skrip: /Um fünf nach losfahren, jetzt schon nebel auf landschaft und den rückspiegeln, dunkel und distanziert. Und meinem dämmernden gemüt. Selbst morgens matschäpfeljagen, meinen unbelehrbaren kinderchromosomen geschuldet wahrscheinlich. am boris-palmer-roundabout rechts abbiegen, „roundabout“, das internationalste an dieser überwiegend weltfernen universitätssiedlung. Dann durchs zone-dreißig-strassendorf, immer ein drängelfritze hinter einem, der sich freut, wenns beim vorfahrer blitzt, dann irgendwann endlich die autobahn, rauf auf die. Ein gepfrimel um minuten so früh, ein gedrängele um halbmeter, ein weggeschubse und verachtung, geschuldet wohl der immergleichen verhältnismaschine von erwerb, glück, schicksal und stand. Nach kilometer 28 schon schweiss auf der, meiner, stirn mitsamt dem sog des soges des mitmachens (dann eben ist das so). Des teilens.

Auch ich könnte ja schlecht drauf sein so in der früh, wenn ich mich nicht wehren würde gegen diese große bequeme unwahrheit seit dekaden, und wenn ich einen schlitten mit motor hätte, mit dem ich solche wie mich wegdrängeln könnte morgens um halb sieben, WENN ich denn schlecht drauf wäre, weil ich mein haus unbedingt abbezahlen muss bei guter miene zu meinen ebensolch situationierten kumpeln und rivalen, von denen ich keine mehr habe und auch keine mehr haben will (etc.).

Und eigentlich auch selten welche hatte.

Bei böblingen biegen immerhin ein paar mehr, mehr als ein paar, rechts ab, geben natürlich noch gas auf dem abbieger, hormone zeigen. Die sind dann einfach weg. Gut so. Es folgt die einfädelei auf die A8 in richtung KA, da fliesst das ebensolche adrenalin, denn dort befinden sich diejenigen, die in gleicher lebenssituation schon ein paar aufgeheizte kilometer mehr im stiefel haben. Die haben schon den albrand hinter sich, den eichelberg, wenn und wo sie immer an ihre AICHELN denken und übers abstandbeschneiden juchzen, des gegenfahrers. Ein achseltanz.

Allein die lastwagen, sie sind geduldig, auch wenn nach ein paar wenigen meilen sich alle nach rechts begeben, (da, wo sich die A8 und die A81 wieder scheiden lassen), die schnellsten natürlich noch, nicht ohne überholt zu haben den zweitschnellsten, im abbiegen. Nach rechts. Zweispurig, versteht sich. Alpha ist, wer noch einen audi um vier meter gutmacht. Ich wär so gerne frau auf autobahnen, mit Hänger und blond.

Dann, nach weiteren 3 kilometern, /es sind theaterlängen./. die einfahrt in den tunnel des ENGELberges. Da ist es dann meist zwanzig vor. Alle wissen, alle dulden oder sie rennen. Immergleich, tag für tag: wer ist der erste, der nach links zieht, die anderen ausblinzelnd, um dann mit 50sachen mehr als maschinell gestattet die nase vorn zu haben. Und immer wieder mit PASSION, immer noch, ob des ganzen selbstveranstalteten gerases, die lkw.

Im tunnel krächtzt der verkehrsüberblick. Genau auf den punkt meiner ahnungslosigkeiten, in der kerbe meines vorrausahnenden schicksals. Da steht 80 und alle fahren 120. Hinter dem tunnel schalte ich um auf radioklassik, ich weiss, bis zum SWR2-tagesgespräch muss ich am nächsten kreuz (in der regel) sein, dem kreuz weinsberg. Bei marbach am neckar sinkt bereits die wahrscheinlichkeit meines fahrbahntodes um wahrscheinlich ein vielfaches. Es wird zwar nicht leerer, aber nicht mehr ganz so mittelstandsaggro. Manchmal fehlt mir dann sogar was, denn jetzt erst wäre ich so richtig bereit dafür, wach für diesen kampf.

Wenn die anderen schon am ziel sind.

Seit etwa zwei stunden ich jetzt wach. Ich, normalerweise nachtmensch. Es ist kurz vor sieben.

Die ausgedehnte rechtskurve (tempo 100) nutzen dann erneut viele aus der gepumten golfklasse, um nochmal ihren willen zu bekunden. Ich aber verfolge jetzt dort das SWR2 tagesgespräch, ein müder politikprofi am telefon, am schönsten, wenn rudolf geissler die bohrenden fragen stellt, und freue mich schon auf das wort zum tage, mal katholisch, mal reformiert, wenn und bis ich die landesgrenze passiert haben werde, das aber dauert noch ein weilchen, erstmal muss ich jetzt das ausgedehnt hohenlohische hochebenenland vorbeiziehen lassen. Ich schalte um auf autopilot und geniesse im meta.

