wieso, weshalb, warum

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„Kann ja mal passieren.“

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Lkw fuhr beim Zurücksetzen in mein ordnungsgemäß geparktes Autoheck, Klappe kaputt, Glas kaputt, alles kaputt, Wertermittlung Fahrzeug durch Gutachter 4200, Reparatur Heckklappe 3500, also neue Heckklappe, die fast so viel wert ist wie Fahrzeug, gebrauchte Heckklappen gibts aber leider nicht, da das die häufigsten Unfälle sind bei diesem Typ Kfz, also Reparatur und Mietwagen, ärgerlich – sehr, alles – man hat ja sonst nichts zu tun und daher lieber gleich zum Juristen.

Ich hätte mir eine beispielsweise blaumetallische Heckklappe so schön vorstellen können, Alleinstellungsmerkmal wär’s gewesen und Resteverwertung, quasi eine fahrende „Collage“, ganz mein Ding also, dazu bunt und ressoucenschonend. Die Polizei kam und war aber alsbald nicht zuständig, da es sich bei dem Gelände um einen „nicht öffentlichen Verkehrsraum“ handelte, ich bekam aber trotzdem ein Visitenkärtchen, notfalls zeugenbenennend, dem Verursacher war alles unendlich peinlich, als ich mir das Dilemma besah, waren die Scherben bereits sehr ordentlich zusammengekehrt, ein türkisfarben in der Sonne funkelndes Glitzerhäufchen, fast ein bisschen Mittelmeer.

Das alles auf dem Parkplatz eines ehemaligen Bürgerhospitals aus den 1950er Jahren, welches seit drei Jahren in Zwischennutzung als Flüchtlingsunterkunft diente und nun sind bald alle ausgezogen, weshalb die denkmalpflegerischen Untersuchungen zur Erstausstattung beginnen, an denen ich teilnehmen darf. Ein Miet-Lkw war’s gewesen, ein 7,5-Tonner aus München und die Eltern wollten doch nur ihrem Sohn behilflich sein, der aber gerade nicht zugegen war, als es passierte, ich verdränge die Geschichten und Verantwortlichkeiten dahinter und fahre also schon hoffentlich bald mit einem Kfz durch die Gegend, dessen Heckklappe fünf Sechstel so viel wert ist, wie das Kfz selbst. Wieso, weshalb, warum.

Gespräch mit der Intergationsberaterin-Ausbildung der IHK und dem ausbildenden Unternehmen, ein guter Termin, politische Stolpersteine mit sich in den Schwanz beißenden Großkatzen, Bayern und Baden-Württemberg sehr restriktiv, sollte Verwaltungsgericht die Ablehnung bestätigen, dann muss, um eine „Ausbildungsduldung“ zu erhalten, innerhalb von wenigen Wochen ein Personaldokument beschafft werden.

Solange aber das Asylverfahren läuft, sei jeder Kontakt zu staatlichen Behörden des Landes, aus dem man geflüchtet ist, zu vermeiden, denn man ist ja geflüchtet von dort, weil man dort verfolgt wird, ausserdem kann man ja mit Personaldokument des Herkunftslandes abgeschoben werden, nicht allerdings, wenn man keines hat.

„Nur rauskriegen, wie lange es im Ernstfall dauern würde, nicht in Kontakt treten“ die Devise, absurd das alles, zudem: Schutz vor Abschiebung während Ausbildung anscheinend erst im dritten Lehrjahr, das war mir jetzt auch neu, ich dachte, grundsätzlich während der gesamten Ausbildung – wieso ist das alles so, verehrte Politik, wieso wird es denjenigen, die auf einem sehr guten Weg sind und die laut deutscher Wirtschaft dringendst gebraucht werden, so schwer gemacht. Keine Ahnung. Oder doch so eine leise Ahnung.

