zärtl. Jägerkusinen

schoene_leiter

was man in den großen städten ja nicht so hat: man kann nicht einfach mal schnell aus dem atelier treten, wenn die blase drückt während schöpferischer arbeiten, unbeobachtet in den nächtlichen garten hinein, und sich an die von bogusia mit ihrem grünem daumen allzukurz geschnittene großstaude stellen, (oder den japanischen essigbaum), um diesen wuchergewächsen ggf. auch noch etwas gutes zu tun (auch wenn dies gestrüpp seit jahren eigentlich stört, nein, es stört nicht, besser: es nervt, aber das ja schließlich kein endgrund, diese dräuenden lebewesen gleich zu vernichten mit ihren tiefwurzeln), jetzt, wo die vegetationsperiode doch langsam anfängt und das güllen und jauchen daher wieder erlaubt ist. man muss dabei dann allerdings achtgeben, keine feuersalamander ausversehen zu zertreten im dunkeln, auch das allerdings ein problem, welchem man in großen städten eher nicht unbedingt begegnet.

hinauf aufs gerüst, runter vom gerüst. wir sind nun im 2.OG angelangt mit unseren maßnahmen in der burg. die decken sind höher, daher ein einetagiges gerüstchen mit rollen, zum verschieben im raum. die bewegung ist es, oder die sogenannte alltags-bewegung, wie man so sagt. die leiter hoch und nunter, sich bücken mit verdrehten armen oder stundenlang auf einer sprosse zu stehen, der einer leiter, balancieren nach hie und da, das eigene wackeln ausgleichen und das der umwelt mit horizontlinie und währenddessen arbeiten mit den irgendwie beiden händen, zum beispiel farbe streichen oder sich zu einem eimer mit frischem wasser hinstrecken, dabei den einen fuß weit in die luft ausgestellt, wegen des eigengewichtes oder des gewichtes des pinsels oder der bürste oder des feuchten schwammes, oder dann wiederum des schwammes, welcher zum beispiel alten angelösten tapetenkleister der 1930er-jahre aufgenommen hat, um diesen dann ins schmutzige wasser auszudrücken, um sogleich im frischen wasser wieder frisches wasser aufzunehmen, das nennt man übrigens das „2-eimer-prinzip“, einfach deshalb, damit man immer auch frisches wasser hat zur verfügung neben dem bereits schmutzigen, damit die wände klar und rein werden, ohne dass man laufend frisches wasser holen müsste. währenddessen an den wänden drücken und quetschen und streichen und zart oder heftig abnehmen, mit gefühl, gewalt oder schwung, es ist ein buntes kardanisches treiben, welches allerlei muskeln, ganz wie nebenbei, aktiviert und warm laufen lässt, mitsamt dem innenohr.

früher als mittelloser bursche dachte ich meistens, was für ein scheißjob. heute gegenhin freue ich mich darüber, dass ich mir die bewegung nicht einigermaßen künstlich herbeiholen muss, sondern dass meine körperertüchtigungen einen gewissentlichen sinn haben, jenseits dem lediglichen eigensinn, sogar einen kulturellen meistens, und dazu meinen lebensunterhalt gleichzeitig mitfinanzieren manchmal, ich könnte auch sagen und undogmatisch freundlich behaupten aus jahrelanger erfahrung nun heraus: ich mag körperliche arbeit von ganzem herzen und schwitze auch gerne mal dabei, wenn es denn sein muss und sich ergeben sollte.

(wenn es nicht das einzige ist im leben.)

./.

