Alle Beiträge von schneck

SUSI

da fliegen sie auf den mond, aber sie schaffen´s nicht, dass sich eine aspirin-plus-c schneller auflöst.
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sagt die tochter hinten links im auto plötzlich mit dieser einzigartigen kinderempörtheit: „PAPA!!! die haben da „SUSI“ falsch geschrieben! „SUSI“ schreibt man ohne H!“ ich schau nach rechts, kapiere was sie meint, fahr´ bei rot über die kreuzung und lache ganz herzlich und ausgelassen in den blitz.
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schötensack hat mir erklärt, gestern um 00.00 uhr, wie versprochen nach dem sechsten bier, wie man „einen mittwoch festhält“. ich kann mich aber heute nicht mehr daran erinnern.
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es hat doch auch etwas positiv verbindendes, wenn man weiß, dass chinesische kinder die kleidung für europäische kinder zusammennähen. da entsteht doch etwas.
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ich weiß, was ich kann. und meine mitte finde ich auch noch im dunkeln. sagt jedenfalls freddy schenk im letzten tatort.

novelle lachtag

ich sitze mit friedrich, dem flieger, im blauen engel und wir schauen der bedienung mit der roten boa hinterher. vor uns das zweite bier.
„hab ich auf dem weg hierher in der u-bahn geschrieben“ sagt friedrich auf einmal, greift in seine innentasche und liest mir vor:

„halteverbot absolut gegenüber. ich stell mich trotzdem hin, geht ja schnell. die tür steht schon offen, vorderhaus parterre. hinten die rezeption. vor mir eine schlange mit kopftüchern, auch ein paar männchen. die weisskittelgouvernante hinterm tresen schaut mich mit hochgezogenen augenbrauen fragend an. ich reiche ihr den umschlag zwischen zwei kopftüchern hindurch über die theke. nicke ihr zu, doch bevor ich verschwinden kann, erinnert sie sich, triumphierend: „STUHLPROBE!“ sagt sie kurz und laut. ich schau sie böse an, spuck meinen pfefferminz in den blumentopf und zische: „nein, TISCHPROBE!“. und während ich nach draußen renne, grinsen mir die kopftücher hinterher.“

er hebt langsam den kopf: „kann man das so schreiben?“, fragt er, und steckt den zettel wieder ein. es scheint, heute ist kein lachtag. er schaut mich an wie ein hund, so ernst wie noch nie, und ich sehe plötzlich das wasser in seinen augen glänzen. „weißt du“ sagt er, „ich möchte jetzt einfach losreiten, einfach nur losreiten in die wüste hinein, auf jeden fall nach süden. und irgendwann wird das wasser ausgehen, ich würde mich auf den rücken in den heißen sand legen und das pferd gehen lassen. die arme ausbreiten, mich verabschieden, dann die warme sonne in mich hinein, und ganz langsam einfach wegverdursten…“.

„solls denn noch eins werden?“ fragt die boa in die riesenpause hinein, und ich nicke ihr zu. nehme seine hand in die hand, die augen auf den tisch. nein, friedrich, heute ist kein lachtag.

bescheidene bleiben

fundstück, vor dem frühstück #2:

„stuttgart, 11/95: (…) schneck sitzt zuhause und wartet auf seine mörder. seine exfreundin und friedrich, der flieger, haben sich eine alte stalinorgel besorgt, um schneck mitsamt seiner bescheidenen bleibe einfach wegzupusten. nach allem, was schneck ihr angetan hat, will seine exfreundin ihn, oder das, was von ihm übrig geblieben ist, von der strasse lecken. friedrich und die exfreundin überfahren eine rote ampel, worüber sich niemand wundert. die beiden erreichen schnecks bescheidene bleibe, installieren gegenüber die alte stalinorgel, und pusten schneck mitsamt seiner bescheidenen bleibe einfach weg. danach leckt schnecks exfreundin das, was von schneck übrig geblieben ist, von der strasse, und die sache ist gedeckelt.“

wannsee

die tochter fragt mich abends letzte woche, so ganz nebenbei, während sie in ihrem zimmer herumwurschtelt:

„…wie meinst du das, wenn du sagst „…ich glaube nicht. nee…“?“

ich brauchte, bis ich kapierte.
sie hatte (vormittags) gefragt nach der gefühlten außentemperatur. und ob ich der meinung sei, sie solle einen pullover mitnehmen, zum see. ich hatte geantwortet, selbst auch nicht wettersicher:

