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Erst jetzt habe ich es erfahren, Peter Grau ist im Juli 2016 verstorben. Er war mein Lehrer im wichtigen und sicherlich überaus prägenden ersten Jahr an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste zu Stuttgart. Von und bei ihm habe ich das Zeichnen erlernt. Bekommen. Vier mal wöchentlich für fünf Stunden Kopf und Akt. Und dazu jene ersten Schritte in für mich damals völlig neue Welten wohlwollend begleitet, auch in der so genannten „freien“ Arbeit. Das hat er. Er hat stets unterstützt, gefördert, aber auch manches Mal missbilligend geschaut, in gleichwohl zugewandter zarter Ironie, auf zeitgeistige Moden oder künstlerische Selbstbetrügereien. Abgeraten, und oder: Zugeraten. Je nachdem, wer vor ihm stand, mit welchen künstlerischen Plänen und Anliegen. Er war Professor für die Grundausbildung. Und er war stets um persönlichen Abstand bemüht, wenn die künstlerische Ehrlichkeit leiden hätte können unter allzu viel Kungelei. Auch zwischen Generationen. Nie wollte er sich anbiedern diesbezüglich. Auch das habe ich von ihm gelernt. Er selbst: Ein feiner, sehr aufrechter und nicht lauter Mensch. Und ein begnadeter Zeichner. Und möglicherweise zu Unrecht derzeit im Oeuvre wenig beachtet. Wie ja so viele andere. Alles Dornröschen. Man kann ihn auch suchen im Internet und dann auch finden. Er trug oft weite ausgestellte Beinkleider und war meist barfuss im Schuh, wenn ich mich richtig erinnere. Das hat mir gefallen, von Anfang an. / Bild zeigt ihn bei einem gemeinsamen Spaziergang nahe Bodman am Bodensee, während Betreuung einer Grundklasse der Akademie ebendort für eine Woche, mit Schirm als Stock.
Weihnachtsmarkt in Kabul
Wie also in jedem Jahr waren wir, die Köchin und ich, einmal wieder unterwegs ein Wochenende lang im Dezember. Bevor der ganze Weihnachtstrubel, vor allem ja für die Köchin, so richtig losgeht. Unser Ziel diesmal: Die afghanische Hauptstadt Kabul. Das war auch völlig normal. Niemand fand das komisch. Irgendwann waren wir einfach dort. Es gab einen Bustransfer durch die Stadt, entlang eines Flusses, freundliche Menschen in landestypischen Gewändern grüßten uns interessiert. In einer schönen und eng bebauten Altstadt, die ein wenig an das mittelalterlich historische Rom eines Campo del Fiori erinnerte, bezogen wir unser Zimmer im dritten Stock. Ein schönes Bett, Kommoden, Gemälde an den Wänden, schwere Vorhänge und hölzerne Lamellenschlagläden an den hohen Fenstern. Die Köchin wollte sich schnell frisch machen für unseren Besuch des Weihnachtsmarktes in den engen Gassen und zog unbekümmert ihre Oberbekleidung aus, was mich veranlasste, schnell die dem Nachbarhaus nächstgelegenen Fensterläden zu schließen. „Das kannst Du hier doch nicht einfach so machen, wenn die Dich im Unterhemd sehen!“ zischte ich ihr kopfschüttelnd zu, während ich noch sah, wie verhüllte Gestalten hinter Gardinen verstohlen zu uns hinübersahen und dann schnell verschwanden. Überhaupt nahmen nun plötzlich die Bedenken über unser adventliches Vorhaben zu. Im Traum ändern sich die Dinge ja manchmal unwirklich schnell. Ich betrat den kleinen Balkon des Zimmers, gegenüber wurde gegrillt, man grüßte mich zwar immer noch freundlich, aber meine Angst wuchs, dort ein allzu leichtes Ziel für Beschuss abzugeben. Sicherlich hatte sich die Nachricht über die Ankunft zweier westlicher Touristen – und Ungläubiger obendrein – schon herumgesprochen, die ganze Stadt, das ganze Land sei ja voll von Spionen und Informanten, so hört man immer wieder. Und mit Gewissheit waren schon Taliban oder Andere unterwegs, mit dem lohnenden Ziel, uns so schnell wie möglich mit automatischen Waffen oder Kleinbomben ins Jenseits zu befördern. Ich erinnere dann noch einen kleinen Rundgang zu zweit durch die schöne Altstadt, die Köchin war unbekümmert und interessiert an den Auslagen in den Geschäften, mir aber saß nur noch die bloße Angst vor einem Knall im Nacken. Ich schob uns hastig, mich stets misstrauisch nach allen Seiten hin umblickend, von Deckung zu Deckung. Bis ich schließlich aufwachte.
