ich ich ich

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(letztes Jahr)

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(dieses Jahr)

Bei Norma/Rodi passiergelaufen auf meinem Weg zu Mandy, Steiff und Calida im Schlafanzug an der Ecke. Und forsch im Vorbeigehen am Discounter die monumentalen hochauflösenden Werbefotos im Schaufenster mit 1. Fleisch, 2. Salat und 3. Brot betrachtet. Nächst handgemachten Bratwürsten. Irgendwo auf der Welt also sitzt ein Mensch, der von sich behaupten kann, er habe diese Fotos gemacht. Oder besser, weit feinfühlender: Da sitzt vielleicht ein Mensch, irgendwo auf der Welt und der kann sagen von sich: „Ach, das ist ja jetzt nett, es freut mich sehr, dass Sie nachfragen, wo Sie den langen Weg hierher zu mir sich nicht scheuten, um mich zu finden, jaja also, ich bin derjenige, ich bin DIEjenige, derdie die monumentalen hochauflösenden Werbefotos von Fleisch, Salat und Brot für Norma/Rodi gemacht hat, mit denen die seinerzeit Auftragenden ihre Schaufenster nun allwerblich zuklebend ausstatten.“

Alles, die ganze wunderbare Welt, trägt jetzt fast unvermittelt und wie auf ein Kommando aus dem Hinterhalt sehr farbige Turnschuhe zum Bauch. Oder den Beinen, durch die man hindurchpusten kann. Sogar diejenigen, die schon Rente beziehen. Überhaupt Grundfarben. Auch Unterwäsche jetzt in strengem Gelb. Oder lustigem Nurblau, ouvert. Ich verweigere das Thema. Auch meinen kürzlichen Halbwunsch nach silbernen Turnschuhen muss ich nun züchtigend überdenken.

Mir ist eine weitere erotische Geschäftsidee. Diesmal hochpreisig und ggf. paartherapeutisch mit Esprit. Ein sehr wertvolles Großmöbel wäre das, überaus speziell. Baltischer Ahorn, geölt von wissenden Händen. Einen Schreiner hätte ich schon, wenn jetzt noch der Vertrieb klappt, dann bin ich ein Gemachter.

Wie der Schreiner kanns keiner. Der Organist gestern in der Kirche war ein Spaßvogel. Ich mag keine Organisten, die Spaßvögel sind, wenn sie arbeiten, während ihr Instrument kaum fünf Meter neben mir hängt, nicht jedoch sie, weil sie zwanzig Meter unterhalb den Tisch bedienen und dabei an ihre Freundin oder an Pizza denken. Alles wurde angebissen und aber die Birnen nicht zu Ende gegessen bis zum Gehäuse.

Die Gesamtmaschine, ich muss sie herunterfahren. Dabei ist sie doch vergleichsweise ohnehin so klein. Das Zeug weg, Gebilde weg, das Auto weg, das Benzin, der Diesel, die Asche, das Sammeln, die Notizen. Die Bäusche der Infrastruktur abschmecken und die Zungen zergehen lassen. Und zwar mit allen Anhängseln.

DANN werde ich auf meiner Vespa 200 mit schmalem Lederrucksack, Stahlhelm und Skibrille auf die immer entlegeneren Baustellen fahren und im Zelt am Fleckenrand auf einer Gemeindewiese neben Streuobst schlafen, welches schon lange keiner mehr erntet. In evangelischen Gegenden würde ich abends gelegentlich in der Wirtschaft mit der womöglich alleinstehenden Pfarrerin flirten, nur, damit ich WOMÖGLICH alle drei Tage im Pfarrhause morgens duschen darf im Tausch gegen eine kleine Zeichnung auf dem Bierdeckel einer ländlichen Privatbrauerei des jeweiligen Vorabends mit sinnstiftenden Motiven und dazu vielleicht dem ein oder anderen Busen dargestellt darauf mit SPD-Kugelschreiber oder ein anderes liebevoll graphisch umgesetztes Geschlechtsteil, angedeutet oder konkret bei Gewitter (mit Fürbitte).

Diese bemalten Deckel werde ich dann später alle zurückkaufen.

Und würde dabei Schwierigkeiten haben, die jeweiligen Adressen, Namen und Provinienzen wiederzufinden, was mir allerdings zu guter Letzt sicherlich gelingen würde. Dank der Köchin.

Wer eigentlich und wieso hatte einem dieses ICH einst zugemutet? Unter einem Himmel, der mal weiter und breiter wurde und dann wieder sich zusammenzog, wie es doch versprochen ward am Beginn aller gedachten Anfänge. Kleiner und überschaubarer, im Wissen und in der Erkenntnis IMMER zunehmend, zunehmend. Wer war das. Der schon wusste: Die alte Dame, die geht. Die Kirschkern, die beginnt, zu leben.

Es ist so ein Hormonwetter. Und dazu auch noch so plötzlich.

8 Gedanken zu „ich ich ich“

  1. Satz kann ich nur bestätigen, allerdings: nicht nur den. Mal wieder ein Text zum Juchzen, you’re the best schneck in town. Falls Sie nach Paris kommen, geb‘ ich ’ne Runde lauwarmen Regen aus, der ist super für die Hormone. A propos: Ich hatte Orgasmist statt Organist gelesen, so weit ist es gekommen, macht aber nichts, ich bin ja inkognito hier.

    Lächelnd aus Paris:
    Mme TT

  2. Lauwarmer Regen hat was. Heute hindert er mich am Rasenmähen, was mir recht ist. Dann bleibt nämlich genügend Zeit für den Rest. 600km nach Westen grüßt Sie herzlich – Ihr Schneck

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