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schatz und straps

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wollte doch jetzt mal noch was kleines schönes schreiben, der brotritt z.B. nach osten am vorabend mit westcoast-hillibilly baladen und teppichen voller guitarren, die drängellimousinen heute in quarantäne (oder schon beatmet?), oder offenbar offensichtlich sichtlich bemüht, oder alles nur Zufall wie immer. innere lagerfeuerchen lodern und bald trag ich gewiss hubertus ohne pickup mit kunsthornknöpfen. aber so einen kleinen lada-NIVA mit mir darinnen, besser noch: UNS, dazu hängerkupplung und guter laune? – und dann wieder die guitarren oder rembetiko oder balkanbrass. /wollte doch noch etwas schönes kurz schreiben, mit einem kind einen schatz im wald vergraben habe ich, er hat auch noch etwas beigefügt, etwas „wichtiges“, was ich nicht erläutert oder zu sehen bekam. wollte ich auch gar nicht, denn der zugehörige papa beginnt gerade neues leben ende fuffzig mit 30-jähriger im colonial-style, irgendwo im hochland jenseits von europa und reife. wichtig an klischees ist ja deren immerwährende wiederholung in schleifenbestätigung: „glaube, sex, hoffnung“, dabei vermutlich weniger an liebe. so geht das nicht, lieber vater. das sag ich dir, der ich durch diese temporärhölle ja bereits gegangen bin, vor langen grauen vorzeitfensterchen, nur mit umgekehrten geschlechtsteilen mitsamt transmitterstöffchen. und genau diese geschichten sind ja die immerwährenden streikbrecher, die – einer auf hundert – der männersache schaden, indem sie die mühsam aufgestapelten hölzchen mit einem hau zum einsturz bringen. der eine reicht, seit hundert jahren. dabei sie kokettieren mit ihrem vatersein, genau so, wie jene MASERATIS, die mit geborgten schwänzen wedeln, denn wenigstens EIN geschlechtsreifes WEIBCHEN wird schon dabei sein, was das dann toll findet und begattenswert ihre kehrseite präsentiert. /das schatzvergraben hingegen war eine große freude, niemand hat beobachtet, lediglich bussarde in vorbereitung des winters waren zeugen. der klumpen liegt tief genug im lehm, mäusesicher und so verpackt, dass für die kommenden 200 jahre gut und trocken vorgesorgt. es existiert diesmal sogar eine schatzkarte auf säurefreiem papier, jene im schraubglas (Barilla) und ebenso versteckt an verschlüsselten orten gänzlich woanders, an die sich bereits keiner mehr erinnern wird, wenn der dritte schnee ins land gefallen ist. /etwas schönes wollte ich noch kurz schreiben, auch, weil ich so dankbar bin, wie immer, einmal wieder gut angekommen zu sein nach diesen zweidreiviertel stunden autobahn, ohne dass LKWs auf mich kippten (oder maseratis) und ich mitsamt meinen hormonen und lustknochen zu verbrennen anfing deretwegen. und weil ich während meiner abendlichen fahrt und den zugehörigen gedanken hoffte, dass DIESES kind unbeschädigt bliebe, auch wenn nun seine unbedingte kindheit jäh beendet ist, in den überseegebieten. /schöpfung könnte man, pardon lieber gott, ungeniert nachbessern sowie fehlgeleitete nervenchemien, die den sachen schaden und den menschen obendrein: es genügte doch vollkommen, wenn man brüste, anderes geschlechtszeug und jenseits dessen kinder mögen würde, ab und an dann ggf. strapse und sonstige schlüpfrignässe dazu, sodann schätze und strapse verpacken sich vornähme und mit den aus vorgenannten reizen ja schließlich entstandenen nachkommenden NOCH kleinen Menschen beim schatzvergraben einen heidenspaß haben könnte, so reich auch am weltgedächtnis eigener SCHRANKwände im globalsystem. danach – wenn jene zu bett – am abend gerne abermals küssen und lieben und sich später unterhalten in schönen hochwertigen bademänteln, gerne bunt, am öfchen. der LADA in garage, der arsch gewärmt. dann gläschen wein oder regionalen obstbrand (birne/apfel), sich die hände halten zart und in das spiegelnde auge gottes zu blinzeln sich traute. während die kinder von den weiten der serengeti, die nicht sterben darf, träumten und fliegenpilze zertreten.

