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wanderer

einen äußerst netten patriarchen kennengelernt. „die leute sagen, nein, wenn ich erwachsen bin, dann will ich nichts mehr lernen, das hab ich ja als kind schon getan“. ich muss unbedingt einmal wieder wien besuchen, allein schon wegen der sprache, aber keinesfalls nur deshalb.

béziers

dorffest. auch hier hat sich einiges geändert. goa-freaks als väter betrunkener töchter, die nach berlin wollen mitsamt zungenpiercing. so sichtbar die lebensalter und wie schnell das alles geht. manche kenne ich noch als kleine kinder, als ich selbst noch halbergroßes kind war („he, wir sind zusammen konfirmiert!“). viele schnauzer. jetzt haben sie einen handwerkerranzen vor sich, alles gelaufen. haus, geschäft, kinder, benz, bier, fertig. in der lounge (feuerwehr) tanzt der maier zu HIGHWAY TO HELL. der hat die säge gehabt hinten am traktor, schon damals drei finger ab. alles so eklig. alles tatscht, alles fasst mich an. ich will weg, aber ich habe keine ahnung, wohin. ein ganzer abend und nur zwei paar augen, die mich interessieren. so sichtbar geschissen. bei aller sympathie und menschenliebe. ich hab so viel verachtung, wie nie früher. das war früher nicht so. ich möchte mal wieder lieben. geht nicht, gar nicht, zu viel verachtung. ekel. und wenn ich mein kind sehen will, dann muss ich heute in diese beschissene tortursiedlung fahren. das werde ich tun! und alles tatscht mich an, ich hasse das, ich mag nicht mehr angefasst werden. béziers hieß der ort mit B, in südfrankreich.

irgendwas mit B

„liebes tagebuch, heute ist keine gerüststange von oben gekommen. Auch der organist hat nicht geübt, sehr zur freude des kollegen. Die ersten beiden pläne der hintergünde sind in reinzeichnung fertiggestellt. Nun kann man die farbigkeiten, die noch zu erkennen sind, einzeichnen. Der kollege hat ein mikroskop mitgebracht und das detektivspiel hat begonnen. So, wie es aussieht, werden wir herausbekommen, wie sich alles in dieser ecke der kirche einmal verhalten hat. Es ist der letzte winkel, der noch niemals untersucht wurde. Mein zweitberuf macht mir spaß. es ist nicht so, dass mir mein zweitberuf keinen spaß macht. Gegen 10.30 uhr kam ein schmetterling in unsere düsternis geflattert, die scheinwerfer hatten ihn angelockt. Ich habe beschlossen, ihn zu retten, was mir auch gelang mit eimerchen und pappe. Ich habe ihn hinausgetragen und fliegen lassen und die pause natürlich genutzt, um schnell eine zigarette zu rauchen. Er ist noch ewig um mich herumgeflogen, ich habe das als kleines dankeschön gewertet. später dann kam eine dicke fliege angeflogen zu den scheinwerfern, aber diese habe ich nicht gerettet. Wer rettet schon wesen, die einem, wenn man kaum fünfzehn minuten tot ist, schon ihre eier in die augen legen? Dann hat der kirschkern angerufen, vom mittelmeer. Wo sie seien, habe ich gefagt. Sie meinte nur „keine ahnung, irgendwas mit B…“. seither bin ich am grübeln. Es sei schlechtes wetter und es gebe tausende von stechmücken. Die bedieneriche bei hildegard im eiscafe wissen immer schon, was ich will, eine handbewegung genügt. Auch der kollege hat heute einen espresso getrunken. Wir haben beschlossen, heute eine stunde früher aufzuhören, wegen des tollen wetters. Wir haben dann eine stunde früher aufgehört, wegen des wetters heute. Ich war dann wieder bei karstadt, aber die kassiererin war nicht dort. Das neue programm für meinen computer könne ich auch herunterladen, dann würde es nicht 29,90 kosten, sondern nur acht euro, da ich meinen computer nach dem dritten juni erworben hätte. Das hat nicht geklappt, weder diese logik noch das praktische daran habe ich verstanden. Ich habe stattdessen ein kleines sommernickerchen gemacht und bin dann noch in ein restaurant gegangen, wo die hübsche tchechische bedienung immer so nett mit mir ist. Dort habe ich einen salat gegessen und ein bier getrunken. Sie sagt immer, sie würde alt. Jetzt sitze ich wieder auf meiner kleinen alten altane und es weht ein wenig wind. Aber es ist ein warmer wind, ich mag das ja sehr. Ich brauche dringend ein wieder rundherum funktionierendes atelier, nicht nur arbeitstische hier und da. Im öl kann man nicht schlafen. Ich solle mir zeit lassen nach dem allen, sagen immer alle. Will ich aber nicht. ich habe keine zeit. Die lager sind voll, die galerie verkauft. Ich aber will neu. Jetzt briest es mächtig auf hier. Soso, der letzte sommertag. Sei das heute. Mützenzeit. Ob wohl der kirschkern beim einschlafen in B. das meer hören kann in seinem patchworkzelt? Große wellen und keine quallen gäbe es.“

