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sonnenuhr1
(Abb.: Sonnenuhr bei Sonne, 19.7.2011)

„VIVERE DISCE, COGITA MORI“ („LERNE ZU LEBEN, GEDENKE DES TODES“). Dagegen heute also Regen (wie in „7“, aggressiv, beinahe bedrohlich in seiner Unaufhörlichkeit), eine Ex-missGermany auf dem Gerüst und endlich: den kleinen Hubbel in der rechten handfläche neben der Lebenslinie gibts nicht mehr, ich habe das jetzt erfolgreich weggeknibbelt bekommen, diese LETZTE scherbe, die ich mir 1990 in Vác am Donauknie hineingerammt hatte, als ich über einen ostblockbordstein stolperte mit zwei Sprudelflaschen (jaja, seinerzeit Glas), je eine in jeder hand und nach dem Krankenhaus aussah, wie ein versuchter Doppelselbstmörder mit den verbänden an beiden handgelenken. wie war mir das peinlich gewesen damals beim ersten Bier danach, abends, aufgrunddessen zurück in Wien. (immerhin konnte ich knibbeln, alle Jahre lang.) ein paar monate später kam die Rechnung: für sanitätskraftwagen (Barkas/Blaulicht) und notwundbehandlung incl. Nähen, Betäubung und Tetanus 79 Mark (quasi EUR 39,50). war ein Schnäppchen! /also:

/sonnenuhr (diese.)
/solo in mannheim, Dezember
/sorge, lieblingsonkel
/schweden. noch 1 woche hin.

5 schwedinnen in oberbayern. hr.

die Erdinger (‚Monika‘?)

(für M., Goslar 16.7.1992):
___
Deine Hügel in Quedlinburg
deine Täler in Homburg/Saar
– wie es immer war.

Dein Wasserfall in Konstanz
dein Knie auf Wangerooge,
ich war Meeresbiologe.
Der Geruch deiner Loge,
deine Penetranz in Konstanz
(neben der Birnauer Monstranz).
Wie immer es war.

und-oh ja:
Deine Äpfel in Birnau
deine Birnen in Plön
ich finde sie immer
und überall schön.

Deine Fesseln in Ribbeck,
deine Grübchen auf Föhr-
erwecken mir Lust auf Eier
vom Stör; dein Haar in
Bad Buchau, dein Po in Bad Boll
ich halte beides seit langem für toll.
– Und bin ja – so voll.

Dein Kettchen am Fuße
dein Ohrring in Mainz,
dein Bettchen in Frankfurt
gleich Oder ob Main.
Dein Leibchen soll mir Schabracke sein,
ich war Meeresbiologe.

In Duisburg dein Stöhnen
an der Weser dein Schrei
dein Gurren in Hamm,
ach Liebste, Wo – ist mir einerlei!

Dein Küssen in Geesthacht
dein Finger bei Porz.
Deine Blicke in Spandau
(ich war Meeresbiologe)
gute Nacht. Genau.


Fundstück (Handschrift), Erding 1998; sog. „Kramer’sches Palais“ (Erb. 1602), Fehlboden 2.DG Süd

nein.

ein sehr schönes fest, marke ‚haus am see‘ („die mamas kochen und wir trinken schnaps…“), warm, grill, gute laune, dampf, wohlsein, sosein, Lassen. hinten woanders ein geräusch von klirrenumfallenverschüttenglas. kind (knapp 3) kommt in küche. mutter fragt: „und? hast du was umgeworfen?“ kind: „nein.“ mutter fragt: „und, ist dir was umgekippt?“ kind: „nein.“ die mutter trocken und wohlwollend: „und? soll ich dir das glauben?“ kind: „nein.“ /ach ja, so ist das schön! ein nein so ganz ohne ausrufezeichen. heisst ja fehlen von angst. so muss man das hinkriegen, so soll’s sein.

die KircheMaus

Lorenza, die Kirchenmaus, ist tot. Sie lag leblos rücklings in der kleinen Emporenkapelle hinter dort vorrübergehend abgestellten Totenschildern, wie passend. Zwischen den Vorderpfötchen noch ein Stück blauer Plastikfolie, welche sie in ihrer Not durch Hunger wohl verzehren wollte. Wahrscheinlich aber ist sie verdurstet. Ihre stummen Schreie nach Hilfe wurden um Vielfaches übertönt vom Orgelspiel des Musikdirektors oder vom Lärm der Aggregate.

Manche Besucher telefonieren gerne und laut in der Kirche. Einige suchen sogar offenbar die dortige Stille, um ungestört ausführliche Geschäftstelefonate erledigen zu können. Andere Gäste rennen in Kirchenräumen. Und wieder Andere rasen, murmeln still, speisen oder kommen zum Schlafen.

