Die Wolfschlucht

(kursiv, Soft-Pack)

Ich hab ja mit zwanzig besser gewusst, was wahr ist, als heutzutag. Dachte eigentlich immer, das funktioniert eher andersherum. Und wenn sich nun allmählich Sachen bewahrheiten, die man fast vorrausgedacht hat und man sich nicht mal darüber freuen kann, dass man recht hatte, dann ist das umso weniger lustig. Eben Sorgepflicht, nicht nur Sorgerecht. Wie sich die Frequenz erhöht des Wechsels von Lustigem und Ernstem (das Schöne ja jenseits lustig und ernst und Glück). Einer- und andererseits daher auch mit Glück zu sehen, wie der Kirschkern mitsamt Freundin es genießt, endlich einmal wieder querwaldein zu abenteuerisieren, und nicht nur immer – so wie offensichtlich sonst – auf den geraden Wegen zu laufen (ja, manchmal sind die Bilder eben sehr einfach, das liegt nicht an mir, sondern an den Bildern). Oder den tiefen Bach in der Wolfschlucht vom herbstlichen Laube zu befreien, grad so, wie ichs auch getan habe früher mit meinem Tierarztjugendkumpel, genauso stundenlang und die Zeit vergessend und immer auf Wildschweine achtend im Unterholz und plötzlich läutet die Abendglocke von fern und man muss schnellschnell nach Hause. Und wenn man dann, so wie gestern geschehen, plötzlich ein Knacken hört hangseits, die Kinder herbeiruft aus Obacht, und es sich dann herausstellt, dass jemand anderes (kein Wildschwein) auch diese alten einsamen Wege sucht und dieses dann (ausgerechnet noch und) zufällig jener Jugendkumpel ist, der endlich auch mal wieder in den Staatswald ‚Gewann Wolfenlöchle‘ klettern wollte zusammen mit Frau und Hund, dann ist das schon ein seltsam schönes Erlebnis, so mitten im tiefen Wald (genau so wie diese zehn Euro, die ich neulich abend zufällig/ausgerechnet in Neukölln auf der Straße gefunden habe). Ich hab ihn lange nicht gesehen und wir haben uns dann erst mal ins nasse Laub gesetzt und schweigend geraucht (freilich nicht die Kinder, die haben ja Staudamm gebaut!). Sodann natürlich auch alte Geschichten und Status Quo rundum und die Aussicht auf künftige Jägersitze. Im Wald ist oft vieles dann doch ganz einfach. Es ist ja schon so, erst wenn man das Denken überwunden hat, oder besser: zurück- und zurechtgewiesen hat, dann kann man wieder Tierchen sein. Mal ehrlich, ich glaube nicht, dass man als Denkender Tierchen sein kann, ohne wenigstens zwischendrin zu lachen oder wahlweise sich zu schämen, je nachdem. Dazu bräuchte man dann die Liebe. Und der eine braucht eben zum Sex die Liebe, der andere nicht. Zum Staudamm bauen jedenfalls braucht man viel Liebe und die hernach gewonnenen (scheißdrauf, aufs Bild:) „stillen Wasser sind ja oft (besonders) tief“. /Gibt da ja eine menschmögliche feine Linie zwischen doppeldeutigem Tief und eindeutigem Zweifel, beides ja übrigens Atem. Und dem Rutsch. Und wie man sich selbst sieht und darstellt, denn die eigene Bühne hört ja irgendwann auf (wenn man denkt…), oder besser: sie wird aufgehört, sie wirkt, sie muss! Danach… erst kommt die Lust (am Denken und der Lust, wenn man denkt). /Viel kursiv, und undichte Gummistiefel prägen.

Abends Spinat, ausgesprochen lecker!

7 Gedanken zu „Die Wolfschlucht“

  1. @ „Im Wald ist oft vieles dann doch ganz einfach… erst mal ins nasse Laub gesetzt und schweigend geraucht…“
    Frühling, Wald und gute Gesellschaft – wie nachvollziehbar! Da schweigt sich’s auf angenehmste, da stelle ich mir vor, dass das Gespräch dazu sich ebenso einfügt.
    LG, Nanou

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