*porsche zuffenhausen, *landesgrenze feuchtwangen *auf-wiedersehen-in-baden-württemberg, das wären noch stichwörter – jetzt schon B5-aktuell im radio, aber ich wollte ja noch das wort zum tage abwarten, meist in etwa beim rasthof frankenhöhe mit limit 120, an das, auch hier, hauptsächlich ich mich halte, ein ruhepol sind diese tempobeschränkungen, weniger die anderen, weil irgendwer muss ja immer noch ein wenig schneller fahren, überall.

Wieso hat bayern eigentlich eines der vielfältigsten und hochwertigsten radioprogramme? Wieso gibt es das nicht im badenwürttemberg der jetztzeit? Und wieso gibt es auf SWR2, dem kultur-, gesellschafts- und politikkanal usw. des südwestrundfunks, keine verkehrsnachrichten? Fahren kulturell und politisch interessierte menschen nicht im kfz? Wissen diese nicht, was ein stau ist? Wird davon ausgegangen, dass dieser menschengruppe staus egal sind? Was für ein akademisches menschenbild, im klischee geborgen.

/notiz: Ilshofen-wolpertshausen. Eine schöne gegend. Ich bin nun bereits seit 24 wochen in diesem jahr auf reise. Zwei mal gab es die unterbrechung von einer woche. Einmal ostsee, einmal kirschkern. Montags, abfahrt 6.00 uhr. Ich könnte auch zug fahren, aber das würde mich 3 arbeitsstunden kosten. Oder ich könnte am Sonntag abend anreisen, das würde mich einen heimischen abend und eine übernachtung mehr kosten. Das jahr hat 55 wochen.

Die sonne geht auf jetzt im oktober in MESZ bei schwäbisch-hall. Demnächst dann bei ansbach mit MEZ. Einmal habe ich die A6, offenbar mein schicksalsteer, aus dem flugzeug von berlin nach xxx gesehen. Es war morgens und ergreifend. Von schwabach bis heilbronn eine kleine silberne schlange duch berge und täler mit kleinen lastwagen darauf, einer hinter dem anderen. Ganz hinten, ich befand mich über schwabach in etwa in 10.000m höhe, die lieblich dampfenden kühltürme bei heilbronn. Und irgendwo dort unten musste ilshofen-wolpertshausen liegen und der abzweig A7 nach würzburg oder ulm. Und meine tante in SHA würde wahrscheinlich gerade mit meinem onkel, dem weitgereisten entwicklungshelfer (kenia, sumatra, pakistan etc.) ihren ersten kaffee trinken und danach den alten goldenretriever um die feldecken ausführen zum morgenschnuffel.

Ich bin ein hisschen durch jetzt für dies jahr. Ein hisschen, ein bisschen. Hisse die weisse fahne. Ich mag nicht mehr. Das immer weg-sein, stets planen, weit vorraus, minutiös, wann und wo die kirschkern, die alte dame, arzttermine ebenjener und wann war noch dies und das, die winterreifen, die wäsche, wann muss was trocken sein, der chorausflug, die neuen lehrer der kirschkern, die abrechnungen mit der kirschkernmama und die gartenschläuche und die äpfel. Und die atelierarbeit.

Vorvorgestern habe ich schnupfen bekommen, selten ist sowas, geht ja auch gar nicht, ich bin doch selbstständig, ich begab mich nach hause gegen 18.00 uhr, gegen 18.40 uhr begann ich zu niesen und zwei stunden später, nach unaufhaltsam zunehmender nieserei, stellte ich fest, ich bin erkältet und zwar: schnupfen. Eine wunderbar klare sache. Das hatte ich so noch nie.

Erlebt. Taschentücher waren auch keine da.

[Natürlich dachte ich umgehend an ebola. Und daran, wie eine weltbildbelehrende falschmeldung nun lauten könnte, nämlich „EBOLA befällt jetzt ausschließlich nur noch saublöde nahmittelost-terroristen und ihre saublöden schwarzen witwen“. Aber auch das ist ja so eine sache, die sache mit den brechungen und der ironie. Das Ding mit dem gut und dem böse. Ich verweigere mich nun künftig informationen des grauens. Sagte ja schon, ich bin durch für dies jahr. Ich würde mich jetzt gerne vollständig zur ruhe setzen, die speicher prall gefüllt. Und endlich Ruhe, Liebe, Glaube und Hoffnung.]