Und das bei einhelliger Einschätzung, dass es oft junge Geflüchtete sind, die sich häufig mehr engagieren und anstrengen in der Ausbildung, als es die gesättigten einheimischen Gleichaltrigen tun. Und ausserdem, wie soll man aus einem chaotisierten Herkunftsland bitteschön eine Geburtsurkunde beschaffen oder ein Personaldokument, es gibt da nur eine rudimentäre Verwaltung diesbezüglich, Geburtsurkunden im Grunde kennt man dort ohnehin nicht, und wen sollte man dort antelefonieren und anfunken, wenn immer wieder die Netzmasten zerstört werden von den INSURGENTS und sowieso die Angehörigen ja selbst auf der Flucht sind und es keinen Kontakt daher zu denjenigen gibt, die mal eben „aufs Amt“ gehen könnten für einen.

Noch dazu die Angst, den Verwandten könnte etwas zustossen, wenn sich der Geflüchtete plötzlich an heimatstaatliche Behörden wendet und diese das dann – an wen auch immer, die Aufständischen vielleicht? – weitergeben. Das alles in einem „sicheren“ Herkunftsland. Wieso, weshalb, warum.

Da die 1950er Jahre nun so langsam in einen denkmalpflegerischen Augenmerk hineinrücken, soll die Erstausstattung jenes ehemaligen Hospitals dokumentiert werden. Angefangen von den ursprünglichen Farbigkeiten der Bauteile bis hin zur Machart von Details, zum Beispiel originalen Fensterbeschlägen und Türgriffen, oder der Form und Beschaffenheit von Balkongeländern. Da ist vieles noch Neuland.

Lange leere Krankenhausflure, dazu ein entsprechender Geruch, ein paar Tauben, die sich wegen offenstehender Fenster niedergelassen haben, Relikte der Zwischennutzung als Massenunterkunft von Geflüchteten, Schlimmes und Bewegendes, nur ein paar Stockwerke sind noch bewohnt, Kritzeleien an den Wänden, spielende Kinder im Haupttreppenhaus, kleine Dialoge mit jenen, und ein Häuschen für die Security, freundliches Zunicken bei der Ein- und Ausfahrt.

Die Kollegin hat sich einen kleinen Klapproller mitgebracht, um diese Hunderte von Flurmetern schneller überwinden zu können, ich verlege mich aufs Rennen, wenn mal eben kurz nochmals etwas nachgeschaut werden muss, zum Beispiel in Zimmer 605, welches zweihundert Meter und drei aufzuglose Stockwerke entfernt liegt. Interessant für uns vor allem die Farbigkeiten und Farbmaterialien und alles gestaltet sich viel komplizierter und daher noch interessanter, als ich es zunächst erwartet hatte. Was mir sehr gefällt. Auch wir suchen ja dort detektivisch nach dem wieso, weshalb, warum. Wir wollen die Geheimnisse knacken, diese ewigen Nüsse der Hinterlassenschaften.

Das Pflegeheim meldete sich, als wir gerade einem ersten satten grünlichem Blau über Menninge an den metallenen Fensterrahmen auf der Dachterrasse im siebten Stockwerk auf der Spur waren, mit Skalpell, Köpfchen und Lupenbrille. Ein Umzug könne in drei Wochen stattfinden. Wenn ich das wollen würde. Ich hatte so gehofft, sie melden sich erstmal nicht. In drei Tagen soll ich entscheiden. Wieso, weshalb, warum.

Und dennoch trägt irgendwas durch diese Tage, keine Ahnung, was und warum und wieso.

immer neu nie mehr wieder

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(Abb.: 2×2 Meter, noch lange nicht fertig, aber mit Lieblingsmalschuhen und linksseitigen Irrlichtern in Bodennähe.)

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es ist ein wenig (einen hauch) zuviel derzeit. ich ersehne ein kleines semi-burnout, um endlich einmal pause zu haben. aber das ist natürlich totaler quatsch. ich will nicht spaßen.

ich will auch nicht jammern. ich hasse jammern, außer manchmal eben, wenn die dinge zu viel werden. ich wünschte mir einfach sechs wochen federkissen, frische luft, ausschlafen, massagen, schwimmen, rennen durch den wald und keine sorgen um die „kröten“. bei vollem lohnausgleich. nach einer „kur“ muss ich jedoch als freiberufler den arzt gar nicht erst fragen. ich wäre nun ja im besten kur-alter, aber kur ist alte welt.

wahrscheinlich würde ich mich auch nach drei tagen langweilen.

