carglass

katshopping2005

„car-glass repariert – la-la-la-la…“. nervende werbung ist gute werbung. mich würde interessieren, ob der „wohnst du noch, oder lebst du schon“-erfinder lebenslange tantiemen kassiert. fair wäre das. ich kenne den, der damals den spruch kreierte „ein bier wie mir!“. der konnte sich danach eine wohnung in münchen kaufen. wäre ich nochmal zwanzig, dann würde ich entweder jura studieren oder texter werden wollen.
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mit carglassrepariert im ohr bringe ich tochter zur schule. heute ist ein besonderer tag, denn der erste zahn hat sich heute morgen endgültig verabschiedet. schön, wie groß die dinge sind. mit kind lebt man wie mit einem permanenten witz zusammen. vor der schule die üblichen cayennes und tourans und was weiss ich was. dazu die eva-herman-mütter, die sich jetzt gerne aufs EVA-PRINZIP besinnen, während ihre zwei polnischen au-pairs daheim den haushalt schmeissen. mit carglassrepariert dann wieder nach hause. vielleicht sollte tochter doch auf andere schule gehen?
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morgen abbau in süddeutschland am neckar. schöne ausstellung, keiner hats gesehen. dafür toller katalog, so daß die verwerter ein paar euros überweisen werden. war eine installation, somit nichts zu verkaufen, außer eben komplett. versicherungswert hundertzehntausend. man freut sich, was das alles wert ist, was man im keller stehen hat. kaufen könnten es allerdings wohl nur die cayenne-fahrer mit zwei polnischen au-pairs. immerhin: der kurator des deutschen pavillions auf der nächsten biennale in venedig, der kennt „das deutsche handwerk“, und das ist doch schon mal was.
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derzeit geht´s zuviel ums geld.

boesner

bei boesner haben mich die damen hinter der eingangstheke angeschaut wie einen professor. wär ja schön, wenn´s so wäre, ist aber nicht, und deshalb denke ich, sie haben mich angeschaut wie einen professor wegen meiner brille. ich brauche brille seit einem halben jahr, sie war runtergesetzt, immerhin ist sie von romeo gigli, aber da ich auch keine hosen von romeo gigli trage, passt sie wahrscheinlich nicht zu mir. vielleicht geh ich doch noch zu fielmann und apollo und lasse mich noch mal beraten. ganz allgemein macht mich das tragen einer brille traurig. gute augen passé.
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bei boesner habe ich aufhängekram gekauft. so kleine häkchen, die man an der nylonschnur festschrauben und verstellen kann, damit die höhe passt und das bild gerade hängt. dann ringschrauben, die man am bild festschraubt, damit man dort die schraubhäkchen festhaken kann. manchmal kann man aber nur kleine ringschrauben am bild befestigen, so daß die schraubhäkchen nicht durchpassen, öffnung zu klein. in diesem fall muß man dann durch die kleinen ringschrauben noch eine drahtschlaufe ziehen, die so groß ist, daß daran die schraubhäkchen befestigt werden kann. ich mußte zwei verschiedene nylonschnüre besorgen, die eine rolle mit 1mm durchmesser, die andere mit 1,5mm durchmesser, da das gewicht der arbeiten variiert. an 1mm starker nylonschnur können maximal 4,5kg gewicht angehängt werden. für die großen arbeiten also die dicke nylonschnur. manche arbeiten sind aber so leicht, daß eine dicke 1,5er nylonschnur sich vor der wand wellen würde, da das gewicht des bildes nicht ausreicht, die schnur zu straffen. daher auch die dünnere nylonschnur. oben an der holzdecke werden größere ringschrauben befestigt, an denen dann die schnüre hängen. um die schnur oben zu befestigen, braucht man ringösen, die man mit einer zange plattdrücken kann, damit die schnur gehalten wird. wenn ein bild besonders schwer ist, dann empfielt es sich, zwei ringösen zu verwenden.
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ich habe also 80 ringschrauben gekauft, 100 ringösen, 40 schraubhaken (die einfachsten), 1,5er nylonschnur 100m, 1,0er nylonschnur 50m. bei den schnüren gab´s nichts kürzeres. für das alles habe ich neunzig euro bezahlt. ich werde circa neun stunden brauchen, um sechzehn bilder aufzuhängen. für eine kleine zweitägige ausstellung anläßlich des neunhundertjährigen jubiläums meines heimatdorfes. im gemeindehaus, wo man keine nägel in die wände hauen darf.
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ich scheine noch nicht völlig mit echter langeweile beseelt zu sein. an der brille hat´s nicht gelegen. und ich kann alles ja auch absetzen, nicht wahr?