Beim reinfahren nach N, so gegen zwanzig vor neun, klingele ich dann noch telephonisch bei der alten dame hindurch, die sich im gesteigerten angstmodus befindet, grundsätzlich seit einigen jahren und seit 6.00 uhr im SPEZIELL (das alter, das hohe), und teile mit, dass „ich gerade wohlbehalten nach N einfahre.“ Einfach, damit sie nicht hinfällt vor aufregung. Zu diesem zeitpunkt habe ich bereits einen vollen arbeitstag hinter mir, gefühlt, ginge es nach meinen körperlichen paradigmen. Normalerweise würde ich dann erstmal einen kaffee trinken, gott für unversehrtheit danken und schlafen gehen, ob all der vielfachen reize.

Kaum geparkt vor der kirche empfängt mich jedoch ein zurecht arbeitsorientierter kollege, frisch und voller tatendrang, der dann freundlich sagt: „Guten morgen! Gute fahrt gehabt? Schön, also komm, dann legen wir jetzt mal ordentlich los.“

Das ganze dann bis, natürlich, 18.00 uhr.

Der Schnupfen ist weg.

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(Gruselheimer2, vorher vs. nachher)

Hypothetische Rekonstruktion unter Einbeziehung der (bis dato miserablen) optischen Gesamtsituation, den Wünschen der Kirchengemeinde daher mit Verständnis zugeneigt, ebenso einer reversiblen Technologie (Buntstifte, wegradierbar, reversibel also, jederzeit.), dazu den 6,50 Metern Betrachtungshöhe und all das unter Wahrung der Charta von Venedig. Der Kollege hat mich den ganzen Tag lang „Guck mal, ein Fälscher, hahaha!“ genannt. Mich schamlos veräppelt, dazu grinsend.

Aber Irgendwer muss es ja machen. Die Drecksarbeit.

Ich finde aber, es ist irgendwie dennoch ganz gut geworden, schwierige Aufgabe immerhin, gleichwohl natürlich supersubjektiv, völlig losgelöst der üblichen Arbeit an Wandmalereien. Angelehnt jedoch stets überall an das Vorgefundene (das „Original“), wie auch das Ursprüngliche, wo es denn noch zu sehen war und erhalten ist, auch im Makrobereich, also im Mikrobereich. Tatsache ist, dass der „Original“-Begriff sich sehr erweitert hat, also auch sämtliche Zutaten über die Jahrhunderte mit einbezieht. Was generell sehr richtig und wichtig ist. Auch wenn damit unbedachte und unreflektierte Schrulligkeiten wie auch nachlässiger Umgang mit der Substanz dann sonderbar wertgeschätzt werden, als Zeitzeugnis.

Das Alles übrigens ursprünglich aus 1583 circa, eine damals sicherlich wunderschöne und sehr gekonnte a-secco Temperamalerei, grob freigelegt um 1953, dabei ist garantiert vieles verlustig gegangen und zu Boden geblättert, und dann noch einmal höchstbedenklich kunststofflich und malerisch ergänzend äußerst wurstig restauriert in 1983. Wurschtig, sehr.

Nun aber sieht man wenigstens wieder was. Seit vergangener Woche. Wenigstens irgendwas. Die Kirchengemeinde wollte endlich mal wieder ein paar Augen erkennen im vormals luftballongleichen Gesichtsbereich von sechs Aposteln im Kartoffelgewand und mit ebensolchen Nasen. Habe dann noch ein paar Münder und Bartansätze verfeinert und behutsam Wangenknochen und Schläfenlinien angedeutet. Tagesform. Ganz wohl ist mir immer noch nicht dabei.

Aber Spaß hat das schon gemacht, ich gestehe. Auch im übertragenen Sinne. Ich wurde sogar immer lockerer. Hätte noch 24 weitere Apostel oder sonstwas stricheln können. Gerne auch irgendwelche barocken oder gotischen Frauen im Krieg und Frieden. Oder Gewehre und irgendwelche Waffen mit Frauen und Männern und Flugzeugen und Helikoptern.

Man muss eben auch mal Stellung beziehen, wie im richtigen Leben.

Gegen diese momentane Ohnmacht angesichts der Weltgeschehnisse, speziell der Weltgeschehnisse an der südtürkischen Grenze jetzt gerade in Echtzeit. Aber auch vor allem den Entscheidungsträgern des Gesamtweltgeschehnisses gegenüber, jenseits von Nobelpreisen. Die Genfer Konventionen sind eine ähnliche Errungenschaft wie die Charta von Venedig.

Ich sollte unbedingt wieder öfter Realzeichnen, das macht gute Laune.

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Der Heilige S. befand, man solle ihn nach seinem Tod auf einen ochsengezogenen Karren legen und die Ochsen mit Wagen ziehen lassen. An jenem Ort, wo sie anhielten, dort solle man eine Kapelle zu seinem Gedenken errichten. Die Ochsen hielten an in Poppenreuth vor zwölfhundert Jahren.