„die kröten“, so nenne ich nun liebevoll die kinderschar. die kirschkern bereist irland, danach will sie in einer alten universitätsstadt am neckar studieren. islamwissenschaften, vor allem wegen der sprachen, und gemanistik. meinen segen hat sie, solange sie nicht irgendwann mit kopftuch vor der türe steht. wahrscheinlich wird sie genau dies machen, sollte sie meine zeilen lesen. und seis nur, um mich zu erschrecken. mein return wäre dann, ihr einen pinken burkini zum geburtstag zu schenken. haha.

salman hat eine wohnung gefunden, ab anfang august kann er dort einziehen. noch betreut ein bisschen, bis er einundzwanzig ist. er freut sich auf seine ausbildung zum fachlageristen bei einem örtlichen mittelständler. gabelstapler fahren und waren scannen, lkw beladen. eine männerwelt dort, maschinen, muskeln und aber auch köpfchen, ganz sein ding. er jobbt auch schon regelmäßig in dieser firma. ein plan ist, bald den führerschein zu machen. vor allem den staplerschein. er sagt nun immer „hauptschluss“ zum hauptschulabschluss. das gefällt mir.

in dieser woche beginnen die prüfungen. er fühlt sich sicher, auch, weil er weiss, dass nur wenige aus seiner klasse einen ausbildungsplatz haben. und er, salman, war dort der erste, der einen hatte. stolz sein mag er. zurecht, das ist ok. manchmal ist er ein bisschen zu viel stolz, aber das sei seiner jugend geschuldet.

bahram zögert noch bezüglich seiner ausbildung zum kaufmann. bahram ist ein möglichkeitenjunkie. man muss ihm da mit klarer ansage helfen. ich hörte mich jüngst erst ihm gegenüber sagen: „ein echter mann braucht irgendwann einen beruf!“.

manchmal helfen solche männersachen, pädagogisch, lebenswegberatend. frau mullah sagt mir, „das musst DU ihnen sagen, das muss ihnen ein MANN sagen…“.

und das mir, wo ich doch vaterlos aufwuchs. eigentlich hab ich sowas gar nicht gelernt in meiner jugend. erst jetzt. schon witzig.

ein bekannter herrenausstatter vom rande der schwäbischen alb, wo er vor ein paar wochen ein schülerpraktikum absolviert hat, gibt keine rückmeldung auf seine bewerbung. er könnte das sicher gut dort, die kunden bezüglich klamotten beraten. er hat ein händchen dafür, sehr stylish, immer chique, dabei dezent, mit gutem geschmack und empathie.

oder doch lieber lebensmittel bei einer großen handelskette? da jobbt er nun, auch schon als eine art „probearbeiten“ im rahmen seiner bewerbung zur ausbildung. vor ein paar tagen standen wir neugierig an der kasse dort in der schlange, salman und ich. er macht das wirklich ganz prima. kommunikation ist eine große und schöne fähigkeit von ihm. „sammeln sie punkte?“ grinste er mich freundlich an, mit augenzwinkern, als wir an der reihe waren. und dann „… wollen sie noch geld abheben?“ zuletzt ein „ich wünsche ihnen noch einen schönen tag!“.

fast unglaublich, das denken wir oft. noch nicht mal vor ganz drei jahren erst zog er von afghanistan los mit einem kleinen rucksack.

und dann noch zuletzt die sehr großzügige und tolle möglichkeit einer ausbildung zum industriekaufmann bei einem nicht unbekannten textilhersteller in der nähe. momentan tendiert er sehr dorthin. beim sechswöchigen intensiv-sprachkurs, der als bedingung für diesen ausbildungsplatz genannt wurde, hat er sich schon angemeldet.

in den kommenden tagen jedenfalls muss das alles endlich unter dach und fach sein.

auch bahram sucht eine eigene wohnung. das auch noch. und ein kleines motorrad will er sich kaufen, irgendwann. die pläne purzeln – und das ist auch gut so. eine schöne dynamik. „eins nach dem andern…“ sagen wir ständig. jetzt erst mal den HAUPTSCHLUSS. und dann sehen wir weiter.