boredom

lange

die kosten der herstellung von langweiligen dingen und gedanken sind unabhängig vom tatsächlichen grad der langweiligkeit dieser dinge und gedanken. daher können langweilige dinge und gedanken auch durchaus sehr teuer in ihrer herstellung sein. langeweile ist ein etwas entferntes weiches tal mit vielen bäumen und sanftem sommerlich-grünlichem bewuchs an einem wasser. langeweile ist landschaft. die einfache langeweile, eine vorstufe der echten langeweile, ist zuerst da. du bist noch nervös, trinkst ein bier und zappelst herum. dann irgendwann kommt die tiefere langeweile, die deine arme und beine beruhigt, und die dann, in ihrer wiederkehr, erst zur eigentlichen und vollendeten langeweile werden kann. die fähigkeit zu echter und tiefer langeweile ist unabhängig vom lebensalter. wenn du zwanzig bist, dann hast Du eine langeweile, weil du weißt, sie geht vorbei, sobald du zweiundzwanzig bist. wenn du vierzig bist, führen dich die wiederkehrenden erlebnisse und wahrnehmungen in einen zustand flimmernden aufbegehrens gegen die tiefere langeweile, die du beginnst zu erahnen. wenn du siebzig bist, dann hast du angst, dass dir die landschaft am weichen tal bald gänzlich die möglichkeiten nehmen könnte. deshalb drängeln alte menschen häufig an der kasse im supermarkt an jüngeren menschen, die sich noch im produktionsprozess befinden, vorbei nach vorne, ohne jedoch wirklich zu wissen, was sie mit der dadurch gewonnenen zeit anfangen sollen. die langeweile aber mag kein subjekt, und sie erreicht irgendwann jeden, weil sie eine gesellschaftliche tatsache ist. die wirkliche langeweile mag wiederkehr, ordnung und qualität. es gibt nirgendwo größere ordnung und struktur als in der reinen langeweile. müßiggang ist nicht langeweile: erst wenn das nichtstun auch mit gedanken oder produktion gefüllt ist, besteht die möglichkeit echter langeweile. reines nichtstun ist lediglich „warten“. echte langeweile hingegen beschäftigt sich mit der herstellung von gedanken und dingen ohne logik oder relevanz. wichtig ist, dass dinge, die während der dauer einer langeweile produziert oder gedacht werden, weder formal noch inhaltlich interessant sind. langeweile fordert die gänzliche abwesenheit von interesse und das umfassende fehlen von sinn. ich mag raucher, weil sie den raum der langeweile mit etwas füllen, was weder greifbar noch sinnvoll ist, und es während des vorgangs des rauchens gleichermaßen vermögen, die dimension des stillstands einzigartig darzustellen. dennoch würde ich mir wünschen, mir das rauchen abgewöhnen zu können.

der ungarische zufall

ich war am sonntag von paris nach stuttgart gefahren, um in der galerie die ausstellung aufzubauen. am montag vormittag hatte ich noch einige autohäuser besucht, um irgendwas zu finden, für die rückfahrt. am nachmittag alles ausgepackt und gelegt und gestellt. abends begrüßungsessen mit den galeristen, dann im gästebett von mellenthin in der nähe. dienstag dann die ersten nägel, kaffee und beginnende vorfreude auf die eröffnung. hatten sich wichtige wichtig angesagt. mittags telefonate wegen des autos. am nachmittag hängen die ersten bilder. während hämmern, so gegen viertel nach drei, kommt die galeristin mit kaffee, sagt, ihr mann habe angerufen, irgend etwas sei da in new york. egal, kaffeetrinken, baumwollhandschuhe, abstände und nageln. die galeristin kommt wieder in die räume, sagt, ihr mann habe nochmals angerufen, das in new york sei was größeres. sie macht mal den fernseher im schlafzimmer unten in der wohnung an. wir sehen steffen seibert (ich glaube, es war steffen seibert) vor der studiowand mit rauchenden türmen und winkenden menschen. wieviele flugzeuge, wiebitte? Und dann immer wieder die bilder des zweiten flugzeuges, der südturm eben, diese große feuerwolke. da verdampfen leute gerade. irgendwann stürzt der erste turm ein. und etwas später sieht man hinter steffen seibert den zweiten turm in sich zusammensacken, während er sagt, er höre gerade, dass jetzt auch der zweite turm zusammensacken würde. man sieht da noch leute stehen, andere fliegen. die finger sind kalt. wie viele menschen sterben da wohl gerade live? alles schrumpft zusammen zu einem kleinen knötchen im kopf. der wunsch zu beten, irgendwie, aber wie ging denn noch beten? und warum? millionen zusehende haben sich bemüht, die zeit zurückzudrehen, um ein paar minuten, und die zeit ist daraufhin tatsächlich stehengeblieben, an jenem dienstag. der vorgang ist nicht zu begreifen, und die bilder sind erst recht nicht zu begreifen. das ist das ende von witz und ironie, denke ich mir. war´s wirklich ein dienstag? wir haben lange überlegt und die ausstellung, diese plötzlich so kleine und unwesentliche ausstellung, dann doch am freitag eröffnet. richtig schön war es nicht. ich habe dann noch einen renault gekauft und wir sind, ohne zu ahnen, was die folgenden fünf jahre noch bringen würden, sonntags wieder zurück nach paris gefahren. die ausstellung hieß übrigens „der ungarische zufall“.