plong

„liebes tagebuch, heute ist eine gerüststange von oben gekommen. Sie machte „pling plong pling plong“, die ganzen vierundzwanzig meter auf ihrem weg nach unten, während sie mal mit dem einen, mal mit dem anderen ende ihre noch horizontal verkeilten genossinnen touchierte. Gerufen hat niemand von oben, zum beispiel „vorsicht!!!“. Der arme boden zum schluss. Dann habe ich angefangen mit den zeichnungen der aufgemalten hintergründe. Zwischendrin war ich draußen zum pinkeln und zum telefonieren wegen der tortursiedlung, aber im sekretariat ist keiner da gewesen. Dann habe ich bei karstadt ein großes geodreieck gekauft und noch ein bio-müsli, weil mich die eine kassiererin schon ein paar mal angelächelt hat. Ich bin schon schön weit gekommen heute mit den zeichnungen. Ein paar spinnen, die sich schon wieder ansiedeln, habe ich einfach leben lassen. Manchmal hoffe ich, dass im rot an den pfeilern kein zinnoberrot drin ist, wegen dem staub bein reinigen. das Blau ist wohl azurit. Nachmittags habe ich mir ein nusshörnchen gegönnt. Die kleine baustellentoilette stinkt wie die sau. Die zimmerer oder die steinmetzen rauchen… dann auch noch dort. Dafür stehen die fenster zum gegenüberliegenden hörgeräteladen immer sperrangelweit offen und man kann mit den praxisgehilfinnen mit blauen hosen hin und her gucken. Lieber eine brille, als ein hörgerät. Brille ist normal, hörgerät ist behindert. Der guitarrist hat wieder so schön gespielt, ich hab ihm nochmal fünfzig cent gegeben. Mit felix und michael von der antiquariatsbude geplaudert, das ist immer nett. Letzte woche habe ich mir dort einen katalog über otto-herbert hajek gekauft, von 1974. ein schönes buch mit aufgeklebtem siebduck auf metall vorne drauf. Sollte zwölf kosten, michael sagt acht, ich sage zehn. Ich mag den michael, feiner kerl und hat auch keine million zu hause. Mir fällt auf, wie viele leute dick sind und dünn. Alle ziehen sich noch mal sommerlich an, bevor der herbst kommt. Ich bin gespannt, wann ich die lange unterhose wieder auspacke, obwohl es jetzt in der kirche morgens schon spürbar wärmer ist als draußen. Morgens kaufe ich mir immer zwei butterbrezeln beim beck. Dann setze ich mich vor die kirche, bis der mesner kommt und aufschließt. Vorher wird noch eine geraucht mit dem kollegen, der immer an der selben stelle am bauwerk parkt. Jetzt trägt er am morgen schon wieder seine mütze: „mützenzeit“! ich schreibe oft nicht neun stunden auf, sondern acht, weil ich die tage genießen will. Lieber mache ich zusammengenommen eine stunde pause, das ist ja alles lebenszeit. Um viertel vor fünf müssen wir unterbrechen, da um siebzehn uhr die abendandacht ist. Und es lohnt nicht, um halb sechs nochmals die scheinwerfer anzuwerfen, da die kirche auch für uns um achtzehn uhr geschlossen wird. Nach feierabend setze ich mich meistens zu hildegard ins eiscafe und trinke ein bitter-lemon. Morgen möchte ich mir aber noch das snow-leopard-system für den neuen computer kaufen, das kostet 29,90 und der laden hat nur bis sechs auf, wie fast alle läden hier. Jetzt sitze ich auf der kleinen altane der gästewohnung der dombaumeisterin, bei der ich für ein kleines entgeld wohnen kann. Der südturm meiner lieblingskirche ist schön beleuchtet über den dächern nebenan zu sehen, ganz nah. Es geht ein leichtes laues lüftchen, ein schöner abend, weshalb ich dann doch nicht ins kino gegangen bin, das kann man machen, wenn es dann regnet. Das mobiltelefon hat eben geklingelt, aber ich bin nicht dran gegangen. Vielleicht ein fehler, keine ahnung, wer angerufen hat. es war ein schöner tag.“