
(um 1340)
„Ich kann da immer ganz ruhig sein, ich habe den Herbst auf meiner Seite. Im Grunde bin ich Nachsaison.“ /wunderbar, hier, im hermetischen Café von Herrn kid37.

(um 1340)
„Ich kann da immer ganz ruhig sein, ich habe den Herbst auf meiner Seite. Im Grunde bin ich Nachsaison.“ /wunderbar, hier, im hermetischen Café von Herrn kid37.
Das erste Mal in diesem Jahr habe ich mich nun drei Wochen lang durchgehend an ein und demselben Ort aufgehalten. Und es gab eine Zeit, da war auch ich in jedem Jahr auf der Buchmesse am Main, dabei lese ich gar nicht, zunehmend sogar noch weniger. Ich habe ein Gelübde abgelegt, damals nach diesem jugendlichen Vorfall, dass ich niemals wieder ein Buch lesen werde. Auch habe ich mir nie einen großen Garten versprochen. Man muss jetzt wieder die Blätter rechen, wenn man das will. Und die Türen im Haus bewegen sich nachts vom Wind, der durch die Ritzen an den Fenstern streicht, so dass man glaubt, es sind Einbrecher irgendwo in den anderen Zimmern und Fluren. So viele Einbrecher kann es gar nicht geben, aber vielleicht sind es ja auch Ausbrecher.