Vielleicht begründen sich diese träumerischen Erwägungen meinerseits damit, dass ein gemeinsamer Besuch in der Heimat der Jungs gestern Abend einmal wieder ein schönes, gleichwohl illusorisches, Gesprächsthema gewesen war. Und wie schön das aber doch wäre, wäre es möglich. Wenn die Beiden uns irgendwann einmal ihr wunderbares Land zeigen könnten, über das sie oft mit leuchtenden Augen erzählen. Auch wenn sie das angesichts der fast täglichen Schreckensmeldungen von dort zunehmend anstrengt. Und traurig macht.
ich, lustig.
/Mäuse
Bereits der zweite Frost. Nicht zu knapp, heute am Reformationstag. Schön, wie das klirrt. Und ein schönes Foto habe ich hier wieder gelöscht, weil sie ja noch nicht 18 Jahre alt sind, die UMFs. Na gut. Zwänge, überall Zwänge. Werde das aber nachholen, bald stehen zwei Volljährigkeitsgeburtstage vor der Türe. In der Garage Mäuse. Die fressen die Luftpolsterfolie der dort gelagerten Bilder. Sollte vielleicht nochmals einen „Garage-SALE“ machen, bevor sie an die Bilder gehen. Schöne ältere Arbeiten zu ganz besonderen günstigen Preisen. Hat jemand Interesse? Die Salamander haben sich verkrochen im Natursteinmäuerchen vor dem Atelier. Husch-husch! Der letzte Rasenschnitt, das Gras schön um die Wurzeln der Rosen polstern, dass diese es warm haben. So denkt man sich das ja. Aussenwasser abgedreht, Leitung entwässert, gerade noch rechtzeitig. Den Jungs erklärt, wann Wasser zu Eis wird, nämlich bei Null Grad. Und dass nicht die Sonne sich um die Erde dreht, sondern dass es andersherum ist. Immer noch erstaunlich immer wieder, das für uns selbstverständliche Grundwissen. Aber wer weiss, vielleicht dreht sich ja doch die Sonne um die Erde? Wie aufgeklärt wir sind mit unseren Blickwinkeln aus Westen. Ein paar Fässer Öl bestellt, damit die alte Dame nicht erfriert bis zum Frühling. Bei den Behörden angerufen wegen Dingen der Arbeitserlaubnis, natürlich haben dort alle Brückentag. In Österreich sagt man wohl „Fenstertag“? Das habe ich neulich erfahren. Das gefällt mir. Der 7-Brücken-Tag. Getanzt mit der alten Dame, diese im Rollstuhl. Zum Lied „Er heisst Waldemar …und hat schwarzes Haar“. Gestern die öffentliche Häckselabfuhr. Den Sturm überlebt. Fehlen noch Winterreifen und zum Grab schauen, dass dort alles ordentlich ist. Und mal wieder Lotto spielen mit ausgefuchsten Zahlenkombinationen. In einem Jahr gibt es eine Ausstellung in sehr großen Räumlichkeiten. Vielleicht dort große Zeichnungen, mit viel Zeit im Nacken, ein Portrait pro Monat, das wären dann 12 Portraits bis dahin. Üppige Zeichnungen könnte man dann nach Ende dieser Show einrollen. Malerei auf Leinwand hingegen müsste später wieder in der Garage gelagert werden. Aber dort sind ja die Mäuse.
