tisch bauen also mit der kirschkern, wie besprochen. und wenn wir schon dabei sind, gleich noch ein paar regale. ja natürlich, geheimfach! heut in einer woche schon im flugzeug. im hochland gibts aussterbende wölfe, wegen tollwut. muss mich zudem noch mit dortigen spinnen und schlangen vertraut machen. auf 3200m wirds nachts kalt, nichts neues. und wenn was aus dem pickup reichen, dann schulhefte oder bleistifte, ganz mein ding, ich tu noch radiergummis dazu (kein bleistift ohne radiergummi!). die kirschkern würd am liebsten mitkommen, das wär‘ klasse, geht aber nicht, weil schule und GFS (powerpoint über Emazipation der Frau durch die Jahrhunderte). kann sie ja mama fragen. der tisch ist im grunde fertig, nun noch schleifen, schoenmachen und wachsen. es macht einen heidenspaß, zusammen mit ihr. ich brauche noch hut und irgendeine vanitas-versicherung für 8 euro weltweit incl. rückholung im learjet lebend oder halt sarg. und jeden abend KALLE gucken, sind ja schließlich ferien! „bohren ja, schrauben nein!“ sagt sie und ob die maße ganz genau sein müssen? ja, im grunde eigentlich schon, wenns geht, aber he, nur, wenns geht. zu sylvester unten im dorf. mal sehen, wie wir die alte dame da die steile treppe hochkriegen, aber sie schafft das schon noch, der kirschkern und ich helfen mit schieben, stufe für stufe, dort gibts das weltbeste essen überhaupt. und überhaupt, die köchin. draußen ist leider frühling, wie schön wär jetzt ein halber meter schnee zum langlaufen mit den neuen wilden skiern querfeld- und waldein. durch die wolfschlucht zum beispiel, füchse befragen über tollwut, weiter zum schlösschen, dort einen heissen kakao und zwei weinchen und dann zurück bergab mit gejodel laufenlassen und die wildschweine verjagen!

etza:

now_can_come

/(1.: Schöner Stempel! Geschenk aus Neukölln.)
/(2.:„Durch den fleißijn Besuch dieser ungeheiztn Landkirchn im Winter gehen übrijns mehr Leiber verloren, als Seelen gerettet werdn.“ (Weihnachtsgrußkarte, Zitat Arno Schmidt, „Zettel’s Traum“, Suhrkamp Berlin, 2010, Seite 1101, [via])
/(3.: 27.12. Cinema 3D „Schiffbruch mit Tiger“. Ganz ganz Großartig. Während Abspann erstmal sprachlos.)

danach noch.
gedacht: Now can come What want.
die finger der linkn hand unterm kinn nach unten, während einfahrend in die große dorflinksKurve, das tempo bereits erheblich reduzierend. links handrücken/kinn kardanisch, schwebend, schöne geste zu sich selbst eigentlich, rechtslenkend und wohlgemut.

Tand und froh

kinderbaum

(vor sieben Jahren im Försterhaus am Ukleisee.)

“23.12.2012froh schwebe, du. Kalter wind, kalter wind! Tand und sessel nächst jedigem baumrabatt, zunehmender Schand. Ach diese härte hier, warum bei dir fühl ich mich so wohl, bei dir. Deck mich zu. Ein Jeder kämpft. Ein Jeder spuckt, wie gut, dass mein treue jugend hatt mich schön gedacht, mit wäldern und tieren verpackt, dem hund und einer tragenden Schul’, die trug. Nein Mutter, ich danke dir, und vater. Mags sein, dass du nicht gewesen, wars gut. hätten wir nur uneins unser häupter gerieben, mags sein. So aber konnte ich ehren und belassen dein bild an der schiefen wand zum Berge hin im fels. und meiner mutter zimmer, wie die rinde des nachbarbaums der baum die seine. Am abend vom ersten großartigen gusses bereits beschloss in die welt ich zu ziehen, so voller drang, dass voller ungeduld ich vergaß. So freundlich gestimmt! Dann aber muss die welt grau sein, weil sonst zu freundlich sich dir zu füßen bereits kragt, was alles sich mag nähern. Vom boden die welt, sie ist’s, die mich bannt, Das blühen von unten, das verglüh’nde glatteis zum mächtigen Strom. Und zum Ende verblassendes Glätten, der Wurzeln Saat im seicht kräuselnden Nass. Aber froh aber froh, schwebe du, kalter Wind, kalter Wind. Mach endlich froh!“