Von der Kalten Herberge nach Hinterzarten waren wir gelaufen. Eigentlich ein Tagesmarsch, aber da war dann noch Zeit für ein sonniges Tretboot in Seenot auf dem Titisee gewesen. Unterwegs auf dem Wasser viele Araber mit Burkafrauen im Boot, die freundlich seemännisch grüßten. Wahrscheinlich wegen der Gesamtsituation, oder einfach nur, weil sie auch mal Spaß haben wollten, wie alle Menschen in der Regel. Auch die Chinesen, die sich ausnahmslos Elektroboote gemietet hatten mit riesigen Sonnenbrillen. Nur Europäer (und offenbar Araber) sind so blöd und treten noch selbst.

Nebel, ganz viel Nebel, das ist logisch, im Tal, morgens. Tagsüber dann aber schöne Sonne, die immer noch braun macht und der Himmel blau und die Bäume grün und die Berge hellgrau. Sonnige Höhen und sinnliche Hochstände neben grünen Beerenbüschen. Ich freue mich jetzt allerdings langsam auf den ungemütlichen Herbst, diese mir geliebte matschige Superproduktionszeit.

Im Garten riecht es gerade wie in einer riesigen Mosterei. Und Milliarden von Fruchtfliegen, die selbst die neuen Kollektorenlämpchen am Weg verdunkeln, nachts. Alles ist Biomasse derzeit, Gedanken wie Umwelt, klein und groß, weit und fern, enthauptet oder noch mit Kopf.

Eine Edgar-Walace Wirtin war dann da in einer Ich-weiss-was-Du-im-letzten-Sommer-getan-hast-Pension. In Leichtbauweise hölzern und erschwinglich bis unters Dach aus ungefähr 1970, die düstere Variante mit viel Bauchemie. Öffnete die Tür und musterte kühn.

Die Wirtin also: Ein franz. Gendervorname. Schlüpfend, Cabaret und ungewiss in der Hose, sexuell eher undefiniert. Im Schritt. Schmale Hüften hatte sie, auffallend, und um die 70 war sie. Und natürlich launisch. Ihre Geschichte mag sein ein sicherlich gepflegtes Rätsel, ebenso, wie und warum sie ausgerechnet hier am See hängenblieb einst. Sie kicherte derbe über sich selbst und wusste um ihre Wirkungen, ihren und unseren Unheimlichkeiten zugeneigt und diese fördernd. Last Exit: Original (eine stete Patentlösung). Und wie „die Sonne schon wieder meine Augen kaputtgemacht hat!“, das sagte sie ein paar mal, nachdem sie in die Sonne geschaut hatte, dabei sie ihre Tränen auswischte in’s mit unbekannten Zeichen bestickte Sacktuch und ihre Sonnenbrille daraufhin kurz abnahm, öfters innerhalb zehn Minuten, um diese zu betrachten und währenddessen zu sprechen und zu kichern, abwechselnd zum Fluchen und Lächeln und zum mutwillig herbeigeführten Gedankenwechsel. Zu putzen dann die Augengläser mit knöchrigen Fingern unlackierter Fingernägel, ein wenig hornstark und gelblich im Anflug, und um danach wieder mit halbdeutbaren Pfeilen aus ihren fast geschlossenen Augen blitzend jenes aufzusetzen, das Gestell.

Eine Alphaversion von Mensch.

Kurz noch überlegte ich ein spontanes Storno, entschied dann aber für’s Abenteuer und ungewisse Schauspiel. Leider war diese Entscheidung mir übertragen worden mitsamt der Anmeldung für die Kurtaxe und die Lebensdaten. Die anderen hatten es einfach nicht mehr ausgehalten und waren dankbar geflüchtet, ins Licht und die Luft, „Mach Du das mal, wir laden schon mal das Auto aus, ja?“ hatten sie gesagt, mir mit großen Pupillen und Gesten zulächelnd, sich dann verdrückt und mich mit diesem Wesen alleine sitzengelassen in einem Bureau-sous-terrain ohne Funknetz und mit einem Schiffsmodell aus Streichhölzern im Maßstab 1:50.

Später allerdings, nach der Bootsfahrt dann und nachts, nach einer russischen Pizza, deren Bäckerin uns endlich das sowjetische Wort für „Messer“ verriet, später also allerdings dann hatten wir durchaus viel angespannte Vorfreude beim Heimkehren nach dorthin. Die Kirschkern, die Köchin und ich. „Geh Du mal vor!“ Und keinen Mucks. Wir schlichen hinauf. Das Zimmer gleich abgeschlossen, schnell verriegelt doppelt. Die Hand vor dem Mund gegen das gepresste Gefühl eines verzweifelten Loslachens. Jene sinnvoll schöne Spannung, die sich Luft macht, wenn alles gut zu werden scheinen könnte. Beim Vorstellen von Grusel und dem großen Sieg des Antigrusels. Ewig. Das Zwerchfell im Blick zähneputzend, und in die Schreie der Wände dieses grausamen Platzes hineinhorchend. Nach Geschichten popelnd in der Quersumme eines Ortes und der eigen gespiegelten Seele. Nicht neu, nichts Besonderes, ein Archetypus, mal gelinde, mal schwer. Diesmal natürlich gelinde.