„…nein, …(pause…), …ich glaube nicht…, …(dann nochmals pause…), …(und dann, mit einem komma): …nee“.

ich konnte ihr die abendliche frage nicht beantworten. und ich war verheult froh darüber, daß sie offensichtlich das, was sich hinter sprache verbirgt, verstanden hat. es war das erste mal, dass ich ihr eine frage so gar nicht beantworten konnte.

immerhin/BITTESCHÖN!

wenn ICH hartz-vier wäre, dann würde ich JETZT das reifenwechseln anbieten. ich würde zettelchen mit tesa an die haustüren kleben, unten die mobile nummer zehn mal zum abreissen: „reifenwechsel problemlos, bei ihnen in der straße, fünfzehn euro, inclusive sommerreifen wieder in den keller tragen. rufen sie mich JETZT an!“. leider keine solchen zettelchen gesehen.
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schon seit einiger zeit fällt mir auf, dass die jungs aus dem quartier kondome platzieren, auf dem bürgersteig. sehen aus wie versehentlich verloren. alle noch ordentlich eingeschweißt, aber wohl so eine art pubertäre duftmarkierung, um den mädels zu imponieren, und zu zeigen, dass man schon bescheid weiß, was da alles noch so kommt. die dinger sind wahrscheinlich dem papa oder dem großen bruder geklaut. oder der großen schwester, wenn sie noch nicht verheiratet wurde.
vielleicht hat sich auch einer getraut, welche zu kaufen, vermutlich dann der schon vorbestrafte ghetto-chef „loco“, das ist der mit dem teleskop-totschläger und dem armruder-schritt.
heute aber sah ich zum ersten mal TAMPONS herumliegen. wie versehentlich verloren. alle noch ordentlich eingeschweißt. und, wahrscheinlich, keinem geklaut.
endlich: die mädels duften zurück!!!
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„DER DUFT FRISCH GEBACKENER FLADENBROTE WEHT DURCH DIE STAUBIGEN STRASSEN VON SAN ILDEFONSO IM TALE DES RIO GRANDE“.
für diese vornehme bildunterschrift in einem ADAC-die-fünf-kontinente-buch zeichnet ein gewisser ulrich gohl, und sie fällt mir heute beim reifenwechseln auf der straße wieder ein, während mir fladenbrote durch die nase zischen. er hatte damals anderthalb stunden an diesem ding herumgefeilt, und war, wie ich bis heute finde, zurecht sehr stolz auf das ergebnis gewesen.
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bei VL (vorne links) kommt mir in den sinn: schötensack hat gestern gesagt, „…dann halten wir doch mal den MITTWOCH fest…“.
am nächsten mittwoch werde ich ihn fragen, wie man, bitteschön, „einen mittwoch“ festhält?
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habe also heute der familie fünfundzwanzig euros erspart, weil ich die reifenwechslerei selbst vorgenommen habe. und IMMERHIN hat man ja dabei genügend zeit, sich gedanken über die STRASSE an sich zu machen. brav die sommerreifen mit tochters strassenkreide (keine lösemittelhaltigen stifte! lebensgefahr!) markiert: VL, VR, HL, HR, dann in die tüte und ab in den keller. früher hat man ja diagonal gewechselt, hinten links kommt nach vorne rechts, und so weiter. aber der ADAC sagt jetzt, niemals (!) diagonal, sondern nur links und rechts wechseln. also schon wieder eine vorsichtige lebensgefahr? wie, BITTESCHÖN, kann eine lebensgefahr vorsichtig sein?
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morgen dann noch einmal, nach ein paar gefahrenen kilometern, UNBEDINGT den reifendruck überprüfen und, um gottes willen, auch unbedingt die MUTTERN NACHZIEHEN! ich werde also bei muttern, vielleicht am nächsten mittwoch, telefonisch erfragen, ob und wie ich sie „nachziehen“ soll. muttern ist dankbar über jeden anruf.
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die FRAU jedenfalls sagt gestern, sie sei verliebt.
lebensgefahr? wenn man reifen selbst wechselt, dann muß man mütter eben ab und an nachziehen. meinetwegen auch am rio grande.

