das keuchen einzufangen in eine erlebniskonserve, ohne, dass sie dies wussten, auch wenn es ihnen egal gewesen wäre. die macht über eine geschichte, nicht nur ihre, sondern auch m e i n e geschichte. die macht, so reagieren zu können, wie ich es könnte und wollte und es mir beliebte. Meine macht, die endlich wieder mir gehörte! und auch die Macht, anders zu sein. Und wie klein das doch im grunde alles war und verliebt konstruiert, was sich seit nunmehr zwölf wochen abspielte. Und wie groß es aber andererseits auch offensichtlich sein musste, nicht aus meiner sicht, aber aus deren. aus sicht des drehbuches. Des regisseurs. Der produzentin.

Man ist ja niemals nur engel.

Nach diesen endlosen minuten eines beleibten filmes also und demzufolge wichtiger erkenntnisse über mein archaisches selbst nahm ich staunend den anderen schlüssel zur hand, ging die fünf meter nach über den flur zur meiner ’neuen‘ tür (der ateliertüre), schloss diese auf, schaltete das Babyphon aus und legte mich mit der gewissheit, dass ich eine große hürde genommen hatte in diesem ganzen theater, in jenes selbstgebaute schöne bett, in dem ich monate später errettet werden sollte, als draußen glatteis herrschte.

der kirschkern in seiner ecke nebendran schlief derweil ruhig und wohlig vor sich hinschnorchelnd. Ich knipste das licht aus und Alles war gut.

./.

(Sehen Sie,) nun bin ich doch wieder beim thema gelandet. Aber das macht nichts. in diesem fall ist das nicht weiter dramatisch. ausrufungszeichen mag ich nicht so sehr, und das wort ‚also‘ verwende ich zu oft. Und bitte stören Sie sich auch nicht an der groß und kleinschreibung. Für mich ist diese ‚Auto-korrektur‘, liiert mit der meinigen, wie ein schönes stück vorgefundenes papier. Wie beim zeichnen also, es sind die Hände. Es ist wie zeichnen, es ist erotisch.

—–
*’blog‘, 2006, 25x20cm, Öl/Aquarell auf MDF

(noch availablePrivatbesitz)

17 Gedanken zu „geregt“

  1. ich frage mich immerwieder, ist es die person oder sind es die umstände mit ihr, die liebenswert sind. vermutlich führt letzeres zum ersten, vermischt sich und schlussendlich, wenn’s denn sein muss, dividiert es sich wieder zum letzteren auseinander. in meinen (langjährigen) beziehungen war mir aufgefallen, dass diejenigen an meiner seite mir nicht überdrüssig wurden -ich bin, selbst nach zwanzig jahren, mit mindestens einem schmetterling im bauch nach hause gefahren, auch wenn nur ich ihn gepflegt und gehütet hatte. das hat was mit tankstelle zu tun. wie auch eine rettung aus aus dem liegengebliebensein, mal hops auf dem standstreifen sich wiederfindend, vielleicht sogar mit letalen ideen, die einem gar nicht gehören. zeit ist zeit, nichts weiter, sie heilt keine wunden, sie kann nichts weiter als sich selbst sein, trotzdem birgt sie das geheimnis des vergangenen und daraus ein paar rohdiamanten für’s jetzt aufklauben zu können.
    ich schlaf eigentlich schon, aber eins noch: wow! solch potenz noch ‚alle achtung‘ nach whiskey & wine -!
    Guznächtle

  2. REPLY:
    Es sind die Rohdiamanten, die mich interessieren. Selten habe ich in meinem Erleben so viel Stoff vorgefunden, wie in dieser zwar (ich sag’s mal so) ‚zähen‘, dafür aber recht edelsteinreichen Zeit. Und das direkt vor der Haustüre. Ohne Fleiß keinen Preis. (Meta) /@’alle achtung‘: Schönes Lied, immer wieder!

  3. REPLY:
    Ach, wissen Sie wie ich glaube, von Rohdiamanten kann man sich lange ernähren, solange sie sich dem Schliff entziehen. Mit Schmetterlingen verhält sich das anders: für die Made ist es das Ende der Welt, und die Welt bezeichnet das als Schmetterling. (Ich zitiere dabei jemanden schlecht aus dem Gedächtnis)

  4. Diese Ach-ist-ja-nicht-so-dramatisch-Sachen ohne Ausrufezeichen sind meistens die nachhaltigsten, die am meisten weh tun – mehr als es ein Draufhauen getan hätte. Trotzdem eine weise und überlegene Entscheidung, es nicht zu tun. Dem ‚alle Achtung‘ schließe ich mich vollinhaltlich an :-)

  5. REPLY:
    oh ja, und oh ja! (usw.) /hab das jetzt gerade noch mal in ruhe durchgeschaut. wunderbar, und großen dank fürs festgehalten haben! oh war das schön. wird eigentlich zeit, dass sowas mal wieder. stets zur form zurückkehren, nicht? ich bin dran. auch wenns kind jetzt 900km weit weg wohnt. dann eben andere form. ich schwörs herzlich!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.