30.9.

„Es KÖNNTE also sein: Hinter der Tür im Auto nebenan, an einer Einfallstraßen-Ampel im nächtlichen (ausgerechnet) Dingolfing-Landau ein Wien-Heimkehrer mit Löse- oder Schutzgeldkoffer der risikofreundlich subadriatischen Erntehelfer-Mafia beispielsweise. / und nur, weil diesen Koffer zuvor ein junger madrilenischer Doktorant – seit Jahren übrigens ohne Chancen auf heimische Jobs und daher migriert wer weiß wohin mit Europabart – den seine neue biodeutsche Freundin, ein junges Ding aus Hamm mit Einser-Abi, die den 18. Geburtstag eines ihrer Halbbrüder vor 10 Tagen für 1,5h besucht hatte, in ein Gebüsch nahe Celle geworfen hatte, ohne sich die Hände gewaschen zu haben oder den Griff des Behältnisses desinfiziert, welche (die, ihre Hand) sie zuvor in einem Anfall von Sorglosigkeit zur Begrüßung dem stellvertretenden Leiter des ebenso anwesenden Gesundheitsamtes von Celle gereicht hatte (Bezug?), der ebenjene (Hand) ebenso sorglos annahm, da er in seiner Rechten ein halbes Glas badischen Likörweines hielt (und ohnehin schon immer einen Dreh zu jüngeren Frauen hin hatte), welches ihm von der gestandenen französischen Servicekraft gereicht worden war, dieser ein Mann im besten Alter, oben Haare, untenherum keine, gebürtig Haute-Alpes-Provence, der gerade vom Besuch der goldenen Hochzeit seiner Ex-Schwiegereltern zurückgekehrt, mit denen es nach wie vor verbindende Nuancen gab, gottlob, auch wenn alles nicht so einfach war, da es über die Besuchsregeln für die gemeinsamen Zwillinge noch rechtlich europäische Unstimmigkeiten auzuhebeln bedurfte. (…) / A. begann plötzlich zu husten, B. reichte liebevoll ein Taschentuch und ließ den Koffer diskret hinter der Verandatüre verschwinden, um sich danach an die Nase zu fassen und ihre Brille, im Übersprung wie immer, zurechtzurücken. Ein kurzer Blick auf die APP meldete keinerlei Risikobegegnungen, also gab sie Gas. (Wer jetzt eigentlich?) Mit Koffer. Nach Westen, wie immer. ER immer nach Osten. Und SIE immer nach Westen. Typisch. Heute mit einem Aluminium voll von politisch entzweigtem Geld, dessen Verwendung noch zukünftig unklar, ggf. Heizpilze en gros? / Ggf. Autobahnen in Ungarn, Struktur Kalabrien, Ausbau Polarkreis. / Auch der Motor hustete. Wie alle, stets sinngemäß, wenn es um irgendwas ging. Und niemand wusste, ob er den anderen je wiedersehen würde oder nur die App notfalls küssen oder eine Hand halten würde können, wenigstens eine kontaminierte. Oder einen Sarg, ich könnte heulen.“

