oval

die amseln pfeifen immer noch in der spätdämmerung, während ich hier sitze und notiere, der große knall mit gewitter blieb aus, ein paar tropfen, na gut. blaues licht von draussen, türe auf, die mücken kommen jetzt langsam rein, ich lass sie, denn sie spinnen und das ganze andere, was hier rumkreucht, brauchen ja auch futter. was sollen die spinnen sagen über die meldungen übers insektensterben. an der türe hat sich eine spinne ein sandhäufchen gebaut, ameisen krabbeln hoch und rutschen dann ins spinnenloch, hiessen die nicht irgendwas mit ‚wolf‘? ich habs einmal weggemacht morgens, abends wars wieder da. das fanggebilde. schon vor sechs wochen. nun lass ich sie halt machen.

gestern den rasen, besser nun „die wiese“ das erste mal mit dem elektro gemäht. salman meinte schon, afghanisch sensenerfahren, das ginge langsam gar nicht mehr mit so einem kurzhaarschneider. zuvor aber waren viel zu viele wunderbare pflanzen am tun und blühen und sich anstrengen. einen richtige wiese wars, mit allerlei seltenem mittenmang. lebensraum. „waldbaden“ sagen sie ja jetzt zum laufen durch den wald und das aufsaugen von dem, was der wald sagt. oder meint. therapeutisch seis. na, dann hatte ich wohl genug therapie in meiner jugend. im wald ist es einfach immer schön und aufregend. in einer wiese auch. finde ich immer noch. schult alles mögliche an wahrnehmungen. oder dann an herleitungen. und zuletzt an vorstellungen von einordnungen. vor und zurück, und dann vor.

sonnenbeschienene fleckchen, moos, landschaft, ecken und stille plätze, schäferstündchen. wiesenbaden.

adoleszente blindschleichen, die sich ein bisschen fürchten vor einem. ab und an ein frosch. im wald rennen, denken, trauern, schöpfen. vor allem aber lieben.

ideen.

wieviele ideen mir schon alleine im wald gekommen sind. beim gehen oder rennen. und auf hochsitzen, beim pausieren. beim pläneschmieden oder wiederfinden. oder geschichten zu kleidungsstücken, die ich dort fand. söckchen, hemden, hemdchen, frivole kleine unterhosen.

einmal mit der kirschkern, da war sie fünf, einen schatz vergraben, am ukleisee (toteisbecken). an einer buche. ich würde sie nicht wiederfinden, die buche. gut so.

heut südlich von balingen gewesen, südwestlich. ein barocker kleiner pavillion im garten eines renaissanceschlösschens, mit wassergraben. im pavillion niederländische fliesen, kacheln, fayence. das ganze ding voll davon. gepflegter garten, springbrünnelchen, deren betreiber nicht zu hohe wasserkosten beklagen offenbar. die kacheln teils desolat, durch statische probleme locker und verworfen. behutsames abnehmen und lösen, die kanten bereinigen, abwaschen, sodann wieder applizieren. stets mit kalkbasierten materialien. mal fett, mal dünn. immer alles schön nass. damit sich die dinge langsam biegen und setzen. und nicht zu schnell ihren neuen gegebenheiten erliegen.

unterbauten herstellen – man ist dann immer auch mal ‚Maurer‘ sozusagen – und dann alles geradebiegen und die fugen schön. heute nacht soll alles trocknen, oder zumindest „anziehen“, so dass morgen die letzte oberfläche gestaltet werden kann. geglättet. heute hinterfüllt, hinterspritzt mit spritze. und sanftem sämigen material. um von hinten stabilität zu schaffen. kleinteilig oft. hat man ja gelernt.

„Ich könnt‘ das nie!“ sagen die wohlwollenden besucher des unterstützerkreises PAVILLION. sinngemäß. „So viel Geduld braucht man da!“. wie oft hab ich das schon gehört. und immer freundlich. auch immer freundlich dann die antwort: „Na, deshalb sind wir ja da.“ auch heute.

in der nähe vom pavillion ein freibad mit kreischenden besuchern den ganzen tag. da ich kein freibadliebhaber bin, nie war, machts mir nichts aus. abends heute merk ich meine knie. den ganzen tag auf knien. obwohl die ja noch ok sind. aber heute abend muss ich füsse strecken. und zehen spielen lassen. morgen gehts weiter.

allerlei neuigkeiten im privaten. und Bahram braucht noch einen ausbildungsplatz. oder eine zusage, dass er die schule weitermachen kann. alles in den nächsten 4 wochen. im november habe ich eine ausstellung in großen räumen und ich weiss noch nicht, ob ich großformate oder kleine werke zeige. ich hätte große lust auf grossformate. aber die gibts neu noch nicht. dazu: ich habe die alte dame in einem pflegeheim angemeldet. nach monatelangem verschieben. herz so schwer, dass ich es kaum tragen kann. wieso wird ausgerechnet MIR diese entscheidung zugemutet? wieso kommen nicht tod oder leben vorbei von alleine? wie sonst ja auch.

na, egal. ist eben so.

zeit, in den wald zu gehen und schäferstündchen. und wie gerne würde ich wieder anonym schreiben. aber alles ist eine große aufgabe, die sich zu verschmelzen im walde und auf heide lohnt. muss wohl. neben dem plätschern der quelle aus erinnerung, lenden, krimskrams, arbeit, geld und vorstellung von idee. mit farbe und material. so werd ich das schon hinkriegen. wir hier alle. das weitere jahr wird voll werden. immer an der wand lang.

in meiner vorstellung ein großes warmes orangenes irgendwie sinnliches OVAL, händisch gewollt unvollkommen, mit wässrigem bindemittel auf mit erwärmtem knochenleim stabilisiertem baumwollstoff-NATUR im quadrat 140×140, darüber allerlei ölige subjektive zitterlinien mit fettem breitpinsel (links schwarz, rechts weiss, dazwischen ocker, beispielsweise). als anfang, wenigstens. anfang von monumental, drunter könnte kontrolliert stehen „fresse“ oder „Wald“. oder nichts. monumental hat mich nie wirklich interessiert, Sinn im Bildwerk dagegen immer.

so gehts mir gerade. und morgen noch die barocken goldleisten einfummeln. retuschieren. danach auf sonnigen lichtungen irgendwo, im moos den bauch und alles in die halbsonne und dann würstchen grillen am waldrand, nichthalal und halal. immerhin ist ja ramasan jetzt und senf passt immer.

grosses Wort: SENF.

4 Gedanken zu „oval“

  1. „und wie gerne würde ich wieder anonym schreiben.“ Kenne ich. Und könnnte man ja auch. Aber dann müsste man ja wieder neu anfangen irgendwo.
    Herzlicher Gruss vom See an den Wald!

    1. Vielleicht ists ja auch eine Herausforderung. Und daher genau richtig. Man muss verpacken, Bilder finden und einen geraden Rücken haben. Grüße vom Wald an den See!

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