Lep Top
Arbeit,
fuhlsbüttel
es ist gerade immer so ein vorbeigleitschirmen. schnurren der lüfte des lebens. zeitmaschinendinge. hie die kirschkern, dort die afghanen. und am waldrand die alte dame und ihre verwaltung.
die verwaltung der knapp noch minderjährigen kirschkerndinge, die verwaltung der knapp noch minderjährigen jungsdinge, die verwaltung der dinge und belange der alten dame. mitsamt deren betreuungsvorgängen. sämtlich supervisionen. es soll ja alles laufen und allen gut gehen. die tage VERgehen, sie streichen brummelnd übers öde gelbleuchtend langweilige indianerland. und ich gönnte mir einfach abends eine bildproduktionslose sträuselzeit, stattdessen die in neukölln aus dem 2. bombenkeller jüngst geretteten zeitschriften hier am waldrand einfach mal so in ruhe anzusehen.
von 1972, es gibt darin zu sehen vor allem jede menge wesen mit busen dran, ich erinnere, wie ich in den ferien bei meiner geliebten OMI in fuhlsbüttel süchtig war abendlich nach diesen STERNs und im besten falle QUICKs, weil man dort studien betreiben konnte übers aussehen von weibchen. als 11-jähriger. heimlich. und wie rührend diese bilder von damals aus heutiger sicht erscheinen. harmlos, gutmütig. fast schon visionär. dahinter lockte entspannt eine bessere welt, eine art wiese mit streuobst ohne würmer, in der es allen gutginge und im sommer machte man FKK und mochte die menschen, von denen jeder und jede FREI war und entfaltungsnaiv.
die zufriedenen alten schenkten den enkeln 20 mark zu weihnachten und starben mit 65 und das war normal so. der VW-käfer kostete knapp 6000 mark. ein citroen DS um die 12 tausend.
und wie bunt die autos waren, nicht so grauschwarz mattiert und böse dreinschauend wie heute. viel deodorantwerbung mit blümchen und FCKW oben ohne. oder FA-seife. oder schmalfilmkameras. instamatic pocket von kodak zum knipsen. man fotografierte ja damals nicht, sondern knipste. am strand oder gotthard. im hintergrund soziale marktwirtschaft, bildungsdurchlässigkeit und ein häppchen kalter krieg hinter den Koch-Seiten. vor dem kreuzworträtsel.
habe ein problem, wie immer, mit diesem dödelherbst. alle um mich herum raunen anschwellend nun wieder kollektiv uebergluecklich „uargh…, wie warm ist DAS denn, so schön!“.
Nicht ich.
es soll endlich die restblätter wegstürmen und draußen ungemütlich sein. /einuhr-dreissig: insekten in badewanne, gleich vier stück. hier jedenfalls sterben keine. hier sterben mäuse.
Ruhe, Ruhe und nochmals Ruhe

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Und heute Abend also eine kunsthistorisch angefragte Provinienzienforschung. Nach ggf. Dachbodenkorrespondenzen. Voilá, „atelier rauls“, mit Hans-Jürgen Müller, Harald Alexander Rogler und Klaus Burckhardt. Stuttgart, späte 1950er. Es war wohl eine gute Gegend damals. „Ruhe, Ruhe und nochmals Ruhe (…)“, so schrieb Ida Kerkovius auf einer Postkarte an meinen Vater. Ganz mein Ding. Dazu Eröffnungsreden divers, auch von Helmut Heißenbüttel anläßlich Attila Biro, G.C. Kirchberger, Georg-Karl Pfahler und Friedrich Sieber. Die erste Stuttgarter „Zimmergalerie“ in der Rosenbergstraße 123. Lang lebe die Recherche staubiger Kisten. Ein Tischchen der Galerie von damals steht noch heute in meinem Atelier zur Ablage von frischen und ggf. noch untrockenen Bildwerken aus meiner sich offenbar immer gelegentlich verspätenden Feder. Mir egal.
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Vorsicht also beim Gang aus dem nächtlichen Atelier hinaus, wenn man die kleine süße Vorgartenrose am Rande des einst vor langer Zeit geplanten Swimmingpools, die es blütenmäßig dem nahenden Spätherbst trotzend nochmals wissen will, mit nächtlichem Pipi küchentischbiologisch emotional verklärt zur Wurzel hin supporten will: Man könnte unachtsam über Feuersalamander stolpern und diese dann tottreten, obwohl die ja nun rein garnichts mit den Belangen der Rose und deren Herbst zu schaffen haben.




