4 Gedanken zu „congosystems#1“

  1. Es war seinerzeit eine solche Triola gewesen, gebraucht gekauft auf dem schmutzigen Schwarzmarkt am Hafen von KielTanger, auf der Flucht vor französischen Plagiatsjägern und weissrussischen Unterhaltseintreibern, die mich nach Tobago entführen wollten, um mir dort meine Goldzähne auszuschneiden und meine Organe drogenreichen Mexikanern feilzubieten. Ich wäre aber heute nicht hier, wenn ich nicht hätte, wundersam, flüchten können aufgrund eines Tropensturmes mit Namen „Olga“, der in jenen bewegenden Tagen Neu York bedrohte… /Soviel, liebe Teresa, vorerst zur enfance ;)

  2. hach, war das schööön. Hat ein schlangenbisschen `was von einem Diaabend in grauer Vorzeit. Fühle mich förmlich über Sie, lieber Schneck, auf Tante Christels Cordsofa ins Jahr 1975 gebeamt, die Cordhose kratzt, die Rattenschwänze wippen.

    Jaja, was bleibt sind verschwommene Farben und so mancher Kratzer. Umgangssprachlich als Charakter bezeichnet. Manche haben davon mehr, andere weniger, Sie viel.

    Und das Geflöthupe gefällt mir ausnehmend gut. Finde nur leider den Klingelton-Download-Link nicht?! ..oder ist auch die Melodei ein Echo aus längst vergangen-eingefangen-en Zeiten?

