plong

„liebes tagebuch, heute ist eine gerüststange von oben gekommen. Sie machte „pling plong pling plong“, die ganzen vierundzwanzig meter auf ihrem weg nach unten, während sie mal mit dem einen, mal mit dem anderen ende ihre noch horizontal verkeilten genossinnen touchierte. Gerufen hat niemand von oben, zum beispiel „vorsicht!!!“. Der arme boden zum schluss. Dann habe ich angefangen mit den zeichnungen der aufgemalten hintergründe. Zwischendrin war ich draußen zum pinkeln und zum telefonieren wegen der tortursiedlung, aber im sekretariat ist keiner da gewesen. Dann habe ich bei karstadt ein großes geodreieck gekauft und noch ein bio-müsli, weil mich die eine kassiererin schon ein paar mal angelächelt hat. Ich bin schon schön weit gekommen heute mit den zeichnungen. Ein paar spinnen, die sich schon wieder ansiedeln, habe ich einfach leben lassen. Manchmal hoffe ich, dass im rot an den pfeilern kein zinnoberrot drin ist, wegen dem staub bein reinigen. das Blau ist wohl azurit. Nachmittags habe ich mir ein nusshörnchen gegönnt. Die kleine baustellentoilette stinkt wie die sau. Die zimmerer oder die steinmetzen rauchen… dann auch noch dort. Dafür stehen die fenster zum gegenüberliegenden hörgeräteladen immer sperrangelweit offen und man kann mit den praxisgehilfinnen mit blauen hosen hin und her gucken. Lieber eine brille, als ein hörgerät. Brille ist normal, hörgerät ist behindert. Der guitarrist hat wieder so schön gespielt, ich hab ihm nochmal fünfzig cent gegeben. Mit felix und michael von der antiquariatsbude geplaudert, das ist immer nett. Letzte woche habe ich mir dort einen katalog über otto-herbert hajek gekauft, von 1974. ein schönes buch mit aufgeklebtem siebduck auf metall vorne drauf. Sollte zwölf kosten, michael sagt acht, ich sage zehn. Ich mag den michael, feiner kerl und hat auch keine million zu hause. Mir fällt auf, wie viele leute dick sind und dünn. Alle ziehen sich noch mal sommerlich an, bevor der herbst kommt. Ich bin gespannt, wann ich die lange unterhose wieder auspacke, obwohl es jetzt in der kirche morgens schon spürbar wärmer ist als draußen. Morgens kaufe ich mir immer zwei butterbrezeln beim beck. Dann setze ich mich vor die kirche, bis der mesner kommt und aufschließt. Vorher wird noch eine geraucht mit dem kollegen, der immer an der selben stelle am bauwerk parkt. Jetzt trägt er am morgen schon wieder seine mütze: „mützenzeit“! ich schreibe oft nicht neun stunden auf, sondern acht, weil ich die tage genießen will. Lieber mache ich zusammengenommen eine stunde pause, das ist ja alles lebenszeit. Um viertel vor fünf müssen wir unterbrechen, da um siebzehn uhr die abendandacht ist. Und es lohnt nicht, um halb sechs nochmals die scheinwerfer anzuwerfen, da die kirche auch für uns um achtzehn uhr geschlossen wird. Nach feierabend setze ich mich meistens zu hildegard ins eiscafe und trinke ein bitter-lemon. Morgen möchte ich mir aber noch das snow-leopard-system für den neuen computer kaufen, das kostet 29,90 und der laden hat nur bis sechs auf, wie fast alle läden hier. Jetzt sitze ich auf der kleinen altane der gästewohnung der dombaumeisterin, bei der ich für ein kleines entgeld wohnen kann. Der südturm meiner lieblingskirche ist schön beleuchtet über den dächern nebenan zu sehen, ganz nah. Es geht ein leichtes laues lüftchen, ein schöner abend, weshalb ich dann doch nicht ins kino gegangen bin, das kann man machen, wenn es dann regnet. Das mobiltelefon hat eben geklingelt, aber ich bin nicht dran gegangen. Vielleicht ein fehler, keine ahnung, wer angerufen hat. es war ein schöner tag.“

25 Gedanken zu „plong“

  1. was halten sie über kurz oder lang von einer destination, die nicht den tatbestand einer ‚tortursiedlung‘ erfüllt? nürnberg, zum beispiel mit allen drum & dran…? käme mir entgegen, lieber schneck!

  2. REPLY:
    zum wenigsten ein langes WE lang, inc. ‚G.S‘ also mit allem D & D – das wäre doch mal eine option, also zumindest meine:)

    ‚tünnes & schäl heuern bei einer gerüstbaufirma an. tünnes fällt eines morgens aus dem achten stock. sofort bildet sich um den verunglückten eine menschentraube. schäl, der etwas später zur arbeit kommt, kämpft sich bis zum zentrum durch, sieht dort seinen freund tünnes, schüttelt ihn und fragt: mensch, was ist denn hier eigentlich passiert? tünnes schlägt die augen auf & antwortet: ‚ich weiß es nicht, ich bin auch erst gerade hier angekommen‘

  3. REPLY:
    Ich tat es unter größten Apnoeanstrengungen, mit mehr Gold im Haar als legal und zahlreichen, unterdrückten Niesanfällen. Bisher aber nicht im Freien. Sturmgold. Schönes Wort im Übrigen!

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