Vermutet.

Sowas ist dufte. Wir alle schliefen unerwartet gut. Ich habe dann am nächsten nebligen Morgen ein Bild auf den Kopf gedreht dort im Pensionszimmer. Aus kleiner Alpha-Rache. Leider wird wohl das keine Sau je bemerken. Umso bedeutender das Geheimnis. Eine selbstbestimmt reaktionäre soziale Intervention, ein Rosenbild.

Im Frühstückszimmer saßen ganz normale Menschen beim Marmeladebrötchen. Und die Wirtin gab mir etwas, was sie gefunden hatte am Vorabend im Garten, was ich dort verloren hatte, worüber ich mich sehr geärgert hatte, da mir das sonst nie passiert. Ausgerechnet, hier.

Am Tag nach dem Einheitstag legte sich die Kirschkern auf einen Ochsenkarren in Titisee und ich befahl den Ochsen, loszulaufen und dann wennmöglich behütet dort anzuhalten, wo bereits ein Münster gebaut war. Das hat geklappt. Immer wieder ist dieser Abschied einer der eher Schwereren, aber Abschiedsgeschichten tragen ja meist die schönsten Früchte.

Das alles war vor drei Tagen und jetzt, heute Abend, stürmt und regnet es in Poppenreuth.

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früher gab’s 3 briefkästen im dorf, ausserdem sogar eine poststelle mit schalteröffnungszeiten und personal, heute nur noch einen briefkasten. früher gabs 2 metzgerläden im dorf, mit wursträdchen über die theke für die kinder, heute keinen mehr. und einen edeka und einen rewe, in steinwurfweite, früher, heute gerade mal noch eine bäckerei mit ein wenig zusätzlichem.

früher gabs zwei bankfilialen, heute immer noch, aber die eine hat seltsame öffnungszeiten. früher gabs kein internet im dorf, früher gabs ja sowieso gar kein internet. heute gibts internet, auch im dorf. früher gabs keine bankomaten, heute zwei. im dorf. früher gabs zigaretten beim bäcker an der theke, heute nicht mehr, schon lange. früher gabs 7 zigarettenautomaten im dorf, heute noch zwei. bis letzte woche noch drei. den beim italiener im sportheim und den in der schwäbischen küche im unterdorf nicht mitgezählt.

früher gabs noch einen bürgermeister im dorf, heute gibts einen ORTSvorsteher. früher hat im automaten am halben ende der strasse die packung camel 2 mark gekostet. und früher gabs noch einen feldschütz im dorf, den man ärgern konnte, wenn man über die wiesen lief, während diese hoch standen. früher konnte man vom waldrand aus noch die schwäbische alb sehen, heute ist das alles zugebaut. früher gabs auch keine pfarrerin im dorf, sondern einen pfarrer.

früher gabs nur eine bushaltestelle im dorf, heute zwei, die zweite im neubaugebiet, welches auch schon lange nicht mehr NEU ist. früher gabs eine dörflich genossenschaftliche molke im dorf, da ist man abends als kind hingeschickt worden mit märkchen, um die milchkanne füllen zu lassen. dann, später, wars ein automat irgendwann und spezialmünzen zum einwurf und keine molkefrau mehr, die die kanne füllte. früher hat man dann als kind angst gehabt bei heimweg mit der milchkanne, weil irgendwann die strassenlaternen aufhörten am RAND vom dorf. ich hab dann immer gepfiffen gegen die angst vor den bösen männern und frauen. und dann war die molke ganz weg und überall gab es tetrapack und strassenlaternen.

als aldisüd aufgemacht hat, nein, ach was, schon lange vorher. in der zeit, als es noch keine (früher) fruchtjoghurts im supermarkt gab. und wenn, dann naturjoghurt und im gläschen aus glas, haltbar drei tage, mehr nicht. als es früher überhaupt noch gar keine supermärkte gab sowieso.

früher gabs auch noch eine mülldeponie am ortsausgang, wo man im vorbeifahren die mülltüten reingeworfen hat. einfach so. früher gabs auch noch keine mülltrennung. früher gabs auch noch kühe und schweine im dorf. früher gabs auch noch schranken im wald, damit nicht jeder dackel da durchfährt. Heute fährt da jeder dackel durch. früher gabs noch einen förster im forsthaus im dorf, der hatte alle schlüssel zu allen schranken im wald.

dafür gabs früher keinen italiener im sportheim und keine flutlichtanlage, keine bankomaten und kein internet. Heute befinden sich auf dem alten försterhaus solarmodule. Die gabs früher auch nicht.

