skrip: /Um fünf nach losfahren, jetzt schon nebel auf landschaft und den rückspiegeln, dunkel und distanziert. Und meinem dämmernden gemüt. Selbst morgens matschäpfeljagen, meinen unbelehrbaren kinderchromosomen geschuldet wahrscheinlich. am boris-palmer-roundabout rechts abbiegen, „roundabout“, das internationalste an dieser überwiegend weltfernen universitätssiedlung. Dann durchs zone-dreißig-strassendorf, immer ein drängelfritze hinter einem, der sich freut, wenns beim vorfahrer blitzt, dann irgendwann endlich die autobahn, rauf auf die. Ein gepfrimel um minuten so früh, ein gedrängele um halbmeter, ein weggeschubse und verachtung, geschuldet wohl der immergleichen verhältnismaschine von erwerb, glück, schicksal und stand. Nach kilometer 28 schon schweiss auf der, meiner, stirn mitsamt dem sog des soges des mitmachens (dann eben ist das so). Des teilens.

Auch ich könnte ja schlecht drauf sein so in der früh, wenn ich mich nicht wehren würde gegen diese große bequeme unwahrheit seit dekaden, und wenn ich einen schlitten mit motor hätte, mit dem ich solche wie mich wegdrängeln könnte morgens um halb sieben, WENN ich denn schlecht drauf wäre, weil ich mein haus unbedingt abbezahlen muss bei guter miene zu meinen ebensolch situationierten kumpeln und rivalen, von denen ich keine mehr habe und auch keine mehr haben will (etc.).

Und eigentlich auch selten welche hatte.

Bei böblingen biegen immerhin ein paar mehr, mehr als ein paar, rechts ab, geben natürlich noch gas auf dem abbieger, hormone zeigen. Die sind dann einfach weg. Gut so. Es folgt die einfädelei auf die A8 in richtung KA, da fliesst das ebensolche adrenalin, denn dort befinden sich diejenigen, die in gleicher lebenssituation schon ein paar aufgeheizte kilometer mehr im stiefel haben. Die haben schon den albrand hinter sich, den eichelberg, wenn und wo sie immer an ihre AICHELN denken und übers abstandbeschneiden juchzen, des gegenfahrers. Ein achseltanz.

Allein die lastwagen, sie sind geduldig, auch wenn nach ein paar wenigen meilen sich alle nach rechts begeben, (da, wo sich die A8 und die A81 wieder scheiden lassen), die schnellsten natürlich noch, nicht ohne überholt zu haben den zweitschnellsten, im abbiegen. Nach rechts. Zweispurig, versteht sich. Alpha ist, wer noch einen audi um vier meter gutmacht. Ich wär so gerne frau auf autobahnen, mit Hänger und blond.

Dann, nach weiteren 3 kilometern, /es sind theaterlängen./. die einfahrt in den tunnel des ENGELberges. Da ist es dann meist zwanzig vor. Alle wissen, alle dulden oder sie rennen. Immergleich, tag für tag: wer ist der erste, der nach links zieht, die anderen ausblinzelnd, um dann mit 50sachen mehr als maschinell gestattet die nase vorn zu haben. Und immer wieder mit PASSION, immer noch, ob des ganzen selbstveranstalteten gerases, die lkw.

Im tunnel krächtzt der verkehrsüberblick. Genau auf den punkt meiner ahnungslosigkeiten, in der kerbe meines vorrausahnenden schicksals. Da steht 80 und alle fahren 120. Hinter dem tunnel schalte ich um auf radioklassik, ich weiss, bis zum SWR2-tagesgespräch muss ich am nächsten kreuz (in der regel) sein, dem kreuz weinsberg. Bei marbach am neckar sinkt bereits die wahrscheinlichkeit meines fahrbahntodes um wahrscheinlich ein vielfaches. Es wird zwar nicht leerer, aber nicht mehr ganz so mittelstandsaggro. Manchmal fehlt mir dann sogar was, denn jetzt erst wäre ich so richtig bereit dafür, wach für diesen kampf.

Wenn die anderen schon am ziel sind.

Seit etwa zwei stunden ich jetzt wach. Ich, normalerweise nachtmensch. Es ist kurz vor sieben.

Die ausgedehnte rechtskurve (tempo 100) nutzen dann erneut viele aus der gepumten golfklasse, um nochmal ihren willen zu bekunden. Ich aber verfolge jetzt dort das SWR2 tagesgespräch, ein müder politikprofi am telefon, am schönsten, wenn rudolf geissler die bohrenden fragen stellt, und freue mich schon auf das wort zum tage, mal katholisch, mal reformiert, wenn und bis ich die landesgrenze passiert haben werde, das aber dauert noch ein weilchen, erstmal muss ich jetzt das ausgedehnt hohenlohische hochebenenland vorbeiziehen lassen. Ich schalte um auf autopilot und geniesse im meta.

*porsche zuffenhausen, *landesgrenze feuchtwangen *auf-wiedersehen-in-baden-württemberg, das wären noch stichwörter – jetzt schon B5-aktuell im radio, aber ich wollte ja noch das wort zum tage abwarten, meist in etwa beim rasthof frankenhöhe mit limit 120, an das, auch hier, hauptsächlich ich mich halte, ein ruhepol sind diese tempobeschränkungen, weniger die anderen, weil irgendwer muss ja immer noch ein wenig schneller fahren, überall.

