Fr.O.!



(Frühlingslied)

Morgens Eier versteckt, nach der Kirch alle zugeschneit, na prima. Kirschkern will zwar suchen, aber „He, alleine ist langweilig!“ So such ich also meine selber versteckten Eier, auch prima. Gar nicht so einfach, wissen und suchen. Es ist kälter als an Weihnachten. Meint auch Malermeister Konrad mit der dicken Brille, der zweite Bass, beim Einsingen vom Kirchenchor in der Osterkirche. „Und jetzt klopfen wir alle mal unser Brustbein wach und strecken die Zunge raus, egal, wenn das bisschen doof aussieht, haha!“ Der neue junge Chorleiter, zudem dialektfrei, macht das ganz richtig. Gestandene Männer und Frauen (den Frauen fällt es leichter) stehen dann laut aufseuftzend im Kreise, rudern wild mit den Armen und brabbeln „lalalalala….“ oder lecken sich demonstrativ die Lippen zur Entspannung des Kehlkopfes. Das ist immer sehr lustig. Wir singen müde, aber schön und später hat mir der Osterhase die Neue von David Bowie geschenkt. Ich freu mich drauf.

PS: Osterkuchen á la Kirschkern: Eigentlich Rezept für Muffins, aber hat gestern auch als Gugelhupf geklappt, 4 Eier, 250gr Mandeln, 250gr Zucker, 30gr Mehl, 100gr angeweichte Butter – alles per Hand ineinander vertüdeln, 160° Ober-/Unterhitze, ca. 50min, fertig. Abkühlen lassen, raus aus der Form, danach noch Kuvertüreschoko im Wasserbad erwärmen, drüberdaddeln. Schmeckt ganz hervorragend.

Und Ulrich Roski, jetzt auch schon 10 Jahre nicht mehr unter uns, kann ich immer noch auswendig rezitieren, vor allem in harschen Extremsituationen.

karfreitag tanzverbot

getsemane

„6.4.2012, vor-/vor-gestern, ich sprach mit ihm über seine zeit in italien, zunächst florenz, dann rom. In florenz fing er an mit diesen arbeiten. Es ist also kein siebdruck, nein, er meinte, das sei etwas ganz besonderes, nämlich im grunde der anfang dieser art von arbeiten. Es sei autolack, gesprüht mit selbstgeschnittenen schablonen damals, rauh, eckig, kantig. Er wollte der totgesagten malerei etwas neues abgewinnen, etwas, das anders sei, gleichwohl ein stück weit gemalt, wenigstens malerisch, immerhin war ja gerade erst die pop-art gewesen und alles sowieso hinterfragt [Der Lüp. hingegen scherte sich nicht darum, der malte mit pinsel und alles andere habe ihn nicht interessiert]. Es sei die erste arbeit in dieser art, etwas später dann habe er für jahre die farbe ganz weggelassen und sich nur noch am farbigen grau bedient. /und wieder erinnere ich mich an die zeit als Assistent in seinem atelier, das studium soeben beendet, grundgoldene grundlegende grundzeiten standen (…)“

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gedzehmaneé
gezehmane
gezemaneh
gethsemane

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karfreitag Tanzverbot.

SW und Langsamkeit, zyklisch wiedergefunden, oder eben antizyklisch, ganz egal. Die kinder sind jetzt bis 12 wach, nicht mehr nur bis 9. Vielleicht einmal wieder nur noch fotographieren, am besten die nachbarn, angezogen oder nackt wenn sie wollen oder portrait vor dem einst aufgefundenen in grisaille gemalten photographenhintergrund mit mäuerchen und pflänzchen von vor knapp 1900. Und landschaft, gegend, beet, bett, garage oder haus, balkon. Den kosmos im briefkasten, bad oder am geländer, das mag ich sehr. Das reicht ja wirklich, man muss nicht immer neue materialschlachten veranstalten, immer noch. Männlich vielleicht, gewünscht, aber nicht zwingend weise in der sache. die eigenen werke und phrasen – das Selbst – prüfend ablichten und jene belichtungen abermals übermalen mit öl oder anderem, daran herumschleifen, verunklären, klären und so immer weiter, vielleicht auch zwei jahre lang vergraben im garten wie edvard munch, danach wieder ausbuddeln, in kleinen schritten vorwärts, endlos zitierend, bis man es selber nicht mehr sehen kann und man hauchdünn verdünnung verschüttet, um betroffen und glücklich nur noch zu beobachten eine klitzekleine pause lang. Eine art archiv schaffen, welches sich selbst endlich bestätigt. Zu sehen, vorzuführen, belegbar, sichtbar.