Telefonzellen gabs früher auch im dorf, heute keine mehr.

Früher durfte man noch ordentlich lindan in die holzschutzfarbe mischen, weshalb die verschalung vom haus am waldrand noch vollkommen in ordnung ist (bis auf die wetterseite). HEUTE (hingegen) fault jedes holzteil nach 6 jahren durch, dafür gibt’s heute auch wieder wanderfalken und schmetterlinge. Früher durfte man noch wespennester unter den dachpfannen mit einem wunderspray wegmachen. Oder sogar hornissennester.

Dafür gibt’s heute ein geburtshaus in der exkneipe gegenüber der kirche. Geburtshäuser gabs früher auch nicht. sowieso. geburtshäuser und käuzchen gibt’s heute wieder. Die käuzchen waren zwischenzeitlich verschwunden.

Früher gabs mich auch ohne internet, heute gäbs mich nicht mehr, gäbs kein internet. zumindest hier im dorf. Früher wurden die äpfel im herbst zu most verarbeitet, heute liegen die auf der strasse herum und man kann sie matschen mit den autoreifen im geschickten vorbeifahren. Oder, wie früher, sie wie eine kegelkugel in richtung der steil herabführenden strasse werfen, damit sie 150m weiter unten auf den bordstein klatschen und spatzen oder den alten bertold erschrecken. Früher wie heute: das macht den größten spass.

Früher gabs auch keine blausilbrig lackierten lederschuhe, dafür heute. Ich überlege käuflich. Als ersatz. für und als manifest gegen die bunten turnschuhe überall. Als launisches herbstgeschenk gegen alles weltlich zu erwerbende stellvertretend. Und dann würde ich deren mehrwertsteuer absetzen als berufskleidung Für die ewigen affen. Die braucht die gesellschaft heute. Auch wie früher. Ich bin ja gern einer von denen, aber das muss auch ORDENTLICH bezahlt werden. Früher hätt ich das nicht gekonnt, das absetzen. Nicht gewollt. Früher wäre ich nicht mal draufgekommen auf sowas.

früher gelatine, heute pixel und paste mit sinn.

Wenn man also jetzt (meine frühere zählung) 38 mal „früher“ zählt, dann kämen bei 2 euro pro hier verlautbartem „früher“ circa 76 euro+ in die FRÜHERKASSE. Wofür diese kasse verwendet werden wird, das ist noch nicht klar. Früher wär man dafür wahrscheinlich ordentlich irgendwie saufen gegangen. 

Man müsste sich wahrscheinlich auch gedanken machen über eine „wahrscheinlich“-kasse, oder eine „irgendwie“-kasse. Oder eine „man“-kasse. Das hätte man früher wahrscheinlich irgendwie auch nicht SO gemacht. diese gedanken sich.

….

Heute nachmittag die Einweihung der Inbetriebnahme der Barrierefreiheit der örtl. Verwaltungsstelle. Und anschließend Dorffest. Das gibt was. Ich freu mich drauf! (ps: und da paddeln sie jetzt in ihr leben. viel glück wünsche ich! so viel glück!)

725 (…)

seit wielangmalwieder, wieder reiten über den schwarzwald, den black forest, zuletzt höllenthal, was ja gar kein solches mehr ist. zwischendrin wird es vierspurig und die mamas und the papas blockieren die überholspur. in urlaubs- oder beischlaflaune. wie immer. bis sie das kapiert haben, dass es nur 2000m für alle gibt, diejenigen, die einen alten polnischen LKW übersetzen wollen, ist diese strecke bereits vollbracht und man kann sich zwischen schleichen und verunfallen entscheiden.

wahrscheinlich sinds: die rentner, die hochbezahlten. oder auch nicht. je nach befindungslage persönlicher aversionen gegenüber temporären befindlichkeitsgruppen.

GOLFplus.

eine ganz eigene dynamik. der man überholend nur schwer entrinnen kann. am besten allerdings, und angeraten, wenn man am vorabend oder über tag SICH erfüllte und man mit dem erhobenen zeigefinger in richtung rückspiegel kitzeln ganz gelassen kann. den duft frühreifer herbstlandschaften und den biodiesel abgeernteten altrapses.