…und wie sie da saß am vergangenen sonntag abend, im moderiertgrünen taillierten jackett, umringt von neoindustrieproletarisch geborenen fernsehfeinden der lügenden rotationspressen – und doch so stolz vom adel und ganz ruhig sich deren demokratische belehrungen anhörte, anhören musste, so zärtlich schutzbedürftig in ihrer mimik war sie und dabei doch so trutzig und stark und aber auch so spürbar verletzlich mit diesen augenaufschlägen und bebenden winkeln ihres wissenden mundes, wie sie nur der unschuld erwachsende haben, wenn sie dabei sind, zum martyriumwechsel zu werden.

meine mir männlich angeborenen schutzsirenen gegenüber dem weiblichen an und für sich heulten auf („Weib und Macht“), ich mochte dann eigentlich reflexartig sogleich kinder machen mit ihr, vier oder vielleicht sieben, ganz egal, auch wenn ich wusste bereits, ich würde ja niemals standesgemäß sein herkunftig bis in alle ewigkeit. umso mehr ein starkes und fast mystisches hingezogenheitsgefühl, dieses hodengemisch aus beschützung, untertan und bedingungsloser unterwerfung, wir müssen künftig uns darauf zurückbesinnen, es ist unsere pflicht, unsere könige und königinnen zu wundern zu erklären und zu verteidigen und uns ihnen unterzuordnen, auch wenn sie uns vielleicht viel abverlangen in ihrer geborenen lenkungsgegebenheit, oder sie unsere leben nehmen, während sie uns gleichwohl stets doch den richtigen weg aufzeigen in umfassender güte und recht.

und dann, meine geheim ufernden gedanken an zärtliche spiele der beiden busenreifen cousinen, wie ich mich dafür schäme, vielleicht in meinem jägerbewaffneten beisein sogar, ich hätte in der türe einer ehemals königlichen jagdhütte im reichswald stehen können, bejankert zum beispiel, sowie in loyaler haltung, angesichts einer warm bereiteten bettstatt neben bärenfellen und birkenkaminfeuer, zur einfachen und diskreten bewachung der zweierlei vorsitzenden gegenüber irgendwelchen demokraten, zwischen der adligen und der pfarrersfrau, jedwelcher geistig angebeteten also – ich schnitt mir dagegen schnell ein laub vom eich, biss auf meine tausend zungen und schoss das schrot meiner büchse in meinen rechten fuss, wenigstens in übersprünglichen gedanken, um mich selbst zu bestrafen, bevor sich in zeitlicher kurzfolge die beiden nackten doppelspitzen gegenseitig und rhytmisch seufzend ins ausdauernde glück ritten vor gott, mit ihren gülden perlenden unterleiben.

ich errötete untertänigst und schwor diskretion.

man kennt ja solche geschichten.

ich glaube nun relativ fest zum ende hin, es wäre daher an der zeit erneut fuer eine monarchie mit hofstätten, königinnen, prinzen, geheimen tapetentüren, verwandten derselben, hostessen am fleisch, hugenotten, cousinen und deren frauen und töchter und geschlechtlichen söhnen und unehelichen protagonisten mit blauem blut, angestellten mägden oder bauernsöhnen im dutt und hohen röcken und hosenröcken, ohne moderne unterwäsche, stattdessen den unverdorbenen po frei mit perücken aus händisch erigierter spitze, vor allem in hoheitlichen großküchen, von hinten oder geräumigen kellern oder beim aufgestellten stroh auf grenzenlosen in der sommersonne blauhimmelnd flimmernden kornfeldern ohne traktoren, dafür mit leibeigenen kaltblütergespannen.

oder es wäre mal wieder zeit für eine bleierne revolution.

6 Gedanken zu „zärtl. Jägerkusinen“

  1. den feudalismus haben wir seit vielen jahren und länger. bleierne revolutionen… hach sie erscheinen irgendwie niedlich in drohnenzeiten, in denen sogar kriege digital geführt werden.
    und eigentlich wollte ich nur sagen….: was für ein überaus herrlicher text :-)

    1. An die Schrotflinten und ab ins Gebüsch! vergangener Zeiten (so möchte man fast sagen, lieber Schwertbruder). Hoch leben die Luftkämpfe und ihre endlichen Landeplätze.

  2. Ganz herzlichen Dank, nicht nur für den Text!
    Suche noch einen schönen Platz dafür.
    (War tagelang nicht am Kasten wg. zu erwartender Rechnungen und dann das. Freu mich so!)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.