Erstmals habe ich mich nun verewigt. In einen kleine, gleichwohl tiefe, Fehlstelle im Stein des nordwestlichen Hauptdienstes an Pfeiler 6 (oder war es Pfeiler 8?) schob ich in ungefähr neun Metern Höhe (oder waren es 12?), bevor ich jene Öffnung mit Kalkmörtel verschloss, einen säurefreien Zettel, sorgsam gefaltet und mit Plastikfolie umfangen, auf dem ich zuvor mit Bleistift das Datum und Unwesentlichkeiten des persönlichen und weltpolitischen Geschehens in lockerer Schreibe und Schönschrift festgehalten hatte. Ebenso ist die URL dieses Bloganbieters vermerkt. Dem Kirschkern wünschte ich den Segen Gottes und bat um generell besser Wetter.

(Das ist natürlich alles frei erfunden und stimmt gar nicht.)

Bereits am Wochenanfang bekam ich überraschenden Besuch auf dem Gerüst. Nach Feierabend dann Würste zu Bier und Gespräch. /Mdme. Nanou, Herr Books: Es war ein wirklich schöner Abend!

In drei Wochen wird das Gerüst abgebaut werden. Bis dahin werden alle erhaltenden Vorgehensweisen und diejenigen, die zu weiteren Erkenntnissen führen, abgeschlossen sein. Ab Mitte August erfolgt die Teilumstellung des Gerüstes in’s ältere Mittelschiff, in dem das östlichste Joch noch unbearbeitet ist. Bis Ende September wird dann auch diese Massnahme beendet sein und damit bis auf weiteres auch meine Arbeit in jenem Kirchenbau. Ziemlich viele Einträge meines Internettagebucherlebens (sogar der erste!…) bezogen sich im weitesten Sinne auf oder um jenes Bauwerk – mehr aber noch nunmehr zwanzig Jahre an Tätigkeiten und Lebenszeit auch ebendort.

(mit Pfiff.)

Dreisatz

Der Kirschkern wird zu einer die Kirschkern! Innerhalb von zwei Monaten wurden gesamt 2cm gewachsen. Jetzt sind augenscheinlich die Beine dran. Und ihr Blick. Ich stelle mir das so vor, dass da immer abgestimmt wird innerkörperlich am großen demokratischen runden Tisch (Standort Thalamus); die Hände meinen, jetzt sei mal die Nase dran mit Wachsen, die Ohren protestieren, die Füße wollen unbedingt (!), die Arme sind müde, der Hals will Pause und so ist es ein ewiges Abstimmen und Diskutieren und mit dem Finger fuchteln, ein einziges lautes Palaverment, denn das bei allem Wichtigste ist: Gerechtigkeit. Und Fairness! („He, das ist voll unfair!“). /Noch dreieinhalb Wochen bis zu den großen Ferien und noch vier Arbeiten sind zu schreiben: In Musik über die Tonleitern, in Deutsch über irgendwelche Pronomen, in Biologie die Fische. Und in Mathe Dreisatz.

Beim Dreisatz ist die Kirschkern wie ich: Hat sie kapiert, aber muss nicht vertieft werden. Man muss nicht ALLES wissen! – (Sagt sie. Postuliert sie!). „He, wenn drei Klopapierrollen normalerweise 2 Euro kosten und ich im Angebot irgendwo für 2 Euro FÜNF Klopapierrollen bekomme, dann kauf‘ ich natürlich die FÜNF, is‘ doch klar, und dann muss ich doch nicht noch unbedingt wissen, wieviel nun EINE der Klopapierrollen gekostet hat aus dem Angebot im Verhältnis zu den NORMALEN Klopapierrollen…- oder WIEVIEL Prozent die aus dem Angebot jetzt pro Rolle BILLIGER sind oder so!“

Das gefällt mir.

(Ich sehe bemühte braune Mathelehrerbreitcordhosen. Das ist unfair. Sie soll bloß nicht im künstlerischen Beruf landen! Sie soll… ach was.)

Sie soll vor allem mal grundglücklich sein. Werden. Bei allem. (Irgendwie so wie ich). Das ist es!

