mal was medizinisches

An meine zwei großen Sonnenbrände kann ich mich gut erinnern. Der erste große Sonnenbrand in St. Peter-Ording, da war ich neunzehn. Ich war von Stuttgart aus mit dem Zug nach Brunsbüttel gefahren und mein Plan ging dahin, immer auf dem Deich entlang bis zur dänischen Grenze zu laufen. Das war natürlich ein zwar originelles, jedoch ziemlich langweiliges Unterfangen, so alleine mit Rucksack auf dem Deich und um einen herum nur blöde Schafe, verlassene Schlickbagger und Zielübungen der Bundesluftwaffe. Also ein willkommener Pausentag am Strand, unterkommen konnte ich in der alten kleinen Kate mit Reetdach und mit den Landserheften im Regal überm Bett bei der blinden Tante eines Schulfreundes, der viel später Netzkunst machte. Ich lag also am Strand in der Sonne, der Wind blies, wer kennt das nicht. Endlich braun werden. Bereits zur Tagesschau fing der Schüttelfrost an und dieses Brennen am ganzen Körper. Kein Liegen mehr möglich, Schwindel im Stehen und Übergeben. Nach etwa 8 Stunden konnte ich dann irgendwie einschlafen und schwor mir: Nie wieder!

Der zweite große Sonnenbrand dann, ähnlich im Verlauf, in Mobile, östlich von New Orleans gelegen und Jahre später (Katrina hat dort zwischenzeitlich verwüstet und heute liegt das Öl von BP im Sand). Endlich mal ein bisschen richtig amerikanischbraun werden. Und natürlich Hey, wir sind in den Südstaaten am Beach, wir sind erfolgreich, wir rauchen WINSTON, Bill Clinton ist Präsident und es weht eine schöne Brise, ist das cool? Das IST cool!. Im Motel nach Bud und Burger dann aber keinerlei Love unter dem Deckenventilator (Perspektive), stattdessen die Stecknadeln überall und das aufkommende Fieber, das Sanktpeterordinggefühl, die Hitze, die Erinnerung, das Schwitzen und das nicht Stillliegen können. Eine ungekannte Übelkeit, verbunden mit dem großen Wunsch nach: Scheiße, ich will nach Hause!.

Immerhin ist das mit dem großen Sonnenbrand ja so wie eine richtige Verbrennung, auch medizinisch gesehen, soviel ich weiß, oder?

Nach dem ersten habe ich die blödsinnige Wandertour abgebrochen, bin mit dem Zug von Heide/Nrdfrsld. über Hamburg durch die DDR nach West-Berlin gefahren. Dort war ich dann das erste Mal im Yorckschlösschen mit Live-Jazz, was ich toll fand, denn das ganze Leben stand sperrangelweit offen.

Nach dem zweiten fuhren wir weiter nach Chicago mit dem Zug, von dort nach Seattle und dann nach San Francisco und dem ganzen Kalifornienkram. Zurück in Deutschland war die Beziehung beendet mit einem Sprung aus ihrem Fenster meinerseits.

Der Grund, weshalb mir das gerade heute so vorbeimarschiert, ist dieser (Vorsicht, langsam anklicken): –> x. Und dieser: –> x.

Nicht ich, aber jemand Nahes, der sich sein Leben lang in die Sonne legte und warf, wann immer es nur ging. Und zwar mit Recht. Jemand, der immer schön braun sein wollte und das auch war und der heute operiert wurde. Es gibt natürlich wie immer noch Schlimmeres, aber ich hoffe das Beste, nicht ohne Sorge ohne Grund, Gründchen.

/und wie ich späte bestätigungen so gar nicht mag. diese/jene, zeigefinger.

12 Gedanken zu „mal was medizinisches“

  1. Mein erster höllischer Sonnenbrand entwickelte sich am Sonnenstrand von Varna (Bulgarien). Die Schultern wiesen massiv die „Wasserbeulenpest“ auf, eine fast wie ein Fingerhut, die nächste auch und die nächste und die nächste. Am Ab-Flughafen klopfte mir ein dicklicher Zöllner herzhaft lachend auf den ganzen Rücken. Върни се скоро … Komm bald wieder!

  2. REPLY:
    Oder Ausdrüucksvermögen. :-)

    Ansonsten: Ich mag sie, die Bulgaren. Bin zwei Mal dahin getrampt (inkl. Maiskolbenraubbau zwecks Nahrung) und ein Mal bourgeois geflogen. Das Trampen über 2.500 km war besser. Das erste Mal dachte ich, wir kämen über České Budějovice (Budweis) in Böhmen nie hinaus. :-)

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