helicobakter blabla

habe gestern versucht, tochter zu erklären was ein „kurator“ ist. es ist wirklich nicht leicht, das zu erklären. aber sie hat´s so in etwa kapiert. und meinte dann: „…papa, die machen das, weil die können ja nicht malen…“. ja, da hat sie eine wahrheit wohl getroffen.
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antibiotika fressen, wegen magenschleimhaut, wegen helicobakter. interessante lebewesen sind das, sogenannte „arche-bakterien“, wie ich gelernt habe. das bedeutet, die gab´s schon vor den dinosauriern. es gibt verschiedene stämme davon, circa fünfzig prozent aller menschen beherbergen die dinger im magen, und so kann man sogar völkerwanderungen rekonstruieren. danke, ihr lieben kleinen scheisserchen! danke auch, daß ich wegen euch gerade mal nix bierchen verzehre. man kann einfach super schlafen, so ganz ohne alkohol.
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was ist los? wahlkampf? neues gesetz? joggen derzeit ohne kampfhunde!

eier-rache

ei_1

eine brotschneidemaschine wünsche ich mir. ich habe es satt, entweder irgendwelche skulpturalen vollkornscheiben mir in den mund zu zwingen, oder die, die mit am tisch sitzen, durchs brot hindurch beobachten zu können. um danach die schnitte vom margarinemesser abzulecken. brotschneidemaschine muß her, oder eben nur noch toast. meine rache: wenn ich eier koche, dann nehme ich mir immer das größte exemplar in den becher. dumm nur, wenn sich dann jemand umsetzt, während ich den müll hinausbringe. meistens setzt sich tochter um. sie hinterlässt dann nach zwanzig minuten mit brot in eigentlich mein ei stippen das gelbe schmodderige schlachtfeld eines kalten halb verzehrten eiweissklumpens, welchen sie dann mir großherzig anbietet. noch ungerechter ist es, wenn sie es anderen am tisch anbietet, und diese es dann auch noch annehmen. meine rache: ich esse dann auch abends marmelade!

petze!

petze

die kunst ist am arsch. oder sie ist nie am arsch. wenn du ein buch liesst wie „Generation Z“, dann weißt du, warum du kunst machst. der autor, ein eitler zeitgenosse mit ABI ´76. Ein möchtegern-achtundsechziger mit großem latinum, vielleicht sogar graecum, und hang zum häuserkampf, wenn’s nicht wirklich weh tut. einer, der in merkwürdig unauthentischer weise stolz darauf ist, damals bei einem öffentlichen anti-kernkraft-protest in frankreich dabeigewesen zu sein, bei der ein demonstrant ums leben kam. aber hallo! und dies vermutlich auf der rückreise von einem spanien-kiffer-vor-AIDS-vögel-urlaub südlich port-bou, der kaum selbstfinanziert gewesen sein mag. einer, dessen seele übers beobachten nie hinaus gekommen ist. einer eben, der nie wirklich dabei gewesen ist. einer wohl auch, der gut schreibeln kann, vor dem spiegel, und einer, der politisch korrektes unter koketter Einstreuung prominenter bekanntschaften mühelos mit der selbstverliebten tatsache verbindet, dass männer zwischen dreissig und vierzig völlig natürlich drei kilogramm ihrer muskelmasse verlieren, daher etwas zum erhalt ebendieser tun müssen, so sie es wollen, ohne zu vergessen zu erwähnen, dass er selbst es natürlich tut, mit dem fahrrad. aber dann bitte am prenzlauer berg. in neukölln nur mit offiziellen zeugen oder einer prompten online-glosse. gerne würde ich ihm eine stirnlocke abschneiden, in wachs giessen, haltbar mit plaste, schnüren und baumharz ummanteln, und dieses päckchen dann für die ewigkeit heimlich auf dem dorotheenstädtischen friedhof verbuddeln, am besten in begleitung meiner tochter, die als einzige wohl daran noch wirklichen spaß hätte. vielleicht aber sollte ich ihn zuvor oder statt dessen oder danach einfach einmal zu einem kindl in den blauen affen einladen. nein, mit kunst schreibst du nicht solch ein buch. du bist viel zu sehr gewohnt an die ausleuchtung sämtlicher innerer kiesgruben, hinterhalte, gefälligkeiten und tricks auf dem weg zum letzten werk. lieber reinhard, selbst nach durchsoffener nacht fällt die liebe ehrliche sonne grell durch die lamellen deiner jalousie auf dein verkatertes machwerk, während sich dein aktmodell bzw. die studentische affäre den körper mit den dunkel-glänzenden höfen der sich bei deinem anblick plötzlich aufstellenden warzen ihrer festen brüste nur halb bedeckt (so hättest du´s doch gerne?), und du kannst sabbernd jeden morgen neu entscheiden, ob du dich wirklich selbst verarschen willst oder besser vorher deinen nächtlichen erguß defragmentierst.

aerzte

andreas

mein Bruder ist gestorben, im juni, mit neunundvierzig jahren, keiner weiß warum, außer den ärzten, die behaupten, es sei lungenkrebs gewesen. sicher, er hatte wohl lungenkrebs, aber woher wissen sie, dass er daran gestorben ist? ärzte sind zaungäste, aber auch nicht die schlechtesten.