Wieso hat bayern eigentlich eines der vielfältigsten und hochwertigsten radioprogramme? Wieso gibt es das nicht im badenwürttemberg der jetztzeit? Und wieso gibt es auf SWR2, dem kultur-, gesellschafts- und politikkanal usw. des südwestrundfunks, keine verkehrsnachrichten? Fahren kulturell und politisch interessierte menschen nicht im kfz? Wissen diese nicht, was ein stau ist? Wird davon ausgegangen, dass dieser menschengruppe staus egal sind? Was für ein akademisches menschenbild, im klischee geborgen.

/notiz: Ilshofen-wolpertshausen. Eine schöne gegend. Ich bin nun bereits seit 24 wochen in diesem jahr auf reise. Zwei mal gab es die unterbrechung von einer woche. Einmal ostsee, einmal kirschkern. Montags, abfahrt 6.00 uhr. Ich könnte auch zug fahren, aber das würde mich 3 arbeitsstunden kosten. Oder ich könnte am Sonntag abend anreisen, das würde mich einen heimischen abend und eine übernachtung mehr kosten. Das jahr hat 55 wochen.

Die sonne geht auf jetzt im oktober in MESZ bei schwäbisch-hall. Demnächst dann bei ansbach mit MEZ. Einmal habe ich die A6, offenbar mein schicksalsteer, aus dem flugzeug von berlin nach xxx gesehen. Es war morgens und ergreifend. Von schwabach bis heilbronn eine kleine silberne schlange duch berge und täler mit kleinen lastwagen darauf, einer hinter dem anderen. Ganz hinten, ich befand mich über schwabach in etwa in 10.000m höhe, die lieblich dampfenden kühltürme bei heilbronn. Und irgendwo dort unten musste ilshofen-wolpertshausen liegen und der abzweig A7 nach würzburg oder ulm. Und meine tante in SHA würde wahrscheinlich gerade mit meinem onkel, dem weitgereisten entwicklungshelfer (kenia, sumatra, pakistan etc.) ihren ersten kaffee trinken und danach den alten goldenretriever um die feldecken ausführen zum morgenschnuffel.

Ich bin ein hisschen durch jetzt für dies jahr. Ein hisschen, ein bisschen. Hisse die weisse fahne. Ich mag nicht mehr. Das immer weg-sein, stets planen, weit vorraus, minutiös, wann und wo die kirschkern, die alte dame, arzttermine ebenjener und wann war noch dies und das, die winterreifen, die wäsche, wann muss was trocken sein, der chorausflug, die neuen lehrer der kirschkern, die abrechnungen mit der kirschkernmama und die gartenschläuche und die äpfel. Und die atelierarbeit.

Vorvorgestern habe ich schnupfen bekommen, selten ist sowas, geht ja auch gar nicht, ich bin doch selbstständig, ich begab mich nach hause gegen 18.00 uhr, gegen 18.40 uhr begann ich zu niesen und zwei stunden später, nach unaufhaltsam zunehmender nieserei, stellte ich fest, ich bin erkältet und zwar: schnupfen. Eine wunderbar klare sache. Das hatte ich so noch nie.

Erlebt. Taschentücher waren auch keine da.

[Natürlich dachte ich umgehend an ebola. Und daran, wie eine weltbildbelehrende falschmeldung nun lauten könnte, nämlich „EBOLA befällt jetzt ausschließlich nur noch saublöde nahmittelost-terroristen und ihre saublöden schwarzen witwen“. Aber auch das ist ja so eine sache, die sache mit den brechungen und der ironie. Das Ding mit dem gut und dem böse. Ich verweigere mich nun künftig informationen des grauens. Sagte ja schon, ich bin durch für dies jahr. Ich würde mich jetzt gerne vollständig zur ruhe setzen, die speicher prall gefüllt. Und endlich Ruhe, Liebe, Glaube und Hoffnung.]

Beim reinfahren nach N, so gegen zwanzig vor neun, klingele ich dann noch telephonisch bei der alten dame hindurch, die sich im gesteigerten angstmodus befindet, grundsätzlich seit einigen jahren und seit 6.00 uhr im SPEZIELL (das alter, das hohe), und teile mit, dass „ich gerade wohlbehalten nach N einfahre.“ Einfach, damit sie nicht hinfällt vor aufregung. Zu diesem zeitpunkt habe ich bereits einen vollen arbeitstag hinter mir, gefühlt, ginge es nach meinen körperlichen paradigmen. Normalerweise würde ich dann erstmal einen kaffee trinken, gott für unversehrtheit danken und schlafen gehen, ob all der vielfachen reize.

Kaum geparkt vor der kirche empfängt mich jedoch ein zurecht arbeitsorientierter kollege, frisch und voller tatendrang, der dann freundlich sagt: „Guten morgen! Gute fahrt gehabt? Schön, also komm, dann legen wir jetzt mal ordentlich los.“

Das ganze dann bis, natürlich, 18.00 uhr.

Der Schnupfen ist weg.

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