/tsip- koennen wir auch!
für Anousch Mueller !
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mykonos
mykonos 1979, schon damals mietete ich gerne irgendeine vespa mit taschengeld. Der rechts weiss ich nicht mehr (wahrscheinlich ein freund der schwester des freundes). Am strand war alles voll mit nackten brüsten und anderem und wir machten strassenmusik mit guitarre und blockflöte (ich blockflöte) vor hochweissen windmühlen neben hellblauen holzstühlen. Wir bekamen drachmen von barbusigen engländerinnen zugeworfen und hatten „endlich mal zeit, den SPIEGEL von vorne bis hinten durchzulesen“ (aus dem tagebuch), schliefen am strand, das waschen mit frühstück konnten wir bei der schwester des freundes verrichten. Mir war das damals alles noch viel zu viel am geschlecht, ich wollte eigentlich nur große endlose ferien, Vespa-Fahren, mein leben planen und mir nicht den ganzen tag lang anhören, dass Männer im grunde scheisse sind, dies von entblößten emanzipierten frauen, die mir lächelnd ihre primärsekundären dinge am meer vors gesicht hielten, während sie ihrem behaarten griechischen liebhaber durch die backentasche den po kraulten, der, ein meist stattlicher hintern, fürs kaffee und pläsir bezahlte. Die zwingend bevorstehende metaebene erschloss sich mir erst später, nach dem ersten beischlafe irgendwo im oberschwäbischen neben einem wacholderbusch (übrigens ein zypressengewächs) und der nachfolgend allergischen hautbehandlung im Anti am gesäß mit heuschnupfen und weledasalbe an den Flanken des selbst meiner (irgendwie) lenden. das war die zeit, als mein leben im denken begann.
Bereits damals aber schon, am kykladischen Goldstrand, bahnte sich eine Erkenntnis an, die wir dann Dekaden später unter „3., Manifest des Deutschen Handwerks“ in Stein meißeln sollten: „DAS DEUTSCHE HANDWERK kritisiert, dass das Überprüfen von Sehgewohnheiten zur zeitgenössischen Sehgewohnheit geworden ist.“
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umbau
gute alte freunde und sammler haben aus dem atelier gekauft, ein feilschen, eine art von positiv-inkasso begann, zuletzt durfte ich sie wenigstens zum essen ins abseits einladen, die kirschkern wohnte amuesiert bei, bei margaritapizza. in BAD darf ich also in diesem jahr nicht ganz unhochkarätig juriert mitmischen, so komm ich denn mal wieder nach BAD, werde dann noch ins casino gehen bei dieser gelegenheit und alles auf die 0 oder die 2 oder wenigstens rot setzen und vielleicht meine uralte freundin B wiedertreffen, die wilde radiosprecherin. zwischenzeitlich wurde ich von lorenzo, einem von der lokalpresse zufällig fussgängerzonal befragten fotografen, als einer von einigen würdigen nachfolgern von WJ im rahmen städtischer VIP-einschätzungen benannt und mutierte aufgrund der kurzhörigkeit der journalistin zum „der Sänger Schneck“. das gefällt mir. sänger! den kahn zu stochern verlernt man ferner nicht, einen badewannenlift habe ich beantragt und den fuss des alten stockes rutschfest gemacht. den staubsauger erneuert sowie rasenmäher. ich goss olivenöl in die südliche regentonne, um millionen von mückenlarven zu ersticken und weiss noch nicht, was die tomaten von speiseöl an ihren wurzeln halten. und mein gewissen dazu, wegen der ermordeten larven, wahrscheinlich sind sie nicht gestorben, sondern werden stechen mich vielmehr extra in diesem sommer, der keiner war aus rache. mit der bank habe ich – sagen wir – telefoniert, ein neues schild beauftragt hinein in die emaillewarenfabrik und zusammen mit einem rüstigen erfahrenen älteren glasermeister ein gusseisernes ofenschildwappen des koenigreichs wuerttemberg „furchtlos und trew“ mit samtig selbergemischten ölfärbchen in joghurtbechern neu gefasst (es ist schön geworden). über pflegestufen nun anfangsinformiert, über pubertät mich