die kirschkern meinte „tja, augen auf bei der berufswahl!“, als ich mich über die lausigen +2 grad in derjenigen kirche beschwere, deren decke es galt, in jener januarwoche zu bearbeiten. eigentlich war das doch mal ein alter boomer-spruch (?), denke ich so vor mich hin, während sich das alte quecksilberthermometer mit dem anzeigen der realen raumtemperatur unter der alten stuckdecke reichlich zeit lässt, weil es nämlich zuvor im warmen auto gelegen hatte. „das hat uns früher auch nicht geschadet!“ war das geflügelte wort über die weihnachtsfeiertage, ein wenig alt gegen jung und jung gegen alt. im umkehr-zitat, aber mit einem durchaus zugewandtem humor der gnädigen entlarvung. und das „WIRKLICH? – NA SCHAU DICH DOCH AN!“ seitens der jugend ließ dann auch nicht lange warten auf sich, natürlich. hätte ich genauso gemacht. die kirche ursprünglich gotisch, dann aber in den 1960er-jahren gnadenlos nach westen erweitert in beton und glasbausteinen. damals hat man sowas noch ohne denkmalscheu gemacht. irgendwie auch cool und frech und jugendlich. das passt schon alles. hauptsache, es gibt noch JUNGE, die an bessere und gerechtere zukünftige welten glauben und nicht nur ans geld und NFTs. so zum beispiel war die ganze familie schneck zwei tage vor dem heiligen abend beim kollektiven blutspenden, wie immer auf anregung der kirschkern. immerhin, wir haben da 2 liter blut für gute zwecke hinterlassen, man nehme zur anschauung zwei tetrapack milch in eine hand – das sind ordentlich pfund, wie ich finde. / ich wäre wahrscheinlich ein guter stadionsprecher geworden. ein mediziner nicht, denn ich könnte nie blut abnehmen. ein guter zimmermann auch nicht, oder schreiner, denn dazu sind mir finale exaktmaße und -winkel zu egal. leider. als rechtsaussen habe ich ein paar schöne assists gelegt, aber das war in der c-jugend gegen vorderstetten oder hinterstetten. noch dazu: dokumentationen und berichte über geleistete arbeiten waren mir auch immer eher lästig und nebensächlich. dabei ist das doch so wichtig, nicht erst heutzutage: die dokumentation, angeblich. leider auch von halbherzigen arbeiten, die dann groß herauskommen, wenn und sobald sie den atem berauschend dargestellt. ich wollte vor allem immer meine sachen machen. und nicht (hernach) zwangs- und oft lästigerweise diese dann auch noch dokumentieren. aber das kann man sich heute eigentlich nicht mehr leisten. schon gar nicht im künstlerischen bereich. die dinge kommen und werden gemacht und dann wachsen sie gelegentlich und dann verschwimmen sie wieder oder verschwinden. wie wölkchen, ohne anfang und ohne ende. die wichtigsten momente von wolken sind diejenigen ihrer reflektierten ENTDECKUNG. wenn genügend zeit darüber vergangen ist. wirkliche relevanz wird ja erst dann sichtbar, wenn alles ein paar jahre her. „das hätte dir früher auch nicht geschadet!“ hör ich den lieben gott einst zu mir sagen. angesprochen auf fehlende dokumentation. mich entgegnen höre ich dann sinngemäß, „gnä Frau, Sie und nicht ich haben doch die Zeit, deren Krümmung sowie die ewige Wiederkehr erfunden, wenn ich mich nicht irre?“ Immer freundlich bleiben, v.a. gegenüber göttInnen. ich werfe sogar frech in den himmlischen raum: schöne resultate und gute arbeit sind oftmals natürliche gegner der dokumentation, jedenfalls der eigenen. und andersherum. so behaupte ich. im nächsten leben werde ich ggf. jurist. ich wäre außerdem ein toller stadionsprecher. wie wird man eigentlich stadionsprecher? / später in jener kleinen kirche war aber erst mal retuschieren bei mittlerweile +7 grad, überkopf an einer alten stuckierten decke, jene voll mit vom weihrauch lange vergangener zeiten verschwärzten spinnweben aus ebensolange vergangenen spinnendynastien.
#
geschrieben adhoc: die tage rutschen so durch. im fränkischen abermals schwarze alte spinnennester von gotischen pfeilern entfernt. diesmal von einer scherenarbeitsbühne aus, lumpige 10m arbeitshöhe. mit joystick und akku durch die lieblingskirche heizen. und cruisen und kreuzen und einparken üben. macht nebenbei – auch – spaß. clevere verlängerungen am saugapparat, um die ungeliebte patina zu erreichen, machen mir laune. (und günstig dazu). /aber viel wichtiger noch sind zwanzig neu entstandene schwarzgrafische malereien auf quietschgrünem grund, in 70x100cm, eigens hergestellt für eine ausstellung in ebensolchen quietschgrünen räumen, die in zwei wochen beginnt. herzliche einladung schon mal, zur eröffnung von EXPRESSGRÜN am 28.2.2026 und einer später datierten lesung. (…)
#
geschrieben sic: auf arbeitsbühnen kommt man den dingen manchmal näher, als WIE vom boden aus oder von tatsachen. beispielsweise einem in holz geschnitztem relief, dem sog. Ebner-Epitaph? über einem südlichen portal der sebalduskirche in nürnberg. gestiftet einst von der familie zu ehren von Christina Ebner (1277-1356), geschaffen um 1431, also vor sechshundert jahren. es war mir all die jahre nie aufgefallen, sehr seltsam. damals gab es noch keinen fiat cinquecento, weder benzin noch elektro noch retro, bei aller kurzfristigen zeitlosigkeit heutiger momente. allen überheblichen gedanken aus dem schwimmbecken spätergeborener überheblichkeiten sei hiermit also erhebliche absage. auch staubsauger gab es ja damals noch nicht. die tage rutschen mir so durch wie vor 600 jahren. und aber „augen auf bei der berufswahl“ gab es wahrscheinlich auch damals schon, jedenfalls für männliche Wesen und sowieso im sehr kleinen bereich der eher wenig grenzenlosen möglichkeiten. und sowieso, man wurde ja da max. achtunddreißig, behaupten sie immer.
(hoppla heut jetzt freitag der dreizehnte. na gut, mir wurscht, sollen sie.)