frau mullah wechselt zum oktober ihre arbeitsstelle. ein ganz eigenes großes thema, nach vierzehn jahren die geliebte gemeinde zu verlassen. aber so ist das eben bei pfarrers. das fällt schwer und braucht innere beschäftigung mit raum. ganz abgesehen von den praktischen dingen. und dem auszug aus dem geliebten pfarrhaus.

und ich hadere immer noch mit der anmeldung der alten dame im pflegeheim. ob das wirklich richtig war und ist. ich könnte diesen vorgang immer noch stoppen. und wieso kann mir niemand bei dieser schweren entscheidung helfen. wieso wird mir das nicht erspart? wünschte mir geschwister, aber die sind ja auch schon gestorben. frau mullah sagt immer, wir sind nun im besten „sandwichalter“: oben die eltern, unten die kinder. und wir mittenmang. wie der burger im brötchen, nur ohne gurke.

und alle fordern energie. zu recht, so ist das eben. gehört auch dazu zum leben. und wenn dann, irgendwann, alle plötzlich weg sind, dann steht man ja auch da, wie der ochse im leeren haus vorm berg.

bei all dem gibt es ja auch noch die broterwerbsarbeiten. ich danke dem alten nürnberger kollegen für stete anfragen und miteinbeziehung in seine zu verrichtenden baustellen. und ich danke einer lieben kollegin für einige schöne arbeiten in der nähe, bei denen ich in diesem jahr mitwirken kann. demnächst gilt es, die farbliche originalausstattung eines großen hospitals aus den 1950er jahren zu untersuchen. danach dann eine gotische wandmalerei zu konservieren. sowie einige kleinere schöne arbeiten in der umgegend, allesamt interessant. und das schönste, abends kann ich zu hause sein.

und dann die atelierarbeit, die ja weitergehen muss. und will. auch in solch überladenen zeiten. jetzt erst recht. meist in den abendstunden. die innerbildlichen pläne mitsamt imaginationen für jene größere soloshow im mittleren spätherbst sind nun gereift. das alles braucht zeit und einkehr, das geht nicht hopplahopp.

seit zwanzig jahren habe ich endlich einmal wieder knochenleim gekocht. der geruch setzte sich umgehend an alte wohlige synapsen der ausbildungszeit. zwei große rahmen zusammengeklopft, leinwand aufgezogen, die großen feinen marderpinsel herausgekramt.

ich werde die ausstellung „immer neu nie mehr wieder“ nennen. ohne komma oder satzzeichen. das entspricht auch meinem manchmal tiefergelegten sprachverständnis. da fließt dann alles ein. eine runde sache, finde ich, der lauf der dinge, mit wohlwollen und grundsätzlicher bereitschaft für neues bei aller mühsal manchmal. also doch jammern, wenigstens so ein bisschen.

morgen ist dann gemeindeausflug im reisebus nach villingen-schwenningen. abfahrt neun uhr. da geh ich natürlich mit, nicht nur als pfarrmann, sondern weil es freude macht, fröhlich ist und meist sehr lustig. ausserdem soll ich über die kirchen referieren, die besucht werden. vorher muss ich aber schnell noch den wagen zum TÜV bringen. und heute noch, jetzt gleich, wieder rasenmähen und nachher noch den kindergeldantrag bearbeiten, wenn vorher noch quark und nüsse für die alte dame besorgt sind sowie ihr rezept vom orthopäden für krankengymnasik, hausbesuch. also immer neu nie mehr wieder.

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die amseln pfeifen immer noch in der spätdämmerung, während ich hier sitze und notiere, der große knall mit gewitter blieb aus, ein paar tropfen, na gut. blaues licht von draussen, türe auf, die mücken kommen jetzt langsam rein, ich lass sie, denn sie spinnen und das ganze andere, was hier rumkreucht, brauchen ja auch futter. was sollen die spinnen sagen über die meldungen übers insektensterben. an der türe hat sich eine spinne ein sandhäufchen gebaut, ameisen krabbeln hoch und rutschen dann ins spinnenloch, hiessen die nicht irgendwas mit ‚wolf‘? ich habs einmal weggemacht morgens, abends wars wieder da. das fanggebilde. schon vor sechs wochen. nun lass ich sie halt machen.

