schicksal, spinne und friedrich

mit friedrich dem flieger mal wieder im blauen engel, wir glotzen ab und an dem schönen hintern (apfel) der roten boa hinterher. vor uns das zweite bier, im raum leiser SPD-jazz von cassette. wir sind gerade am generellen wegsülzen, da wird die tür aufgerissen und spinne (graphikdesign) kommt rein. sie bringt einen schwall kalter strassenluft mit und alle werden wieder wach. leuchtend setzt sie sich zu uns und verkündet forsch ihre botschaft: „titten auf´n tisch, jungs, heute wird mal wieder richtig diskutiert!“. und dann fröhlich in siegerposenpause, während sie ihren stoffmantel umständlich über den stuhl hängt: „…und zwar über DAS SCHICKSAL!“. „yep“ denk ich. warum denn gerade heute? aber gut, warum eigentlich nicht, und auch friedrich wird plötzlich wieder gerade und sagt: „ok, SPINNE, dann eben heute über das schicksal an sich!“. er muß es ja wissen, und nach einem langen wichtigen schluck hebt er an: „…spinne, ist nicht der ZUFALL das eigentliche schicksal des schicksals?“. ich bin erschrocken über friedrichs philosophische präsenz, und muß erst mal drüber nachdenken, was er da eben gesagt hat. meine mimik läuft sich warm, das denken könnte interessant werden. die boa serviert die nächste runde auf den tisch, ich sag ihr danke, und denke, er will sie, die spinne, warum auch immer, knacken heute abend und das wars jetzt erstmal. er aber legt aggressiv laut noch einen nach: „…ich möchte nicht in der haut des schicksals stecken, spinne! da wäre ich schon lieber der ZUFALL!“. solch ein satz verdient pause, alles andere wäre fahrlässig. spinne weiß das, dreht ihren kopf in gespielter langeweile in den riesenspiegel an der südwand des lokals und kneift die augen zusammen, während sie mit langem atem und lässigen brauen die schwarze GAULOISES auspustet. sie dreht sich dann langsam um und meint freundlich ruhig und mit gelangweiltem blick auf die boa: „…was für ein schicksal wohl der zufall haben mag…?“. dann ein tiefer blick zum flieger. die gäste am nebentisch fangen an zu schweigen und die kalte strassenluft ist mittlerweile warm gedieselt. friedrich rutscht in ein langsames grinsen: „…der zufall ist das einzige, was kein schicksal hat, genau das ist es ja…“, sagt er, lehnt sich triumphierend zurück und greift sich seine vorletzte NIL. chapeau, und aus solch einem satz könnten kinder entstehen, denk ich mir mal wieder. spinne schläft nicht, gibt seiner genüsslich abgeklopften NIL das feuer, und während sie ihm/uns ihre titten auf den tisch legt und ihre wunderschönen augen zusammenkneift, haucht sie akademisch: „…dann könnte man doch aber sagen, dass es das schicksal des zufalls ist, KEIN schicksal zu haben“. auch sie lehnt sich jetzt zurück, ihr mund steht leicht offen, ihre lippen glänzen vor lebensweisheit, und der flieger ist in der großen klemme. er flüchtet sich aufs klo, und dann, nach einer kleinen auszeit wieder am tisch, ins RELIGIÖSE (hatte ich erwartet!): „JEIN…“ meint er charmant, (und jetzt ganz schwiegersohn), „…die tür hinter dem zufall ist ZU!“. und mit päuschen: „…dahinter stehen lediglich unendliche weiten des kosmos oder der liebe GOTT.“. und nach langem warten dann: …“aber eigentlich haben sie schon auch recht….ZUFÄLLIG…“. das „zufällig“ muß er sich beim pinkeln so hingelegt haben, denke ich erschrocken. sein plötzliches „sie“ hat etwas VERLETZTES. etwas von berlin-blockade oder blauem gläsernem scheissengel. die spinne bemerkt das natürlich sogleich, und schiebt, siegesgewiss, noch ein recht gnädiges „….da ich IMMER recht habe, kann das nicht zufällig sein…“ hinterher. sie ist jetzt voller LIEBE und ihr mantel ist groß und kneipenwarm. der flieger hingegen hat sich nun fast final zurückgezogen. konzentriert sich stur auf sein bier, denkt an das, was er überhaupt noch hat und fragt sich, was das mit dem „schicksal“ denn eigentlich alles sollte. die spinne ist eben alleinerziehend, das könnte der grund sein, lese ich seine gedanken. er wirft seinen blick zu ihr hin, und sagt noch „…das ist eben…“ (und dann mit einem doppelpunkt): „…IHR schicksal!“. und quittiert dies mit einem gelöstem ausatmen und einer kleinen soistdasleben-geste, wendet seinen blick über mich auf den ARSCH der boa und gähnt leicht und verstehbar. wir kennen ihn, er ist jetzt am weiterreiten. die boa bemerkts, sieht ihre chancen und wackelt ein bisschen obenrum zu unserem tisch hin. aber spinne kennt den arsch der boa und greift, mit höchstem risiko, noch einmal an: „…TJA, kann man nichts machen!…“ sagt sie, und schiebt dem flieger ihr knie zwischen die beine. ENDLICH hat sie ihn erlöst, denk ich. und während die beiden dann so richtig losturteln, geh ich diskret rüber an die bar, wo die BOA (dipl.psych.) jetzt sitzt, und denen, die überhaupt noch da sind, ihr neues liebesgedicht erklärt. ich mag sie, und es ist dann doch mal wieder ein schöner abend…

(gewidmet C.Araxe nach einem schönen Dialog auf ihrem Blog www.mmm.twoday.net am 16.11.2006)

10 Gedanken zu „schicksal, spinne und friedrich“

  1. REPLY:
    Ach, was. Ihre Geschichte ist ja sehr nett zu lesen, also beschwere ich mich nicht wirklich darüber. Und ich schmeiß ja meist nicht so mit Buchstaben um mich, so dass das locker mehr hergibt, wenn man denn Zeit und Lust hat. Aber so ein Déjà-vu wirkt dann doch erst einmal irritierend. Und heute, jetzt, bin ich soundso bester Dinge, dass selbst ein Wortmassaker nur ein Achselzucken entlocken würde, aber das gibt es ja nicht.

    Edit: Huch – ein Kommentar ins Leere? O.K. – Sie wissen ja, was Sie geschrieben haben.

  2. REPLY:
    ich will doch niemanden massakrieren! andere vielleicht, aber sie schon gar nicht. wie gesagt, mir hat das heute sehr gefallen, bei ihnen. und aus den sechs sätzchen (drei von ihnen, drei von mir) ein geschichtchen zu bastlen. sollten sie drauf bestehen, das urheberrechtlich zu regeln, so bin ich dabei, selbstverständlich. aber eigentlich war ich bis eben auch bester dinge….?

  3. REPLY:
    Nö, wie gesagt – Sie haben da ganz und gar kein Massaker angerichtet. Und ich werde nun auch kein Massaker anrichten. Die Voodoo-Puppen bleiben im Schrank, Sie können beruhigt schlafen. *g*

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