novelle lachtag

ich sitze mit friedrich, dem flieger, im blauen engel und wir schauen der bedienung mit der roten boa hinterher. vor uns das zweite bier.
„hab ich auf dem weg hierher in der u-bahn geschrieben“ sagt friedrich auf einmal, greift in seine innentasche und liest mir vor:

„halteverbot absolut gegenüber. ich stell mich trotzdem hin, geht ja schnell. die tür steht schon offen, vorderhaus parterre. hinten die rezeption. vor mir eine schlange mit kopftüchern, auch ein paar männchen. die weisskittelgouvernante hinterm tresen schaut mich mit hochgezogenen augenbrauen fragend an. ich reiche ihr den umschlag zwischen zwei kopftüchern hindurch über die theke. nicke ihr zu, doch bevor ich verschwinden kann, erinnert sie sich, triumphierend: „STUHLPROBE!“ sagt sie kurz und laut. ich schau sie böse an, spuck meinen pfefferminz in den blumentopf und zische: „nein, TISCHPROBE!“. und während ich nach draußen renne, grinsen mir die kopftücher hinterher.“

er hebt langsam den kopf: „kann man das so schreiben?“, fragt er, und steckt den zettel wieder ein. es scheint, heute ist kein lachtag. er schaut mich an wie ein hund, so ernst wie noch nie, und ich sehe plötzlich das wasser in seinen augen glänzen. „weißt du“ sagt er, „ich möchte jetzt einfach losreiten, einfach nur losreiten in die wüste hinein, auf jeden fall nach süden. und irgendwann wird das wasser ausgehen, ich würde mich auf den rücken in den heißen sand legen und das pferd gehen lassen. die arme ausbreiten, mich verabschieden, dann die warme sonne in mich hinein, und ganz langsam einfach wegverdursten…“.

„solls denn noch eins werden?“ fragt die boa in die riesenpause hinein, und ich nicke ihr zu. nehme seine hand in die hand, die augen auf den tisch. nein, friedrich, heute ist kein lachtag.

Ein Gedanke zu „novelle lachtag“

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