frauen wollen ja immer irgendetwas. Sobald sich die definitionen verschoben haben, wollen sie einen ändern. Und wenn sie nicht einen selbst ändern wollen, dann wollen sie irgendetwas an der definition ändern. Oder an den umständen oder an den gefühlen, der situation. Hauptsache, irgendwas ist da, was man ändern kann. oder zumindest in frage stellen, auch wenn es nichts in frage zu stellen gibt. Vielleicht treffe ich ja auch einfach nur frauen, die nichts einfach mal so stehen lassen können. Meistens sind diese frauen stark, das mag ich, aber irgendwann finde ich, es reicht mit dieser stärke. Ich hingegen mag es, die dinge einfach mal so stehen zu lassen. Ich kann das, das mit dem Seinlassen. hey, Beobachten ist mein job! Ich besitze die gelassenheit eines erfolgreichen cowboys. Eines cowboys, der weiß: die weide mag sich verändern, das Rind nicht. Was bleibt, das ist das pferd, auf dem man weiterreiten kann. Nur einmal hat es mich abgeworfen. das wird mir nicht wieder passieren.
Skagen

Wenn man dann losfährt. Und die Nordsee auf die Ostsee trifft. Sie freut sich jetzt auf den Herbst. Wird das Geld über den Winter reichen? Wir könnten Fotos machen (das schlägt sie vor), so wie in diesem Buch* beschrieben, was sie schon dreimal gelesen hat. Sie liest mir daraus vor, wir lesen uns gegenseitig vor. Man müsste das Buch augenblicklich verfilmen, denke ich mir, wenn ich doch nur vom Film wäre. Schließlich, in Berlin, spielen wir wie früher das Taxispiel. Wir fahren den Doppeldecker von Linie 104 und sitzen oben ganz vorne. Eine ihrer Klassenkameradinnen hat einen Stiefvater, der ein rosa Flugzeug hat mit einem Schwimmbad darin. Die mag sie nicht. Sie möchte unbedingt Dänisch lernen, jetzt erst recht. Ob ich mitlerne? Die Bunker interessieren sie nicht und die tote Robbe am Strand will sie nicht noch einmal sehen. Gerade jetzt, wo Lilly Hallig zu uns gestoßen ist! Wir machen einen großen Bogen und spielen Steinchen werfen (sie hält sich die Augen zu, ich werfe, sie muss finden). Man kann das stundenlang spielen, genauso wie das Taxispiel. In Haitabu leben über den Sommer ein paar Wikinger mit Brille, ihren Kindern haben sie die Namen Freia und Thor gegeben. Und In Ringköbing leben angeblich die glücklichsten Menschen Europas, ich halte das jedoch für ganz erheblich übertrieben. Typischerweise gerieten wir ein ums andere Mal in militärische Sperrgebiete, nicht ohne diese jedoch gerade noch rechtzeitig wieder verlassen zu können. Wegen der Wölfe. Im Turm des Domes zu Schleswig (der mit der Truthahngeschichte) haben wir uns heimlich inschriftlich verewigt, ebenso sämtliche an der Fahrt beteiligten Kuscheltiere, mit Ausnahme von Lilly Hallig. In Flensburg waren wir nachts bei McDonalds und haben an einem Preisausschreiben teilgenommen, was uns aller Vorraussicht nach den Winter finanzieren wird, wir sind da ganz guter Dinge. Sie überlegt leise, ob sie Dichterin, Photographin oder Malerin werden will, später. Der Sommer ist noch nicht vorbei. Kachelmann ist frei und Schlingensief ist tot. Der Sommer ist noch nicht vorbei und ich habe seit langem wieder einmal die Erdkrümmung gesehen. Ob wohl Freia und Thor jemals das Taxispiel spielen werden dürfen?
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*Antonia Michaelis, Wenn der Windmann kommt, Herder-Verlag Freiburg, 2009
ü