(doch-)zuvor Tanz.

„da reden alle rum und machen und tun und verweisen auf ihre pekuniär organigrammatische daseinsberechtigung in wichtigkeit, spezialisten mit schicken schuhn gewixt und nicht weniger schicker oberbekleidung, angereist und wieder abreisend, auch so geht ein bezahlter arbeitstag dahin – denkt man sich freiberuflich, und ja, die kleinen historischen farbspritzer (ca. 1952, oder war’s 1954?) am sockel, die sollte man vielleicht doch besser belassen, es sind ja alles ZEUGNISSE, die könnte man aber vielleicht ja DOCH mit aceton („haben sie schon mal aceton probiert, das müsste eigentlich gehen, so wie die farbe aussieht, oder nicht?“) abnehmen… und nicht etwa wegschrubben, „wegschrubben, da sagen sie ja was, haha, gott bewahr, wegschrubben!“, sondern eher vorsichtig ABNEHMEN mit pinzette und wattebäuschelchen, aber ob das der zeitrahmen, hmm, hergibt? (könnten sie nicht mit ihrem stundensatz ein wenig runtergehen?) na, wahrscheinlich eher nicht, aber „sie wissen ja, was ich meine, nicht…“ und die feinen risse an der zugesetzten lüsteröffnung, da könnte man doch vielleicht eine kleine kunststofffolie, ein „fölchen“ vielleicht (haben sie sowas da?) an den rändern platzieren, „das wär‘ doch eine möglichkeit, nicht?“, um nach dem verkitten diese wieder herauszuziehen, damit ästhetisch der RISS, ein haarriss, der ja – „das wissen wir alle!“ – ohnehin wiederkommt, holz ARBEITET eben, aber um damit dem riss seine reisskante vorzugeben und auch „ästhetisch“? (sie machen das jetzt so, ich muss zurück ins amt.)“

ja. ästhetisch.

Dem kirschkern muss ich immer noch den unterschied zwischen käfer und ente erklären, es geht ja auch nicht um einen alten mann mit grauem bart oder die handschaltung 4-gang, sondern um mehr. Sowieso ohnehin, „Hilf helmut beim finden von freunden!“ – warum auch nicht. Es sollte schließlich alles so aussehen, wie eine gepflegte antiquität, warum auch nicht.

„Aber das wussten wir ja alles schon“

atelier

Foto: Atelier-Sued mit Serie „Aber das wussten wir ja alles schon“, rechts klassische Moderne (Aquarell, 1953) /600h sind zugesagt. Der Lieblingskollege. In der Lieblingskirche! /“Andere streuen ihren Samen in die Welt, ich meine Mützen. Suche aktuell 3 Mützen.“ /Nachbar erzählt Witz: Treffen sich zwei Priester, sagt der eine zum anderen „Meinst Du, wir werden das Ende des Zölibats noch erleben?“, sagt der andere „Nein, wir wohl nicht, aber unsere Kinder“. /Die Sonne scheint, der Garten lockt, aber das wussten wir ja alles schon.

müssen/riechen

„Komm erzähl mir was, plauder auf mich ein…“ – Ganz schnell rüber zur Abstraktion. Haare auf Nase, Härchen. Rauchen, rennen, riechen.

Der neue Katalog von Engelbert & Strauss ist eingetroffen. Das ist Jack Wolfskin für die ganz Harten. Auch von den Farben her. Die Models präsentieren beidgeschlechtlich auf Öltankern oder mit Verdichter. Sehr schön.

