raedchen

Mein Lauf durch den tiefen Wald gekrönt vom Angriff eines Bussardvogels, ein äußerst großes Tier, dabei hatte ich ihn zunächst noch freundlich gegrüßt. Nach dem zweiten Sturzkampf warf ich einen Stein nach ihm und verfehlte ihn nur knapp. Trotzdem säumte er noch mehrfach meinen Weg in sicherer Höhe. Er verfolgte mich. Wie schnell doch die Urbilder schwarz-weisser Angstfilme Augen am Hinterkopf generieren und das Kribbeln im Nacken. Schließlich unverletzt den Waldrand erreicht. Vielleicht sollte alles die Revanche für eine von mir tags zuvor wahrscheinlich grundlos im Reflex erschlagene Gartenkakerlake gewesen sein. Man weiß zu wenig über solche Zusammenhänge.

Coca-Cola ist jetzt auch regional produziert, denn kurze Wege schützen das Klima. Las ich auf einem Coca-Cola-Laster.

Heute im Kalifat: 3 im Weckla. Mahlzeit.

Vielleicht braucht die Welt ja einfach eine menschenrechtsarme Zone, dies als Exzerpt meiner letzten einhundert Jahre. Warum sollte die Idee so schlecht sein, eine Gegend mit solcherlei Weltanschauung zuzulassen. Aus resignierender Erkenntnis. Wohin dann all jene freudig ziehen können, die sich nichts sehnlicher wünschen, als ebenjenes Leben. In einem von ihnen gelobten Land. Ein gelobtes Land also. Die Dschihadisten, Bombenbauer, Salafisten und sensiblen Hardliner müssten sich nicht mehr aufregen über zu leicht bekleidete Frauen in Frankfurter Jugendhäusern, sie bräuchten sich nicht mehr in ihrem Glauben verletzt fühlen von französischen Jugendlichen, die nächtens Schweinefleisch verzehren und sie müssten dann auch keine Kunstwerke mehr zerstören, deren weltfriedlicher einer Teil schlicht ein Exemplar des Koran ist. War. Und so weiter. Ich bin grundlegend geprägt von jenen sogenannten „westlichen Werten“, die sich an Freiheit, Gleichheit, Toleranz und Brüderlichkeit orientieren. So einfach. Und ich mag die Regeln des Sandkastens. Wer wirft, fliegt raus. Auch wenn das ja mehr und mehr als konservativ verortet wird. Und so altmodisch moralisch klingt. Seltsam. Wir sind so cool geworden, so cool, wie es uns die Verbrecher der Welt vormachen, ganz gleich, wo sie sitzen. Das Erdgeschehen mit seinen Frechheiten und seiner Grausamkeit jedenfalls geht mir zunehmend auf den Sack. Wohin man auch schaut, schiefe Lagen. Und grenzenloser Zynismus. Besser, auf die Seele. Meine arme Seele.

meine arme klitzekleine seele.

Aber auch ich bin nicht ohne Sünde. Ich habe von einer Wal-Salami* gekostet. In der Dämmerung, unbeobachtet, voller Scham. Drei kleine Rädchen. Einmal im Leben. Und ich muss wirklich sagen: Ganz erstaunlich. Hervorragend!

Ich tu das nie wieder.


(*aus Fangquote/NOR)

2 Gedanken zu „raedchen“

  1. Als könnte alles einfach sein…
    Das Kalifat liebäugelt ja durchaus zwinkernd mit Cocacola, halt über den Umweg von Öl, aber das ist ja in der Farbe eh ähnlich, also korantauglich, weil der Herr hat´s gegeben für die Gläubigen.
    Ich hab´s ja schon aufgegeben, einen Durchblick haben zu wollen, das geht einfach nicht, weil immer Irgendwer Grenzen ziehen will, oder die halt neu machen, ist doch so von ganz oben befohlen (Bitteschön, da sitzen wir Westler mit den richtigen Werten auch mit im Boot).
    Irgendwie ist da immer ein Scheißgott oder eine buchstabentreue Ideologie, oder eine Wirtschaftsnotwendigkeit, oder…, halt ein höherer Grund.
    Das mit der Sandkiste seinerzeit, das war noch einfach. Ich will, du nicht, also fliegt Sand. Wir hätten das irgendwie geregelt, aber dann kommen die Mütter und Väter, Großmütter, Großväter, Onkeln und Tanten, und da müssen wir Sieger bleiben, egal worum´s geht, weil wir wollen doch ein Stolz sein, und nachher wollen wir zur Belohnung ein Eis. Wir haben früh gelernt, Stellvertreterkriege zu führen.
    (Ja, weiss ich eh, so einfach ist es nicht.)
    Natürlich ist Macht auch ein Lustgewinn, weil das macht groß, ist aber ein heikles Thema, weil es Andere betrifft, und die wollen auch wer sein, mitunter nicht nur Untergebene.

    Dieser Absatz bleibt jetzt bitte unter uns. Ja, ich habe auch schon einmal Wal gegessen, Biber ebenfalls, Maden auch, Regenwürmer und Ameisen sowieso, aber Letztere, das waren Mutproben als Kind. Ich bin kein guter Mensch, so gesehen.

    Was den Bussard betrifft, der war im Recht, weil das war seine Welt, und so ein Greifer vertreibt auch gern einmal Menschen die ihm die Mäuse abspenstig machen könnten.

  2. Man könnte ja nach Nord-Norwegen umziehen, immer säße man noch bootseits neben vermutlich guten Göttern. Es kommt wohl hauptsächlich darauf an, ob man an Scheiße glaubt oder nicht. Der Bussard/die Bussardin hatte vielleicht ja auch ein frisches Flügge-Junges irgendwo unten am Waldboden sitzen, welches ich gar nicht wahrgenommen hatte. Dann würd‘ ich mich jetzt nachträglich für den Steinwurf entschuldigen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.