vicious circle

Mein Leben zu einem guten Teil ja aus Kilometern, so auch die innergehirnliche Struktur und individuelle Benennungskürzel. „430km“ steht für Metropolregion Mittelfranken – Neukölln, „680km“ für Neukölln – Waldrand und „256km“ für Waldrand – Metropolregion Mittelfranken. Oder eben jeweils andersherum. Könnte noch verfeinern „eastbound“, „westbound“ oder „northbound“ und „southbound“. Das gefällt mir sehr in der Londoner U-Bahn, man muss nicht immer gleich alle jeweiligen Endstationen namentlich kennen, auch wenn das cool wäre. Sondern nur so in etwa die Windrose mit Nordpol vor Augen haben. Außerdem klingt es archaischer, mehr nach Wildnis, gefährlichen Braunbären und nach Zeiten vor Routenplanern und GPS. Irgendwie lässiger. Die BVG könnte sich das auch mal überlegen.

Also am Gestrigen 256 eastbound zur Kurzarbeit auf die Versteckburg in die Metropolregion und heute sogleich 430 northeastbound, gottlob immer noch mehr als einen Koffer, dieser so wichtige Schlüssel stets am Bunde ist mir auch Windrose, Braunbär oder Nordpol, der Rest eines nie ganz verlorengegangenen Lebensstückchens. Und jedes Mal beim Näherkommen und Hineinfahren überprüfe ich die inneren Zustände und was dann immer noch hervorgerufen wird – oder was eben nicht mehr.

Speziell dann, wenn der Gasometer irgendwann auftaucht, am Horizont.

War es vor fünf Jahren noch das parexcellent Dramatische eines zuvor jäh und unfair Unterbrochenen und die rötlichen Narben gerade mal höchstens gezogener Fäden, so ist es nun eher eine zunehmend unbelastete Freude, mitsamt Vorfreude. Immerhin ist ja auch schon eine Menge Zeit vergangen, die sich ihrerseits mit Lebenszeit, Geschehnissen, Personen und Orten angefüllt hat. Zwar hatte damals ETWAS keine Chance, fertig zu werden, und hastig dazu, aber was heisst das schon. Erst, wenn man die Resilienzen ins Poesiealbum geklebt hat, dann können sich wahrhaft wahrhaftige Blicke breitmachen über die persönlichen Prairien. Dankbar oftgenug, wenn das Meta nicht mehr vonnöten. Diese verschiedenen Orte, sowie die Menschen, die mir sind, sie gefallen mir, sie sind ja stets auch Kreateur von Plänen und wachhaltenden Träumen, von schützender Bewegung oder Teufelskreisen. Welche man dann abermals bearbeiten kann/könnte, oder links liegenlassen, zum Beispiel in Petzow, in Grünsberg, in Kurtschlag, am Mummelsee, in der Vorglühbar, an Vogelfluglinie, in Rechtenstein, am Hermannplatz, am Ukleisee, im Würgeengel, in Maloja, in München, auf Schloss Hohenentringen, auf dem Laiterhof, in Giudecca oder Kirchfembach, in Bahir Dar oder nahe dem Speerschen Belastungskörper (früher ja ein Geheimtipp, früher.)

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Wenn Sie also am kommenden Freitag noch nichts anderes vorhaben, dann kommen Sie doch gerne ab 19.00 Uhr vorbei zur Eröffnung der Ausstellung wie folgt – Sie sind herzlichst eingeladen:

APPROPRIATING LANGUAGE #14
VICIOUS CIRCLE
Vanessa Henn, Johnny Koch, Sebastian Rogler
4.3.2016 – 10.4.2016
@MANIÈRE NOIRE, Waldenserstraße 7A, 10551 Berlin
Eröffnung am Freitag, den 4.3.2016 ab 19.00 Uhr
Geöffnet Do. 9.30 – 15.30 Uhr und nach Vereinbarung / Tel.: 030 – 44 70 33 36

Dank an Majla Zeneli. Mehr: Hier.

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