Das Wort: „Erzeuger“, oder „Kindsvater“. Kann ich nicht mehr hören. Frauen kriegen die Kinder, ganz selten aber werden diese alleine gemacht. Der Bauch jedoch und das darinnen gehört den Frauen. Das muss/sollte jeder Vater wissen, auch derjenige, der es sein will. Es gibt da keine Verträge oder Schwüre. Männer können weggehen, und oft sind sie so blöd, das zu tun. Aber Frauen mit Kind können das auch. Weit weg in andere Städte, andere Länder. Es ist nicht alles so einfach. Und dennoch, viele jener und dieser argumentieren dann allein aus der ureigenen Sicht, Historie und jeweiliger Betroffenheit. Teils überheblich und an den Geschehnissen vorbei. Eigentlich kluge Menschen alles. Argumentationsgrundlinien, black&white, vielleicht, um die eigene Lebensseele zu reinigen oder zu: beruhigen. Die persönliche Geschichte, jedenfalls bei diesem Thema, verhindert ein Meta, was ansonsten höchst vorhanden. Das wundert mich.

Ich werde das ab jetzt ganz blanko auch nur noch so verhandeln. Ein Beschluss. Keine Arbeit mehr diesbezüglich, kein anstrengendes Investment mehr, um das alles, solche Sachen und Geschichten, grundsätzlich nuanciert und ggf. sogar empathiert zu verstehen, um des wenigstens Verstehens willen, oder noch weniger, um des mindestens Nachvollziehenkönnens. Oder anders und ganz knapp: Ich mag mir da viele Beklagungen von – teils selbstgewählter – alleinerziehender Frauen- und Mütterseite einfach nicht mehr anhören. Müssen.

(Frauen müssen also die Kinder kriegen, Männer müssen in den Krieg. Heute erst habe ich aus fast erster Hand erzählt bekommen, dass und wie die syrische Armee alle Jungs über 18, die sich auf die Straße wagen, schnappt und zum Soldaten macht. Dann müssen sie schießen, ob sie wollen oder nicht. Viele verstecken sich.)

getauscht gegen zwei emaille-schilder beim Antiquar Thomas Leon Heck in 72144 Dusslingen dies, No. 51/200, signiert/nummeriert, Siebdruck, 20x20cm von 1968, aus einer anderen zeit mit ein paar fliegenflecken, aber sie gefällt mir, diese unbedingte klarheit, und dann sogar noch in neon und mittig silber:

lenk2


komm, erzähl mirnichts.

Kalkschulter

„Was machst du gerade? Ich bin jetzt auch sehr ichbezogen und schreibe über Nagelpflege. Ich habe heute auf facebook nach meinem Bruder gesucht und ihm eine Freundschaftsanfrage geschickt, obwohl ich ihn dort nicht gefunden habe. Mit Vladimir Kaminer sind irgendwie alle meine Freunde befreundet, ich daher auch jetzt. Ich beobachtete beim Nägelschneiden, wie sich das der Farbe beigemischte Kobaltsikkativ über Tage hinweg in die Oberfläche der Photographie hineinfraß, sich jedenfalls mit jener beschäftigte, mindestens jedoch deren Chemie zum schönen hin veränderte. Man muss die Dinge auch mal sich selber überlassen. Die Abfälle der Maniküre lasse ich stillschweigend im Altpapierbehältnis unter meinem Arbeitstisch verschwinden. Anspitzer könnte ich immer und überall kaufen, egal, wie viele ich schon besitze. Das gleiche ist es mit Radiergummis. Teilen und empfehlen möchte ich eine gestern eröffnete Veranstaltung des Süddeutschen Kunstvereins in Ammerbuch-Reusten. Dort stellen Angelika Zeller und Andreas Exner noch bis zum 15.4. in einem wunderschönen Schweinestall aus. Ein aktuelles Lebensereignis bei Freunden: Ist die Tatsache, dass ich nun weiss, was eine Kalkschulter ist und jene, wie schmerzhaft diese.“