gestern den rasen, besser nun „die wiese“ das erste mal mit dem elektro gemäht. salman meinte schon, afghanisch sensenerfahren, das ginge langsam gar nicht mehr mit so einem kurzhaarschneider. zuvor aber waren viel zu viele wunderbare pflanzen am tun und blühen und sich anstrengen. einen richtige wiese wars, mit allerlei seltenem mittenmang. lebensraum. „waldbaden“ sagen sie ja jetzt zum laufen durch den wald und das aufsaugen von dem, was der wald sagt. oder meint. therapeutisch seis. na, dann hatte ich wohl genug therapie in meiner jugend. im wald ist es einfach immer schön und aufregend. in einer wiese auch. finde ich immer noch. schult alles mögliche an wahrnehmungen. oder dann an herleitungen. und zuletzt an vorstellungen von einordnungen. vor und zurück, und dann vor.

sonnenbeschienene fleckchen, moos, landschaft, ecken und stille plätze, schäferstündchen. wiesenbaden.

adoleszente blindschleichen, die sich ein bisschen fürchten vor einem. ab und an ein frosch. im wald rennen, denken, trauern, schöpfen. vor allem aber lieben.

ideen.

wieviele ideen mir schon alleine im wald gekommen sind. beim gehen oder rennen. und auf hochsitzen, beim pausieren. beim pläneschmieden oder wiederfinden. oder geschichten zu kleidungsstücken, die ich dort fand. söckchen, hemden, hemdchen, frivole kleine unterhosen.

einmal mit der kirschkern, da war sie fünf, einen schatz vergraben, am ukleisee (toteisbecken). an einer buche. ich würde sie nicht wiederfinden, die buche. gut so.

heut südlich von balingen gewesen, südwestlich. ein barocker kleiner pavillion im garten eines renaissanceschlösschens, mit wassergraben. im pavillion niederländische fliesen, kacheln, fayence. das ganze ding voll davon. gepflegter garten, springbrünnelchen, deren betreiber nicht zu hohe wasserkosten beklagen offenbar. die kacheln teils desolat, durch statische probleme locker und verworfen. behutsames abnehmen und lösen, die kanten bereinigen, abwaschen, sodann wieder applizieren. stets mit kalkbasierten materialien. mal fett, mal dünn. immer alles schön nass. damit sich die dinge langsam biegen und setzen. und nicht zu schnell ihren neuen gegebenheiten erliegen.

unterbauten herstellen – man ist dann immer auch mal ‚Maurer‘ sozusagen – und dann alles geradebiegen und die fugen schön. heute nacht soll alles trocknen, oder zumindest „anziehen“, so dass morgen die letzte oberfläche gestaltet werden kann. geglättet. heute hinterfüllt, hinterspritzt mit spritze. und sanftem sämigen material. um von hinten stabilität zu schaffen. kleinteilig oft. hat man ja gelernt.

„Ich könnt‘ das nie!“ sagen die wohlwollenden besucher des unterstützerkreises PAVILLION. sinngemäß. „So viel Geduld braucht man da!“. wie oft hab ich das schon gehört. und immer freundlich. auch immer freundlich dann die antwort: „Na, deshalb sind wir ja da.“ auch heute.

in der nähe vom pavillion ein freibad mit kreischenden besuchern den ganzen tag. da ich kein freibadliebhaber bin, nie war, machts mir nichts aus. abends heute merk ich meine knie. den ganzen tag auf knien. obwohl die ja noch ok sind. aber heute abend muss ich füsse strecken. und zehen spielen lassen. morgen gehts weiter.

allerlei neuigkeiten im privaten. und Bahram braucht noch einen ausbildungsplatz. oder eine zusage, dass er die schule weitermachen kann. alles in den nächsten 4 wochen. im november habe ich eine ausstellung in großen räumen und ich weiss noch nicht, ob ich großformate oder kleine werke zeige. ich hätte große lust auf grossformate. aber die gibts neu noch nicht. dazu: ich habe die alte dame in einem pflegeheim angemeldet. nach monatelangem verschieben. herz so schwer, dass ich es kaum tragen kann. wieso wird ausgerechnet MIR diese entscheidung zugemutet? wieso kommen nicht tod oder leben vorbei von alleine? wie sonst ja auch.

