28 Gedanken zu „generell“

  1. Indes das Nichtblinken fördert gelegentlich die Kommunikation auf anderen Ebenen. Und das kann auch schön sein in dieser vereinsamten Welt. Es ist ein Zeichen, das, meist ja praktiziert von großen stabilen Autos mit Sternchen am Revers, signalisiert: «Einsam bin ich hier hinter meinem Panzerglas und dicken Metall, dem lauten Sound der Bässe und den klimaanlagen-generierten geschlossenen Fenstern.» Es ist der Mangel an Flirtmöglichkeiten, den diese Fahrer mit Übergabe des gedeckten dicken Schecks für immer ad acta gelegt haben, den sie – so vermute ich – in der Folge mit dem Mangel am Blinken versuchen zu kompensieren. Womöglich aber auch – wir wissen es nur noch nicht – ist das technische Hilfsmittel bei Autoherstellern, die gerne alles gesondert einkaufen lassen die «Blinkanlage» in die Reihe «Sonderausstattung» verrutscht – und manchmal reicht der Schneid einfach nicht, den Händler darauf aufmerksam zu machen. Oder aber die Alufelgen sind doch einfach wichtiger im Endkaufpreis. Man weiß es ja nicht.

    Und auch weiterhin kann ich mich nicht generell wenig positiv zu einer Blinkanämie äußern. Hier und da, im Besonderen im spanischen Kreisverkehr, führt der vorherrschende Blinkgeiz bei mir dazu den eigenen sechsten Sinn weiter zu entwickeln und frisch zu halten. Man spürt wieder mehr, was der andere Fahrer möchte und das ist nicht verkehrt, denke ich doch immer, richtig gut Auto fährt nur der, der die Fehler der anderen kommen sieht. Und es geht doch auch im Verkehr nur um das Miteinander, dass sich verstehen können auch mit wenigen Zeichen.

    Indes: Hupen kann so sexy sein!

    (Wortbestätigung: kill)

  2. Sie wieder lang an einer Einmuendung in eine Hauptstrasse gestanden, und alle von links kommenden Fahrzeuge bogen blinkbefreit ab? Kenne ich, die Situation. Diesen Autofahrern wuensche ich Spontandiarrhoe, so schnell, dass sie nicht mehr die Hose runterbekommen.

  3. REPLY:
    bei mir, fräulein creezy, ist es nicht der spananische kreisverkehr, mir genügt bereits der neuerdings temporär schwäbische davon. und mitnichten „spüre ich wieder mehr…“, was gegnerische fahrer oder fahrerinnnen denken, und auch möchte ich sagen, für’s ‚crash-flirten‘ halte ich mich dann doch etwas zu alt, zumal ich weder mit panzerglas ausgestattet bin noch sagen könnte „damen, aufgepasst, meiner ist achtzehn meter lang!“. zuletzt haben es auch die hoffnungslos überbezahlten sound-designer meiner französischen kleinsthupe nicht recht verstanden, meinem eigentlichen kampfgewicht den rechten klang zu geben. will sagen: süß klingt sie, meine kleine hupe (und ich gebrauche sie oft!), aber meistens wird gelacht, in der mittelklasse wie im: dorf.

    umso mehr hat es mich in eine andere richtung erstaunt, als ich heute nachmittag die quittung für diesen meinen blogeintrag serviert bekam! stellen sie sich vor, ich habe in den gesamten drei dekaden meines (im übrigen unfallfreien) fahrens zwar schon einiges an pleiten, pech und pannen erlebt, jedoch hatte mich noch niemals die jeweilige funktion des BLINKERS im stich gelassen. selbst der noch sowjetrussische LADA-kombi war diesbezüglich ein stabiler begleiter gewesen. nicht so also heute nachmittag, als die gesamte rechte seite der elektrik sich mitsamt den blinkern, vorne wie hinten, verabschiedete! seither grüble ich! erstens darüber, was wohl der blinker-inder am morgigen späten vormittag für die instandsetzung verlangen wird, zwotens darüber, ob ich übersinnliche kräfte mein eigen nennen darf, weil ich gerade heute in den frühen morgenstunden über’s blinken sinnierend blinzelte, und drittens fallen mir beim ausfall von RECHTEN blinkern auch einmal wieder jene gehirnhälftentheorien ein, die besagen, dass es sich damit sozusagen um einen ‚defekt‘ der LINKEN, also emotionalen, kraftfahrzeugshälfte handeln muss. mein wagen identifiziert sich offensichtlich mit mir, da auch ich – als halter – bisher körperlich weitgehend rechtsseitige defekte mein eigen nennen durfte (meniskus, blinddarm, zecken, ohrläppchen, salmonellen, verletzungen aller art, herzbeschwerden, beinlänge, schulter-arm-syndrom usf.).

    morgen in der frühe werde ich also mit einem geborgten nissan-micra (ach, ettore…), bj. neunundachzig – und damit OHNE gültige feinstaubplakette, wohl aber mit einem schwerbehindertenausweis – den schulischen weg entlangensfahren und zumindest spätestens auf dem rückweg dann meine ratio befragen, was eigentlich mit ihr los ist. in diesem sinne, ihnen eine gute nacht.