/in der künstlerischen diskursivität beobachte ich erneut seit jahren (erneut. seit jahren.) das auseinanderdriften von erklärung und selbsterklärendem. und stets ist das selbsterklärende klärender, als es das erklärende je sein könnte. allerdings ist das erklärendbedarfende meist künstlerisch höherbewertet, da es als undurchsichtiger wahrgenommen wird, weil es sich nicht selbsterklärt.

ein kleines paradoxum, oft ziemlich hässlich und schief. wenn ich formuliere „mir geht es gut“, so ist das weniger künstlerisch beachtet, als die wortlose abbildung eines bspw 3D-druckers. oder eines bollerwagens in aspik. der auf nachfrage dann vermittelt, dass das eine privatmythologische oder ggf. ethnische formulierung eines „mir geht es gut“ bedeutet, (mit einer dreinlieferung psychoanalytischer ansätze etc.pp.). unerklärbarkeit wird mit hochkunst gleichgesetzt. das gefällt mir ja schon auch, irgendwie, da muss ich oft lachen, bietet allerdings viel raum für schindluder, meist privatvitageneriert. die beste bildkunst, alt wie neu, befindet sich irgendwo dazwischen. nach wie vor. seit 1000 jahren. froh um diese 1000 jahre bin ich. und die möglichkeiten des überholens, wie des einlenkens. ich mag, dass es stifte gibt und zettel aus papier.

und WACHS zur konservierung.

wenigstens.

/WIR haben heute den ganzen tag lang einen garteneinschlag weggeschnibbelt. die cornelkirsche musste fallen, kraft motorsäge am vergangenen samstag. es werde licht, es wurde licht. ich war der entaster und meine schlanken produkte schmiss ich auf die höhergelegene terrasse, wo jene die kirschkern sie händisch weiterverarbeitete. verkleinerte. und schließlich die alte dame jene stöckchen in ausgediente kartonagen ordnete. zum anmachen vom ofen in kriegswintern, welche sie, die alte dame, ja mannigfach erlebte und die ja nun wieder bald bevorstehen, wenn man der tagesschau glaubt.

sie wird nun 88 demnächst.

ich habe 3 kilogramm verloren im holz.

was mir zupasst und ganz schmuck steht. die malerhose rutscht jetzt. allein alles wegen des einholzens.

6.9.14

12
34
56
7

(Fürth, sehr schöne Stadt. /Und guck, off-Topic, vorgestern hatte ich Bloggeburtstag. Und hab’s glatt verschlafen. 8 Jahre! Mein zweiter Eintrag war
dieser, vom 6.9.2006. Aus heutiger Sicht etwas holprig. Gefällt mir aber trotzdem, oder gerade, weil. Die Kirschkern ging in die Grundschule in Zehlendorf und ich war noch verheiratet. Und ich hatte ein Berliner Autokennzeichen. Das fehlt mir irgendwie sehr. Kinder, wie die Zeit vergeht. Aber eigentlich wollte ich ja nur die Fürthfotos zeigen, eine interessante Untersuchung, die Baugeschichte, in einem interessanten, schönen und verwunschenem Haus. Knifflige Sache, aber wir haben es wohl geknackt. Mal wieder!)

IS berlin

Facebook schreibt mir: „Wir haben deine Meldung von Islamischer Staat Berlin geprüft. Danke, dass du dir die Zeit nimmst etwas zu melden, was eventuell gegen unsere Gemeinschaftsstandards verstößt. Meldungen wie deine sind ein wichtiger Beitrag zur Sicherheit auf Facebook und tragen zu einer einladenden Umgebung bei. Wir haben die von dir wegen Belästigung gemeldete Seite geprüft und festgestellt, dass sie nicht gegen unsere Gemeinschaftsstandards verstößt.“

Ich habe ja noch gelernt, dass man die Anrede in einem Brief groß schreibt, vom Siezen ganz abgesehen. Und von den Kommafehlern vor allem. Am meisten stören mich die Kommafehler, fast noch vor dem „Islamischen Staat Berlin“. Fast. Aber Kommafehler mache ich ja auch. Und dann die Groß- und Kleinschreibung. Fürchterlich! Etwas Fürchterliches ist das. Schreibt man nun bei „etwas Fürchterlichem“ das Fürchterliche groß oder klein?

Wenn man dort „eine Seite melden“ will, also verpfeifen, dann gibt es lediglich ein paar Optionen zum Ankreuzen. An erster Stelle, sinngemäß, „…weil mir die Seite einfach irgendwie nicht gefällt“. Dann „Belästigung“, dann „Spam“ und dann noch irgendetwas unwesentliches. Etwas Unwesentliches? Was niemals den Kern zu treffen sich eignet des Pudels.

Zuletzt der Vorschlag, doch eher eine Abbildung auf jener Seite oder etwas Konkretes von dort zu melden. Und nicht die „Seite“ an und für sich. Denn dann sei die Bearbeitung der Meldung geflissentlicher. Brustwarzen sind demzufolge weitaus gefährlicher, als irgendwie religionär generiert faschistisches Gedankengut, auch wenn die UNO, immerhin siediese, den IS als Terrororganisation nunmehr einklassifiziert hat. Was ja nicht unbedingt schwergefallen haben dürfte.

