schimanski

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Eine Baustelle, zweieinhalb kleine Tage lang. Untersuchung und baugeschichtliche Klärung des überlieferten Bestandes. Hier: Treffer von 1943, Brandbomben, Brand, verschont EG und 1. OG, darüber eines der letzten „Notdächer“ unmittelbar nach 1945, die es in der Stadt noch gibt. Im Hinterhaus – wundersam und kaum zu glauben – Bohlenwände und Fachwerk vor 1500, auch Fragmente von Wandmalereien („Ecce Agnus Dei“) im kleinen ehem. Lichthof erhalten. Fundstücke: 2 Flaschen im Notdach, Limonade, Aufdruck „mit Fruchtsaft und Zucker“, Emailleschild Zahnarzt (vor 1943), im Lichthof Damen-Geldbörse mit SFR 2,30, entwertetem Zugbillet und Werbung für ungiftige Wimperntusche etc., wahrscheinlich späte 1960er Jahre (…) /das alles als privatprosaischer Übersprung, fast ohnmächtig (edit: einigermaßen sprachlos und zornig), angesichts der Tatsache, dass und wie sich ein alter verkrusteter Mann in illustrer Runde freut, dass „an seinem 69. Geburtstag 69 Afghanen abgeschoben wurden“, obgleich „er das so nicht bestellt habe“. /aus den Öffnungen der Sondierungen im Bereich OG und Notdach überraschenderweise immer noch Brandgeruch, kalter Rauch, also derjenige von 1943; Nutzung heute als Discotheque und Tanzlokal. (PS.: Das Foto mag ich.)

4 Gedanken zu „schimanski“

  1. Oh ja, ein großartiges Foto. Und eine sehr schöne Geschichte. Dass das Haus den Brandgeruch behält. Und das interessante Dach, das rechts so hoch geht, als müsse es etwas Platz machen, für die Fenster, die an dieser Seite enger stehen. Dürfen Sie Fundsachen mitnehmen (Zahnarztschild!) oder gehören die zum Denkmal?

    1. Das Dach ist ja eher „gebastelt“ und die Neigung dem Ablauf des Regenwassers geschuldet. Und ich bin der Meinung, Fundstücke gehören grundsätzlich zum Denkmal. Oft fragt man sich aber: Wen interessiert’s. Es kommt immer auf den Besitzer an bzw. die künftige Nutzung. Manche Privatbesitzer haben großes Interesse an solchen Sachen, Herzblut. Andere lächeln und ihre Sinne sind anders gelagert. Ihr gutes Recht. Man kann nicht alles bewahren, Asche und Staub. Von daher ist’s von Fall zu Fall neu. Die Limonadeflaschen habe ich mitgenommen, bevor sie im Altglas landen, so meine Ahnung. Ebenso die kleine Geldbörse. Das emaillierte Arztschild ist auf Fotos der strassenseitigen Fassade vor der Zerstörung zu sehen und gehört daher unbedingt nach meiner Auffassung zum Haus. Sollte es irgendwann jemand dann doch wegwerfen, dann ist das eben so. Unendliche Zufälle, ohnehin. Ich versuche ausserdem schon seit längerem, nicht mehr so viel zu sammeln ;-)

  2. Als ich diesen bösartigen Kerl abends im O-Ton im Radio hörte, habe ich ihn verflucht. Soll man nicht machen, ich weiß, aber es ist mir spontan rausgerutscht.

    Schon vor seinem Geburtstag überlegte ich, ob ich ihm tatsächlich mal schreibe, dass ich es widerwärtig finde, wie er sein Amt missbraucht, um indirekt für die CSU Wahlkampf zu betreiben, und ihm bei der Gelegenheit Anstand, Vernunft, Augenmaß und Empathie zum Geburtstag wünsche – schließlich hat er das ja alles noch nicht. Krankheitsbedingt kam ich noch nicht dazu, aber man kann ja auch noch nachträglich gratulieren.

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