sense.

Wie konnte jemals irgendjemand auf die Idee kommen, viereckige Teller mit hochgebogenen Ecken überhaupt erst zu denken, dann zu entwerfen, und dann jene sogar massenhaft zu produzieren? Und damit reich werden.

Die Minifliege, die meinen Salat am letzten Mittwoch oder Donnerstag auf einem solchen Teller umkreiste, habe ich verschont, überall ist ja Schöpfung drin und ich wollte mich gewiss noch niemals aufspielen. Fast schon vielleicht etwas zu zärtlich und zugewandt der Fliege dann bedeutet, den Luftraum um meinen Salat zu verlassen. Durch freundliches Hauchen, durch etwas Pusten. Man solle nun aber, las ich, im Herbst zum Beispiel die Wespen auf Essen und Kuchen nicht anpusten, da der dann erhöhte Kohlendioxidgehalt der Luft jene angeblich aggressiv machen würde. Auch hier also eine komische Dramaturgie von Unterordnung, stockholmschem Opferwillen und schräger Akzeptanz des Vorgegebenen. Irgendwo ist dann aber auch mal die Sense. Dachte ich.

Und wegen der Sense sodann: Meine nächste pointierte Intimrasur will ich nun mit einem altmodischen Rasiermesser durchführen, während Rezitation eigener geleierter Aphorismen. Aphorismen und Hühnerpressfleisch aus Krisengebieten. Man sollte nicht über alles immer lachen.

Weiterhin das Vorhaben, künftig in analog und prekär ausgetragene Konfliktsituationen mit voller Granate und furchtlos komplett hineinzugehen. Sehr körperlich präsent, so gut es eben geht, ein Gebot des Alters wahrscheinlich einfach und der derzufolgenden Weisheiten. Nach siebzig Jahren des Friedens haben wir viel gelernt und genausoviel verlernt. Der humorvolle sächsische Steinmetzmeister – einst für den sozialistischen Boxkader angefragt – meinte neulich gütig beim Tee, die jungen Menschen haben hier und heute das Sich-Schlagen verlernt. Er bedauere das. Vielleicht sei das ja der Grund für allzu grausam gewalttätige Auswüchse im späteren jungerwachsenen Alter. Eine nie grundauf erlernte Beisshemmung.

Eine grundsätzlich ähnlich kühne Richtung weisen nunmehr die ekelhaften Gräuelbilder auf Zigarettenschachteln. Auch der europäisch ungehinderte Aufdruck dieser, so dachte ich gestern beim Aufwachen aus einem grundpositiven Mittagschlaf, sind im Grunde eine bodenlose Anmaßung und Unverschämtheit. Und woher das alles kommt, diese werteverändernden Schieflagen.

Schön aber auch, dass sich manche Kreise auch schließen können, denn die Kirschkern wird ab dem kommenden Freitag bei ihrem Vater am Waldrand wohnen und ebendort ihr letztes Schuljahr absolvieren. Das macht sehr glücklich und stimmt milde und von daher sind mir in diesen Tagen viereckige Teller egal, waren sie mir eigentlich schon immer, letztlich genaugenommen.

8 Gedanken zu „sense.“

    1. Die irgendwie beispielhaft ja Zukunft dieser Welt. Schön übrigens, das zu sehen, im Klitzekleinen, das macht in diesen Zeiten auch mal durchaus Hoffnung.

  1. Was für eine schöne Sache, das demnächstige Zusammenwohnen. Das wird sicher fein, am Wald.

    (Hier übrigens glücklich alles nach Wunsch gegangen: In Kürze wird in Dresden ein gar freier Pinsel geschwungen!)

    Und endlich wieder ein Internet. Es ist auf Dauer doch nichts, das analoge Leben. Fehlt nur noch eine funktionierender Fotoapparat, weil ohne Bilder ist es auch nichts.

    Mit besten Grüßen!

    1. Das ist sehr fein jetzt, am Waldrand – die Bude voll jetzt mit Sechzehnjährigen, mitten drin in der Entpuppung. Schön, das zu sehen und miterleben zu dürfen. / Und nochmals Glückwunsch zum Pinselschwingen in DD – und dann sogar auch noch frei. Eine mutige und sehr aufrechte Entscheidung! / Tja, das analoge Leben. Hat ja auch was. Ist immer was los, dort. / Mit ebensolchen Grüßen!

      1. Im Schwärzloch saßen wir, spontanerweis, zum Waldrand im Geiste hinüberwinkend, der Hügel von gänsernen Scharen weiß & schnatternd belagert.
        (Allwo die Küche auch schon amal besser. Ich kann keine Empfehlung aussprechen. Gen Dusslingen hinauf zwei Magenbitter vom ALDI in der Noth).

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