    Trippel-D!*
    dolldolldanke

  3. Oh oh, danke!

    In einer Frühlingsnacht des Jahres 1893 gab es Sperrmüll in der Stadt Stuttgart, wo ich mich in jenem Jahr befand. /Jenen Sperrmüll, den es damals noch gab, nämlich zu einem festgelegten Termin, an dessen Vorabend dann alle Einwohner eines Teilgebietes ihre zum Müll erkorenen Dinge auf die Strasse stellten, einschließlich aller Elektrogeräte, metallener Gegenstände usf. – die strikte Trennung des Mülls in „Wertstoffe“ war noch nicht sehr weit fortgeschritten bzw. organisiert (die Älteren werden sich noch erinnern). Diese Abende des Sperrmülls glichen dann zunächst wahren Strassenschlachten zwischen polnischen und tschechischen Kleintransportern, deren Hauptaugenmerk auf elektronischen Geräten lag, aber auch an Möbeleien und vermeintlichen Luxusgütern aller Art. Ich habe mich oft ein wenig geschämt angesichts des Reichtumes in diesem Land, der es ermöglichte, auch noch völlig brauchbare schöne Dinge offenbar einfach dem Müll zu übergeben. Andererseits erfreute ich mich darüber, wie viel der dem Müll zugeeigneten Gegenstände dann am nächsten Tage verschwunden war und damit wohl, wo auch immer, weiterverwendet oder zu barer Münze gemacht wurde. Auch die städtischen Müllbetriebe waren froh, wurde doch das Müllvolumen nicht unerheblich verringert, weshalb das kleinere – und in Stuttgart natürlich sehr beklagte – Übel der „kriegerischen Verschmutzung“ der Strassen nach einem solchen Event ungewöhnlich großzügig in Kauf genommen wurde. Ausserdem war letztlich durch diese Art der Entsorgung auch gegeben, dass wertvolles Kulturgut nicht unwiederbringlich verloren ging. Jedenfalls im glücklichen Falle. /Meine Abende an solchen Tagen waren geprägt vom geduldigen Abwarten und genauer Beobachtung des lokalen öffentlichen Bewegungsprofiles von Kleintransportern östlicher Kennzeichnung innerhalb gewisser Strassenzüge, die ich als mein Revier festgelegt hatte. Mein Scouting sozusagen. Ich trank zu Hause ein Bier und dann Kaffee, tätigte noch das ein oder andere Telefonat, bevor ich gegen 23.00 Uhr oder etwas später mit geladener Taschenlampe und einigen Plastiktüten im Revers das Haus verließ. Nun war meine Zeit gekommen: Die Elektrogeräte und Möbel waren nach Osten verladen, sämtliche ordentlich verschnürten Säcke bereits geöffnet und mancher Riesenhaufen nun erst zugänglich und einsehbar geworden durch die Arbeit der östlichen Kollegen. Die Strasse hatte sich also beruhigt – und meine Stunde geschlagen: Die Stunde der persönlichen Hinterlassenschaften, der wertvollen Dokumente, der entsorgten Korrespondenz, der weggeworfenen Fotografien, der Zeitschriften in Jahrgängen ordentlich verschnürt, der Kleinigkeiten also, wie etwa ein gehäkeltes Nadelkissen mit bestickter Aufschrift „Kriegswinter 1944“ (welches mir später ein Amerikaner am Arkonaplatz in B für unglaubliches Geld abkaufte), alter Versicherungspolicen im Sütterlin’schen dörflicher Provinienz oder Akten über den „zweiten Teilausbau des Schluchseewerkes“, datiert 1938 mit dem Zusatz: „Streng vertraulich!“. Oder italienische Fotoromane, eher rührend schlüpfrigschwarzweiss, „Vieni, non perdere Tempo!“, und damit gute Bildvorlagen für die damalige Malerei, die meine. /Aber eben auch Fotografien. So wie hier oben im Film teilweise abgefilmt. In jener bereits frühlauen Nacht im Jahr 1993 begab ich mich nämlich in die reicheren Viertel Stuttgarts, genauer gesagt, hin zum Killesberg, wo ich zufälligerweise ein Konvolut von Aufnahmen erwühlte, die ein ganzes Leben widerspiegelten. Des Lebens von (nennenwirsie:) „Trude Bülow“. Offenbar mit Reichtum gesegnet war sie wohl in den 1960er Jahren nach Amerika ausgewandert. Es gab aber auch Aufnahmen aus den wahrscheinlich 1940er Jahren. Darunter hochwertige Portrait- wie auch sehr subjektive Aktaufnahmen, diejenigen möglicherweise einer Nebenbuhlerin, aufgenommen durch ihren Mann (während einer Kreuzfahrt?), die dann als Kopie oder „Beweis“ zu irgendetwas dienen sollten, ggf., so scheint es, aber wer weiss. Von wem auch immer. Jedenfalls ließ sich etwas entspinnen, was durchaus glücklich und selbstbestimmt erscheint, auch in ihrem später hohen Alter. Was dann aber jäh endete, fotografisch, wie wohl auch wahrscheinlich tatsächlich. Und daher weitere Jahre später dann weggeworfen wurde. Das Haus mitsamt des Dachbodens verkauft, die Geschichte: zu Ende? /Interessant ist die Recherche nach „Trude Bülow“, die 1993 so noch nicht möglich war. Demnach ist eine gleichnamige Person Mitautorin eines Buches, welches in Berlin/Neukölln im Jahr 1933 im Selbstverlag erschienen ist: „Im Reiche Rübezahls“, Asta Gunschera, Trude Bülow, Fritz Jungmann, Werner Theele, Oskar Klick; Berlin-Neukölln. Selbstverlag. 1933. 4°. 29 S. Foto auf der Titelseite. Broschur. Umschlag am Rücken aufgeplatzt, an den Rändern mit wenigen kleinen Einrissen, mit leichten Wasserrändern und einem kleinen Fleck. /Da könnte ich jetzt natürlich weitermachen. Aber auch ich habe diese erretteten Bilder einst, irgendwann und angesichts der unüberschaubaren Systeme des Congo, meines Congo, weggeworfen. Oder besser: Anderen Verantwortlichkeiten übergeben durch eine Platzierung außerhalb meines Einflusses. Wer weiß, wer sie nach mir gefunden haben mag. Und ob überhaupt.
    —-
    (sowas in der richtung, grob, beste Frau Falkin.)

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