(Fundstück, in ausgelassener Laune; v.l.n.r.: Schneck/Darius Gircys/Simone Klages/Christoph Stählin, Cismar 1999)
Und wenn Sie morgen Abend, am Donnerstag, den 7.10.2010 um 19.00 Uhr noch nichts besseres vorhaben und sich ohnehin in der Gegend aufhalten, dann schauen Sie doch einfach hier in der Kulturhalle Tübingen vorbei!
Herzlich,
Ihr Schneck
am lagerfeuerchen
heute einmal mehr die fäuste in den taschen. Es gibt geschehenes, das wird man wohl niemals wirklich verzeihen können, so sehr man sich auch anstrengt. eigentlich verzeihe ich ja ganz gerne, ich bin da nicht der schlechteste, auch völlig undiszipliniert, meine güte. auch ich brauche ja hin und wieder verzeihung von anderswo. und dennoch muss man sich ja irgendwie (irgendwie…) einrichten darin, ohne selbst zu verungesunden. Das ist eine sehr sehr große aufgabe. der fäustliche anruf erreichte mich beim vorzeigen der eigentlich innerhalb der letzten woche recht schön gestalteten räume und einer derzeit fast willkürlich großen vorfreude. Etwas klappt nicht, etwas privates familiäres wird nicht klappen am kommenden wochenende, obwohl ich mich so sehr darauf gefreut hatte und es hat zu tun, einmal mehr, mit den letzten dreieinhalb jahren der gesamtsituation. (das ’so sehr‘ ist ja eigentlich nicht meine sprache, ich versuche das stets zu vermeiden, so sehr es eben geht).
der kirschkern hat früher zu fachwerkhäusern „Karierte Häuser“ gesagt.
und einmal hat sie in jungen jahren ein ganzes friulisches dorf um zweieinhalb stunden zu früh aufgeweckt, da war er ein dreiviertel jahr alt. um 3 uhr in der späten nacht oder am frühen morgen regte sich ihr magen, oder es waren die moskitos, ich erinnere es nicht mehr im detail, und sie begann ein zunächst leises murmeln und seuftzen. Die eltern schliefen jedoch vom guten wein und wollten dies auch weiter tun, wenn möglich. Daraufhin wurde ihre stimme erhabener und sie begann zu weinen. Die fenster in diesem warmen september standen noch offen in der nacht und so hörte dieses auch der erste hahn im ersten hof nahe der herberge, worauf der erwachte, und dachte, es sei schon zeit zum krähen. Sein schüchternes und noch verschlafenes leises krähen weckte alsbald den zweiten hahn im zweiten hofe jenseits der herberge, der seinerseits ebenso sofort dachte, er habe etwas wichtiges versäumt und nun schnell auch zu krähen begann. Der dritte hahn, im dritten hofe nächst der herberge mit den offen stehenden fenstern, der erschrak, da seine beiden stolzen nachbarn bereits zu krähen begonnen hatten und er beschloss, es ihnen sofort gleich zu tun, um nicht hinterdrein als zu spät gekommener dazustehen, vor den hennen. Und der hähne waren hunderte, die einer nach dem anderen es den seinen gleichtat. Das also ist die geschichte, weshalb das kleine italienische dorf an diesem einen morgen um zweieinhalb stunden früher erwachte als gewöhnlich, damals, und zwar wegen dem kirschkern.
man könnte das auch noch schöner beschreiben und dichter. dichter können das. ich jedenfalls putzte morgens müde die zähne im bad über dem waschbecken und da saß ein sehr kleiner junger noch durchsichtiger skorpion im porzellan, der mir schon drohte wie ein großer.
Und vorgestern hat sie mir dann ganz bescheiden am telefon mitgeteilt, dass sie jetzt zur klassensprecherin gewählt worden sei. als ich daraufhin gratulierte und jegliche anerkennende freude aussprach, da wollte sie das nicht hören (*pikiert*: „Papa!!!“). können sie sich vorstellen, wie stolz mich das dennoch, nebenbei, macht, auch? wahrscheinlich ist es eben auch ihre notgedrungene ’soziale kompetenz‘, die sie ohne diese – ihre – ganze geschichte der letzten dreieinhalb jahre (nunmehr) so nicht erlangt hätte. immerhin, vor drei jahren lebten alle beteiligten noch in Berlin und keiner redete von irgendeinem Weggehen. hoch also das patchwork, liebe jungeltern, am besten republikweit, da lernen die kinder noch etwas und zwar so richtig und fürs leben!
/andererseits ist es seltsam, wie viel sich im archiv befindet, da könnte man, ich, ja hallen füllen. Und dann notgedrungen und behutsam auch der blick auf die eigene vita. Man muss ja nicht immer das neueste an- und ausstellen, auch älteres war da teilweise ja schon besser, hier und da. ein völlig neuer blick auf’s Selbst mitsamt geschichte und erstmals gibt es auch dinge, die unverkäuflich sein werden, „privatbesitz“ heisst man das dann (süddeutsche sprachstellung). Ich muss mir wohl ein größeres, ein sehr großes, atelier suchen, monumentalität hat mich wirklich nie interessiert, aber jetzt tut sie es plötzlich und ich weiss noch gar nicht, warum eigentlich. monumentalität ist auch immer blendung vorbei am eigentlichen und schließlich geht’s ja um’s Eigentliche, worum sonst, oder etwa nicht?
/Da war dann noch eine eröffnung, gemarkung lebenswerk, hier, von ihm. Und ich bin ganz schnell nach hause gegangen, aufgrund der eigentlichen qualität, das gesehene ist wirklich fast peinlich (mein verständnis ist in der regel sehr groß!) und dies trotz rotlichtiger angebote. Es ist wohl der eine moment der historie gewesen, der seinen ruhm begründet, vielleicht ein glück für ihn, vielleicht auch ein schwein. Es ist immer viel glück mit im spiel und die richtigen zufälligen momente und auch viel abwesendes glück (was nicht mit unglück gleichzusetzen ist, auch nicht mit schweinen. ich kenne so einige zwielichtige fälle!). Bisher hatte ich bescheidenes glück, aber man soll sich ja immer auch bedeckt halten bezüglich der insgesamt glücklichen zusammenhänge mit schweinen im halben gesamten./
das wichtigste im leben (und darauf freue ich mich stets!) sind schließlich die Ausnahmen und der Rock’n Roll.
(und darüberhinaus, pardon, ein kirschkern, ein wahrer hirschsprung.)

Während eines ausführlichen vormittäglichen Fußweges entlang einer Landstraße stellte ich mir heute vor, wie es wäre, würde ich einen an der Leitplanke abgestellten und mit fahrig herausgerissenen Grasbüscheln notdürftig getarnten Lösegeldkoffer, voll mit gewaschenem Gelde, auffinden. Und beim Anmichnehmen des Koffers, so stellte ich mir weiter vor, würde ich aus einem Versteck heraus beobachtet werden.
/(es ist nicht das radlager links vorne, es ist die antriebswelle rechts.)