/Den Formationsflug von Wespen nach Westen beobachtet. Über die Erfindung eines neuen Mardervergrämers (Antriebswelle etc.) nachgedacht. Ein Grundstück mit dem Einheitswert von EUR 306,00 veräußert (Brachland). Angst und Glück sind so nah beieinander, das kennt man ja, die schaukeln sich hoch. Meine Dauereflektion geht mir auf die Nerven, vor allem unter der Dusche. Diese ständige Wachheit. Ich würde gerne mal auf 60 anstatt 100 schnurren. Über Brachland reiten, besser noch: laufen, gehen, mich hinsetzen. Mich irgendwo anstellen lassen, vielleicht in einem mittelständischen Lager, im 2. Hof ganz hinten in der Nähe vom Sozialraum? Ach was. HALF SO WILD! Dem Rotwild geholfen, einen Weg gepflastert. Eine Vitrine abbauen, Schnürsenkel besorgen, der alten Dame jetzt immer öfter das Stück Fleisch auf dem Teller zerschneiden, wie zuletzt dem Kirschkern bis vor ein paar Jahren. Ich sollte vielleicht mal wieder noch mehr Bilder malen, das wäre dann irgendwie eigentlich mein Kerngeschäft.

Wollen setzt sich zusammen aus Können und Müssen.

/Aber no-cry, keine Zecken, keine Mücken, dafür seltsam‘ Hertz entlang Seitenlinienorgan. Es ist alles ROGER (Alpha-Delta-bittekommen-), wäre da nicht noch die blöde UStVA (Dreisatz, voll unfair).

/wie klein doch die…!

/also ritt ich mit dem neuen lieferwagen in richtung norden, stoppte und aß sechs bratwürste an ZWEI senflinien, schlief in einer kleinen schäbigen schemme in der alten stadt, brach am nächsten morgen vor tagesanbruch weiter, /es gibt ja jetzt neuerdings neben den audi-deppen (bekannt), sondern auch diese opel-autisten mit rasierten glanzfelgen, (fiel mir so auf, auch dem pferde. eine SUPerfalscher satzbau.), mein unterbodenschutz aber hat garantie, ich kann telefonieren freihändig beim reiten und den autopilot einstellen, der zeigte denen dann sogar den stinkefinger, von oben, von unten… wär‘ ich nicht zu alt dazu.. – der SOUND im sattel ist erster sahnengüte und betont lenden wie schläfen mit lungen, und dann noch die tenöre und eine menge ROUGHriffs, von dem Sauerland aufgenommen (irgendwas mit ‚rocknroll-ost‘, dazu grinderman und robert plant etc.), noCH dazu the CLash (hab‘ ja 83 immerhin mal mit der ex von joe strummer oder guitarrekollegen? in einer römischen disco getanzt… -wie klein die welt ist!), dann ahrenshoop und die ostsee, in der meine omi schwimmt qua asche und mein opa, der alte haudegen von der bismarck (und kreuzer nürnberg), ich habe rostock NICHT, dafür prerow aus den dünen und stralsund gesehen, ein kleiner TOD, ein gelber schirm4, dort ja auch viel neunazi unterm pflaster, um eine cafe-ecke weiter (recht/sehr) coinzidiert eine stuttgartisierte busenfreundin des kirschkernS getroffen mitsamt mamutschka, (wie klein d. die welt ist!), dann ritt ich erneut südlich den flecken KURTSCHLAG in der schorfheide an, um deren ecke fast mal ein kleines anwesen gekauft wurde inzu anderen zeiten, wie kLEIN doch die welt ist!, und wieviel Macht doch diese Buchstaben haben (hätte ich doch nur nie lesen gelernt, und dannnoch schreiben!). DANN die boddinstraße begutachtet, ausgerechnet SIE, in ihrer gentrifizierung, einen schönen abend, nein mehrere, in rixdorf genossen (böhmisch), eine neue schlafanzughose mit pfiff erworben am herrmannpltz. sowie einen weiteren schönen abend im SOHOhouse mit/erlebt, …wo sich dann auch der eine bekannte blogger mit dem irokesenschnitt in rosa aufhielt, herrjeh… (wie klein doch die welt ist!), ebendort erfahren um zusammenhänge familiärer art anderer familien und deren mitglieder, auch bezüglich internettagebuchwelten!-, ach wie klein doch diese schöne kleine welt ist!, im ernst. /dann noch im hopital gewesen abends in der notaufnahme wegen katholischem käse, mein pferd wundert sich über die noch pläne geschmiedet, im süßen avantgarde, die richtigen diesmal (zwo stich) und jetzt sitze ich auf einer spätmittelalterlichen altane 4. stock (damals waren die leut‘ klein), um heute und auch morgen risse und löcher zu schließen mit speziellmaterial. /über die vielen spanier wunderte sich mein pferd, da in B.

Wie klein doch die Welt ist. (überall wellen)