na, egal. ist eben so.

zeit, in den wald zu gehen und schäferstündchen. und wie gerne würde ich wieder anonym schreiben. aber alles ist eine große aufgabe, die sich zu verschmelzen im walde und auf heide lohnt. muss wohl. neben dem plätschern der quelle aus erinnerung, lenden, krimskrams, arbeit, geld und vorstellung von idee. mit farbe und material. so werd ich das schon hinkriegen. wir hier alle. das weitere jahr wird voll werden. immer an der wand lang.

in meiner vorstellung ein großes warmes orangenes irgendwie sinnliches OVAL, händisch gewollt unvollkommen, mit wässrigem bindemittel auf mit erwärmtem knochenleim stabilisiertem baumwollstoff-NATUR im quadrat 140×140, darüber allerlei ölige subjektive zitterlinien mit fettem breitpinsel (links schwarz, rechts weiss, dazwischen ocker, beispielsweise). als anfang, wenigstens. anfang von monumental, drunter könnte kontrolliert stehen „fresse“ oder „Wald“. oder nichts. monumental hat mich nie wirklich interessiert, Sinn im Bildwerk dagegen immer.

so gehts mir gerade. und morgen noch die barocken goldleisten einfummeln. retuschieren. danach auf sonnigen lichtungen irgendwo, im moos den bauch und alles in die halbsonne und dann würstchen grillen am waldrand, nichthalal und halal. immerhin ist ja ramasan jetzt und senf passt immer.

grosses Wort: SENF.

gespiegelt

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Gleich mehrere Dinge spiegelten sich, würden sich spiegeln, sollten sich also spiegeln. Zum einen das Linksfahren, per se. Eigentlich kein Thema, so für sich allein. Ich war ja schon ein paar Mal im Angelsächsischen mit dem Auto gefahren, einmal sogar mit einem orangefarbenen Kleinbus. Allerdings mit einem Kontinentalen.

Dann aber, dazu, das rechts sitzen und steuern. Die rechte Hand hier so, wie sonst die linke: Wertlos, arbeitslos. Und daher also noch eins drauf: Links schalten. Mit der linken Hand. Und zwar nicht etwa gespiegelt, sondern doppelt gespiegelt. Mit einem Arm, der gewohnt nichts tut, ausser seinen Ellenbogen auf die Fensterschwelle zu legen. Lässig. Und dann der gewohnte Blick in den Innenrückspiegel, rechts oben, mittig? Pfeifendeckel, Fehlanzeige. Hier natürlich links oben, mittig. Und alles immer gleichzeitig. Mit der linken Hand die Gänge schalten, und zwar links vorne der erste Gang, links unten der zweite. Und so weiter. Gelernt und im Kleinhirn verinnerlicht ja Gleiches mit der rechten Hand. Also nicht etwa tatsächlich gespiegelt: Konsequent wäre gewesen, mit der linken Hand den ersten Gang rechts oben einzulegen, den Zweiten rechts unten und so weiter. Nichts von alledem.

Dazu noch ein französischer Beinahe-SUV mit einem komischen Namen. Und nicht etwa ein Kleinwagen, den inselüblichen Straßenbreiten angemessen. Dazu eine fehlende Kaskominderung. Sie hätten wollen für eine Reduzierung von 2000 auf 500 geseifte 234,00 für 8 Tage. Im Internet klang das noch anders. Auf 300 geschlagene 350,00. Für 8 Tage, zur inneren Beruhigung. Also vertrauten wir Gott und ließen es bleiben, den teuren Schnickschnack.

Dazu: Keine Handbremsen gibt es mehr. Schlimm. Ich wusste das noch nicht. Stattdessen einen schön beschrifteten Knopf. Die Jungen nennen das jetzt wohl „Anfahrhilfe“? Einen eigenwilligen Knopf. Mal löste er die Bremse, mal nicht. Beim Anfahren oder beim Rückwärtsfahren. Den Gang herausnehmen oder mit dem Fuß die Fußbremse antippen. Mal funktionierte das, mal nicht. Lieber nicht am Berg anfahren, die Devise. Und auch die Getriebe scheinen jetzt sich selbst schützend: Mit Gewalt geht gar nichts. Man musste zum Stillstand gekommen sein, um den ersten Gang einzulegen. Oder schnell einmal den Rückwärtsgang. Der Wagen schrieb einem Ruhe und Lässigkeit vor in unruhigen Zeiten.

