16.2.

ICH würde ja über stühle und teller schreiben und nachdenken, über tische und oder aber auch über bäume, waldwege, birnen im kfz, oder ragout vom schönbuchreh ohne schrot zwischen den alten amalganblomben, wenn es immer so schön elektrik gab in der fresse. überhaupt ist das ja so eine fressezeit gerade voller gleichstrom aus dem nichts, wie schnell alles verroht und wegbrutzelt. wenn man dachte, die krume der zivilisiertheit könne nun nach siebzig jahren immerhin schon latschenkiefern großziehen, mit deren harz man dann die schultern nach dem bade einreiben hätte können. dann hat man sich getäuscht, ein paar güsse frechen regens genügen, und schon ist aller humus wieder ins blanke erodiert. als wäre das irgendeine bestimmung.

aber das wussten wir ja alles schon.

WIR gingen durch den schwarzen nachtwald und sahen, wie hänsel und gretel, irgendwo ein lichtlein brennen. ich dachte, besser – meine augen und mein zuordnender verstand dachten, es könne bereits der letzte rest abendhimmels am ende des ansteigenden weges sein, die köchin dagegen meinte, da wäre noch licht in dieser einen nicht fernen jagdhütte. aber nein, wie einem doch die wahrnehmungen der bildlichen informationen im dreivierteldunkel schabernack spielen können, plötzlich stand da ein kfz (ich denke mal, es war ein toyota) linkerhand ganz nah, wir erschraken beide, zehn meter, eine limousine, schwach beleuchtet innen und mit bereits kondensbeschlagenen scheiben, man konnte nicht sehen, wer oder was oder wieviele personen sich darin befanden bei was für einer tätigkeit, leichte musik drang zu uns her, wir waren umgehend ganz leise, ich flüsterte noch zur köchin „he, da machen welche liebe!“, mitten im tiefen wald, beleuchtet, mit musik, im verbotenen bereich, aber sogleich bekamen wir es auch etwas mit der angst, was wäre, wenn dort nicht etwa zuneigung stattfände, sondern skrupellose wandereinbrecher die abendlich erwirtschaftete beute zählten und uns beim aufteilen entdecken würden, ach, bestimmt würden sie uns meucheln mit diesen schönen kleinen altmodischen ostblockpistolen mit aufgesetztem schalldämpfer, dort hätte das auch niemand gehört oder es hätte niemanden interessiert, denn da war niemand sonst, ausser den käuzchen und den ganzen anderen in diesem moment unentdeckten tieren, die ja gewöhnt waren ans leben und sterben.

nichts jedenfalls klang nach erforderlicher nothilfe, also schlichen wir uns vorsichtig am wagen vorbei, feste hand in fester hand, und erst nach ein paar metern, sicherlich waren es schon an die fünfzig, überdachten wir dann die soeben an uns vorbeigezogene szenenfolge auch einmal andersherum: wir hätten ja auch einfach mal anklopfen können ans blech des autos, dann hätten die da drin, wer auch immer, bestimmt einen ordentlichen schreck bekommen! dies als „lustige“ gedankliche möglichkeitsverordnung, wobei der standort und die präsentation des kraftfahrzeuges, innenbeleuchtet und mit musik, eher auf angstfreie insassen schließen lässt, nun, im sezierenden nachgang dieses ereignisses. insofern hatten wir wohl eher doch richtig gehandelt und uns überlebensrelevant vorbildlich verhalten.

man soll ja auch nie anderen leuten einen zu großen schrecken einjagen, da stehen späßchen gegen angst und blödsinn gegen menschenliebe. aber das wussten wir ja alles schon.

später, beim jubiläumswilliams dann, erzählungen und vorstellungen dessen. wenn man irgendwo mitten in der natur nachts im kfz sitz oder schläft, und plötzlich klopft es an die scheibe. ich hatte diese angst oft gehabt bei den touren mit der jugendlichen kirschkern und daher hatten wir immer sehr sorgfältig unseren übernachtungsstandplatz ausgesucht. und mir fiel aber auch wieder ein, wie ich einmal vor sehr langer zeit mit einer bekannten nachts durch einsame gegenden fuhr, es war ein renault mit kastenaufsatz gewesen, draußen war winter mit schnee und kälte, und wir passierten den großen gänzlich verlassenen besucherparkplatz eines berühmten bayrischen großdenkmals, drehten aus spaß ein paar runden im schnee und zuletzt bemerkten wir, dass dort ein einziger anderer wagen noch stand, ganz am ende des platzes und fast versteckt, ich denke mal, es war ein K70 von volkswagen gewesen, in dem sich, so bemerkten wir, ein pärchen unzweideutig und offenbar liebte auf dem zurückgeklappten fahrersitz. ich weiss noch, wie ich rot wurde, es war ja genau jene lebenszeit, in der man über dieselben dinge noch rot wird oder dann eben nicht mehr rot wird. wir jedenfalls machten uns zuletzt einen gemeinsamen jugendlichen spaß daraus, fuhren kurz ganz nah an den liebenden vorbei und hupten lauthals, aber freundlich, um danach mächtig gas zu geben und schnell zu verschwinden.

aber das wussten wir ja alles schon.

ob ich sowas heute immer noch machen würde? ich weiss es nicht. und wenn, dann am liebsten mit der köchin. ganz sicher würde ich rot werden. wie froh ich bin um die köchin.

2 Gedanken zu „16.2.“

  1. „überhaupt ist das ja so eine fressezeit gerade voller gleichstrom aus dem nichts, wie schnell alles verroht und wegbrutzelt. wenn man dachte, die krume der zivilisiertheit könne nun nach siebzig jahren immerhin schon latschenkiefern großziehen, mit deren harz man dann die schultern nach dem bade einreiben hätte können.“

    Erstaunlich, was da vor sich geht, und in welchem Tempo es geschieht.

    Da lobe ich mir nächtliche Wanderungen mit beschlagenen Autoscheiben, darin Musike und Menschen, die das Gleiche tun, was Menschen seit jeher taten, wenn sie zu zweit und die Zeit bereit.

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