Heute besser nicht in den Wald hineinrennen, da dort zuviel Wind bläst, da fallen die Äste auf Köpfe. Das Atelier-Nordost ruft mir nach, pustet meinen Nacken frisch. Aber so, wie es jetzt ist, ist es auch gut. Schon bald zwei sehr schöne Jahre lang. Die Kirschkern patchworkturnusgemäß dies Jahr in der Tortursiedlung. Ich rechne nach, 2008/2010/2012. Das dritte Weihnachten also ohne Kirschkern – […]. /Sie erzählte vom gestrigen „Last-Minute-Basteln“ im südbadischen Gemeindehaus, ein lustiger Titel. Und morgen dann werde ich im Kirchenchor mitsingen, unten im Dorf, das hätte ich noch vor zwei Jahren auch nicht gedacht, in meiner ganzen so kalten und umfassend ungebrochenen inneren Haerte, so roh, so roh…

Dass das verdammt viel Spaß macht.


allen herzlich FW! 😉

Lagerarbeiter

lagerarbeiter_1

(Lagerarbeiter)

Mit der wunderbaren Frau Kopffuesselnden im W.-engel gewesen und dort schöne Stunden verlebt. Eine alte Photographie gefunden, die der Illustration eines Gesprächsfadens jenes Abends dienlich sein könnte. S.o. /Ferner mit dem hm und dem hm im hm gewesen, mittlerweile ein schönes kleines Ritual. Soziale Preise, gelassene Wohlstimmung. Und während moderatem Trinkgenuss endlich das Rätsel gelöst, warum ein Standardbrief der Post 20 gr wiegen darf. Nämlich, weil das Gewicht der Seele auch in etwa 20 gr beträgt, wie aus Versuchen der Gewichtsermittlung von Ablebenden (vorher/nachher) hervorgegangen ist. Wir raunten. Mit großen Augen. Wieder eine Weltfrage weniger. Die Wahrheit liegt eben stets in den ungeahnten Zusammenhängen. Um 23.30 Uhr daher alle hochzufrieden nach Hause.

Lucy

Kippen, Kohlen holen klauen. Smint. Boddin, Axum, Saba. Der Püster läuft nebenher und zieht immer noch Atomstrom. Salomonisch, Kirschkern Skier, Peter Bamm (unsichtb. Flagge?). Wuergeengel, Abessinischer Tee, Afar-Dreieck, Danakil-Ebene. Nein, da bloß nicht hin. Über die Afar gelesen, faszinierend, geheimnisvoll. Und:

Ich werde Lucy sehen!

Unser aller Mutti. (Und mit khatkauenden Bruchpiloten durchs Hochland fliegen in engen Kurven um schroffe Berge herum, das Brummen und die Fehlzündungen der Propelloren, Bundesladen, Urchristen. Unrasiert, wie Hardy Krüger. Die schmutzigen Hände an der alten Khaki-Hose abwischen und in den Sand spucken ein Streichholz grinsend kauend und die großen dunklen Schweißflecken auf dem Hemd unter den seit Wochen ungewaschenen Achseln. Dabei kerngesund!)

Das gefällt mir.

wenn die typhus-pillen geschluckt sind, dann könnte man meinen, man hätte Typhus. Wenn dagegen die hepatitisA+B-spritze gelegt wurde, dann ist es nicht so, dass ich meine, ich hätte nun hepatitisA+B. festzustellen bleibt da ein unterschied der wahrnehmung von natürlichem zu sich nehmen und künstlicher eingabe.

Unwesentlich.

„geschnibbelt“ sagt sie immer, die alte dame. Sie hat die oberflächlichen schnibbeleien erneut gut überstanden. Sie lag früher einfach zu lange und zu oft in der prallen sonne. Dazu wollte sie auch immer mich anregen, in Wilhelmshaven oder auf wangerooge, was mir jedoch immer schon nicht gefiel. Außer einmal, als ich endlich das kleine segelschiff beiseite legte und stattdessen die bikinis entdeckte. Als junge entdeckt man die bikinis, wenn man auch anderes entdeckt (zum beispiel lackierte fußnägel anstatt lackierter öltanker). Dann legt man die segelschiffe und die quallenkäscher beiseite und dann wollte ich nicht mehr aufstehen, da am strand, wenn ein bikini in der nähe sich aufhielt. Meine schultern und meine wangenwangen rötelten sich, mein segelschiff verschwand in der nordsee.

Auch unwesentlich.

Eine günstige afrika-teilkarte habe ich gekauft. Afrika-Karten sind wohl deshalb so günstig, weil kaum etwas darauf abgedruckt ist, ausser wäldern und wüsten und ein paar strassen und zwei flugplätzen pro Land. Die Tiefe von Seen scheint unwesentlich und über Satelliten kann man die Vorkommen von Aids und Klitorisbeschneidungen ohnehin nicht ermessen.