zwo zecken, eine fuß, eine hüfte links, grad so, dass man nicht rankommt. drecksviecher. die alte dame fragt lachend ihre hautärztin, wo sie denn die geschlechtskrankheiten gelassen habe. nachbarin erzählt vom nahtoderlebnis, sie deutet an, behutsam. mohammed hätte gesagt, die lebenden schlafen und wenn sie sterben, dann würden sie erwachen. so schön sei das gewesen, unbeschreibbar. ich muss da im herbst noch mal weiterfragen, wenn’s reinpasst. ansonsten spezialstaubsaugen an alten wänden mit spezialstaubsaugern. eine zugesetzte nische entdeckt, loch gemacht, mit dem endoskopchen hineingeschaut, nix. wieder kein goldschatz, schade, dafür ein vierer im lotto zu dritt. ein kleiner süßer esel mit namen rasputin, geboren im april, entzückt den kirschkern. erfahre, dass esel keine fluchttiere seien, sie würden bei gefahr einfach erst mal stehen bleiben (ist mir symphatisch). ein bisschen erwachsenen urlaub gehabt und gemacht, bamberg ohne reiter, in friesen am berge ein nächtlicher schuss von hinten, der fluchtwagen springt 1a an im bett am kornfeld. in rothenburg gewesen bei regen und in schwäbisch-hall Tomi Ungerer retrospektiv betrachtet. für die rente ein schweres gläsernes multiple gekauft, zwei kugeln mit einer zunge dran (lüstern). jetzt fehlt mir dafür noch der passende schreibtisch aus schwerer eiche und die sekretärin dazu. es ist ja eine sinnliche zeit. demnächst auf abenteuer, zunächst dann wohl abermals die ‚Grüne Hölle Hodenhagen‘. der kirschkern hat ein bombenzeugnis, und das nach diesem bombenjahr. auf dem ponyhof haben sie jetzt auch lamas. oben auf dem bild, das sind (waren) bonnie und clyde am strand von mombasa. und schon nächste woche werden wir am strand von römö haie fischen. es ist eine schöne zeit, beinahe schon fast wild.
Thiesenhof unter Lachenhäusle

Der Thiesenhof vom Lachhäusle aus gesehen (Postkarte, 1953)
Wenn man schon in der Gegend ist, dann kann man ja auch mal die einem eigenen Liegenschaften vor Ort visitieren und nach dem Rechten sehen. So dachten es uns der Kirschkern und ich am vergangenen Freitag. Ziel war, von der Tortursiedlung namentlich Freiburg im Brsg. kommend: Das Flurstück Ferndobel Nr.49 bei Waldau im Hochschwarzwald, nahe gelegen des Berggasthauses „Lachenhäusle“ an der Bundesstraße 500 und rund 1000m ü.M., zuletzt besucht im Hungerwinter 1992, als sämtliche Zeiten noch ganz andere gewesen waren. Dieses Flurstück war einst überbaut mit einem kleinen historischen Schwarzwaldhof, dem Thiesenhof, und befindet sich seit 1956 im Besitz der Familie Schneck.
Zu den Eckdaten läßt sich folgendes anmerken: Der Thiesenhof (auch „Thissenhof“ oder „Diesenhof“) wurde im Jahre 1727 durch Matthias Beha erbaut. Weitere Einträge zur Chronologie der Gegend und den Geschehnissen lassen sich auch hier nachlesen. Der letzte Bauer, jedenfalls nach meiner Quellenlage, war Stefan Braun, der 1846 geboren wurde und 1937 verstarb.
Im April 1956 erwarb mein Großvater, der Architekt und Stadtbaumeister a.D. Rudolf Schneck, das kleine Anwesen von Gravurmeister Robert Jäckle aus Bad Dürrheim/Schwarzwald für 3600,00 DM. Seine Pläne waren es, der Familie ein kleines und der Urtümlichkeit höchst gewogenes Feriendomizil in ländlicher Gegend zu schaffen. Dieser Plan sollte jedoch leider nie in Erfüllung gehen, denn bereits in der Sylvesternacht 1956/1957 brannte der Thiesenhof durch Brandstiftung bis auf die Grundmauern nieder. Das kleine Nebengelass, welches nicht in den Besitz des Großvaters übergegangen war, blieb stehen. Es steht noch heute.
Über den oder die Täter verraten die Akten bisher nichts. Mündlicherweise war von betrunkenen Landstreichern die Rede. Es finden sich jedoch keinerlei Schriftstücke diesbezüglich, die hierzu weiteres aufschließen lassen würden, etwa ein Polizeiprotokoll oder Zeitungsmeldungen über den Brand. Angesichts der Beschäftigung mit den Vorfällen jener Zeit meldet sich da natürlich der Schneck’sche Detektiv, ebenso übrigens der/die des Kirschkerns. Eigentum verpflichtet schließlich, und sei es nur ein 8,73ar großes Flurstück, auf dem sich eine mit Brennnesseln und ein halbes Jahrhundert Jahre alten Bäumen überwachsene Ruine befindet, deren Wert gleich Null strebt und für den im Jahre 2010 eine Grundsteuer von EUR 3,98 zu entrichten war.
Die Ortsbegehung mitsamt Kirschkern jedenfalls war ein interessantes Unterfangen mit einem der Originalität der Immobilie entsprechenden Freud-, Spaß- und Naturerlebnis, das alles bei schönstem Wetter. Übernachtet wurde im schon feriengerecht umgebauten Wagen droben am Lachenhäusle, wo auch die Abendmahlzeit sowie ein herrlicher Blick bis hinüber zu den Vogesen eingenommen werden konnte. Und sollten Sie einmal entlang der B500 fahren und eine Jause planen, so nehmen Sie diese empfohlenermaßen gerne im Lachenhäusle zu sich, nicht ohne jedoch dann einen kurzen Moment lang der dramatischen Vorkommnisse der Nacht zum 1.1.1957 in circa dreihundert Metern talabwärts zu gedenken.
Bildteil:

