Obstmarkt in Bozen

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(…#1)

Dann kriegen die schon irgendwann raus, was wahrer Efeu ist, jeder zahlt selber.

Frage: „Warum zahlt jeder selber?“

Antwort: „Das hat zunächst einen privatbefindlichen Neuköllner Hintergrund, teils prekär in der Grundaussage, sodann transformiert nach Metaliebling und angesichts der derzeitigen Sachen für mich nicht stirnfaltenarm aktualisiert. Im Ursprung allerdings sehr banal und weltlich, da ich unter einer solchen Prämisse „neuköllnisch“ meinen vorletzten rundlichen Geburtstag in der Eckkneipe unter einer Wohnung Ecke Braunschweiger/Karl-Marx feierte und diesbezüglichst kiezgemäß einlud. Futschi kostete gerade noch um die 1 Mark, Kirschkern war frisch gewickelt. (NATÜRLICH habe ich am Ende des Abends die ganze Gratulationsrunde eingeladen, aber selbstverständlich!)

/Später und kurz seinerzeit bat ich eine iranische Kinderladen-Mitmutter, mir diverse kulturwestliche Slogans (zum Bsp. auch „lieber Maler male mir“, „Generation Golf“, „Geiz ist geil!“ und eben auch „Jeder zahlt selber“ u.v.m.) handschriftlich ins Persische zu setzen. Diese Vorlagen übertrug ich ans Papier oder Holz in Cadmiumrot-Orange im Aquarell (oder Öl) auf charmantem Format. Es gibt ja viele Fahnen derzeit, eine wahre Renaissance, oft schwarz, in ähnlichem Schriftbild, diese wirken aktuell meist eher grundsätzlich zunächst semibedrohlich, was eigentlich schade ist. Jenes nun nehme und nahm ich als Anlass für eine rückgeworfene Koketterie, da mir Schriften ganz basisch gefallen und die Arabischen mithin ganz besonders, jedenfalls noch. Weil ich sie nicht verstehe, sondern sie nur – SAGEN WIR – erfühlen kann, am besten meistens am Abend eher und mit dem großen Herzen und Wurf.

Ich würde ja gerne ein solches Schriftbild auch einmal wieder positiv besetzen. Auch, weil ich an die Macht, die Wahrheit und den Trug von Bildern glaube, wenn man sie denn richtig liest. Von deren Freiheit ich selbstverständlich natürlich grundüberzeugt bin, mittlerweile sogar wehrhaft aggressionsethnologisch, und an Auratik bzw. deren übertragener Verständnisse keine Zweifel mehr verhege, nach gottermöglichten Lenzen des Sehens, Denkens, Hassens und Liebens. Und gleichermaßen, ebenso, von geburtsgegebener Ratio überzeugt bin, welche vorhandene oder gedachte Bilder menschlicherseits menschengedacht zu erklären und zu verharmlosen vermag.

Das alles wollte ich auch schon 2003 ff., da die Flugzeuge in den brennenden Hochhäusern noch präsenter waren, von „Bilderverbot“ kann übrigens also wenig Rede sein bei denen, die jene mit menschlichem Fluch belegen und bestreiten (vgl. hierzu auch Bildgruppe Steinigung/Enthauptung/Massaker etc.), warum auch. Und das ist auch gut so, weil es eben offenbar jetzt so ist, dass es so ist. Und dann ist wenigstens alles schon mal bewiesen für später, dann. Die Kehrseite des Selfie ist und bleibt sein Kopf. Alle Wetter und Kanonen befinden sich im unausweichlichen Postpopregen. Damals bestritten sich ja noch Imperialismus und Faschismus, mittlerweile hat der Faschismus klar gewonnen, immerhin offenbar eine Jugendbewegung.

/Ich hatte zu dieser Zeit dann auch ein paar Abbildungen umstrittener Kopien nordischer Zeichnungen gesehen, ich glaubte, es war auf dem Obstmarkt in Algier, die den meinigen bildnerischen Arbeiten äußerst nachempfunden waren in Tempo, Esprit und Couleur. Plagiate also, dazu unverschämt betitelt („Obstmarkt in Bozen“, „Obstmarkt in Algier“), was mich schon zur Genüge empörte. Einfach nur so blickte ich auf diese Obstmärkte, wie sie dort hingen, dazu zum halben Preis geboten, zur Betrachtung der cadmiumorangenen Orangen, und fotografierte. Ich zuzelte aus unbelehrbarem Reflex, wie es ja so schön ist, dieses an Brüsten und Spitzchen zu tun. Um zu erfahren NUR, wie es sich anfühlt, wenn soetwas, nämlich ein Bild, eine solch furchterregende Ohnmacht erhalten mag im Vakuum des Intellektes fehlender Grundbildung angesichts von Gestaden höherer Missdeutungshoheiten.

/Drehte mich also um, auf dem Weg über den Fluss, ich blickte zurück, obwohl es mir verboten worden war, um die Gründe dieser Bildrelevanzen zu ergründen, zu verstehen gar, sollten sie sich manifestieren. ./. Sie haben sich mittlerweile manifestiert, wir befinden uns im WK III und ich bin Stein. /Darum also „zahlt jeder selber“. Wollten Sie DAS jetzt wirklich wissen?“

arab

(…#2)

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