Dazu eine Belletristik, einen Schlüssel nachmachen lassen gelassen, Honig, Streusalz. Der Gartenweg ist so beschaffen, dass man, will man die alte dame zum arzt bringen, erst einmal schneeschippen muss und salz streuen, um eine schneise bis zur rechten türe des Kfz unten auf der strasse zu legen. Darüber dann im zweitgang splitt (den die gemeinde kostenfrei zur verfügung stellt. Ja, das gibt es noch.) Sie beteuert, wie wackelig sie sei. Und lacht dabei schüchtern, aber auch ein wenig alterskeck. Das gefällt mir. Im grunde bedeutete einmal hinfallen das Ende. Da würde alles brechen und seinen Gang nehmen. So ist das. Ich tu was ich kann.

Ebenso unwesentlich.

Die kirschkern hat jetzt ihren ERDKÄS (china) vollbracht. Sie schreibt überglücklich, wie sehr sie sich freut, dass sie nun nichts mehr auswendig lernen muss. Es scheint nicht das lernen, es scheint das AUSWENDIG-lernen zu sein, was sie ganz und gar nicht mag. In kunst hat sie eine 1, was mich eher betrübt. Sie soll friseurin machen und dann verdammt was anständiges kaufmännisches draufsetzen, meinetwegen in Oxford.

Ich erinnere mich an meinen Lehrherrn, der, sprach ich von meinen beruflichen Vorhaben, oft zugewandt in väterlicher art mir versichern wollte, ach man könne das alles doch „auch ganz wunderbar nebenher machen“. Sein griff fest an meiner schulter, wie ich es so gar nicht mochte, bis heute. Und immer dann zog er seine grünen Kringelbilder hervor. Einfach grüne (meinetwegen) auratische Kringel. Er war Schüler von Willy Baumeister gewesen, nebenher.

Kann man nicht. Kann man eben nicht, nebenher. Ich bin dann aller Abend froh um fast sämtliche meiner Lebensentscheidungen. Zum beispiel: ich habe mich für renault entschieden. ein mittlerweile sehr unwesentlicher kampf. Und ordentliche Schuhe sind mir wichtiger als irgendwelche unwesentlichen Konzertbesuche.

Und wie gerne würde ich über die P. schreiben, die Professionalität, aber das geht hier nicht.

Daher an bikini:

Und wesentlich deine Pforten
nebenher, ein Pfötchen.
Wesentlich Brosamen, Brötchen
dein Atoll –
Dein Korb am Strand.
Unwesentlich mein Wesen
Wie Salzwiesen.

Ebbe kam,
Flut ging. Komm‘ wieder, alte Tide
wies, Wo war, wo ist
der Hafer im Sand.

#

(In schloss E. wie nebenher eine Restfläche bemalten Altputzes flüssigchemisch restrukturiert. Danach besoffen vom dampf des ethyls/unvergällt. dachboden, ganz Fabelhaft.)

schloss_E

verletzungsfrei

in einem herrensitz im nürnberger land von stadtadeligen mich herumgetrieben, versuchend als teil einer Truppe, die baugeschichte über die oberflächen – wie etwa tapeten, verputzungen, tünchen usf. – zu ermitteln, manchmal sind auch kleine oder große öffnungen erforderlich, um genügend einblicke in die konstruktionen bzw. die abfolge derer zu gewinnen, man nennt das ’sondierung‘, wenn möglich verletzungsfrei. was kaum möglich ist meistens.

So rannten und schlichen wir vermummt durchs gebäude, die grundmauern noch sehr alt und von einer regelrechten burg herrührend, mittelalterlich, dann diese in den markgrafenkriegen von einem ansbacher niedergebrannt und mittig des sechzehnten jahrhunderts wieder auf dem niedergebrannten aufgebaut, die umfriedung und die wehrgänge, wer weiss, wie alt die sind. Der anbau eines treppenturmes datiert in um 1640, man bildet in der regel bauphasen, um die herum man die weiteren sich verdichtenden erkenntnisse chronologisch zu drapieren versucht und querüberprüft, die türfutter waren in diesem fall sehr genau zu betrachten, denn nicht alles, was zunächst gleich ausschaut, ist dann auch gleich, selbst kleine unterschiede im profil können einen auf den leim führen, oder die art der marmorierung ebenjener.

Tür- und fensterbeschläge sind ebenso streng anzusehen, wie maße und Beschaffenheit von Fußbodenleisten oder wie auch die stuckornamentiken und immer wieder trafen wir uns über den verformungsgetreuen plänen der stockwerke, steckten die köpfe zusammen, um diese übereinanderzulegen, welche wand stand und steht wo und wie alt ist sie vor allem, kommt sie vor oder nach einer anderen wand. oder decke. Oder auch dem boden. eine schöne detektivarbeit, jedes objekt ein kriminalfall.