Der Thiesenhof 1956

Der Thiesenhof 1956

Handskizze Planung Umbau, Prof. Rudolf Schneck, 1956

Ruine Thiesenhof 1963 mit erhaltenem Nebengelass

Begehung Thiesenhof 2010; im Hintergrund links die
vollständig überwachsene Ruine
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lese
im wald gewesen, gerannt, an schönen orten vorbei, an ihren garten gedacht. fast alle pflanzen dort waren mit dornen versehen, so auch die wilden brombeeren, deren schnellwachsende grüne triebe sich ausladend oft im haar von möglichen gästen festsetzten mit ihren saftigen stacheln und die sonst gewöhnlichen wege sehr durcheinanderbrachten. an scham gedacht, über mut nachgedacht, auch über geld und autos. ein damenoberteil, durchnässt vom gestrigen gewitter, am bach. es ist ja jetzt wieder die zeit, in der gerne mal unterwäsche liegengelassen wird an ungewöhnlichen orten. auch die bremsen haben den winter gut überstanden und schleichen sich unbemerkt von hinten an einen heran, wie man weiß ist dünner stoff für jene kein hindernis. die ausstellung im herbst werde ich ‚vintage‘ nennen, das heißt ja nicht nur das, was es eben heißt, sondern auch ‚weinlese‘, es passt also mehrfach. die begrüßung wird Dr. S. sprechen, die einführung der andere Dr. S. und vielleicht werde ich am eröffnungsabend seit langer zeit einmal wieder eine überpfeifung darbieten oder ‚das lied vom einsamen mädchen‘ nachsingen. /jedenfalls gefällt sie mir, diese derzeitige hitze, die bei allen alles wahrhaftige so schön herausquellen lässt aus kopf und körper, ziemlich menschenfreundlich.
shpritsz +11.07.2001
Blöde Kirschen, doofe Spanier.
Die alte Dame läßt sich von den Kirschen erpressen. Hingegen der Kirschkern und ich werden heute versteinerte Schnecken des Jurameeres suchen am Trauf der (schwäbischen) Alb. Ein Eis wird den Rückweg entlang der Klifflinie zieren und später Salzletten das Pflichtspiel um einen weit weniger als lauwarmen dritten Platz. Ich leide, immer noch.
Schindluder!
Galeristen, die nicht bezahlen, das Geld, welches sie Jahre zuvor erhielten, nein, man muss sie dazu zwingen, wenn sie nicht irgendwann selbst verstehen. Menschen, die einem Dinge an den Kopf werfen, aus dem Bauche heraus zur Selbstläuterung, wahllos und alles Tiere. Dazu der gut gemeinte Änderungswillen der Frauen (Änderungsschneiderei), sie meinen es gut und ich ja aber auch. Alle meinen es gut, das ist das Problem. Es ist nicht so, dass ich nicht im Wiesenheu gelegen wäre, im frisch gemähten bei Vollmond auf einer Decke aus Trevira unter Streuobstbäumen und es ist nicht so, dass ich nicht die wohlgesonnene Sorge wahrnehmen würde, die mich besticht und gleichermaßen sticht. Menschen, die ihre gut gemeinten Gedanken spät abends loswerden wollen, damit sie schlafen können und man selber sitzt dann da und ist hellwach. Weil sie, diese Menschen, ja recht haben. Ich treibe Schindluder mit mir und ich habe Angst vor dem ganzen Neuen, von dem ich noch nicht einmal weiß, was es ist. Ich will auch gar nicht wissen, was es ist, schließlich haben wir Sommer und ich bestehe auf meinem Recht auf Schindluder und Nichtwissen. Hopp oder Top, Leben oder Tod, links oder rechts oder warm oder kalt. Das Dazwischen hatte ich lange genug. Man kann ja gar nicht lügen, außer vor Gericht. Und dann steht da eine Rose auf dem Tisch im Weizenglas aus Wallerstein. Ich denke mal, es lohnt sich!