(Übrigens: Auf Facebook darf auch Pierre Vogel, der Kölsche Jeck, in grenzenlosem Zynismus den Jesiden „aus Liebe“ anbieten, jetzt schnell zum Islam zu konvertieren. Telefonisch, für 6 Cent pro Minute. Das gefällt einer Menge Leute. Wer die sind, die Gefallen daran finden, das möchte ich nicht wissen. Habe dennoch ein Quantum Recherche betrieben. Ich verspüre demzufolge zunehmend Lust am vermalledeiten Vorurteilshardliner. Woran das liegt, ich weiss es nicht. Kann sein, es ist meine Kinderstube, generiert aus Wald und Wiese, geprägter Moral, dem Glauben ans Gute und dem Fühlen, die Dinge als jene zu bezeichnen, die sie – ggf. – sind. Wenn man sie erst einmal still und leise beobachtet hat. Das hat auch etwas mit einem Beobachtungszwang zu tun. Natürlich. Sollte man sich entschuldigen müssen, zur schmeckenden Hand.)

aber das interessiert mich alles nicht mehr, jetzt. ich habe mir ein informationsverbot verordnet. ich lange mir nun oft an meine geschlechtsteile, wenn alles zu schlimm wird. das darf ich kraft meiner eigenen erlaubnis jetzt auch mehrfach täglich, auch sogar an nicht geschlechtsteilkonformen orten. im stillen. einfach, damit sich mein männlicher Stau abbaut und allen enthaltungen und enthauptungen entgegen einen zugang zu meiner lust ermöglicht. ich darf jetzt insekten beim kopulieren beobachten oder farben wahrnehmen über und unter mir an ungewöhnlichen orten. ich darf seit neuestem fassen. ich darf ein kopftuch über mich und mein stolz erhobenes gemächt werfen. im geiste. was männer eben so tun, wenn sie nicht am motorrad oder an waffen schrauben. aber am meisten nerven mich die männer. diese „jungen männer“. die tatsache, dass es immer die „jungen männer“ sind, die den lauf der welt in den arsch treten. nachdem jener lauf mühsam wieder aufgerichtet wurde von denen, männern wie frauen, frauen wie männern, die ihre absolute jungheit ein paar momente hinter sich haben lassen können. kraft bildung und eines gehirnes. die möglicherweise einem gebähren beiwohnen konnten und dies, beispielsweise eine geburt, zu teilen und vermitteln oder was auch immer vermögen, im falle es gegeben. das alles ist vor allem ja ein psychologisches problem. die welt hat ein solches. ein jugendpsychologisches problem. ein phänomenproblem. das ist was neues. den jungen männchen mit flaum in der fresse zu vermitteln, dass es zwar schön ist, wenn endlich ein bart wächst, dass aber damit der erkenntnis zuliebe erst alles anfängt. mittlerweile hasse ich jedwelche kinnbärte. überhaupt fussel an herausgekehrten stellen. das herauskehren nur möglich anhand eines messers in den oft dazu hinterhältigen taschen. neben den pickeln und der akne mitsamt der creme. die ersten und frühesten bartträger waren frauen. ohne schleier. merkt euch das, gefälligst, ihr weicheier. denn richtig vögeln könnt ihr sowieso erst, wenn ihr das internet hinter euch gelassen habt.

(…) mittlerweile, einen tag später, hat sich das seitenproblem seitens facebook erledigt. das wurde also gelöscht. kann ich mich also wieder beruhigt durch neukölln bewegen, auch ohne kinnbart. und milde mich im strudel meiner kulturellen herkunft befinden. es ist ja ein schöner strudel, ein apfelstrudel. wieso sollte man das am vorherigen tag geschriebene nicht schreiben, auch wenn es sich erledigt hat? alles ist zeitlos geworden. vielleicht ist es das. was mich abschreckt. was mich lockt. Und immer das Ich, selten ein Es. auch in meinem zweitberuf, dem restaurieren, dort hat ja schon lange die vergangenheit die gegenwart eingeholt.

alles, wir alle, sind schließlich schützenswert. und förderungsgeeignet, ganz grundsätzlich. wir sind und geniessen zudem, mindestens, ensembleschutz.

auch sogar unsere alten toaster, waschmaschinen und sogar unsere alten Eltern. die ganze welt. und das ist gut so. das ist schon sehr richtig so. / die töchter, sie könnten vermutlich zukünftige welten bewahren. das muss ich nochmals und dringend mit der kirschkern besprechen und allen niedlichen europagegnern zeitgleich bildhaft aufs maul hauen.

mehr bilder. aber nur heute. mehr bilder.