  4. REPLY:
    so aehnlich auch, bester pathologe. wahlweise im leben oder vor bspw. ‚roundabouts‘, die hier ja auch wie loewenzahn aus der krume spriessen. (haben sie gemerkt: ich schreib fuer sie ohne umlaute. und ein dreierless-s haben sie ja wahrscheinlich auch nicht, ne? gruss nach katharr) ;)

  5. REPLY:
    Herr Schneck, nichts gegen die lustigen Hupen an französischen (Klein-)Autos. Die haben so etwas Schelmischs, Neckendes, Anmutiges und Fröhliches, um das Leben locker flockig und leichter zu machen. Da liegt das besondere Savoir vivre des Fahrers im Klang, das kann Ihnen niemand nehmen, das savoirige Leben, die lustige Hupe und die … äh … ausgefallene Elektronik. Also glauben Sie mir, nicht die lachen im Dorf und in der großen Stadt über sie – Sie haben einfach nur das seltene Talent, dass die ganze Welt mit Ihnen lacht. Auch – vielleicht – über die ausgefallene Elektronik. (Ich erinnere mich vage, Enten (2 CVs) hatten auch ihre Probleme damit bei Feuchtigkeit, dabei gab es an dem Auto ja an sich nichts Elektronisches … die ersten Modelle hatten ja noch ’ne Kurbelwelle, um dem Motor seinen verdienten Tritt zu geben.) So oder so denke ich aber – bei Ihrer bonfortinösen Blinker-Vorgeschichte – ist der Ausfall des Blinkers nunmehr ein deutliches Zeichen um Ihren künftigen Leben einen ordentlichen Ruck zu geben: Sie sollen einfach gerade aus gehen, fahren und zwar frohen Herzens. Gucken Sie ruhig auch nach rechts und nach links, da steht immer wieder schöner Mohn am Landstraßenrand, nur: fahren Sie nicht rüber!

    Würden Blinker öfter mal ausfallen und nicht nur an französischen (Klein-)Wagen, könnte ich mich glatt auf den Jahrmarkt stellen und aus dem Blinker-Satz die Zukunft lesen.

    Aber passen Sie mir künftig bloß auf, was das Sinieren und das darüber Bloggen anbelant. Blogs haben da die übersinnlichen Kräfte, ich schrieb 2006 noch im Mai über Albträume und tote Menschen, die ich darin alleine beerdigen musste (stückweise), zwei Monate später schied mir die Mutter dahin, die ich alleine beerdigen musste (netterweise komplett). Oder wann immer ich über eine mir zugteilte kleine schüchteren Katze und/oder Missverständnisse zwischen zwei Katzendamen und einem zugezogenen damals mallorquinischen, heute bereits europameisterlichen Kater bloggte, prompt änderten sie einen Tag später ihre Gewohnheiten (ins Gute, nur ins Gute). Einmal bloggte ich sogar über knappen Festplattenspeicherplatz und mir flog prompt eine frische leere gierige Festplatte ins Haus! Und neulich erst bloggte ich, dies sei das Jahr der Piraten und schwups wird mir gerade das Herz geentert! Blogs sind mystisch und haben Macht, glauben Sie mir, seien Sie also vorsichtig mit dem, was Sie hier verfassen. Nachher landen Sie eines Tages wirklich noch in Paris, im Stundenhotel und wissen nicht, wie Ihnen eigentlich geschah!

    Nur, eine Anmerkung sei mir noch gestattet, bevor alle jetzt «hier» schreien, die Mystik hört beim Lotto auf. Oder ich habe den Dreh einfach noch nicht raus …

    Ich wünschen Ihnen jetzt ein schönen Tag: als Ausnahmsweise-Schwerbehinderter in Japanisch!

  6. REPLY:
    @murmeltier
    können diese hupen denn blinken?

    @schneck
    NEIN! Über Lotto muss man bloggen, nicht kommentieren. Das wird doch wieder nix!

  7. REPLY:
    also, ob das alles so edel ist hier, das weiß ich nun wirklich nicht. aber danke für die blumen, frau amadea. gelernt habe ich, dass je kürzer, desto mehr. also kommentare, meine ich. ist ja auch die frage, ob’s auf die kommentare ankommt. für mich ist dies hier eine wiese, und in manchen dingen eine fortsetzung der sonstigen arbeit. bezüglich bild, text und text und bild. und ‚bild‘ und wirkung. text ist ja bild, ein satz muss nicht geschrieben sein, ein bild nicht gezeichnet. es soll ein blätterbuch sein und manchmal gebe ich mir mühe, dass es ein – naja – irgendwie schönes wird, so mit allem drum und dran. und das meiste ist sowieso erstunken und erlogen: ‚gespielt‘ eben, auf jener grossen bühne. ;)

  8. Du schreibst einen Satz und es kommentieren 25 Personen (mit mir 26).
    Andere schreiben Geschichten, Gedichte, ja ganze Romane in ihr Blog und niemand reagiert.
    Woran das wohl liegen mag?

    Ha, hier ist die Antwort bereits. Da steht: Gib das verzerrt gezeigte Wort ein.
    Und da steht: Edles

  9. The blog’s a stage,
    And all the bloggers merely players:
    They have their exits and their entrances;
    And one blogger in his blog plays many parts,
    His acts being seven ages

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