GW2672m

es ist absurd. /jetzt wollen sie ein junges wolfsmännchen höchstrichterlich abschießen, welches noch gar nichts getan hat, noch nicht einmal geknurrt geschweige irgendjemanden angegriffen. er, der junge wolf, ist nur nicht weggelaufen, wie das von ihm erwartet wird. hat sich genähert auf 30m, neugierig, vor allem, wenn weibliche hündinnen den gaffenden menschen begleiteten. sie sagen, er suche eine freundin und verhalte sich deshalb so. das sei auffällig und gefährlich. man müsse ihn „entnehmen“. „entnehmen“ erinnert mich über die maßen an das vokabular aus dunkler deutscher zeit. gemeint ist totschießen, oder auch abknallen.

das alles in einer gegend, die eigentlich eigens genau für tiere wie diesen jungwolf geschaffen worden ist. nun ist er da und die menschen bekommen angst, vor dem geist, den sie riefen. die gegend nennt sich „naturpark nordschwarzwald“. der wolfsrüde wurde „hornisgrindenwolf“ getauft, von anderen wird er „GW2672m“ genannt. es ist also geplant, GW2672m zu entnehmen. halali.

damit sich auch weiterhin sensationssüchtige sonntagsspaziergänger zusammen mit ihren nicht angeleinten läufigen hündchen und ihren nicht gehorchenden blagen zur hornisgrinde begeben können, um einen urahnen des dem menschen liebsten vierbeiner zu sehen. und um dann zu sagen, er „habe sich genähert“. und man habe dann „angst“ bekommen.

wie wäre das denn alles aus wölfischer sicht? man könnte sich vorstellen, dass der ältestenrat der wölfe nunmehr nach gewissentlichen beratungen beschlossen hat, menschen zum riss freizugeben, da sich jene menschen in unnatürlich verhaltensauffälliger weise und sogar mit haustieren oder jungmenschen den wölfen genähert haben. man habe sich diese entscheidung gewiss nicht leicht gemacht.

oder wie wäre es denn, sich (als mensch) einfach einmal ein paar monate lang eine andere gegend auszusuchen für den spaziergang mit hund, oder ohne hund. wenn man denn schon angst hat. ANGST: dieses große gefühl mit gänsehaut! oder ohne freilaufende stadtkleinkinder. man könnte einfach 6km weiterfahren auf der schönen bundesstrasse 500 und die hornisgrinde zunächst für ein paar monate meiden. und dann den – angeleinten – kindern erklären, worauf man in der natur zu achten hat. und wie man sich dort verhält. und, ganz wichtig, zur not auch einmal umkehrt. oder dinge nicht tut, die man eigentlich gerne getan hätte.

man könnte dort fürs leben lernen, wenn man diese erfahrungen verinnerlicht und überträgt auf existenz. wald ist ja nichts anderes, als welt. auch die berufliche oder was weiss ich. die welt eben. aber nein, die natur – also alles um uns herum, was irgendwie lebt und aussieht – hat uns zu dienen. und gefälligst zu liefern für den freizeitwert. das schöne erlebnis. dieses muss garantiert sein, daher klettern auch menschen in weissen turnschuhen und kurzen hosen im winter auf hohe berge, wo sie dann vom wetter oder der nacht überrascht werden und die welt nicht mehr verstehen, wenn sie erfroren sind oder abgestürzt.

diese „entnahme“ nun ist angeordnet ausgerechnet von einer GRÜNEN umweltministerin. es ist kaum zu glauben. es wird nicht wenige stimmen kosten, jetzt so kurz vor der wahl eines neuen landtages. wie gerne würde ich mit der ministerin einmal einen waldspaziergang unternehmen, so richtig im unterholz und mit zecken und schleimpilzen und tollwütigen füchsen oder wildschweinmamas.

bleibt zu hoffen, dass GW2672m schlau ist, seine neugier bremst und sich für die nächsten wochen gut im unterholz verkriecht. immerhin kann er ja offenbar 9,7km entfernt lauernde jäger hören. und sogar verzogene stadtkinder schon riechen, wenn sie in 2,5km entfernung mit stöcken in einem waldameisenhaufen herumstochern und ihre leeren red-bull-dosen in den bach werfen, weil es gerade kein NETZ gibt. (spoiler).

ich habe gelesen, dass sich nun spontan leute zusammenfinden, die jetzt laut klatschend dort durch den wald laufen, um den jungen wolf zu schützen. damit er sich verstecke. vielleicht gibt es ja im „entnahme-team“ auch jäger, die absichtlich daneben schießen? so was kommt ja immer wieder vor und dient oft jahre später als vorlage für großes menschenkino, wo dann geheult wird wie bolle.

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