(Foto: Beweisfoto)
ich finde solche fotos ja sehr… wie sagt man: stark. für mich sind sie wahr, Echt, jenseits eines beweises. Und damit schön. sie haben jene Aura, die ich so mag. der tatort-künstler heute abend, der Arme, ein gemisch meese/bock. eine solche galeristin Würde mir auch gefallen, als galeristin. der sammler war in ordnung, ebenso assistent und muse. Als kommissar (natürlich geschieden, kind etc.) würde ich mir auch gefallen. schließlich kann man mir nichts mehr erzählen, ein schöner zustand. den musen und schamanen glaube ich nicht, ein schöner zustand, endlich. wasser, wolken, seen, bäume, himmel und asphalt. straßen sind ehrlich, wo sonst wird man noch geblendet? /und was kommt jetzt? danach?
…verschenken eröffnungskarte –> x, gültig für 2 personen. das ganze am mittwoch, den 6.10.2010 ab 18.00 uhr. bei interesse mail an schneck, der/die erste kriegts. :)

An meine zwei großen Sonnenbrände kann ich mich gut erinnern. Der erste große Sonnenbrand in St. Peter-Ording, da war ich neunzehn. Ich war von Stuttgart aus mit dem Zug nach Brunsbüttel gefahren und mein Plan ging dahin, immer auf dem Deich entlang bis zur dänischen Grenze zu laufen. Das war natürlich ein zwar originelles, jedoch ziemlich langweiliges Unterfangen, so alleine mit Rucksack auf dem Deich und um einen herum nur blöde Schafe, verlassene Schlickbagger und Zielübungen der Bundesluftwaffe. Also ein willkommener Pausentag am Strand, unterkommen konnte ich in der alten kleinen Kate mit Reetdach und mit den Landserheften im Regal überm Bett bei der blinden Tante eines Schulfreundes, der viel später Netzkunst machte. Ich lag also am Strand in der Sonne, der Wind blies, wer kennt das nicht. Endlich braun werden. Bereits zur Tagesschau fing der Schüttelfrost an und dieses Brennen am ganzen Körper. Kein Liegen mehr möglich, Schwindel im Stehen und Übergeben. Nach etwa 8 Stunden konnte ich dann irgendwie einschlafen und schwor mir: Nie wieder!
Der zweite große Sonnenbrand dann, ähnlich im Verlauf, in Mobile, östlich von New Orleans gelegen und Jahre später (Katrina hat dort zwischenzeitlich verwüstet und heute liegt das Öl von BP im Sand). Endlich mal ein bisschen richtig amerikanischbraun werden. Und natürlich Hey, wir sind in den Südstaaten am Beach, wir sind erfolgreich, wir rauchen WINSTON, Bill Clinton ist Präsident und es weht eine schöne Brise, ist das cool? Das IST cool!. Im Motel nach Bud und Burger dann aber keinerlei Love unter dem Deckenventilator (Perspektive), stattdessen die Stecknadeln überall und das aufkommende Fieber, das Sanktpeterordinggefühl, die Hitze, die Erinnerung, das Schwitzen und das nicht Stillliegen können. Eine ungekannte Übelkeit, verbunden mit dem großen Wunsch nach: Scheiße, ich will nach Hause!.
Immerhin ist das mit dem großen Sonnenbrand ja so wie eine richtige Verbrennung, auch medizinisch gesehen, soviel ich weiß, oder?
Nach dem ersten habe ich die blödsinnige Wandertour abgebrochen, bin mit dem Zug von Heide/Nrdfrsld. über Hamburg durch die DDR nach West-Berlin gefahren. Dort war ich dann das erste Mal im Yorckschlösschen mit Live-Jazz, was ich toll fand, denn das ganze Leben stand sperrangelweit offen.
Nach dem zweiten fuhren wir weiter nach Chicago mit dem Zug, von dort nach Seattle und dann nach San Francisco und dem ganzen Kalifornienkram. Zurück in Deutschland war die Beziehung beendet mit einem Sprung aus ihrem Fenster meinerseits.
Der Grund, weshalb mir das gerade heute so vorbeimarschiert, ist dieser (Vorsicht, langsam anklicken): –> x. Und dieser: –> x.
Nicht ich, aber jemand Nahes, der sich sein Leben lang in die Sonne legte und warf, wann immer es nur ging. Und zwar mit Recht. Jemand, der immer schön braun sein wollte und das auch war und der heute operiert wurde. Es gibt natürlich wie immer noch Schlimmeres, aber ich hoffe das Beste, nicht ohne Sorge ohne Grund, Gründchen.
/und wie ich späte bestätigungen so gar nicht mag. diese/jene, zeigefinger.