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(Gruselheimer2, vorher vs. nachher)

Hypothetische Rekonstruktion unter Einbeziehung der (bis dato miserablen) optischen Gesamtsituation, den Wünschen der Kirchengemeinde daher mit Verständnis zugeneigt, ebenso einer reversiblen Technologie (Buntstifte, wegradierbar, reversibel also, jederzeit.), dazu den 6,50 Metern Betrachtungshöhe und all das unter Wahrung der Charta von Venedig. Der Kollege hat mich den ganzen Tag lang „Guck mal, ein Fälscher, hahaha!“ genannt. Mich schamlos veräppelt, dazu grinsend.

Aber Irgendwer muss es ja machen. Die Drecksarbeit.

Ich finde aber, es ist irgendwie dennoch ganz gut geworden, schwierige Aufgabe immerhin, gleichwohl natürlich supersubjektiv, völlig losgelöst der üblichen Arbeit an Wandmalereien. Angelehnt jedoch stets überall an das Vorgefundene (das „Original“), wie auch das Ursprüngliche, wo es denn noch zu sehen war und erhalten ist, auch im Makrobereich, also im Mikrobereich. Tatsache ist, dass der „Original“-Begriff sich sehr erweitert hat, also auch sämtliche Zutaten über die Jahrhunderte mit einbezieht. Was generell sehr richtig und wichtig ist. Auch wenn damit unbedachte und unreflektierte Schrulligkeiten wie auch nachlässiger Umgang mit der Substanz dann sonderbar wertgeschätzt werden, als Zeitzeugnis.

Das Alles übrigens ursprünglich aus 1583 circa, eine damals sicherlich wunderschöne und sehr gekonnte a-secco Temperamalerei, grob freigelegt um 1953, dabei ist garantiert vieles verlustig gegangen und zu Boden geblättert, und dann noch einmal höchstbedenklich kunststofflich und malerisch ergänzend äußerst wurstig restauriert in 1983. Wurschtig, sehr.

Nun aber sieht man wenigstens wieder was. Seit vergangener Woche. Wenigstens irgendwas. Die Kirchengemeinde wollte endlich mal wieder ein paar Augen erkennen im vormals luftballongleichen Gesichtsbereich von sechs Aposteln im Kartoffelgewand und mit ebensolchen Nasen. Habe dann noch ein paar Münder und Bartansätze verfeinert und behutsam Wangenknochen und Schläfenlinien angedeutet. Tagesform. Ganz wohl ist mir immer noch nicht dabei.

Aber Spaß hat das schon gemacht, ich gestehe. Auch im übertragenen Sinne. Ich wurde sogar immer lockerer. Hätte noch 24 weitere Apostel oder sonstwas stricheln können. Gerne auch irgendwelche barocken oder gotischen Frauen im Krieg und Frieden. Oder Gewehre und irgendwelche Waffen mit Frauen und Männern und Flugzeugen und Helikoptern.

Man muss eben auch mal Stellung beziehen, wie im richtigen Leben.

Gegen diese momentane Ohnmacht angesichts der Weltgeschehnisse, speziell der Weltgeschehnisse an der südtürkischen Grenze jetzt gerade in Echtzeit. Aber auch vor allem den Entscheidungsträgern des Gesamtweltgeschehnisses gegenüber, jenseits von Nobelpreisen. Die Genfer Konventionen sind eine ähnliche Errungenschaft wie die Charta von Venedig.

Ich sollte unbedingt wieder öfter Realzeichnen, das macht gute Laune.

7 Gedanken zu „gruselheimer2“

    1. In der Tat, das ist ein Ding! So ungefähr sahen die Köpfe vorher aus. Gottseidank bin ich kein Rentner. Und gottseidank ist eine Restauration ein Lokal und keine Gaststättierung : )

  1. Das passt ja ausgezeichnet, Herr Schneck! Gestern saßen wir nämlich in der schöngetäfelten alten Gaststube des Bauernhofmuseums zu Illerbeuren. Auf der Holztäfelung Heilige im Großformat, einer neben dem anderen. Davon ausgehend eine Unterhaltung über Innendekoration und was man sich für das bergnahe Traumhäuslein vorstellen könnte.

    Sie: „… aber wir haben ja gar keine Heiligen, und – also ich könnte das nicht malen.“
    Ich so: „A was, da holet mir den Schneck!“
    Sie so: „?“
    Ich: “ Ha do ruf i an und sag: Schneck, wie wär’s, mir bräuchtet stücker 10 Hoilige für übers Eckbänkle!“

    :-)

      1. Super. Bet‘ ich erst noch zur Hl. Cäcilie um Eingebung und zum Hl. Bartholomäus mit dem Geldsack. Wir melden uns dann im Namen des Hl. Thomas mit dem Posthörnchen!

        *) Attributzuordnungen entsprechen nicht unbedingt der ikonographischen Tradition. Soviel Kunschtfreiheit muss sein dürfen.

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