Kommando wasserfrei

„st. X. und X.“ aus dem späten 15.jh, fast gänzlich ausgemalt, in den 60er-jahren die malerei zufällig entdeckt bei der renovierung und entsprechend freigelegt mit breitem wiederaufbauspachtel (krieg war ja gerade 15 jahre weg) und dann großzügig ergänzt, „nachgemalt“, wie es auch heute oft gewünscht wird von denen, die einen blick hineinwerfen in die kirche (ihre kirche) und farbige fragmente an der wand sehen sehen. Immerhin, st. Georg und st. Martin sind gut auszumachen, zudem ein bisschen Weltenrichter (jetzt gereinigt), auch wenn nicht mehr klar ist, was original und was zutaten und erfindung sind. Aber auch zutaten und ergänzungen werden ja irgendwann zum postmodernen „original“, sobald sie ihrerseits nur alt genug sind. Im chor heiligendarstellungen, behutsam zurückhaltend und sehr aufwendig nochmals restauriert in den 80ern, dazu die ursprüngliche gotische flachdecke mit einfach verzierter bretterung in rot und weiss. In den 60ern haben sie gleich auch die alte gotische westwand des bis dahin kleinods abgebrochen, um den kirchenraum in richtung amerika zu erweitern. Solche kühnheit wäre heute undenkbar. Ebenso wollten sie damals ihre barocke kanzel loswerden, die sie kurzerhand einer anderen gemeinde im nahegelegenen SCH. schenkten. Heute ziert eine simple einfache eichenkanzel das kircheninnere, diese erinnert an eine gewisse art des manchmal komisch ästhetischen empfindens von vor etwa 50 jahren.

Das Reinigen ist jetzt abgeschlossen, nun stehen die konsolidierung des putzträgers durch hinterfüllungen mittels injektionen und das schließen der risse und ausbrüche an, bevor dann mit etwas farbe und vielen kleinen senkrechten strichelchen die binnenretusche erfolgen wird, selbstverständlich wasserfrei. Außenherum wird danach mit wohl-temperierter kalkfarbe die gesamterscheinung beruhigt werden, teils mit breiter haarquaste und schwung, teils mittels niedrigbezollter langborstenware an den anschlüssen zur malerei und sicherlich guter laune.

sonst passiert nicht viel im flecken der baustelle, lediglich die etwas jüngere-als-iche backwarenverkäuferin (sternzeichen verm. zwilling) sprach mich wieder und wieder mit „junger mann“ an, aber das reißt mich auch nicht mehr vom hocker.

2 Gedanken zu „Kommando wasserfrei“

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