wieder kastanien-retten…

endlich richtig herbst. nicht so ein afterglow vom sommer, goldener oktober. ist´s doch nur eine erinnerung an den sommer. indianisch, aber die gibt´s ja auch nicht mehr. und alle fotographen rennen hinaus, um gelbe blätter abzulichten. nein, richtig herbst muß es sein. regnen, kalt werden und vor allem ordentlicher wind. es muß das gelbe fotographenblatt einem um die nase fegen, anstatt fotographiert zu werden. blätter kann man nicht aufhalten. der ernst des herbstes eben.
die letzten rest-wespen verkriechen sich unter der motorhaube, weil es da immer noch so schön warm ist. im richtigen herbst tun sie mir leid. letztes jahr hat mich eine gestochen, beim prüfen von öl und wasser. ich habe dann tochter frühmorgens erklären müssen, was gut und was böse ist: öl gut, wasser böse. sie hat´s verstanden, ich nicht. die wespe habe ich dann erschlagen.
meine frau sagt mir eben, wir müssen ´mal reden.

mannheim

im zug heute wieder jede menge schläfer!

variante 1: ich werde diesen anschlag überleben, weil ich nicht den zug um 12.51 uhr, sondern den zug um 10.51 uhr genommen habe.

variante 2: ich werde diesen verheerenden anschlag überleben, weil ich in wagen 1 sitze, dem raucherwagen, der sich heute ausnahmsweise am ende des zuges befindet.

variante 3: ich werde diesen fürchterlichen anschlag nur deshalb überleben, weil ich in wagen 1 (dem raucherwagen) sitze, der sich heute ausnahmsweise an der spitze des zuges befindet.

variante 4: ich werde diesen anschlag, der alles bisher dagewesene an attentaten auf fernzüge in den schatten stellen wird, nicht überleben, weil ich in wagen 1 stehe, dem raucherwagen, der sich heute ausnahmsweise am zugende befindet.

variante 5: ich werde dieses inferno deshalb nicht überleben, weil ich den früheren zug um 10.51 uhr, und nicht, wie geplant, den zug um 12.51 uhr, genommen habe.

variante 6: ich werde diesen bestialischen anschlag einfach deshalb nicht überleben können, weil ich für´s rauchen bestraft werden soll!

der schläfer neben mir bietet mir eine marlboro an. zwei sitze weiter vorne sagt einer zur freundin „…waste heulst, brauchste nich pissen!“. ich schau aus dem fenster und auf der diesellok nebenan steht: „nett hier! aber waren sie schon mal in baden-württemberg?“

„new abstrakt painting“

der schmid (zaungast) holt chips und 5 becks vom kiosk drüben. sie haben nur wein hier. wir stehen auf dem bürgersteig und versperren den ewig pissgelaunten mitte-radlern den gehweg. soll eine was meckern! oder einer.
eine menge bodenpersonal steht herum. inken (lange nicht gesehen) fragt, „…wer denn nun eigentlich von unserer zeit damals es so richtig geschafft hat…?“. bemerke trocken, „der michél“. die pupillen verdrehen sich, hirnpause, und dann ein leiser klick. der michél ist mit dem flugzeug vor vier jahren auf dem weg nach luxemburg abgestürzt. also wen gibt´s noch?
der anselm, der heute hier auch ausstellt. der anselm war von anfang an dabei. der ist auch durch (chapeau!). er kommt aus heilbronn und macht so klebestreifen und folien. fünfstellige preise, schon ein roter punkt dran. hatte schon mal was im monopol, kennt also den illies aus schlitz. nein, sie malt nicht mehr, sagt inken, seit einem jahr habe sie einen sohn.
der zweite der viererausstellung, ein wolfgang, das ist so ein ganz junger, wie mir der vierte, weswegen ich da bin, erklärt. anzug, geföhnte blonde haare und turnschuhe dazu. schwiegersohntyp und durchstarter. er fräst amorphe löcher in holzplatten. er schaut sehr ernst, das muß er auch tun, wenn er in seinem alter amorphe löcher in holzplatten fräst.
und der dritte, der sendlinger, der mit schwarzen koteletten als erster bier (null-fünf) holen läßt, weil es kein bier hier gibt, der sprüht und malt so ein zwei-meter-ding einfach voll, mit kleinen dreiecken und lochblechen, weil so kleine dreiecke und lochbleche gerade absolut unmodern sind. spitze schuhe, und bierchen hat mitgemalt.
der treder, wegen dem ich eigentlich da bin, hat das beste bild da drinnen hängen. ich bin stolz auf ihn. nein, ich bin stolz darauf, dass ich ihn kenne.
beim einschlafen fällt mir dann noch das jüngste interwiew mit herrn rauch ein, in dem er einfach mal so behauptet, dass es leichter sei, ein abstraktes bild zu malen als ein figürliches. irgendwie hat er da vielleicht doch recht…