11.9. key west anstatt zeichnen porto

Wenn ich mich selbst pflege, dann nicht etwa so, wie mir verordnet. Ich ziehe keine Schuhe an, die mir verordnet von mir oder dem Schuster, auch kein geziemliches Oberteil geschweige Polo. Ich schreibe nicht das, was mir verordnet, noch schaue ich Dinge, die mir verordnet, oder esse solches noch lese ich ebendies. Ich gehe auf verbotene Hochzeiten, esse geächtetes Obst, schreibe schlecht formulierte Briefe, die ich abschicke mit absichtlich 5 Cent Porto zu wenig. Ich packe verbotene Päckchen, fasse an leidlich verbotene Stellen, an verbotenen Orten in größeren auch international verschrienen Verbotsbereichen. Ich soff einst Diesel und kaute Feinstaub. Ich ging in den Forst, dorthin, wo die üblen Dinge sind. In den wuchernden Wald der Unwahrheiten, die mir lebenlängs in meine von mir erfundenen Arme fielen. Ich holte Milch am Arsch der Welt, kaufte Eier in der Bronx, legte Blumen ans Grab von Verbrechern und verpfiff junge Igel und Salamander vorm jüngsten Gericht. Mein bester Freund heißt sich „Mohr“, ich lese Rot für Blut, Braun für Gallert, Gelb für Dung. Mein Grün ist bestechlich, mein Blau braucht immer Geld. Meine Liebe war nie Hafen, mein Sex war stets in Beige. Meine Kornfelder sind erlogen und meine Gewitter erstunken. In Key-West zeugte ich sechs Kinder, in Tanger Zwillinge dazu. Was blieb mir übrig. Meine Liebe so unehrlich wie mein Humor, der immer fehlte. Ich bin unbestechlich, das ist meine Rache. Heute ist das anders, man könnte vielleicht wieder ausreichend frankieren und in’s Altpapier spucken.

Edition „aggro“

aggro

Schilder-Edition Nr. 14, Titel: „aggro“, Jahr: 07/2020, Maße: 7x 20cm, Technik: Email-Schild handgefertigt, unikatärer Charakter, grundemailliert, allseitig gewölbt, mit 2 Befestigungslöchern, Vorderseite Grund weiß, Schrift rot (leicht erhaben), Auflage: 20 Stück, Rückseite nummeriert, datiert, signiert

mehr: >>> hier.

Mit den besten Grüßen, Ihr Schneck

14.7.2020

"aggro"

die stechmücke weiss ja gar nicht, warum nach ihr geschlagen wird. das fiel mir heute beim halbherzigen verfehlen ein.

selbst die zecke, die niemanden ernährt, folgt einem schöpferischen muster. ebenso leute auf der welt.

schrieb heute eine nachricht an den freundlichen /selbstständigen und für mich zuständigen versicherungsvertreter:

“ … anlässlich der corona-dinge und dem zusammensein mit festangestellten masken/abstands-nörglern, die im falle einer ansteckung selbstverständlich in den gemeinschaftlich bezahlten krankenstand wandern können und derzeit ohnehin die über steuern aufgestockte kurzarbeit genießen, ergab sich bei mir in diesen tagen die frage: was ist eigentlich, wenn ich mich als (besteuerter) freiberuflicher solo-selbstständiger mit C. anstecke und 5 wochen ausfalle? oder ich – wegen positiver kontakte mit feiernden mallorkinischen betrunkenen (ggf. kurzarbeitern), denen es langweilig ist nach all‘ den entbehrungsreichen wochen etc. – in quarantäne mich begeben muss? gibt es eine meiner versicherungen (unfall, krankentagegeld? etc.), die das bei mir irgendwie auffangen würde, wenigstens ein wenig teilweise? ich wollte einfach mal kurz bei ihnen nachfragen, bevor ich mich durchs kleingedruckte mühe. aber nur, wenn sie zeit haben! *smiley*(…)“

ein paket nachmittags vor der türe, die neue edition endlich, fabrikfrisch. und sogar in ROT, ein wagnis die farbe, erstmals, ganz schlicht und im grunde ja wirklich nichts neues, so rein inhaltlich. aber nun auf der welt in emaille, 7x20cm, allseits gewölbt, auflage 20, beidseitig gebohrt, der preis wie immer. schon lange gewesen in einer kleinen unwesentlichen ecke von meinem kopf, eher immer hintenan aber stets präsent. ich freu‘ mich, die offizielle bewerbung (product) wird folgen.

/foto zeigt sneak-preview im vorabendlichen garten, in den zweigen des mäuseweihnachtsbäumchens* (@alte dame/kirschkern), der in diesem jahr unglaublich satt austreibt. /einst übrigens von ganz alleine sich ausgesäht habend am waldrand.

(*.den würde ich mitnehmen.)

ist so eine stille aggro-zeit. schlimmer fast noch, als wenn sie laut wäre. innerlich wie im außen. ganz leise und überall. wann könnte das denn endlich mal wieder aufhören.