gewundert, diese haken im verhalten, dieses gähren der gerollten saftigen stacheln, man spürt das formen und den umbau, es ächzt und knirscht, manchmal sehr lustig, manchmal weniger lustig, aber so muss das ja sein, immer bedacht, den stacheln genügend grund zu geben, nach aussen sich zu wenden und bloß nicht nach innen. die heizung habe ich wieder angeschaltet und kerzen angezündet im schönen abendlichen gespräch im souterrain. während die paar verbliebenen nacktschnecken über die schwelle krochen und ich ihnen den weg zurück nach draußen weisen musste, was ich gerne tue im hundertsten jahr. massoud aus B wird mich bald am waldrand besuchen und auch bald wird die kirschkern nach kreta reisen und ich mit neid im geiste dazu. noch vor diesen südferien wird eine herstellungsneue harfe geliefert werden, ihre erste eigene. ich vorschlage ein reisetagebuch, sie findet das gut, meint aber, ich sei der letzte, dem sie dieses vorlesen würde. fordere nun meinerseits wenigstens einen ablauf der abenteuerreise ein, welchem sie freundlich stattgibt. und führt mich an ihren wunsch heran, in zwei jahren ein halbes jahr nach französisch-canada gehen zu wollen oder in die karibik, wenigstens dorthin, wo man französisch spricht. sie will hinaus in die welt, schön. ich grinste erstmal. /lotto war nix, montag restmüll, keine zecke bislang, morgen kommt öl. /es geht sehr dynamisch zu in diesem jahr und die sachen bahnen sich an und es ist nicht so, als dass ich zu kurz kommen würde. so scheints.
oh waldrand…
oh boy…
die alte dame liegt im krankenhaus. zudem, heute abend habe ich den film „oh boy“ im cinema gesehen. auf dem fußweg zurück ins dorf einer schlägerei mit einem betrunkenen jüngeren mann haarscharf ausweichen können, mein adrenalin war schon hocherwärmt und zuletzt zu allem bereit, sogar zu einem rettenden ersthau, ich war im geist und in allem anderen auf alles mögliche mir unbekannte gefasst. angesichts geballter fäuste und einem anstupsen seinerseits mit der rechten. er wollte schlagen, da ich ihm keine zigarette aufs pöbeln hin gegeben hatte, rannte uns hinterher. aber wahrscheinlich wollte er eigentlich nur irgendwie schlagen auf dem heimweg mit seinem (nüchternen) freund kurz vorm sex (er sprach davon). die polizei fuhr zufällig vorbei, aber man will ja nicht petzen. wir bogen dann ab. das ist mir noch nie passiert, eigentlich seltsam. nicht mal in B. auf tausend nächtlichen heimwegen. /fast schade, man soll doch alles wenigstens einmal erlebt haben. frage meine ausstrahlung „he, ausstrahlung, wie hast du das wieder hingekriegt?“ oder war es die körpersprache, meine? oder die meiner begleiterin? meine pheromonischen adrenalingerüche vielleicht, molekülklein und unerforscht, mein weiser und milder blick, über den vor allem ich erstaunt war, meine plötzliche un-angst? oder dann eben doch seine kinderstube oder sein nüchterner freund, der hinterhergelaufen kam? oder, am end, meine MUSKELN oder ein vielleicht chaotischer zufall? /das ganze rollt einem dann ja zeitversetzt später noch nach. daher bin ich jetzt noch wach.
/wenn alles weiterhin gut geht, dann kehrt die alte dame bald heim an den waldrand, den oh-boy-film fand ich viel besser, als ich vorher dachte und der heimweg, sechs kilometer durch mondbeschienene landschaft bergan, war belebend, beruhigend und besänftigend. vorbei an nächtlichen schafen, die ich jetzt zählen werde. (man soll ja nichts tiefnachts ins internet stellen, aber ich tu das jetzt einfach.)
oh boy.
A midsummernightssaggezza
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bebilderte ich schwarze tage. so nun auch mit manchweissen/
rasen mähen mc allister, nierenversagen. zärtliche pleiten.
sommerschoen. Sorge mit weich, hintenraus, vorneraus und ummantelten superkörnchen auf Wiese und an Decke.