Beim Öffnen der Türen ein Geräusch, als würde James Bond einen Großrechner aus Atom hochfahren.

Und dazu die schmalen Sträßchen und die linken Bordsteine. Als aufmerksam engagierter Beifahrer oft der Hinweis, etwas mehr mittig zu fahren und nicht zu weit links. Oder die entgegengesetzte Beobachtung, dass „das mit dem strassenmittigen Aussenspiegel und dem Kotflügel des soeben passierten LKW“ doch recht knapp war. So ein Aussenspiegel käme bestimmt auf 800,00 in seiner Erneuerung. Dachte ich öfters und schaute dann lieber weg im Übersprung in die schöne Landschaft, mich in die Schweißhände des heiligen Patrick begebend.

Für das Kleinhirn und fürs Jungbleiben und flexibel war das bestimmt alles gut. Man soll ja auch zu Hause ab und an die Dinge seitenverkehrt angehen, zum Beispiel Zähneputzen mit der linken Hand. Ich kann übrigens auch minutenlang auf einem Bein stehen, ohne umzukippen, alles kein Problem. Aber ich mag keine Scheibenwischer, die von alleine angehen. Und sogar schneller wischen von alleine, wenn es stärker regnet. Das alles macht mich kirre. Ich will das selbermachen, wenigstens diese letzten selbstbestimmten Dinge, die es überhaupt noch gibt.

Die Köchin meinte mehrfach, ich würde nun wohl alt werden. Obwohl auch sie weiss, dass ich minutenlang auf einem Bein stehen kann. Kann schon sein. Alt und trotzig. In meiner Verachtung für Ingenieurskunst, die die sich selbst findenden Pfade vorgibt. So also fuhr überwiegend sie, die Köchin, den ausgeborgten Wagen und hat sich gleich mehrere Orden verdient. Alles ist gut gegangen. Ich war so froh, als wir dieses fahrende Ding endlich wohlbehalten am Flugplatz abgeben konnten.

Um danach am Flugschalter SELBER das Gepäck aufzugeben. Na geht doch, dachte ich. Nur eben spiegelverkehrt.

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Dublin, Galway, Lisdoonvarna, Kilrush, Killarney, Cashel, Cahir und Greystones. Und noch viele andere wunderbare Orte. Bei schönstem Wetter. Aber die Reise an sich, das wäre eine andere Geschichte.

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Stattdessen, noch im Urlaubsland, Nachrichten der Muckenschissfraktion. Nun ja, der Muckenschiss hat Millionen Menschen jüdischen Glaubens in den Tod vergast, der Muckenschiss hat 60 Mio. weitere Leute umgebracht, der Muckenschiss hat übrigens auch meinen Vater umgebracht, weiterhin hat der Muckenschiss mir MEIN Ostpreussen genommen und der heutige Muckenschiss lebt mittlerweile wieder von Steuergeldern (wie kann das sein?), auch sogar wenn er (der heutige Muckenschiss) ungestraft sagen darf, er „will auf Gräbern tanzen und auf Leichen pissen“ und er könne es kaum erwarten, dies zu tun, wieso bitte sollte ich da noch mit solchen Muckenschissleuten reden, nur weil diesen Muckenschiss 5 Mio. Leute wählen und es immer heisst, man müsse mit denen reden, weil sie ja demokratisch legitimiert seien? Ach geh mir weg. Geht mir weg, ihr 5 Millionen und hängt euer geheucheltes Kreuz tiefer, sollte irgendwas in euren Hosen vorhanden sein neben den eurigen Taschen voller beim Discounter gespartem Geld. Und eure angebliche Bildung, mit der Ihr ja mehr als gelegentlich kokkettiert, hätte der Muckenschissmörder euch ohnehin niemals finanziert. Eure Späßchen sind vorbei, vor allem die gespiegelten.