„Wählt!“

Wählt!

„Wir begutachteten also, bewaffnet mit Herz, Maske, Hirn und dem kleinen Untersuchungsbesteck die bauzeitlichen Farbigkeiten einer Ansammlung von Mietshäusern für den sozialen Wohnungsbau, gesamtkörperlich erstellt in den Jahren 1924 bis 1929. Die Fassaden, Fenster und Eingangstüren hatten wir schon vor Corona in der Kiste, gestern nun waren die Treppenhäuser und alle inneren Bauteile an der Reihe. Sehr spannend und polychrom alles, gepaart mit Mut zur Farbe. War ja alles noch vor den Dreißigerjahren gewesen. In Ermangelung einer Toilette sieht man sich dann in der Gegend um, wo denn ein schneller Austritt möglich sei. Eine alte Sandsteinmauer trennt dies Wohnquartier über die Straße von den etwas dahinter liegenden Gleisen der Fernbahn, eine Ansammlung von Mischwinkeln mit Gebüsch, ein paar Parkplätze, das alles wenig frequentiert und wenn, dann hauptsächlich offenbar von Hundebesitzern auf der Suche nach Orten für’s große Geschäft der Vierbeiner oder abendlich besoffenen Stehpinklern, ggf. Übergeben. Nachts zudem eine dunkle Ecke für Vergewaltigung und Meuchel und ein passender Ort, um gerade geschaffene Leichen abzulegen. Ich war also so mutig, mich auf den metallenen Zehenspitzen meiner Sicherheitsschuhe kurz dorthin zu begeben am hellichten Tag, um schnell mal zu pinkeln. Und schaute beiläufig auf diese Wand, diese Mauer, auf der ich dann nach und nach Buchstaben, einst mit wahrscheinlich Ölfarbe oder einem frühen Kunstharzlack in dunklem Englischrot in wohl seinerzeit nächtlicher Eile aufgepinselt, wahrnahm. Und traute meinen Augen kaum. Dort steht – bis heute – „Wählt H…..“. Ich bin mir sicher. Auch nach meiner verblüfften Nah- und Nachschau. Sicherlich war auch noch ein Ausrufungszeichen hinten angefügt. Die Mauerfugen dienten als Schreiblinie, wie praktisch. Den ganzen Rest des Arbeitstages beschäftigte es mich, dass also dort, an diesem kleinen verwunschenen Ort, seit spätestens 1933 bis heute auf einer alten Mauer steht „Wählt H(…)!“ und niemand hat es in all den Jahren und nach Millionen von Toten irgendwann einmal für nötig befunden, diese Botschaft zu entfernen. /Vielleicht aber ist es ja auch richtig so. Es ist immerhin ein Primär-Dokument, das überliefert und nicht zerstört ist. Das ist ähnlich, wie bei anderen Denkmalen, die kamen und gingen über die Jahrhunderte. Halte wenig, abgesehen von ein paar Ausnahmen, von äußerlichen Bilderstürmen, wie sie gerade ja wiederentdeckt werden. Ich war auch stets westvehement gegen den Abriss des Palastes der Republik, was für ein Fadenschein vor 15 Jahren. Die Fähigkeit rationalen Denkens sollte sich der Möglichkeit, vergangene Dinge und Geschehnisse „auszuhalten“ und einzuordnen, doch an die Seite gesellen. Ich glaube, nur so lassen sich Verbrechen wirklich bekämpfen. Auch wenn auch ich mich manchesmal schwertue. Man muss ja keine Blumen niederlegen vor Mördern. Aber ich bin kein Richter. Wer tot ist, wird verherrlicht. Auch ein toter Richter. Wer aber gefangen weiterlebt, muss Taten und Weiterleben angesichts ertragen. Auch Statuen aus Bronze. Mitsamt aller Anbetenden. Die Rache allerdings, ihr Gefühl über sich, die ist schon groß. Ich kenne das. Und je mehr passiert, desto größer wird sie. Ich weiß allerdings nicht, ob mein Vater noch etwas von meiner Rache für ihn hätte. Das ist eben das Ding. Und seit Dekaden empfinde ich denkmalpflegerisch.“