Und vor allem, warum meint man das, was man gerade meint. Man befindet sich dann immer im permanenten begründungszwang, es bildet sich ein netz aus logischen vermutungen, in welches sämtliche informationen, seinen es abfolgen, archivalien, dendrochronologische datierungen oder inschriften, einfließen. In diesem falle zudem auch die erzählungen und das familiäre wissen der lebendigen freifrau, die berichten konnte, welcher vorfahre wann und wie was getan oder veranstaltet hatte und ob dieser reich oder eher arm, glücklich oder eher unglücklich gewesen sei.

Gewürzt mit allerlei privaten geschichten um die alten leute. Der onkel beispielsweise, der in den 1920er jahren mit frau und kindern nackt durch die umliegenden wälder gelaufen war, sehr zur belustigung der dorfbevölkerung. Oder der barocke urahn, der frau und sämtliche kinder verlor und daraufhin eigenartig wurde und über jeder tür einen lateinischen sinnspruch in goldenen lettern anbringen ließ (OVID etc.), dazu eine herrschaftliche stuckdecke in den repräsentativen räumen veranlasste und allerlei anderes. Das ist also ganz unstrittig die bauphase um 1722 gewesen. Für uns. Er heiratete erneut, blieb jedoch kinderlos und verstarb bald, die witwe heiratete ebenso erneut, gebar sodann, und ein kind von ihr heiratete einen der jetzigen patrizierLINIE, weshalb dann dieses anwesen in den besitz der heutigen eigentümer geriet.

Wir stritten vergleichsweise angemessen viel in diesen zwei tagen, ich war dort nicht so gut im kombinieren diesesmal, die kollegin warf richtiges in die runde von uns dreien. Dinge, das ist dann oft so, die plötzlich logisch erscheinen, wenn sie jemand ausspricht endlich, oder erneut behauptet, als these, provokation, wahrheit. Einen tag später. dann fallen manchmal schuppen und man fasst sich an den kopf, weshalb man auf dies und das nicht schon früher gekommen war, schamhaft. Jedoch es dient der sache.

Wir wurden von der freifrau beeindruckend bewirtet (linsensuppe, schweinebraten und knödel, wintergemüse etc.), das habe ich noch selten so erlebt, und auch ihr mitfiebern und das ihres (bürgerlichen) mannes und des sohnes, das interesse, das uns und unserer arbeit entgegengebracht wurde und dem familiären erbe, welches im umfang durchaus eine große last sein kann, auch finanziell, aber nicht nur, das war schön zu erleben hierbei und erfüllte daher auch uns mit sporn und lust.

Immerhin dringt man in fremdes leben, glück und leiden und ungeschützte geschichten ein. Nicht nur auf der hochleiter, balancierend über einem fragilen renaissancetisch mit barockem texil aufgelegt und das Skalpell in der Hand, während der anfertigung eines loches in eine stuckdecke mit rieselnder schüttung (die schüttung älter, 17.Jh.?) oder über kommoden und wertvollen hammerklavieren des 19. Jahrhunderts. Salonware, Berufshaftpflicht. Es ist dort ein schlafend-waches museum und alle stücke verbergen sich nicht etwa in aufbereiteten vitrinen, sondern die dinge und sachen stehen dort und da eben herum, wie sie einst standen oder später von einem möglicherweise verfeindeten onkel oder der gütigen urgroßmutter gestellt und gelegt wurden, ganz im gebrauch und etwas persönlichem verhaftet und dadurch sehr anders belebt und wie selbstverständlich.

Ganz typisch und gängig, das erdgeschoss-rechts hallenartig zur versorgung, dort auch der ehemalige treppenaufgang, links noch kasematten, im ersten stock schon immer die wohnräume, im zweiten stock repräsentativ, im dritten das gesinde, im dach die hornissen. Beheizt heute nur noch die wohnräume, alles andere schonend und denkmalpflegerisch „temperiert“. Wir trafen an 5 grad. Bei diesen muss man dann denken, soll man. Drei Kamine, 2 Abtritte. Küchen?

Ich könnte da jetzt noch stundenlang weiterschreiben. Vor allem war es kalt und ganz passend im funkloch, die gegend gelegen, der ort. Der kollege hatte sekt mitgebracht zu meinem geburtstag, man musste den weniger kühlen, denn wärmen.

Ich könnte da jetzt noch stundenlang weiterschreiben. Dabei waren es nur zwei tage. Jetzt sitze ich im warmen, die kirschkern kam aufgrund des vielen schnees heute mit dem zug, was nicht einfach ist von der tortursiedlung nach hierher. Sie schläft jetzt, ich hingegen trinke noch einen roten auf diese abermals schöne und spannende woche innerhalb meiner gesamtlebenszeit.