puppenruhe

der eichenprozessionsspinner ist ein unscheinbarer grau-brauner, bis zu 30mm großer nachtfalter, der von ende juli bis anfang september fliegt. in dieser zeit legen die weibchen zwischen 100 und 200 eier in zweigen im oberen kronenbereich der eichen ab. anschließend werden diese gelege durch grau-grünes sekret getarnt. bereits im herbst entwickeln sich kleine jungraupen, die aber noch in der eihülle überwintern. je nach witterung schlüpfen aus diesen eiern im darauf folgenden frühjahr ab mitte april bis anfang mai samtartig behaarte raupen. diese durchlaufen bis zur verpuppung sechs entwicklungsstadien, wobei sie jedes mal ihre alte haut abwerfen. ab dem dritten stadium werden die typischen weißen gifthaare entwickelt. bis zum vierten stadium leben die raupen in kleinen familienverbänden und verspinnen sich täglich an zweigen und blättern. nachts begeben sie sich auf ihre fraßtouren an junge eichenblätter. ab dem vierten stadium, etwa mitte juni, halten sich die raupen tagsüber in gespinstnestern im ast- und stammbereich auf. von hier aus werden dann in prozessionsformation die nächtlichen fraßaktivitäten durchgeführt. in den gespinsten finden auch die häutungen statt. im fünften und sechstem stadium hängen die gespinste, die so groß wie ein fußball werden können, mit behaarten larvenhäuten und kotabsonderungen gefüllt an den stämmen und starkästen. nach dem sechsten stadium erfolgt ende juli, je nach witterung, die verpuppung. nach einer puppenruhe von von drei bis fünf wochen schlüpft im august der falter.

4 Gedanken zu „puppenruhe“

  1. Danke, Fraenk! Ihr Beitrag hat mir die Augen darueber geoeffnet, wozu meine Puppen faehig sein werden, nachdem ihre Puppenruhe vorbei ist! Ganz zu schweigen vom Vorleben! Grueessli von Audrii
    PS: Kennen Sie uebrigens den Film gleichen Titels?

  2. REPLY:
    liebe audriii, das vorleben von puppen ist immer das bei weitem interessanteste an ihnen. hingegen die praesenz von puppen, masken oder dergleichen, sie ist mir – wenn ich lebende identifikation bemerke – immer schon suspekt, besser: unheimlich gewesen. letztlich bin ich für titten auf dem tisch eben empfänglicher, als für das voodoo. jedes gesicht ohne lebendige augen verursacht bei mir grundängste, mit denen ich noch nicht einmal telefonisch etwas zu tun haben mag. den puppen bin ich grundsätzlich unterlegen und ich mag mich auch noch nicht einmal auf sie legen. ich mag unheimlichkeiten, wie sie sich tagtäglich zeigen. ich schätze träume, religionen, mysterien und veranstaltungen, und seien sie schwarz/grau. ich liebe (heute) jenen fuchs, der mich im traum jedesmal erwischte, wenn ich als kind aus dem wald auf der flucht hinaufrannte vom bach zur rettenden haustüre. denn abgründe, auch wenn sie abgründig sein mögen, sie haben wenigstens keine masken. auch bin ich bemüht, die wirr und orientierungslos umherfliegenden nachtfalter, die ja demnächst wieder auf uns alle einwirken werden, nicht zu klatschen (das werde ich auch dem kirschkern, der übrigens kein puppenkind ist, sondern es eher mit stofftieren hält, zeitnah beibringen müssen). aber so manche artenvielfaltskuriositaet, die sollte mir nicht zu nahe kommen. wird sie aber, da mein derzeitiges waldrandgebiet betroffen ist, und ich mir ueberlegen muss, wie ich demnaechst – heftig sauerstoff inhalierend – jene abgeworfenen gifthaerchen absorbieren werde. die verpuppung, dieses ausharren der eigenen entwicklung, die RUHE im eigenen fortkommen – sie ist für mich gleichwohl ein besonderes mysterium. der mensch ist schwach, seine puppe hingegen stark? (den film uebrigens, den kenne ich nicht. war zu wenig im kino die letzten jahre, wegen meiner puppe…). und dann ist da ja btw. auch noch ein einfach besonderes und vielfachliches wort: ‚puppenruhe‘. gruessli vom fraenk!

  3. Aber da sage doch noch mal einer nur wir Menschen hätten es schwer auf unserem Entwicklungsweg! (Ein bonfortinöser Text, Herr Schneck, wenn ich das einmal bewundernd stammelnd tippen darf.)

  4. REPLY:
    besten dank, liebe frau creezy, aber der text ist doch in weiten teilen überwiegend dem vorörtlichen informationsBLÄTTLE entnommen, welches vor a)tens ‚von raupenhaar ausgelöster dermatitis‘, b)tens vor der ‚entzündung von auge und augenbindehaut‘ und c)tens vor einer ‚entzündung der oberen luftwege sowie asthmaartigen symptomen bis hin zu allergischen schockreaktionen‘ warnt. insofern kein kunststück, außer vielleicht von der raupe… ;)

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